Mit Kindern in Hotels

Hallo,

mal wieder ein klassisches Beispiel von falsch verstandener „offener“ und „verbotsfreier“ Erziehung. „Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps“ war bei uns früher immer das Motto. D.h. wir lernten früh, dass es Dinge gibt, die man in der heimischen Wohnung machen kann, und Dinge, die man in der Öffentlichkeit macht. Und nein, wir haben keinen Schaden daran genommen, wenn wir uns in der Öffentlichkeit etwas zurückhaltender verhalten haben, als beim Spiel mit den Freunden im Wald oder dem heimischen Kinderzimmer.

Unsere Eltern haben immer darauf geachtet, Urlaubsreisen (leider wegen Pflegefall in der Familie nur selten) natürlich für uns Kinder möglichst angenehm zu gestalten. D.h. Ferienwohnung/Ferienhaus ist für Kinder selbstverständlich gegenüber Hotel immer schon mal eine gute Wahl. Da hat man dann Platz in den eigenen vier Wänden, und bei den Häusern ist ja oft auch ein mehr oder weniger großes Gelände mit dabei, auf dem man ungebremst spielen kann, ohne anderen auf die Nerven zu gehen.

Aber wenn wir mal aus dem ein oder anderen Anlass in einem Hotel waren, hätte uns niemand extra erzählen müssen, dass man auf den Fluren keine Ballspiele veranstaltet und im Restaurant nicht herumtobt. Entsprechendes Benehmen wurde uns vorgelebt und hatten wir alle recht schnell verinnerlicht. Mal ein oder zwei Stunden ruhig am Tisch zu sitzen, sich mit den anderen in Zimmerlautstärke zu unterhalten, und einen Teller leer zu essen, ohne hinterher einen Schweinestall zu hinterlassen, klappte bei uns allen dreien schon so lange ich mich zurück erinnern kann, und wir haben dadurch keine dauerhaften seelischen Schäden erlitten.

Ich bin selbst ein absoluter Kinderfan, tobe gerne mit meiner Nichte oder meinem Patensohn rum, und stelle auch da fest, dass diese Kinder dank Vorgelebtem vollkommen problemlos in Gesellschaft Erwachsener sind, und ganz genau wissen, wo die Unterschiede liegen, je nachdem ob wir uns auf dem Boden im Kinderzimmer kugeln, oder im Restaurant sitzen. Da gibt es durchaus mal ein ganz deutliches „NEIN“ bereits auf einer Stufen, wo die Sache noch „in der Familie liegt“, und dann kommt es erst gar nicht dazu, dass die lieben Kleinen auf den Gedanken kämen über Tische und Bänke zu gehen.

Andere Eltern bleiben dagegen noch vollkommen teilnahmslos, wenn der Nachwuchs sich schon als Abbruchkommando betätigt, finden es „Süß“ und „kindgerecht“, und klagen ansonsten über eine ach so kinderfeindliche Gesellschaft, bis sie dann irgendwann vor den Trümmern ihrer Familie stehen und suchen ihr Heil dann in irgendwelchen Modekrankheiten, schlechten Kindergärten und Schulen, … die daran Schuld sind, dass aus den eigenen Söhnen und Töchtern solche Bestien geworden sind.

Ganz ehrlich: Zu einem großen Teil haben Eltern die Kinder, die sie sich selbst herangezogen und damit auch verdient haben.

Eine Kommilitonin stieg zu Studienbeginn mit zwei kleinen Kindern ein und wollte mit in unsere private AG. Die beiden Kleinen benahmen sich so (und Mutter meinte, dass man den Bewegungsdrang doch nicht behindern dürfe/könne), dass wir anderen (darunter zwei gestandene Mütter) alle dankend ablehnten. Inzwischen sind beide vollkommen auf der schiefen Bahn (gewesen?). Sage da keiner, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte.

