Hi Du,
Das tut mir Leid, was Dir und Deiner Freundin passiert ist.
Dein Rat ist ja lieb gemeint, aber gibt ja nicht nur „böse
Menschen“ und ich weiß wirklich nicht ob ich Pfefferspray
mitführen sollte, man macht sich doch damit abhängig, so wie
Du sagst, kannst Du doch schon ohne Spray gar nicht mehr raus
gehen.
Wenn es dazu käme, wäre das natürlich schlimm!
Um das mal klarzustellen: Dahin, wo ich in Dublin lebte, wäre ich nachts nicht gerne alleine zu Fuss zurückgegangen.
Ich bin eigentlich immer Fahrrad gefahren. Aber wenn ich mal aus irgendeinem Grund zu Fuss nach Hause musste, spätnachts, dann war ich immer froh, wenn ich mein ‚Beruhigungmittel‘ dabeihatte.
Ich bin so ziemlich das Gegenteil von dem, wie ich rüberkam. Ich lasse mich in meinem Leben nicht beschränken. Ich bin schon viele Risiken eingegangen, von denen mir viele Leute abgeraten haben oder hätten.
Ich bin viel getrampt, ‚damals‘, als das noch normal war. In Deutschland (NIE OHNE ‚Waffe‘ - das war ne Abmachung zwischen mir und ner Freundin. Ich habe nie etwas anwenden müssen. Aber in ein paar unangenehme Situationen kam ich dennoch. Nur hab ich halt ne recht grosse Klappe, und das ist auch ne gute Waffe).
In Irland - oh, da war trampen ja SOOOO Gang und Gebe - jeder tat es, vor allem die Studenten. Und sooo very safe, compared to Germany… (das dass ein Trugschluss war, weiss man mittlerweile… es sind mehrere Mädchen ‚verschwunden‘).
In Irland trampte ich auch alleine. Weil es da ja soviel sicherer war…
Ich bin auch in Südafrika auf ner Rucksackreise getrampt (1995 - heute würde ich mich das wohl nciht mehr trauen!!!). Habe in backpackers hostels IMMER andere Reisende gefunden, die in die gleiche Richtung wollten. Hatte mir das Gesetz auferlegt, dass ich NICHT alleine trampe, sondern, wenn alleine, mit nem ‚black taxi‘ (Minibus) fuhr. Was auch nur weissen Touristen einfällt… denn die sind eigentlcih gefährlicher, weil die fahren wie die Sau, und ich heute noch verwundert bin, dass keiner, mit denen ich fuhr, in ner Kurve umkippte…
Will sagen:
Ich nehme meine ‚Waffe‘, mein ‚Beruhigungsmittel‘ mit, um Sachen tun zu können, die ich mich sonst nicht trauen würde. WEIL ich mich in meinem Leben nicht einschränken lassen will, weder als Mensch, noch spezifisch als Frau.
Das Pfefferspray dabeizuhaben heisst noch lange nicht, die Menschheit für schlecht zu halten… natürlich ist the very large majority nicht schlecht! Ich hab es ja auch nie verwenden müssen!
Das mit der attack at the bank link muss dir auch nicht leid tun - es ist lange her, und im Rückblick einfach eine interessante Erfahrung.
Nur, hier ein Teil der story:
Es war nämlich genau das CS Gas, das ich in der Tasche hatte, das verantworlich für den Ausgang der story war. OBWOHL ich es nciht anwendete.
Denn: Der Typ kam von hinten auf mich zu, legte einen Zettel vor mich, auf das ATM Gerät. Ich, damals erst 2,3 Jahre in Irland, erinnerte mich noch an ausländische Bettler in Frankfurt, die einem eben einen auf deutsch geschriebenen Zettel vor die Nase hielten.
Dann piekste er mir aber mit was (ich nehme an, wahrscheinlich nix weiter als nen Kuli) in den Hintern, und ich las auf dem Zettel eben ‚I have a syringe full of blood, and I have HIV. Just give me your money, and nothing will happen to you.‘
Nett.
Nun ja, Isa hat ihr Spray in der Tasche. Aber es ist Winter, nass und kalt, und ich hab einige Lagen an - Regenjacke über der Winterjacke, da ich ja eigentlich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Komm an die scheiss Jackentasche nicht ran!
Zudem war ich etwas angetrunken - es war spät, ich war mit Leuten im pub gewesen, etc… Vielleicht war meine Reaktionszeit so noch mehr verzögert. Jedenfalls versuche ich immer noch, an die Jackentasche ranzukommen (mir ist bewusst, dass eine ECHTE Spritze erst dann piekst, wenn sie in dir drin ist - ich denke schon, es ist nur nen Trick, und nicht wahr - aber das Risiko will ich dann doch nicht eingehen!!).
Und was passiert: … der Typ (mit absoluter Sicherheit drogenabhängig & selbst ziemlich weggetreten) sagt:
‚so you’re not gonna give me your money??‘, and walks off!!!
Ohne das Ding in der Tasche hätte ich sicherlich anders reagiert.
Es ist eben ein ‚Beruhigungsmittel‘.
Dann stelle ich mir vor, wenn ich auf offener Straße
überfallen werde sollte, ich damit gar nicht umgehen kann und
in die falsche Richtung sprayen würde oder es ist windig und
durch den Wind verfehle ich das Ziel.
Naja, ich wüsste zB, dass ich mit nem Messer o.ä. nie jmd angreifen könnte - und die Wahrscheinlichkeit, dass meine eigene Waffe GEGEN mich verwendet werden würde, ist SEHR hoch. Daher eben das Spray.
Es ZWINGT dich keiner, es in einer Notsituation anzuwenden - aber nur wenn Du es dabeihast, hast Du zumindest diese Wahl.
Beim Spray kannst DU zB Augen zu machen & Luft anhalten - das hast Du Deinem Angreifer voraus. Es ist also nicht einfach, diese Waffe GEGEN dich einzusetzen.
Anyway, der einzige Grund, warum ich es Dir empfahl, ist, dass mir bewusst ist, dass es ne Weile dauert, solche Ereignisse zu verarbeiten, und dass das Mitnehmen einer solchen ‚Waffe‘ eben beruhigend wirken kann. Aber Du weisst am besten, was für Dich richtig ist.
‚Victim Support‘ ist das vielleicht so etwas wie hier der
Weiße Ring?
Witzig - habe vorhin gerade in nem anderen Brett den ‚weissen Ring‘ erwähnt gesehen. Das müsste also genau das sein.
Dir viel Glück, und nen lieben Gruss,
Isabel