Mit FH-Diplom noch berufsbegleitend Doktor machen?

Hallo zusammen,

kann man mit einem FH-Diplom (genauer: Dipl. Wirtschaftsinformatiker) irgendwo / irgendwie berufsbegleitend (Fern-Uni?) einen Doktor machen?

Keinen Master oder Bachelor, sondern einen echten Doktor-Titel.

Guten Abend, Tino,

kann man mit einem FH-Diplom (genauer: Dipl.
Wirtschaftsinformatiker) irgendwo / irgendwie berufsbegleitend
(Fern-Uni?) einen Doktor machen?

Ja und nein. Das heißt, prinzipiell kannst Du mit Deinem FH-Diplom Deinen Doktor machen. Dazu allerdings mußt Du erstens eine Uni finden, die Dich nimmt und zweitens einen Doktorvater dort. Da gibt es die unterschiedlichsten Regelungen an den Unis, manche verlangen „nur“ eine sehr gute Abschlußnote im FH-Diplom, bei anderen mußt Du noch 1-3 Prüfungen nachmachen, bei wieder anderen „darfst“ Du zum Vordiplom ins Studium einsteigen. Da hilft Dir nix anderes, als Dich bei der Uni Deiner Wahl kundig zu machen :wink:

Gut, gehen wir mal davon aus, daß Du Deine Uni gefunden, alle eventuell geforderten Vorleistungen erbracht und einen Doktorvater (oder ne Doktormutter *g*) gefunden hast. Dann einigt Ihr Euch auf ein Thema und Du kannst loslegen. Hier gibt es nur ein Problem: So eine Promotion ist nix, was man so eben mal „nebenher“ abends und am Wochenende erledigt. Das dauert etwa (je nach Deiner Arbeitsweise und dem Thema) 3-5 Jahre Vollzeit (Erfahrung Physik, sollte aber bei Dir ähnlich sein). Das heißt, idealerweise findest Du ein Promotionsthema, das für irgendwen so interessant ist, daß er Dich während dieser Zeit bezahlt. Das kann entweder „Deine“ Uni sein oder ein Institut oder ganz selten auch mal ne Firma. Und wie die Dich bezahlen hängt von Deinem Thema und der finanziellen Situation ab. An der Uni bzw. Insituten kriegst Du üblicherweise ne BAT IIa Stelle - oder eben ne halbe IIa-Stelle (wahrscheinlicher). Oder wenn Du Pech hast ne HiWi-Stelle…

Liebe Grüße

Petzi (die’s übrigens aus genau diesen Gründen doch nicht gemacht hat, obwohl sogar schon der Doktovater da war *g*)

Hallo Tino,

Du führst zwei Probleme ins Feld, von denen jeweils eines schon schwer genug wäre!

  • Mit einem FH-Diplom ist immer noch schwer und nur in Ausnahmefällen direkt zu promovieren

  • Berufbegleitend ist so was nach meiner Erfahrung (die stammen allerdings aus den Naturwissenschaften) fast nicht möglich und kein/sehr wenige Prof. läßt sich auf so was ein.

Wenn Du jetz mit einem FH-Dilpom kommst und dann auch noch ‚nebenbei‘ den Doktor machen willst, werden wahrscheinlich die meisten dankend ablehnen.
Stell Dir eine Promotion nicht als Kleinigkeit vor, oder ist es in den Wirtschaftswissenschaften so wie bei den Medizinern?!

Gandalf

Hallo Tino,

daß es grundsätzlich funktioniert, wurde schon ausgeführt. Ich sehe das Hauptproblem darin, daß Du vermutlich nicht beliebig ortsunabhängig bist und Dir nicht leisten kannst, das nächste halbe Jahrzehnt an irgendeinem Institut am anderen Ende der Republik mit BAT schießmichtot zu hängen.

Über die Möglichkeiten für Wirtschaftsinformatiker kann ich nichts sagen. Meine diesbezüglichen Erfahrungen beschränken sich auf Einzelfälle in der Elektrotechnik sowie bei einer Tierärztin, die schon seit Jahrzehnten eine eigene Praxis betrieben hat. Die Gemeinsamkeit der Fälle liegt in ungewohnlichen Spezialgebieten, die unabhängig von Promotionsabsichten bearbeitet wurden und werden. Die Tierärztin hatte weltweit auftretende Fälle von Krampfleiden bei einer Hunderasse dokumentiert und untersucht und kam bei dieser Arbeit mit einem interessierten Prof einer Tierklinik in Kontakt, der ihr eine Promotionsmöglichkeit mit genau diesem Thema anbot. Der E-Ing. untersuchte jahrelang das Verhalten spezieller Dielektrika in starken elektischen Feldern. In beiden Fällen handelt es sich um Gebiete, auf denen man nur wenige Fachleute findet, die überhaupt wissen, wovon die Rede ist. Die paar einschlägig tätigen Leute lernen sich über kurz oder lang kennen und ziemlich sicher ist auch ein interessierter Prof dabei. Unter solchen Voraussetzungen läßt sich die Berufstätigkeit mit einer Promotion vereinbaren. Der Prof als Doktorvater ist dann auch nicht mehr das Problem, wenn er „leckerig“ geworden ist und die Ergebnisse haben will. Ansonsten halte ich es zumindest in den Naturwissenschaften für aussichtslos, Promotion und volle Berufstätigkeit zu vereinbaren.

Gruß
Wolfgang