Gruß vom Wiz

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Hallo Manuel, Du hast in vielerlei Hinsicht Recht mit dem Campingplatz. Aber weisst Du, aus nostalgischen Gründen haben wir mal ein Wohnmobil gemietet, und es war auch alles super, wie es beim Camping sein soll. Aber uns gegenüber war ein Vater, der am Morgen um 7 Uhr mit seinen Kindern schon gesungen und gespielt hat! Als wir rausschauten, war ringsum alles noch ruhig - also auch andere haben noch geschlafen (oder es versucht)… Wir kommen halt immer wieder an den Punkt, an dem man um Rücksichtnahme nicht umhinkommt, oder ? Gruss, Eva

Hallo Wiz,

vorab: meine Kinder haben sich zuhause immer deutlich
mehr daneben benommen als in fremder Umgebung. Ich
habe versucht, ihnen Ruecksicht beizubringen und im
Allgemeinen bekam ich immer von anderen Leuten gesagt:
„Die sind aber gut erzogen.“ – aber wesentlich oefter,
wenn ich selbst nicht dabei war.

Dennoch waren sie oft lebhafter als andere, gleich-
altrige Kinder. Vielleicht liegt’s ja an unserer
Erziehung, vielleicht auch an der Veranlagung der Kinder.
Nature/nurture ist noch lange nicht ausdiskutiert.

Aber dann kommen so Leute, die alles, was meine Kinder
tun und nicht tun auf mich projezieren. Ich bin die Mutter,
ich bin Schuld. An allem. Meinen Kindern zuliebe nehme
ich das auch gerne auf mich, aber es behindert mich, wenn
ich mal Hilfe brauche, es zieht mich runter, wenn ich mal
Aufmunterung und Unterstuetzung brauche.

Das geht jetzt so langsam off topic und hat nichts mehr
mit Verhaltensregeln in Hotels zu tun, aber es scheint
sich hier doch zwei Fronten zu bilden. Die Vorreiter
der einen sind Kinderlose (die aber alle immer viel Erfahrung
mit anderer Leute Kinder mitbringen, und sich dadurch
bestaetigen duerfen), die von weinenden, trotzenden (uebrigens
eine normale Phase), laermenden Kindern in meist Ausnahme-
situationen auf Eltern schiessen.

Ist da nicht etwa auch eine gehoerige Portion von ‚selective
perception‘ (=auswählende Wahrnehmung) im Gange? Man sieht
die Kinder, die sich „ruecksichtslos“ verhalten, die anderen
oder die gleichen in einer anderen Situation werden nicht bemerkt.
Und von der einen Situation wird gleich die ganze Erziehung
disqualifiziert und die dazugehoerigen Eltern verdammt.

Nur mal so zum Nachdenken fuer die urteilende Masse.

Gruesse
Elke

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Hallo Eva,

tja was soll ich sagen - wir haetten uns dazu gehockt und mitgesungen!

Gruss Manuel!

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Hallo,

Aber dann kommen so Leute, die alles, was meine Kinder
tun und nicht tun auf mich projezieren. Ich bin die Mutter,
ich bin Schuld. An allem. Meinen Kindern zuliebe nehme
ich das auch gerne auf mich, aber es behindert mich, wenn
ich mal Hilfe brauche, es zieht mich runter, wenn ich mal
Aufmunterung und Unterstuetzung brauche.

Das geht jetzt so langsam off topic und hat nichts mehr
mit Verhaltensregeln in Hotels zu tun, aber es scheint
sich hier doch zwei Fronten zu bilden. Die Vorreiter
der einen sind Kinderlose (die aber alle immer viel Erfahrung
mit anderer Leute Kinder mitbringen, und sich dadurch
bestaetigen duerfen), die von weinenden, trotzenden (uebrigens
eine normale Phase), laermenden Kindern in meist Ausnahme-
situationen auf Eltern schiessen.

Ist da nicht etwa auch eine gehoerige Portion von ‚selective
perception‘ (=auswählende Wahrnehmung) im Gange? Man sieht
die Kinder, die sich „ruecksichtslos“ verhalten, die anderen
oder die gleichen in einer anderen Situation werden nicht
bemerkt.
Und von der einen Situation wird gleich die ganze Erziehung
disqualifiziert und die dazugehoerigen Eltern verdammt.

Nur mal so zum Nachdenken fuer die urteilende Masse.

