Ich meinte ja eben nicht Bücher speziell auf meine Stadt bezogen, sondern Bücher, in denen die einzelnen ,Gesetze§, Beschlüsse etc. abgedruckt sind, mit Kommentierung, aber mit möglichst wenig Einzelschiksalen…
Sorry, hab mich falsch ausgedruckst…
Felix
Hallo Felix,
versuch es doch mal mit „Judenpolitik im Dritten Reich“ von Uwe D. Adam. Da ist genau aufgelistet, wann welches Gesetz bzw. welche Maßnahme beschlossen wurde und man bekommt einen guten Eindruck, wie die Juden zuerst immer mehr aus dem öffentlichen Leben gedrängt und schließlich völlig entrechtet wurden.
Zahlen sind in dem Buch allerdings, soweit ich mich erinnern kann, keine.
Außerdem ist es sterbenslangweilig. *gähn* Aber du wolltest ja keine Einzelschicksale und ähnliches, was die Recherchen erst richtig interessant macht.
Schöne Grüße
Petra
Guten Abend Felix,
oder lies die Tagebücher von Victor Klemperer.
Gruß - Rolf
Schönen Dank, Rolf,
das ist - mein ich auch - eine gute Quelle, die ein bissel weniger „trocken“ ist als das Archivstudium. Vor allem auch, weil die sukzessiv verhängten Einzelmaßnahmen und Drangsalierereien jeweils im Kontext dessen stehen, der sie erlebt hat. Aber das akribische „Zeugnis ablegen“ gibt den Büchern schon etwas, was jemand, der gerne schnell, flott und prägnant belehrt werden will, wohl als zähe Längen empfindet.
Ohne diese zähen Längen wirds allerdings kaum gehen. Es sei denn, man will die jetzt etwa neunzigjährigen Zeitzeugen aufsuchen: Das ist natürlich super spannend - hast Du zu Deinen Buchauer Zeiten den Siegbert Einstein kennen gelernt?
– Jetzt nicht direkt an Deine Adresse noch so ein Krümelchen am Rand, bloß zur Illustration dafür, daß die Recherche an Ort und Stelle nicht bloß lästige Pflichtübung ist: Die Buchauer Synagoge ist so ein Beispiel für kleine Überraschungen an Ort und Stelle, sie ist 1938 einen Tag später als viele anderen abgebrannt, weil es zuerst ein ausdrückliches Löschverbot gebraucht hat - die Buchauer Freiwillige Feuerwehr war mit dem gelegten Brand und die Buchauer Bürger waren mit dem Ochsenhauser Gesindel am Abend vorher schnell fertig geworden, aber gegen ausdrückliche Anordnung wollte dann doch keiner verstoßen…
Vom Schussenrieder Pfarrer Leube, von den „politischen“ Schussenrieder Patienten aus Südtirol und von dem über einige Strecken eigenartig zynisch anmutenden Rapport des Docteur Poitrot aus Dezember 1945 betreffend Grafeneck und T4 wäre noch eine Menge zu berichten - und sicher auch noch zu recherchieren.
Soviel zur Freude an Heimatkundlichem, vielleicht auch dessen Bedeutung -
Schöne Grüße
MM
Servus Felix,
ein - heute nicht mehr ganz leicht kriegbares - Büchelein kann ich Dir borgen, das sich allerdings mit einem Thema eher am Rand Deiner Arbeit beschäftigt: Friese/Lemme, „Die Deutsche Erbpflege“, Leipzig 1937. Es geht darin um die administrative Umsetzung des „Gesetzes zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes“ vom 18.10.1935 und dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.07.1933 - zu diesem Zeitpunkt waren Eheverbot und Zwangssterilisation noch die einzigen praktizierten Maßnahmen zur „Erhaltung der Rasse“ in Reinzucht. Daß man psychiatrisch Auffällige und andere „lebensunwerte“ Menschen alternativ industriemäßig ermorden kann, wurde erst ein paar Jahre später populär - bevor die dafür zuständigen Spezialisten nach ihrem Pilotprojekt nach Birkenau versetzt wurden, um dort in deutlich größerem Umfang zu wirken.
Wenn Du den Text liest, der präzise so klingt wie irgendeine kommentierte Durchführungsbestimmung zur Verordnung zur Kennzeichnung von nicht durchgehend beleuchteten Parkplätzen oder ein Gemeinsamer Erlass zur Durchführung der Kontrolle des Krümmungskoeffizienten von Einlegegurken oder sonst ein gewissenhaftes Elaborat von einem ministeriellen Kleinstling, schlackerst Du mit den Ohren…
Schöne Grüße
MM
hast Du zu Deinen Buchauer Zeiten den Siegbert Einstein kennen :gelernt?
Hallo Martin,
Mensch, daß Du das noch im Gedächtnis hast!
Ja, ich habe ihn - aber nur kurz - kennengelernt. Die Mädchen hatte ich im Religionsunterricht. Esther und ?
Gruß - Rolf
Einen Überblick mit zahlreichen Originalquellen gibt die „Enzyklopädie des Nationalsozialismus“, die es uch als CD-ROM in der „Digitalen Bibliothek“ gibt. Andere Sammlungen sind „der nationalsozialismus“, hrsg. von Walther Hofer, und eine zweibändige Anthologie bei dtv.
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