Mir fehlt eine Strategie (etwas länger)

Hallo zusammen,
vielleicht jetzt nicht wirklich typisch für das Eltern-Kinder-Brett, da es um eine 18-Jährige geht.
Aber mir fehlt die zündende Idee, wie ich mit folgenden Gegebenheiten umgehen soll.

Also: Meine Tochter ist 18 Jahre alt, besucht die 12. Klasse Oberstufe, nächstes Jahr geht es ans Abi.
Womit ich mich überhaupt nicht abfinden kann, ist das ihre Motivation, etwas für das Abi zu tun, so ziemlich gegen Null geht.

Sie bereitet sich kaum auf Klausuren vor und wenn dann meist viel zu spät, Schule ist eh´ blöd und die normalen häuslichen Verpflichtungen sowieso.

Sie vertritt für sich die Position, das dass, was sie nicht versteht, sie mit Fleiß nicht hinbekommen muss. Trotz Ihrer 18 Jahre keine Ziele, keine Motivation. Lediglich dieses „Null-Lust-auf-Verpflichtungen-etc.“ wie ich es sonst bei 12 - 16 jährigen im Bekanntenkreis beobachte.

Und weil Sie keine Ziele hat, scheint die Sache für Sie klar: Irgendwie die Zeit ´rumbringen. Bloß keine Ziele oder zumindest Visionen entwickeln. Das könnte ja Aktivität nach sich ziehen. Irgendwann wird schon irgendein Ziel meine Tochter finden … Also abwarten. Auf dem letzten Drücker wird schon irgendwas gehen.

War in der mittelfristigen Vergangenheit auch so. Weil letztlich ich und meine Frau für Sie „die Kartoffeln aus dem Feuer geholt haben“. Wahrscheinlich hat sie dies noch so im Hinterkopf und denkt, das gehe so lange weiter, bis Sie weiß, was sie will.

Ich habe hinlänglich versucht, ihr die möglichen Folgen ihrer Haltung zu vermittlen. Meine Versuche sind an Ihr abgeprallt.
Selbskritik geht ihr völlig ab. In ihrer Wahrnehmung findet sich immer jemand, der schlechter klarkommt als sie. Und schliesslich ist sie ja 18 und kann machen was sie will.

Und wir Eltern müssen ihr ja den Unterhalt finanzieren. Okay, vielleicht sind wir mit letzterem etwas zu großzügig, ohne das ich das hier breittrete.

Ich bin an einen Punkt angelangt, wo ich nicht weiß, ob und wie ich das Ruder herumreissen kann. Oder ob das überhaupt Sinn macht.

Ich möchte sie aber auch nicht ins vielzitierte „Messer laufen lassen“.

Lange Vorrede, jetzt meine Bitte:

Vielleicht habt Ihr ja Tipps oder Strategien, wie man damit umgehen soll. Ich habe im Moment keine Idee, wie ich sie dazu motivieren kann, endlich ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Oder liege ich daneben wenn ich denke, Letzeres kann man von einer 18-jährigen erwarten?

Beste Grüße
Jimmy

Also: Meine Tochter ist 18 Jahre alt, besucht die 12. Klasse
Oberstufe, nächstes Jahr geht es ans Abi.
Womit ich mich überhaupt nicht abfinden kann, ist das ihre
Motivation, etwas für das Abi zu tun, so ziemlich gegen Null
geht.

Sie bereitet sich kaum auf Klausuren vor und wenn dann meist
viel zu spät, Schule ist eh´ blöd und die normalen häuslichen
Verpflichtungen sowieso.

Sie vertritt für sich die Position, das dass, was sie nicht
versteht, sie mit Fleiß nicht hinbekommen muss. Trotz Ihrer 18
Jahre keine Ziele, keine Motivation. Lediglich dieses
„Null-Lust-auf-Verpflichtungen-etc.“ wie ich es sonst bei 12 -
16 jährigen im Bekanntenkreis beobachte.

Und weil Sie keine Ziele hat, scheint die Sache für Sie klar:
Irgendwie die Zeit ´rumbringen. Bloß keine Ziele oder
zumindest Visionen entwickeln. Das könnte ja Aktivität nach
sich ziehen. Irgendwann wird schon irgendein Ziel meine
Tochter finden … Also abwarten. Auf dem letzten Drücker wird
schon irgendwas gehen.