Ich denke nicht, dass das Problem im konkreten „sich daneben benehmens“ liegt, sondern in der (un)sichtbaren Reaktion der Eltern. Und dies hat nichts damit zu tun, ob man selbst jetzt große eigene Erfahrung mit Kindern hat, sondern eher etwas mit einer ganz allgemeinen Beobachtungsgabe.

Wenn Eltern ihre Kinder im Hotel auf den Flur zum Spielen schicken, bilden sich bei mir Sorgenfalten. Wenn Kinder in Gegenwart der Eltern großen Mist machen, bzw. Eltern ihre Kinder bei großem Mist erwischen, und keinerlei Reaktion zeigen, trifft dies genauso zu. Und genau da liegt der meiner Meinung nach entscheidende Punkt. Jedes Kind mag seine Trotzphasen, schlechten Tage, dummen Ideen haben. Aber es gibt auffällig mehr und mehr Eltern, die dies offenbar als gottgegeben und für die freie Entfaltung des Kindes wichtig ansehen, und sich da selbstverständlich nicht einmischen wollen. Und da bemerke ich dann leider oft, dass ich mit diesen Kindern nicht nur an ihrem schlechten Tag lieber nichts zu tun haben möchte, sondern überhaupt nicht, weil diese schlechten Tage dann offenbar gerne mal an Häufigkeit ganz massiv zunehmen.

Und auf der anderen Seite erlebe ich einige Eltern, die Trotzphase oder schlechter Tag hin oder her sofort eine Reaktion zeigen, wenn Dinge aus dem Ruder laufen und damit sicher auch nicht immer und sofort, offenbar aber doch grundsätzlich viel Erfolg haben.

Ich habe überhaupt keine Probleme damit, dass Kinder mal aus der Rolle fallen, wenn ich sehe, dass die Eltern dies Ernst nehmen und entsprechend reagieren, auch wenn sie damit vielleicht in dem Moment nicht durchdringen. Schlimm finde ich es aber, wenn Eltern entweder das vollkommen unpassende Verhalten ihrer Kinder gar nicht bemerken (können/wollen) oder dieses zwar als solches erkennen, aber hierauf überhaupt nicht oder zumindest vollkommen hilflos reagieren.

Und um auf das Hotelbeispiel zurück zu kommen, gehört ja wohl eine klare Ansage zu dem Spielen auf den Flur und ggf. auch die böse körperliche Gewalt, die Kinder wieder ins Zimmer zurück zu verfrachten, wenn sie nicht freiwillig damit aufhören wollen, die anderen Gäste um den Schlaf zu bringen. Und dass man Kinder nicht alleine an eine Buffet lässt, die noch nicht gelernt haben, wie man sich dort bedient, sollte doch wohl auch eine Selbstverständlichkeit sein. Insoweit haben diese Punkte dann tatsächlich mehr mit den Eltern als mit den Kindern zu tun.

Gruß vom Wiz

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weg vom Hoteltopic
Hallo Wiz,

Ich wollte eigentlich von dem Hotelthema wegkommen.
Darum ging es mir weniger. Da stimme ich dir zu.

