Minderwertigkeitskomplexe

Seit Jahren schon schleppe ich Minderwertigkeitskomplexe mit mir herum. Ich habe die starke Vermutung, dies liegt an meiner Kindheit.

Meine ersten beiden Erinnerungen die ich habe, waren als ich 3 und 4 Jahre war. Meine 6 Jahre ältere Schwester hat mich mit 3 Jahren beschimpft, es wäre klar, dass ich auf dem schwarzen Sandberg spielen musste. Meinen 4 jährigen Geburtstag konnte ich kaum erwarten und habe mich riesig auf die Geburtstagskerzen gefreut (an Geschenke habe ich damals nicht gedacht). Mein Bruder hat mir ein Stofftier geschenkt. Ich dachte, es wäre ein Maulwurf gewesen und habe dies laut verkündet. Meine Schwester wusste es besser: Es war ein Igel: „War klar, dass die das nicht erkennt“. So ging das weiter immer mehr immer mehr. Später konnte ich nicht einen Satz sagen, ohne dass sie einen blöden Kommentar vom Stapel lassen musste. Heute hat das Grauen sogar einen Namen: Mobbing.

Anfangs hat mir das noch gar nicht viel ausgemacht. Später erst (mit 8) habe ich gemerkt, dass ich irgendwie anders bin und mich oft zurückhalte. Da wusste ich noch nicht warum.

Meine Mutter, die selbst immer Konflikten aus dem Weg gegangen ist und Streit vermieden hat (nicht weil sie Anst davor hatte, sie fand es nicht richtig), konnte mir in meiner Kindheit nicht beibringen, wie ich mit Konfliktsituationen umgehen muss. Sie sagte immer: „Der Klügere gibt nach“ und „Reden ist silber, Schweigen ist Gold“. Da ich mit 8 Jahren noch nicht wusste, dass sie Unrecht hat und ich lernen musste, mit Konflikten umzugehen und zu streiten, tat ich, was sie mir sagte, denn sie war ja älter und erfahrener, so dachte ich zumindest. Ich wollte es meiner Schwester immer Recht machen und bin ihr „hinterhergerannt“ in der Hoffnung sie liebt mich irgendwann. Das alles war das Falscheste was ich je tun konnte.

Mit 12 wurde mir unweigerlich klar, dass ich etwas an mir ändern musste. Nur leider wusste ich da immer noch nicht was und vor allem wie. Als ich 18 war, ist meine Schwester endlich ausgezogen. Da habe ich gemerkt, wie frei ich mich gefühlt habe! Ich wusste, dass es etwas mit ihr zu tun hat.

Als ich mit 21 den Mann meines Lebens getroffen habe, habe ich durch seine selbstsichere Art viel lernen können. Ich habe festgestellt, was mein Problem ist und habe in den letzten 10 Jahren viel aufholen / nachholen können, was die freie Entwicklung betrifft, die jeder finden MUSS.

Vor Kurzem habe ich noch gedacht, ich hätte meine persönliche Weiterentwicklung fast abgeschlossen. Damals konnte ich meine Meinung nicht sagen, da ich gar nicht wusste, was meine Meinung überhaupt war - ich wusste gar nichts (mehr). Das fing ich an zu ändern, an der mir wichtigsten Person - meinem Mann. Ich habe also angefangen, meinem Mann zu sagen, was mir nicht gefällt. Das gelang immer besser, so habe ich den Kreis erweitert und meinen Freunden sagen können was ich nicht richtig fand. Dann ging es immer näher an den Ursprung - ich sagte meinem Bruder die Meinung als er mir etwas „aufdrücken“ wollte. Zu guter Letzt kann ich meiner Schwester endlich sagen, wenn mir etwas nicht gefällt. So konnte ich mein Selbstvertrauen nach und nach etwas aufbauen.

