Hallo,
mal wieder ein klassisches Beispiel von falsch verstandener „offener“ und „verbotsfreier“ Erziehung. „Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps“ war bei uns früher immer das Motto. D.h. wir lernten früh, dass es Dinge gibt, die man in der heimischen Wohnung machen kann, und Dinge, die man in der Öffentlichkeit macht. Und nein, wir haben keinen Schaden daran genommen, wenn wir uns in der Öffentlichkeit etwas zurückhaltender verhalten haben, als beim Spiel mit den Freunden im Wald oder dem heimischen Kinderzimmer.
Unsere Eltern haben immer darauf geachtet, Urlaubsreisen (leider wegen Pflegefall in der Familie nur selten) natürlich für uns Kinder möglichst angenehm zu gestalten. D.h. Ferienwohnung/Ferienhaus ist für Kinder selbstverständlich gegenüber Hotel immer schon mal eine gute Wahl. Da hat man dann Platz in den eigenen vier Wänden, und bei den Häusern ist ja oft auch ein mehr oder weniger großes Gelände mit dabei, auf dem man ungebremst spielen kann, ohne anderen auf die Nerven zu gehen.
Aber wenn wir mal aus dem ein oder anderen Anlass in einem Hotel waren, hätte uns niemand extra erzählen müssen, dass man auf den Fluren keine Ballspiele veranstaltet und im Restaurant nicht herumtobt. Entsprechendes Benehmen wurde uns vorgelebt und hatten wir alle recht schnell verinnerlicht. Mal ein oder zwei Stunden ruhig am Tisch zu sitzen, sich mit den anderen in Zimmerlautstärke zu unterhalten, und einen Teller leer zu essen, ohne hinterher einen Schweinestall zu hinterlassen, klappte bei uns allen dreien schon so lange ich mich zurück erinnern kann, und wir haben dadurch keine dauerhaften seelischen Schäden erlitten.
Ich bin selbst ein absoluter Kinderfan, tobe gerne mit meiner Nichte oder meinem Patensohn rum, und stelle auch da fest, dass diese Kinder dank Vorgelebtem vollkommen problemlos in Gesellschaft Erwachsener sind, und ganz genau wissen, wo die Unterschiede liegen, je nachdem ob wir uns auf dem Boden im Kinderzimmer kugeln, oder im Restaurant sitzen. Da gibt es durchaus mal ein ganz deutliches „NEIN“ bereits auf einer Stufen, wo die Sache noch „in der Familie liegt“, und dann kommt es erst gar nicht dazu, dass die lieben Kleinen auf den Gedanken kämen über Tische und Bänke zu gehen.
Andere Eltern bleiben dagegen noch vollkommen teilnahmslos, wenn der Nachwuchs sich schon als Abbruchkommando betätigt, finden es „Süß“ und „kindgerecht“, und klagen ansonsten über eine ach so kinderfeindliche Gesellschaft, bis sie dann irgendwann vor den Trümmern ihrer Familie stehen und suchen ihr Heil dann in irgendwelchen Modekrankheiten, schlechten Kindergärten und Schulen, … die daran Schuld sind, dass aus den eigenen Söhnen und Töchtern solche Bestien geworden sind.
Ganz ehrlich: Zu einem großen Teil haben Eltern die Kinder, die sie sich selbst herangezogen und damit auch verdient haben.
Eine Kommilitonin stieg zu Studienbeginn mit zwei kleinen Kindern ein und wollte mit in unsere private AG. Die beiden Kleinen benahmen sich so (und Mutter meinte, dass man den Bewegungsdrang doch nicht behindern dürfe/könne), dass wir anderen (darunter zwei gestandene Mütter) alle dankend ablehnten. Inzwischen sind beide vollkommen auf der schiefen Bahn (gewesen?). Sage da keiner, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte.
Gruß vom Wiz
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