Aber du gibst konkrete Beispiele, dass du vom Verhalten
der Kinder auf generelle soziale Kompetenz der Eltern
Schluesse ziehst. Und - das betrifft nicht nur dich -
ich lese hier im Forum immer von der mangelnden Konsequenz
in Erziehungsfragen usw. Das ist alles wunderbar in der
Theorie. Aber: auch ich hab mal meinen schlechten Tag,
wo ich nicht sofort und immer die richtige Reaktion
zeige. Und gerade dann dreht doch irgendjemand, der
entweder keine Kinder hat oder dessen Kinder bereits lange
das Haus verlassen haben, mir einen Strick daraus.
Da wird dann von dem einen Mal sofort auf die falsche
Erziehung gewiesen.
Weil du Beispiele bringst: meine Schwester haelt mich
fuer im Grunde eine schlechte Mutter. Zum einen sind ihre
Toechter inzwischen ueber 30 und somit erinnert sie sich
einfach nicht mehr so genau daran, was damals lief. Und
zudem waren es - allseits bestaetigt - extrem brave, ruhige
Maedchen. Meine Jungs (laut, hibbelig, wild …) kommen
da schon von vorneherein schlecht weg beim Vergleichen.
Zum anderen kannte sie meine Kinder bis vor kurzem nur
in Ausnahmesituationen (ausserhalb der Routine, immer nur
wenn wir in D zu Gast waren, in beengten Verhaeltnissen,
ohne geregelten Tagesablauf, bei lauter Leuten, die andere
Regeln hatten, als es bei uns zu Hause ware).
Jede meiner Handlungen wurde kritisch beleuchtet
und negativ bewertet: liess ich die Kinder entscheiden,
was und wieviel sie essen wollten, war ich zu nachgiebig,
versuchte ich sie zu mehr Loeffelchen zu ueberreden,
stopfte ich sie. Ich koennte 100 solcher Beispiele nennen.
Das Fazit: die Kinder sind verzogen --> Elke ist eine ziemlich
unfaehige Mutter.

Andere Eltern bleiben dagegen noch vollkommen teilnahmslos,
wenn der Nachwuchs sich schon als Abbruchkommando betätigt, finden
es „Süß“ und „kindgerecht“, und klagen ansonsten über eine ach so :kinderfeindliche Gesellschaft, bis sie dann irgendwann vor den :Trümmern ihrer Familie stehen und suchen ihr Heil dann in :irgendwelchen Modekrankheiten, schlechten Kindergärten und Schulen, :… die daran Schuld sind, dass aus den eigenen Söhnen und Töchtern :solche Bestien geworden sind.

Ganz ehrlich: Zu einem großen Teil haben Eltern die Kinder, die sie :sich selbst herangezogen und damit auch verdient haben.

[…] Sage da keiner, dass das eine mit dem anderen nichts zu
tun hätte.

Das sind die Pauschalurteile vor denen ich mich fuerchte.
Natuerlich gibt es schlecht erzogene/ungezogene/verzogene
Kinder. Aber nicht alle als schlechte Gewohnheiten empfundene
Eigenschaften sind hausgemacht. Wir waren mit unserem Sohn
schon bei einem Psychiater (wuerde jetzt zu weit gehen).
Weisst du wie entlasten das war von einem Fachmann zu hoeren:
„Sie haben nichts falsch gemacht, jedenfalls nichts Gravierendes.
Wenn sie anders gehandelt haetten, haetten sie heute RICHTIGE
Probleme.“
Vielleicht gehoert zur Kinderfreundlichkeit auch die
Toleranz und das Verstehen von Eltern und die Situationen,
in denen sie sich befinden.

Gruesse
Elke

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Hallo,

Aber du gibst konkrete Beispiele, dass du vom Verhalten
der Kinder auf generelle soziale Kompetenz der Eltern
Schluesse ziehst. Und - das betrifft nicht nur dich -

Nein, dass ich dies nicht mache, müsste doch eigentlich aus meinem letzten Posting deutlich geworden sein. Es geht eben gerade nicht um das Verhalten der Kinder an sich, sondern um die Frage, wie Eltern darauf reagieren. Ich erlebte neulich mal einen kleinen Jungen, offenbar voll in der Trotzphase, der einen ganzen Supermarktparkplatz zusammenschrie (keine Ahnung worum es im Detail ging). Da ich direkt daneben geparkt hatte, bekam ich die Reaktion des Vaters mit. Der reagierte erst freundlich/verständnisvoll, als keine Reaktion erfolgte gab es im nächsten Moment eine deutliche aber humorige Ansprache in Richtung „nun komm, es wird doch wohl noch ein wenig lauter gehen, die Leute ganz da hinten glotzen dich noch nicht an“ und dann wurde Sohnemann einfach schreien wie er war gepackt und ins Auto verfrachtet. Demgegenüber könnte ich dir jetzt zig Situationen beschreiben, wo Eltern unter gleichen Voraussetzungen entweder 1) gar nichts getan haben oder b) ihre Kinder anbetteln, mit Süßigkeiten bestechen oder einfach kapitulieren und nachgeben und den lieben Kleinen damit deutlich machen „Geht doch!“ Sprich, die Kleinen sind der Boss.