Mir ist nach wie vor nicht danach, jemanden negativ zu kritisieren (es sei denn er fragt mich) und Streit anzufangen. Das liegt wohl auch nicht in meiner Natur. Aber ich habe ein Problem, wenn meine Familie mir ständig meint, sagen zu müssen, wie ich mich verhalten muss und was ich alles falsch mache. Ich sage es ihnen ja auch nicht, da ich denke, jeder macht seine eigenen Erfahrungen und die möchte ich auch - gefälligst - nicht missen!

Am Wochenende trug es sich nun also zu, dass ich wieder auf meine werte Familie traf und schon hänge ich wieder in den Seilen. Irgenjemand hat mich wieder „bevormunden“ müssen. Heute Nacht konnte ich nicht schlafen, weil ich mich geärgert habe, wie ich und alle anderen wieder in ihre alten Rollen geschlüpft sind.

Ich dachte, ich wäre schon weit gekommen. Anscheinend habe ich mich getäuscht und ich falle bei meiner Familie doch immer wieder in die gewohnten Muster zurück.

Was soll ich tun? Hilft hier ein Psychiater / Psychologe? Wobei kann er / sie mir überhaupt helfen? Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Hallo,

es ist normal (glaube ich), das, wenn die Familie aufeinandertrifft, jeder in seine Rolle zurückfällt. Ich nehme das meistens so hin und versuche erst gar nicht, daran irgendwas zu ändern. Zuhören, nicken, lächeln, nachfragen, recht geben…und danach weiter mein Leben leben. Auf gar keinen Fall auf einen Streit einlassen. Konstruktive Diskussionen - gerne, Streit - nein.

Insgesamt bist du auf einem guten Weg. Mache so weiter und bleibe achtsam, wenn du auf deine Familienmitglieder triffst.

Was ist mit deinem Vater?

LG Ralf E:

Hi,

es ist schön zu hören, dass du es geschafft hast, die Jahre durch zu halten und dich weiter zu entwickeln.

Nur hat es anscheinend deine Familie nicht geschafft und denkt, du bist noch so wie früher und das ist zu bemittleiden(also deine Familie).

Du brauchst keine Hilfe beim Psychater o.ä. sondern eher deine Familie, aber ich denke, dass ist überflüssig.

Viele Menschen in deinem Umfeld wollen dich beeinflussen und dich verändern, da jeder eine Meinung hat, wie man am besten lebt oder wie man sich verhalten soll. Das machen viele Menschen und nicht nur dir ergeht es so.

Willst du wissen, was ich dagegen mache? Ich bin einfach so, wie ich bin und lass die Anderen so sein, wie sie sind. Ärgere dich nicht über die anderen Menschen, sondern sag z.B. deiner Schwester mal die Meinung und wenn sie einfach immer noch so „dumm“ ist, dann musst du entscheiden, ob du mit so einer Schwester noch Kontakt haben willst.

mfg,

Hanzo

Hi

zunächst , oder zuerst 2 Floskeln , die auch einer Boulervard Presse entnommen sein könnten , hier aber den Kern treffen.

zunächst lese ich eine gute entwicklung von dir und sage : weiter so !

das nächste habe ich bei der Ausbildung im bereich Budopädagogig gelernt :
Personen im gesetzteren Alter kann man nicht mehr belehren , also die Eltern wenn Sie mal an die 60 kommen oder noch älter sind .
Wege die vor 50 Jahren richtig waren , sind auch heute richtig.

Du musst lernen diese Generation einfach zu nehmen wie sie ist .
am besten Ja und Amen , umdrehen und vergessen , nicht darüber nachdenken .
Die Feier ist in 2 Stunden vorbei und das Thema ist beendet.
eventuell wäre darüber nach zu denken diese Familienfeiern auf das allernötigste zu reduzieren , wenn man sich nicht versteht .

Es ist zwar oft eine gute Tugend auch zu sagen was man denkt und auch mal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen , bis hier hin und nicht weiter , deine Grenzen enden dort wo meine Freiheit eingeschränkt wird , aber manchmal könnte es auch der bessere Rat sein , einfach mal nichts zu sagen , zumindest in der Situation , wobei ich mit nichts wirklich nichts meine .