Das liest sich so, als beschreibs Du mich und meine Haltung während meiner Abi- Zeit.
Und ob Du es glaubst oder nicht, ich bin eigentlich recht gut damit durchgekommen. Gut, einerseits habe ich anschließend nur eine mittelmäßige Angestelltenlaufbahn eingeschlagen, aber von dem, was ich so mitbekomme, währe ich mit einem Akademiker- Dasein nicht zufriedener, ich hätte höchstens mehr Kohle in der Tasche.
Der Zug ist bei Deiner Tochter bezüglich echter Einflussnahme jenseits etwaiger Straf- und Sanktionsmaßnahmen, abgefahren.

Hallo!
Nur ein paar Ideen von mir:

Wie sind denn ihre Noten? Ist das Abi ernsthaft gefährdet?

Ich wußte mit 18 auch nicht so genau, wo ich hinwollte. Das Abi habe ich mit Minimalaufwand trozdem ganz ordentlich hingekriegt. Es lief so durch.
Und die Geschichte mit dem „Leben in die Hand nehmen“ hätte mich mit 18 auch nicht die Bohne interessiert. Ich war fest davon überzeugt, dass ich das alles mit links schaffe und mir alle Wege offenstehen. Dass das nicht so ist, habe ich dann schon bald selbst herausgefunden.

Auf dem letzten Drücker wird
schon irgendwas gehen.

Hat das bisher immer geklappt? Warum sollte sie dann etwas ändern?

War in der mittelfristigen Vergangenheit auch so. Weil
letztlich ich und meine Frau für Sie „die Kartoffeln aus dem
Feuer geholt haben“. Wahrscheinlich hat sie dies noch so im
Hinterkopf und denkt, das gehe so lange weiter, bis Sie weiß,
was sie will.

Das ist ein wichtiger Punkt, aber den hast Du ja selbst erkannt. Zeige Ihr, dass es nicht immer so sein muss.

Ich habe hinlänglich versucht, ihr die möglichen Folgen ihrer
Haltung zu vermittlen.

Hm, Reden hilft da kaum. Wie wäre es mit einem Ferienjob bei der Müllabfuhr oder als Reinigungskraft für 3,80 Euro die Stunde? So könnte sie vielleicht lernen, was sie nicht möchte. Man könnte sie ja dazu ein wenig nötigen, indem man die Versorgung auf die Basics reduziert, Extras müssen dazuverdient werden. Hast Du ihr schon Einkommen gezeigt verschiedener Berufe (Nein, dass sollte nicht das einzige Auswahlkriterium sein)?

Selbskritik geht ihr völlig ab. In ihrer Wahrnehmung findet
sich immer jemand, der schlechter klarkommt als sie. Und
schliesslich ist sie ja 18 und kann machen was sie will.

Wenn es für Dich nicht so nervenaufreibend wäre, fände ich deine Beschreibung echt lustig. *grins*

Ich bin an einen Punkt angelangt, wo ich nicht weiß, ob und
wie ich das Ruder herumreissen kann. Oder ob das überhaupt
Sinn macht.

Ist ein bißchen spät dafür, aber nicht unmöglich. Für sinnvoll halte ich den Versuch immer. Vergiß nicht, dabei ihr gegenüber ehrlich über Deine Fehler und Versäumnisse zu sprechen.

Ich möchte sie aber auch nicht ins vielzitierte „Messer laufen
lassen“.

Warum nicht? Es muss ja nicht das grosse, ganz gefährliche sein. Ein kleineres würde ja schon reichen, im übertragenen Sinne. Ich glaube, langfristig tätet ihr ihr damit einen Gefallen.

Grüsse
kernig

In eigener Sache
Hallo

Hast Du ihr schon Einkommen gezeigt
verschiedener Berufe

Kennst du da eine schöne übersichtliche Tabelle dazu?

Meine sind noch nicht ganz so weit, könnten sich aber ruhig schon ein paar Gedanken machen. Im Moment finden sie es „viel“, wenn jemand 10,- Euro in der Stunde verdient. -

Viele Grüße
Simsy

Das liest sich so, als beschreibs Du mich und meine Haltung
während meiner Abi- Zeit.
Und ob Du es glaubst oder nicht, ich bin eigentlich recht gut
damit durchgekommen. Gut, einerseits habe ich anschließend nur
eine mittelmäßige Angestelltenlaufbahn eingeschlagen, aber von
dem, was ich so mitbekomme, währe ich mit einem Akademiker-
Dasein nicht zufriedener, ich hätte höchstens mehr Kohle in
der Tasche.
Der Zug ist bei Deiner Tochter bezüglich echter Einflussnahme
jenseits etwaiger Straf- und Sanktionsmaßnahmen, abgefahren.