Und da man im heimischen Supermarkt doch häufiger mal die selben Leute trifft (genau wie wenn man einige Tage in einem Hotel verbringt), kann ich dir nur sagen, dass dies ganz sicher nicht mit EINEM schlechten Tag der Eltern zu tun hat, sondern wohl eher damit, dass diese Eltern es vielleicht genau so erlebt haben, oder vielleicht einfach nicht in der Lage sind, Kinder zu erziehen.

Was jetzt dein rein privates Erleben deiner Muttersituation unter Beobachtung der Verwandtschaft angeht, so kann ich und will ich diese nicht beurteilen. Ich verstehe natürlich, dass sich da jetzt bei dir Frust angestaut hat. Aber daraus eine Verallgemeinerung ableiten zu wollen, die die Eltern aus der Verantwortung für das Benehmen ihrer Kinder entlässt, finde ich umgekehrt auch zu einfach.

Für mich entscheidend ist und bleibt die konkrete Beobachtung der Reaktion der Eltern auf das Verhalten ihrer Kinder, und diese traue ich mir zu einzuschätzen. Und wenn da eben nichts, oder zumindest nichts auch nur ansatzweise brauchbares bei rauskommt, dann tippe ich mal darauf, dass hier nicht nur ein ansonsten liebes Kind gerade mal einen schlechten Tag hat, sondern dass es hier wohl mal wieder eher an den Eltern liegt. Und über die letzten Jahre fällt es mir tatsächlich deutlich zunehmend auf, dass eben gar keine Reaktionen mehr erfolgen, egal wie schlimm der Mist auch ist (wie neulich erlebt, als Kinder im ohnehin schon viel zu wilden Spiel auf einem Bürgersteig an stark befahrener Straße, eine ältere Frau mehrfach fast von den Krücken rissen).

Gruß vom Wiz

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Hallo Wiz,

was genau hätte der Vater im Supermarkt deiner Meinung nach tun sollen?
Meine große Tochter ist 3, die kleine 1 Jahr alt. Trotzphasenerfahrung ist also vorhanden. Wenn das Kind einmal am kreischen ist, sind alle Argumente vergebens. Eigentlich kann man da nur abwarten oder das Kind (kreischend, ggf. um sich schlagend) vom Ort des Geschehens abtransportieren. Glücklicherweise hatten wir so einen Auftritt nur einmal in der Stadt auf dem Gehweg (Kind sah nicht ein, an der Hand zu gehen, schmiss sich hin und wurde daher weggetragen —> ging fortan an der Hand).
Man kann sicherlich viel durch Konsequenz quasi präventiv schon verhindern, nein heißt nein, das muss eben immer so sein, dann lohnen sich solche Szenen für das Kind einfach nicht. Nur: immer hilft das auch nicht. Daher frag ich: was tun?

Viele Grüße, Heike (deren Kinder glücklicherweise schlafen)

Hallo Wiz,

Nein, dass ich dies nicht mache, müsste doch eigentlich aus
meinem letzten Posting deutlich geworden sein.

Nein, eher das Gegentum.

  1. gar nichts getan haben oder b)
    ihre Kinder anbetteln, mit Süßigkeiten bestechen oder einfach
    kapitulieren und nachgeben und den lieben Kleinen damit
    deutlich machen „Geht doch!“ Sprich, die Kleinen sind der
    Boss.

Meine alte Leier hingegen ist: jedes Kind ist anders.
Was beim einen funzt, funzt beim anderen nicht.
Zugegeben Model b) wuerde ich nicht empfehlen, jedoch
Model a) kann bei manchem Kind durchaus das richtige sein.

Was jetzt dein rein privates Erleben deiner Muttersituation
unter Beobachtung der Verwandtschaft angeht, so kann ich und
will ich diese nicht beurteilen.

Genausowenig wie ich deine Beispiele, lediglich dass ich bei
meinem Beispiel wesentlich mehr von den Hintergruenden weiss.