Ich zitiere Sinngemäss Whoopy Goldberg :
wenn ich nichts gutes zu sagen habe , sage ich gar nichts .
zumindest bei solchen Familienfeiern könnte man gut tun so zu handeln ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen.

Man wird erwachsener , durchdachter , mache weiter so , schenke diesem blöden Ereigniss weiter keine beachtung .

Toni

OT-Frage beinhaltend
Hallo erstmal,

Meine ersten beiden Erinnerungen die ich habe, waren als ich 3
und 4 Jahre war. Meine 6 Jahre ältere Schwester hat mich mit 3
Jahren beschimpft, es wäre klar, dass ich auf dem schwarzen
Sandberg spielen musste. Meinen 4 jährigen Geburtstag konnte
ich kaum erwarten und habe mich riesig auf die
Geburtstagskerzen gefreut (an Geschenke habe ich damals nicht
gedacht). Mein Bruder hat mir ein Stofftier geschenkt.

Wie kommt das, dass du dich so minütiös erinnern kannst?

An das Alter vor 5 habe ich nur noch einzelne Bruchstücke in der Erinnerung. Als ich erstmals über den Ofen gucken konnte (hey - was für ein Fest!) und als meine große Schwester abends nochmal zu mir reinkam, um mir etwas zu schenken. Ich hatte einen Teddybärenaufkleber am Kinderbettchen. Und meiner Oma steckte ich unbemerkt eine Wäscheklammer an den Rock, und sie lief damit in der Stadt herum. Mehr weiß ich nicht mehr.

Und ich kann jeweils nicht sagen, wie alt ich da gewesen bin.

Ich
dachte, es wäre ein Maulwurf gewesen und habe dies laut
verkündet. Meine Schwester wusste es besser: Es war ein Igel:
„War klar, dass die das nicht erkennt“. So ging das weiter
immer mehr immer mehr. Später konnte ich nicht einen Satz
sagen, ohne dass sie einen blöden Kommentar vom Stapel lassen
musste. Heute hat das Grauen sogar einen Namen: Mobbing.

Nein, das Grauen hat den Namen: Hinter dem jüngsten Kind stehen die älteren soweit zurück, bis sie sich vernachlässigt fühlen.

Die älteren Kinder haben zwei Möglichkeiten, das plötzliche Desinteresse der Eltern zu deuten:

  • es liegt an ihnen, sie sind „falsch“ oder/und
  • das jüngste Kind, um das sich alles dreht, ist „schuld“

Versuche doch bitte einmal, das von der Warte zu sehen.

Vielleicht findest du auch noch die Kraft, deiner Schwester zu verzeihen!

Meine Mutter, die selbst immer Konflikten aus dem Weg gegangen
ist und Streit vermieden hat (nicht weil sie Anst davor hatte,
sie fand es nicht richtig), konnte mir in meiner Kindheit
nicht beibringen, wie ich mit Konfliktsituationen umgehen
muss. Sie sagte immer: „Der Klügere gibt nach“ und „Reden ist
silber, Schweigen ist Gold“.

Deine Mutter ist damit eine weise Frau.

Man darf sich niemals, aber auch wirklich niemals anmerken lassen, dass einen etwas auch nur an der Oberfläche juckt. Das sei allen Mobbingopfern an’s Herz gelegt.

Da ich mit 8 Jahren noch nicht
wusste, dass sie Unrecht hat und ich lernen musste, mit
Konflikten umzugehen und zu streiten, tat ich, was sie mir
sagte, denn sie war ja älter und erfahrener, so dachte ich
zumindest. Ich wollte es meiner Schwester immer Recht machen
und bin ihr „hinterhergerannt“ in der Hoffnung sie liebt mich
irgendwann. Das alles war das Falscheste was ich je tun
konnte.

Genau, du bist nicht schuld.

Ich dachte, ich wäre schon weit gekommen. Anscheinend habe ich
mich getäuscht und ich falle bei meiner Familie doch immer
wieder in die gewohnten Muster zurück.