Und das alles oben liest sich so, als wäre ich in Deutsch ein absoluter Versager gewesen: wäre mit h… ts! :smile:

Wie sind denn ihre Noten? Ist das Abi ernsthaft gefährdet?

Ja, ist es. Wenn ich die beste und die schlechteste Note (bzw. Punkte) herausnehme, war das letzte Zeugniss eine glatte Frace. Ohne hier ins Detail zu gehen …

Auf dem letzten Drücker wird
schon irgendwas gehen.

Hat das bisher immer geklappt? Warum sollte sie dann etwas
ändern?

Nein, hat es nicht. Sonst hätte ich keinen Grund mir Sorgen zu machen.

Ich möchte sie aber auch nicht ins vielzitierte „Messer laufen
lassen“.

Warum nicht? Es muss ja nicht das grosse, ganz gefährliche
sein. Ein kleineres würde ja schon reichen, im übertragenen
Sinne. Ich glaube, langfristig tätet ihr ihr damit einen
Gefallen.

Darüber denke ich mal nach. So nach dem Motto: Ein wenig mit dem Florett pieksen, nicht mit dem Schwert den Kopf abtrennen …

Beste Grüße
Jimmy

Ich habe im Moment keine Idee, wie ich sie dazu

motivieren kann, endlich ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.
Oder liege ich daneben wenn ich denke, Letzeres kann man von
einer 18-jährigen erwarten?

moin,

du hast ja - ohne es breitzutreten - angedeutet, dass sie „gut“ versorgt wird.
da sehe ich die crux, dass das frollein in der vergangenheit gewisse selbstverstaendlichkeiten empfangen hat und wohl nie viel dafuer tun musste- schlichtwweg: sie wurde verwoehnt!

der zug ist nun angefahren!! wenn du diese zuwendungen zurueckschraubst, wird sie ihre energie verschwenden, diese zurueckzugewinnen, anstatt ihre kraft - so wie du es gern haettest - in die schule zu investieren.

vielleicht will sie gar kein abitur machen! warum sollte sie auch? es gibt fabelhafte handwerkliche berufe, in denen man sinnvolles leisten kann und dann als ausgelernter ein vielfaches von dem verdienen kann, was ein sich durchs studium quaelender akademiker nach hause bringt.

setzt euch in ruhe zusammen, erfrage, was sie sich vorstellt.
wenn du glueck hast, dann hat sie einen plan… ich hatte mit 18 keinen, und das war auch gut so!!

gruss
khs

Vielleicht habt Ihr ja Tipps oder Strategien, wie man damit
umgehen soll. Ich habe im Moment keine Idee, wie ich sie dazu
motivieren kann, endlich ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.
Oder liege ich daneben wenn ich denke, Letzeres kann man von
einer 18-jährigen erwarten?

Hallo Jimmy,

keine Ahnung, ob das geht, aber ein Jahr Pause könnte Deiner Tochter gut tun. Vielleicht ist es möglich, dass sie nach der 12ten Klasse ein freiwilliges Jahr machen kann oder jobben geht, mit der Bedingung, dass sie danach das Abitur macht.
Ich kann mir vorstellen, dass ihr bei all der Lernerei die Puste ausgegangen ist, und sie zum einen sich fragt wozu sie den ganzen Zauber lernen soll und zum anderen gerne etwas tun möchte wo unmittelbar ein Erfolg zu sehen ist.
Im Job wird sie feststellen, dass die Leute die interessanteren Aufgaben bekommen, die nachweislich einmal den besagten „Zauber“ gelernt haben, und dass das von A nach B arbeiten mit der Zeit langweilig ist.
Ich kenne Kinder in meinem Umfeld, die waren ein Jahr im Ausland, und haben dann das Abitur gemacht. Das wäre auch noch eine Möglichkeit für eine Auszeit.

