Hallo Rainer,
65 Nasen im Unternehmen, Produktionsbetrieb, gerade mal 30
Clients.
Der Grund, warum ich diese „Rundum sorglos“-Pakete von Symantec, TrendMicro, McAffee etc. nicht mag, ist der, dass diese Pakete Sicherheit versprechen, die sie nicht halten können. Zwar erkennen sie einigermassen sicher Viren, deren Signaturen ihnen bekannt sind, sobald sie aber mit heuristischen Methoden unbekannte Dateien als verdächtig erkennen sollen, scheitern sie. Oftmals scheitern sie schon daran, dass der Virus nicht Base64- sondern UUdecoded verschickt wird.
In solchen Paketen wird oft versprochen, sie könnten ausführbare Dateien in Mails isolieren. Was machen die Anwender, wenn sie trotzdem Moorhuhn.exe mailen wollen? Sie benennen sie nach Moorhuhn.ee um. Batsch! Wieder eine Sicherheitslösung auf die Schnauze gefallen. Sie zippen das Huhn. Batsch! Die nächste Lösung fällt auf die Schnauze. Dabei reichen ein paar Zeilen Code und ein dutzend Pattern, um Windows-Executables in Mail mit hoher Sicherheit zu erkennen.
Richtig spassig sind Mails, die von PC des Unternehmens FirmaXYZ gesendet wurden, und den Vermerk enthalten: Network Associates WebShield SMTP V4.5 MR1a on mailgate.FirmaXYZ.de detected virus W32/Mydoom@MM in attachment body.scr from and it was Cleaned and Quarantined.
Schön, dass diese Firma keine Viren verschickt, sondern sie schon am Mailgate abfängt. Blöde Frage: Wie ist der Virus eigentlich vorher am Webshield vorbei in die Firma hineingekommen?
Wenn ich hier im Forum manchmal über Virenscanner schimpfe, meine ich den Reiter und treffe das Ross. Die Scanner an sich sind ja ganz nützliche kleine Haustierchen, jeder sollte so eins haben. Die Werbeversprechen der Sicherheitsfirmen aber, die vollmundig versprechen „Wir sichern Ihr Netzwerk ab!“ sind nichts als heisse Luft, und wer sich auf diese Versprechen verlässt, der ist verlassen.
Andererseits sollte ein Sicherheitskonzept aber immer auch das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen betrachten, und in einem Unternehmen mit 30 Clients kann ein IMSS, ordentlich gewartet, durchaus eine hinreichende Lösung sein. Wenn dein Chef aber so auf Sicherheit bedacht ist, wie du schreibst, ist es vielleicht eine gute Idee, ihm mal ein paar tausend Kröten für ein mehrtägiges Sicherheitsaudit durch eine externe Beraterfirma aus der Nase zu leiern. In vielen Fällen lässt sich nämlich schon mit geringem (teilweise negativen) finanziellen Aufwand ein erhebliches Mehr an Sicherheit erbringen.
Vor allem fallen nach solchen Audits die früher oft geäusserten Bedenken „Ja, eigentlich sollten wir das anders machen, aber dann geht das nicht mehr, und da wird’s unbequem…“ oftmals weg.
Gruss,
Schorsch