Vielleicht kannst du ihnen verzeihen. Gib dich großherzig und schenke es ihnen.

Sie haben es nicht getan, um dir zu schaden, sondern sie haben es getan, um zu überleben.

Eine Familie in der entfernten Bekanntschaft hat zwei Mädchen. Die jüngere ist wohl körperlich und geistig „behindert“ (Den Begriff find ich scheiße, aber es geht jetzt schneller, das mal so zu nennen).
Es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie die ältere am ausgestreckten Arm verhungert. Die Eltern geben sich nicht mit ihr ab, man sieht die kalte Schulter auch ohne Wärmebildkamera. Weil sich alles, und wirklich alles nur noch um die jüngere Schwester dreht.

Ich mag mir nicht ausmalen, was das für die Ältere (heute ca. 8) mal später bedeuten mag.

Was soll ich tun? Hilft hier ein Psychiater / Psychologe?
Wobei kann er / sie mir überhaupt helfen? Hat jemand ähnliche
Erfahrungen?

Nein.

Schöne Grüße,

To.i

Hallo zusammen,

zunächst einmal vielen Dank für Eure Antworten. Ich denke in jeder steckt ein guter Tipp.

Ich habe, so denke ich, viele Jahre damit verbracht, darüber hinwegzusehen und nichts dazu zu sagen, wenn meine Schwester einen Kommentar von sich gegeben hat. Ich habe mich nie gut dabei gefühlt. Jetzt wo ich es schaffe, jemandem auch mal meine Meinung zu sagen (in höflichem, aber erlichem Ton), geht es mir wesentlich besser. Vor allen Dingen bin ich dann Stolz - hört sich blöd an, ist aber so - dass ich endlich mal was gesagt habe.

Mit dem Verzeihen ist das so eine Sache. Ich weiß, dass meine Mutter es nicht besser wusste. Meine Schwester hat sich in irgendeiner mir unbekannten Situation (vielleicht der üblichen Situation „große Schwester kommt nun alleine klar und braucht die Aufmerksamkeit nicht mehr wie das kleine Kind“) befunden. Das ist mir egal - im Sinne von kann niemand etwas für, war einfach so. Was ich allerdings nicht verzeihen kann, ist wenn meine Schwester mit ihren 25 bis 40 Jahren immer noch blöde Kommentare geben muss, statt sie einfach mal für sich zu behalten. Ich denke, sie merkt das alles nicht. Gut ist, dass sie nun Ihren Mann gefunden hat. Sie ist nun wesentlich ausgeglichener und ich denke er ist ein Menschenkenner. Er sieht, wer wie reagiert und hat ihr vielleicht mal gesagt, dass das so nicht richtig ist. Damals konnte ich meiner Schwester nicht böse sein, sie war ja meine Schwester. Erst später habe ich gemerkt, dass sie aber auch nicht mehr als NUR meine Schwester war. Sie wollte den Kontakt nicht zu mir, dennoch habe ich allen Mut zusammen genommen und bin ihr x-mal entgegengekommen. Heute habe ich das nicht mehr nötig. Ich gehe zu Familienfesten hin, versuche mit ihr irgendwie klar zu kommen und gehe ihr meist aus dem Weg. Das ist für mich der angenehmste Weg. Wenn meine Eltern mal nicht mehr sind, werde ich den Kontakt zu ihr abbrechen (auf Geburtstagen meines Bruders werde ich sie wohl noch sehen).

Mein Vater ist eine Person für sich. Er war tagsüber arbeiten, bekommt von diesen zwischenmenschlichen Dingen nicht viel mit, sagt grundsätzlich immer seine Meinung (daher hat meine Schwester das vielleicht) aber er bleibt realistisch. Er kritisiert dort, wo er es für nötig hält - mehr nicht. Meine Schwester setzt hier erst an.

Vielen Dank noch mal für Eure ehrlichen Antworten. Das macht mir Mut!!!