Ansonsten würde ich mit ihr Berufspläne schmieden, vielleicht mal die eine oder andere Firma anschauen und Infos sammeln. Mit einem Berufswunsch vor Augen könnte das Erreichen von Abitur und evtl. Studium hinterher verlockender werden. Ich denke gerne an den Spruch von dem Schriftsteller Saint-Exupery
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit zu erleichtern, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer.
mit Grüßen
Reni

Ich muss wohl noch ergänzend erwähnen, das sich meine Tochter den Weg des Abiturs mangels Alternativen (Klingt böse, ist aber so: Darum hat sie sich nie gekümmert …) selbst gewählt hat.

Wen Sie eine Ausbildung im Handwerk machen wollte oder in einem verwaltungsberuf oder, oder oder: Ich würde das unterstützen.

Sie hat allerdings keinen für mich wahrnehmbaren Ehrgeiz, selbständig zu werden, sieht keine Veranlassung, sich mittels Job weniger abhängig zu machen.

Sie sucht nur nach Gründen etwas nicht zu tun, anstatt Gründe zu suchen, etwas zu tun.

Beste Grüße
Jimmy

Hi!
Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich war auch so. Zickig, kein Bock auf Schule, nur Jungs und Disco im Kopf und etwas sagen lassen von den Eltern war auch nicht. Das war so bis ich die erste Lehre geschmissen habe und dann nicht mehr wusste, was ich tun soll.
Dann habe ich die Standpauke meines Lebens von meinem Vater bekommen, der mir ein Horrorszenario meiner Zukunft gemalt hat. Das hat mich dann so schockiert, dass ich noch mal die Schulbank gedrückt habe bis ich neunzehn war.
Wenn dir klar wird, dass du ruckizucki in einer Sackgasse landest und die Perspektiven düster sind, hat das schon eine aufrüttelnde Wirkung.

Ich denke, dass sie noch nicht unbedingt wissen muss (kann?)was sie mal werden will. Das ist natürlich nicht gerade motivierend. Aber je besser der Abschluss, desto größer die Wahlmöglichkeit. Und wenn ihr das nicht einleuchtet: Zwingen kannst du sie nicht mehr. Wenn sie der Meinung ist, sie braucht nicht zu lernen, wird sie dafür möglicherweise irgendwann die Quittung bekommen.
Dann gehört sie eben zu denen, die das Abi später machen, oder erst einige Versuche in unterschiedlichen Berufen startet bis sie weiss, was sie will.
Ist auch kein Beinbruch. Ich glaube dass die wenigsten Menschen in dem Alter wissen, was sie wollen. Beruflich gesehen.

Viel Glück bei deiner Überzeugungsarbeit und Gelassenheit (wenn´s net klappt) wünscht dir

frowerpau

Guten Morgen!

Nein, hat es nicht. Sonst hätte ich keinen Grund mir Sorgen zu
machen.

Hm, dann hätte sie doch etwas daraus lernen müssen? Oder wird dann der Trotz „Ich bin eh ein Versager“ noch größer?
Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass es sehr wichtig ist, dem Kinde irgendwie beizubringen, wie man Aufwand und Ergebnis ins richtige Verhältnis setzt, wie man konkret Einfluß nimmt auf sein Leben. Ich persönlich habe diese Erfahrung bis heute nicht gemacht: Aufwand und Ergebnis verhalten sich völlig unabhängig voneinander, das frustriert auf Dauer sehr. Grossen, ehrlichen Anstrengungen sollten Erfolgserlebnisse folgen, ich tu mich da aber auch schwer, das meinem Kind beizubringen.

Lass sie das Jahr wiederholen, das wäre die logische Konsequenz. Die langen Ferien dazwischen jobben. Manchmal wirkt das Wunder, ist ja ganz schön uncool wenn die Freunde fertig sind mit der Schule und du drehst noch eine Runde. Wenn sie das nicht durchhält und die Schule schmeißt ist das ihre Entscheidung. Sie ist 18, ich nehme mal an, das hast Du schon häufiger versucht ihr klarzumachen: Sie geht nicht dir zuliebe in die Schule, Du würdest ihr ein gute Ausbildung wünschen (weil Du sie gern hast), aber wenn sie sich anders entscheidet, ist das ihre Sache. Irgendwann sollte man 18jährige auch einfach demonstrativ ernstnehmen, auch wenn es nur ist um ihnen zu zeigen, wer verantwortlich ist für ihre Entscheidungen.

Darüber denke ich mal nach. So nach dem Motto: Ein wenig mit
dem Florett pieksen, nicht mit dem Schwert den Kopf abtrennen

Viel Spass beim pieken

kernig