Hi,
leider bin nicht marxistisch angehaucht, sondern Betriebswirtschaftler und Realist. Insofern kann ich Dir bei einigen Punkten nicht zustimmen bei anderen natürlich schon.
die von Dir angesprochene Kumulation der Versorgungsbezüge
erhöht noch die grandiose Unverhältnismässigkeit gegenüber der
Bevölkerung.
Wobei ich der Ansicht bin, daß die Ungerechtigkeit nicht in der Höhe der einzelnen Bezüge an sich liegt, sondern vielmehr darin, daß die Ansprüche in extrem kurzer Zeit erworben werden und außerdem additiv erworben und nicht verrechnet werden.
Ironisierend müsste ich sagen, man möchte nicht
den Neid in der Bevölkerung wecken, die grösstenteils ihr
Leben lang in Abhängigkeitsverhältnissen arbeiten müssen, weil
ihre Entlohnung so eingerichtet ist, dass sie in dieser
Abhängigkeit verbleiben müssen.
Also diese Zielsetzung der Entlohnung möchte ich mal bestreiten. Daß diese Abhängigkeit in vielen Fällen so ist, ist unbestritten, allerdings gelegentlich, oder vielleicht sogar öfter, ist die strategische Lebensplanung und das Ausgabenverhalten des Einzelnen nicht ganz unerheblich.
Womöglich sollte man sich einmal Gedanken darüber machen,
dass auch andersherum ein Schuh daraus wird. Will sagen: Die
meisten bisherige Entlohnungen entsprechen nicht tatsächlichen
und gerechtfertigten Entlohnungen, sondern stellen ein Mittel
dar, um Arbeitnehmer von Arbeitgebern abhängig zu halten.
Wie soll denn die gerechte Entlohnung aussehen? Etwa so, daß der Unternehmer einen Verdienst von 0 hat, oder etwa so viel wie seine Angestellten? Tatsache ist doch, daß der Unternehmer das Risiko trägt und eine angemessene Verzinsung auf sein Kapital erwarten darf. Ein Arbeitnehmer muß zumindest das erwirtschaften, was er verdient. Daneben müssen aus dem Umsatz noch alle anderen Kosten gedeckt werden. Gleichzeitig muß ein Unternehmen Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden.
Würde man eine gerechtfertigte Entlohnung für seine geleistete
Arbeitskraft erhalten, könnten ja Menschen ja auf die Idee
kommen, nach zehn oder zwanzig Jahren sich bereits aufs
Ruheteil zu verlegen, wodurch dem Staat zum einen Abgaben
entgingen und der Arbeitgeberseite die grosse Auswahl an
Arbeitskräften.
Eine große Verschwörung vermute ich hier eigentlich weniger. Ansonsten verweise ich noch einmal auf die persönliche Lebensplanung. Wenn ich DM 2.000 netto verdiene, darf ich nicht 5 Kinder in die Welt setzen und zusätzlich noch 2 mal im Jahr in Urlaub fahren wollen (um mal ein bißchen zu übertreiben). Hingegen: Wenn man 25 Jahre lang DM 1000 im Monat spart, hat man bei 6% Verzinsung einen Betrag von TDM 700 zusammen. Wenn man überlegt, daß es am Anfang wohl weniger, später aber deutlich mehr sein dürfte, ist es durchaus realistisch, sich mit 45 Jahren zur Ruhe setzen zu können.
Aber wie schon angesprochen, scheint ein solches Bild in
unserer vermeintlichen Demokratie mit ihren
Gleichheitsgrundsätzen nicht für Politiker (und auch
Industrielle) zu gelten. Wer zurücktritt, erhält
Verabschiedungsurkunde, Übergangsgelder und Rentenansprüche
und kann gleich darauf in seiner freien Zeit ein Buch
schreiben und gegen fünfstellige Honorare, wie bei Lafontaine
geschehen, Vorträge halten. Wer hingegen als „normaler“ Mensch
kündigt und/oder arbeitslos ist, muss vorerst auf auf amtliche
Unterstützung verzichten und wird noch scheel angeguckt, weil
der „faule Hund“ nichts für die Gemeinschaft leistet.
Da stimme ich Dir zu. Wenn ein Renter zuviel arbeitet, wird das auch mit seiner Rente verrechnet. So muß das auch bei den Politikern sein. Alles andere ist in der Tat unfair.
Ja, diese grosse, grosse Unverhältnismässigkeit stösst mir
immer wieder auf - und dann ganz besonders, wenn wieder einmal
einen Politiker von demokratischer Grundordnung spricht oder
ein Industrieller über die teuren Löhne und Lohnnebenkosten,
während sie gleichzeitig in einem Jahr mehr verdienen, als ein
normal Arbeitender (brutto) in 20 oder 30 Jahren.
Bei Politikern und Unternehmern wird zusätzlich, neben der fragwürdigen Antibestechungsprämie (bei den Politikern), das Risiko (Herrhausen) und die Verantwortung (Seiters) bezahlt. Die Arbeitszeiten sind in den meisten Fällen ebenfalls deutlich höher, als bei einem „gewöhnlichen" Arbeitnehmer.
Ich möchte anzweifeln, dass Schröder tatsächlich auf diese
Leistungen verzichtet.
Das tut er. Wohlgemerkt: Er hätte jetzt, als amtierender Bundeskanzler, schon Anspruch auf Auszahlung von Ruhegehältern aus seiner vorhergehenden (Un-)Tätigkeit als Landespapa, zusätzlich zu seinen Einkommen als Abgeordneter, Bundesheini usw. Das ist ja der Schwachsinn. Den Rest nimmt er gerne, auf das Ruhegehalt verzichtet er. Im Augenblick. Wenn er dann 2002 nach Hannover zurückgeschickt wird, wird ihm bestimmt die ganze Liste der möglichen Ruhegeldverursachungsposten wieder einfallen.
(*) s. Bücher von Hans Herbert von Arnim: „Der Staat als
Beute“, „Die Partei, der Abgeordnete und das Geld“, „Diener
vieler Herren“, „Vom schönen Schein der Demokratie“ usw.; alle
Knaur-Verlag.
Zum Thema Ruhestand und Mehrfachversorgung: von Arnim: Diener vieler Herren.
Gruß
Christian