Ich verstehe natürlich, dass
sich da jetzt bei dir Frust angestaut hat. Aber daraus eine
Verallgemeinerung ableiten zu wollen, die die Eltern aus der
Verantwortung für das Benehmen ihrer Kinder entlässt, finde
ich umgekehrt auch zu einfach.

Wo ist der Unterschied zu deinen Beispielen? Ich wollte damit
lediglich darlegen, dass es fuer mich Grenzsituationen waren,
in denen ich anders als zuhause reagierte, gerade weil ich
Publikum hatte. Ich weiss nicht, was bei der Mutter im
Supermarkt sonst noch angestanden hat.

Für mich entscheidend ist und bleibt die konkrete Beobachtung
der Reaktion der Eltern auf das Verhalten ihrer Kinder, und
diese traue ich mir zu einzuschätzen.

Als doppelter Aussenseiter.

  1. weil du die Menschen und die Geschichte nicht kennst;
  2. als Kinderloser (und das heisst nicht, wie ich schon
    frueher geschrieben habe, dass ich dir jegliches Urteils-
    vermoegen abspreche, jedoch dass ich deine Beobachtungen und
    Urteile mit Vorsicht geniesse).

Mir ging es in meinem konkreten Fall, den ich aber als
Beispiel fuer andere benutze, darum, dass sich Menschen von
aussen erlauben, nicht nur eine Situation zu bewerten, sondern
sich Urteile ueber die Personen erlauben (nach dem Motto:
Kind benimmt sich daneben --> unfaehige Eltern). Das ist
einfach zu kurz gegriffen und macht es den Eltern nicht ein-
facher.

Gruesse
Elke

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Hallo,

was genau hätte der Vater im Supermarkt deiner Meinung nach
tun sollen?

Genau das, was er getan hat. Er hat reagiert, und zwar auch noch abgestuft. D.h. er hat zunächst versucht die Sache mit Liebe und Verständnis aufzufangen und hat seinem Kinde gezeigt, dass es ihm nicht egal ist, und dass er für sein Kind da ist, und es ernst nimmt. Als es so nicht funktioniert hat, hat er deutlich gemacht, dass das Verhalten des Kindes nicht geeignet ist, irgendwelche Wünsche durchzusetzen, sondern nur dazu dient, sich lächerlich zu machen. Und als auch das nicht gefruchtet hat, ist er nicht ausgerastet, hat sein Kind nicht angeschrien oder geschlagen, sondern es einfach gepackt und dann in das Auto gesteckt.

Damit wird doch deutlich, dass der Vater offenbar eine klare Eskalationsstrategie hat, und versucht zunächst mit dem geringsten Mitteleinsatz sein Kind aus der Situation heraus zu holen. Er steigert dann aber konsequent seine eingesetzten Mittel, lässt dem Kind keinen Trumpf und bleibt Herr der Lage.

Meine große Tochter ist 3, die kleine 1 Jahr alt.
Trotzphasenerfahrung ist also vorhanden. Wenn das Kind einmal
am kreischen ist, sind alle Argumente vergebens. Eigentlich
kann man da nur abwarten oder das Kind (kreischend, ggf. um
sich schlagend) vom Ort des Geschehens abtransportieren.
Glücklicherweise hatten wir so einen Auftritt nur einmal in
der Stadt auf dem Gehweg (Kind sah nicht ein, an der Hand zu
gehen, schmiss sich hin und wurde daher weggetragen —>
ging fortan an der Hand).

Das ist doch genau, was ich sagen will. Lässt man sich in so einer Situation nicht die Butter vom Brot nehmen, merken Kinder ziemlich schnell, dass es einfach nichts bringt und lassen es. Gut fand ich übrigens bei dem Vater aus obigem Beispiel die Geschichte, dass er das Kind darauf aufmerksam machte, dass sein Verhalten nur auf es selbst zurückfällt (alle glotzen dich an).

Man kann sicherlich viel durch Konsequenz quasi präventiv
schon verhindern, nein heißt nein, das muss eben immer so
sein, dann lohnen sich solche Szenen für das Kind einfach
nicht. Nur: immer hilft das auch nicht. Daher frag ich: was
tun?

Komplett wird man solchen Situationen natürlich nicht aus dem Wege gehen können. Aber ich bin wirklich ganz fest davon überzeugt, dass man mit passenden Reaktionen die Sache zumindest weitgehend im Rahmen halten kann und diese Trotzphase auch schneller beendet. Sicherlich gehört sie zum Aufwachsen einfach dazu, und will auch durchlebt werden, und ich würde mich nie der Illusion hingeben wollen, dass man sie verhindert könnte (oder auch nur sollte). Aber ich finde schon, dass man aus den Reaktionen von Eltern in dieser Phase viel Rückschlüsse auf deren Erziehung bzw. ihren Erziehungsstil ziehen kann.

BTW: Ich habe zwar bislang keine eigenen Kinder, bin aber nicht so ganz unbeleckt in dem Thema, weil ich mal fast zwei Jahre in einem Wohnheim für geistig Behinderte tätig war. Will man da bestehen, muss man sich so den ein oder anderen Trick von den Erziehern abschauen. Und Trotzphasen hatten wir da wirklich ständig zu bearbeiten, bis hin zum Einsatz körperlicher Gewalt. In der überwiegenden Zahl der Fälle konnte man aber mit konsequenten und abgestuften Reaktionen die Sache wieder schnell in den Griff bekommen.

Gruß vom Wiz

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Hallo Wiz,

dein vorheriger Beitrag las sich für mich so, als hieltest du das Verhalten des Vaters im Supermarkt für unangebracht. Nun lese ich mit Freude, dass dem nicht so ist. Ich denke und handle da ähnlich.

Viele Grüße, Heike

Hi,
ich hatte Deine Beschreibung des Verhaltens des Vaters schon so verstanden, als würdest Du es gutheissen.

An sich sehe ich das auch so, bis zu einem Punkt:
Ich weiss nicht, wie gut es ist, einem Kind zu sagen ‚Du machst Dich gerade lächerlich‘, also, alles glotzt.

Es ist ja nicht so, als ob es zu Hause ok wäre, so viele temper tantrums zu haben, wie er will.

Es braucht also andere Argumente, um klarzumachen, dein Verhalten ist nicht ok.

Parallele wäre domestic violence - die ist im Haus ‚aktzeptabel‘, aber draussen nicht?? Weil sie versteckt gehalten werden soll?

Desweiteren schreibst Du:

von den Erziehern abschauen. Und Trotzphasen hatten wir da
wirklich ständig zu bearbeiten, bis hin zum Einsatz
körperlicher Gewalt. In der überwiegenden Zahl der Fälle
konnte man aber mit konsequenten und abgestuften Reaktionen
die Sache wieder schnell in den Griff bekommen.

‚bis zum Einsatz körperlicher Gewalt‘.
Hm, ein Behinderter teenager oder Erwachsener kann manchmal sehr gut mit einem Kind verglichen werden. Wenn eine ‚erwachsene‘ Art der Argumentation nicht herangezogen werden kann.

Da möchte ich Dir aber mal ein Beispiel geben, das zeigt, dass man nicht unbedingt immer, bis hin zum Einsatz von körperlicher Gewalt, die Oberhand behalten muss, im Sinne von ‚vergiss nicht, ich bin der Boss‘:

Ein Freund von mir arbeitet mit Autisten, arbeitete mit autistischen und Aspergers teenagern. Er fing dort an als Aushilfe. Anwendung körperlicher Gewalt (Autisten sind sehr stark - also oft reichten 6 Mann nicht, um einen in eine straight jacket zu verfrachten) gehörten zum Tagesablauf, wenn jemand ausflippte.

Er, mein Freund, geht von hinten auf einen sitzenden Jungen zu, der schreit, heult, völlig ausser sich ist.

Er massiert ihm das Genick, die Schultern, der Junge kommt zur Ruhe und ist völlig still.

Das erfahrene Personal glotzt, und scheint zu denken, er habe ein Wunder vollbracht.

Nur weil noch niemand auf die Idee gekommen war, die ‚völlig chaotischen Energien‘ so zu bündeln, dass der Junge sich beruhigen konnte.

Es gibt ‚Stadien‘ des Ausrastens, auch bei Trotz-Kindern. Und wenn ein bestimmtes Stadium erreicht ist, dann ist der Grund des Ausrastens schon lange irrelevant. Dann hat das Kind sich so da reingesteigert, dass es nicht mit logischen Argumenten wieder rauskommt.

Man muss ihm nicht immer den Schnuller/ die Süssigkeit /… geben, damit es zur Ruhe kommt - es geht auch ohne ‚Belohnung‘, aber mit Verständnis.

gruss, isabel

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Hallo,

An sich sehe ich das auch so, bis zu einem Punkt:
Ich weiss nicht, wie gut es ist, einem Kind zu sagen ‚Du
machst Dich gerade lächerlich‘, also, alles glotzt.

Es ist ja nicht so, als ob es zu Hause ok wäre, so viele
temper tantrums zu haben, wie er will.

Es braucht also andere Argumente, um klarzumachen, dein
Verhalten ist nicht ok.

Hey, es geht hier doch nicht um die Frage „was ist die perfekte Reaktion“, sondern einfach nur darum, ob jemand überhaupt und grundsätzlich in angemessener und geeigneter Form reagiert. Der Hinweis, dass das Verhalten des Kindes insbesondere auf es selbst negaitv zurück fällt ist jedenfalls grundsätzlich nicht verkehrt. Die konkrete Ausgestaltung kann man sicher auch besser hin bekommen, aber wenn Durchschnittspapa in einer solchen Stresssituation wenigstens schon mal so reagiert, finde ich daran nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil.

Parallele wäre domestic violence - die ist im Haus
‚aktzeptabel‘, aber draussen nicht?? Weil sie versteckt
gehalten werden soll?

Verstehe ich jetzt nicht, was das damit zu tun hat?

Desweiteren schreibst Du:

von den Erziehern abschauen. Und Trotzphasen hatten wir da
wirklich ständig zu bearbeiten, bis hin zum Einsatz
körperlicher Gewalt. In der überwiegenden Zahl der Fälle
konnte man aber mit konsequenten und abgestuften Reaktionen
die Sache wieder schnell in den Griff bekommen.

Ein Freund von mir arbeitet mit Autisten, arbeitete mit
autistischen und Aspergers teenagern. Er fing dort an als
Aushilfe. Anwendung körperlicher Gewalt (Autisten sind sehr
stark - also oft reichten 6 Mann nicht, um einen in eine
straight jacket zu verfrachten) gehörten zum Tagesablauf, wenn
jemand ausflippte.

Er, mein Freund, geht von hinten auf einen sitzenden Jungen
zu, der schreit, heult, völlig ausser sich ist.

Er massiert ihm das Genick, die Schultern, der Junge kommt zur
Ruhe und ist völlig still.

Nun ja, wenn dir zuerst eine Tasse, dann Tür und schließlich eine komplette Stereoanlage entgegenfliegt und dir jemand dann an die Gurgel geht, versuche ich auch immer zunächst mal den Nacken zu kraulen. Und wenn Du am anderen Ende des Flures einen Kollegen um Hilfe schreien hörst, der unter einem deutlich stärleren Bewohner am Boden liegt, der ein durchaus scharfes Werkzeug in der Hand hat, dann ist dies sicher auch eine gute Idee

Ne, lass mal stecken, ohne akute Not wurde in dem Heim nie körperliche Gewalt eingesetzt (taugte zwar sonst nichts, daber da waren sich alle immer einig).

Gruß vom Wiz

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Ne, lass mal stecken, ohne akute Not wurde in dem Heim nie
körperliche Gewalt eingesetzt (taugte zwar sonst nichts, daber
da waren sich alle immer einig).

Nun, die Betreuer waren auch der Meinung (gewesen), dass die körperliche Gewalt immer, wenn angewendet, notwendig war.

Aber nur, weil sie keine Alternativen kannten.

gruss, isabel