Mit moderner KFZ-Elektronik in Drittweltländer?

Hallo,

zunächst mal eine Vorerklärung: In den Jahren 1972 bis 1975 habe ich, damals 29 – 32 jährig, eine Weltreise durch Nord- und Südamerika und Teile Asiens im selbst ausgebauten Campingbus gemacht. Na ja, heutzutage nennt man das Wohnmobil. Ich bin nicht im damals üblichen VW-Bus gefahren, der war mir zu klein und durch den hinten liegenden Motor nicht effektiv ausbaubar. Ich wollte autark sein, nicht auf Campingplätze angewiesen.

Als ich mich für ein Fahrzeug entschieden hatte, einen Mercedes L 306 D (den Typ, den Mercedes kurz zuvor von Hanomag-Henschel übernommen und einige Jahre lang unverändert weitergebaut hatte), jobbte ich in den Ferien bei Mercedes, kaufte mir einen mit Personalrabatt, und nahm an einem Fortbildungslehrgang für Mercedes KFZ-Mechaniker über die Reparatur eben dieses Fahrzeuges teil. Den Ausbau zum Wohnmobil machte ich selbst, weil die käuflichen Ausbauten, abgesehen vom hohen Preis, vom Standpunkt der Stabilität und Ausstattung her eher für Kurzurlaube auf europäischen Straßen als für Langzeitreisen mit Wellblechpisten und Flussdurchquerungen geeignet sind. Ich baute ihn so aus, dass ich alles, was man täglich braucht, griffbreit in Fächern oder Schubladen hatte, was ich nicht so oft brauchte in den Sitzbänken oder im Heckraum. Ich benötigte keinen Dachgepäckträger, was auch ein Sicherheitsfaktor ist. Von außen sah der Wagen aus wie ein Lieferfahrzeug, kein Licht drang nachts nach draußen, man merkte gar nicht, dass jemand drin wohnte. So konnte ich auch an Stellen parken, wo Wohnwagen nicht erwünscht waren oder wo es nicht sinnvoll gewesen wäre.

Sollte jemand mitgerechnet haben, weiß er schon, dass ich jetzt 66 bin, also seit einem Jahr pensioniert. Meine damals aus Finanzgründen „unterbrochene“ Weltreise könnte ich jetzt „fortsetzen“, solange die Gesundheit mitmacht. Bis heute habe ich keine Probleme. Dass ich noch nicht weg bin, liegt daran, dass ich in der Zeit nach der Reise nach der gutbürgerlichen Devise „Baum pflanzen, Kinder zeugen, Haus bauen“ gelebt habe. Das mit dem Haus war ein Fehler. Das ist jetzt ein Klotz am Bein, ich versuche seit einem Jahr, es zu verkaufen, aber die Zeiten sind für so was im Moment schlecht. Verramschen kann ich es nicht, sonst habe ich keine Geld mehr zum Reisen.

Trotzdem arbeite ich an der Vorbereitung der nächsten Reise. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir die langatmige Einleitung. Das Standardfahrzeug für Wohnmobile ist heutzutage der Fiat Ducato, bzw. dessen baugleiche Versionen von Citroen und Peugeot. Eventuell kommen auch andere Marken in Frage.

Alle Fahrzeuge, falls ich ein fabrikneues oder wenig gebrauchtes kaufe, haben aber heutzutage eine Menge an Elektronik an Bord. Obwohl ich damals und, soweit meine Kräfte das zulassen, auch heute noch Wartung und Reparatur meines Autos selbst mache, habe ich absolut keine Erfahrung mit Elektronik. Ich fahre jetzt einen Mercedes 200 T Typ 124, Baujahr 1988, der auch noch keine Elektronik hat. Viele Leute sagen, das sei der letzte echte Mercedes. Die letzte Reparatur hatte ich vor acht Jahren, ein Achsschaden vorne rechts der mich 250 DM kostete. Was vorher war, erinnere ich mich nicht, seitdem hatte ich nur Kosten für Reifen oder Auspuffanlage.

Ich habe also keinerlei Elektronik- Erfahrung, lese nur hier und da mal was. Und jetzt kommen endlich, nach langer Einleitung, meine Fragen:

Kann ich es wagen, mit einem modern-elektronisch ausgestatteten Wagen in Drittweltländer zu fahren, in denen man außer Hammer, Meißel und Schraubenschlüssel kaum Werkzeuge kennt?
Was passiert, wenn der Motor nicht mehr läuft und die Werkstatt keinen Anschluss zur Elektronik-Prüfung hat?
Ist es besser ich kaufe mir ein altes gebrauchtes Fahrzeug ohne Elektronik und modernisiere es mit Ersatzteilen soweit es geht?

Sicherlich nicht ganz alltägliche Fragen. Aber ich hoffe, dass der eine oder die andere mir weiterhelfen kann.

Grüße
Carsten

moin carsten,
das ist wirklich ein heikles thema.
rein aus dem bauch heraus würde ich zum älteren modell mit nem haufen ersatzteile tendieren.
andererseits: wenn da der motor hakt bleibt auch nur ausprobieren. und das kann man bei nem neuen wagen auch, da können jedoch evtl. „bleibende schäden“ bei entstehen.
elektronik kann nur kaputt gehen. helfen tut dir die ‚da hinten‘ nicht.
kurz und knapp: wenn du einen älteren, zuverlässigen wagen kennst: nimm den.
wenn du einen älteren wagen auch erst noch kaufen mußt, kann es auch die katze im sack sein… dann hast du nichts gewonnen.
nichtsdestotrotz:
ich wünsche viel erfolg bei der auswahl, daß du die richtige triffst und anschließend natürlich viel spaß!
gruß,
m.

nein
hi,

Alle Fahrzeuge, falls ich ein fabrikneues oder wenig
gebrauchtes kaufe, haben aber heutzutage eine Menge an
Elektronik an Bord.

richtig. deshalb rate ich zu einem „oldtimer“, der gründlich durchgesehen wird. ich fahre selbst seit 3 jahren einen 68er transit, langer radstand, ohne probleme. und wenn mal ein teil spinnt, dann kann ich das auch selbst tauschen.

der transit wird auch als WoMo ausgebaut werden, da ich aber erst 50 bin hab ich noch ein paar jahre zeit :o)

Kann ich es wagen, mit einem modern-elektronisch
ausgestatteten Wagen in Drittweltländer zu fahren, in denen
man außer Hammer, Meißel und Schraubenschlüssel kaum Werkzeuge
kennt?

nein.

Ist es besser ich kaufe mir ein altes gebrauchtes Fahrzeug
ohne Elektronik und modernisiere es mit Ersatzteilen soweit es
geht?

ja

gruß

t.

Hallo!

Sehr gute Frage.
Also ich sage mal, die 100%ige Garantie, dass man mit dem Auto wieder nach Hause kommt, gibt es nicht und niemals.

Was mir da an zuverlässigen, elektronikfreien Fahrzeugen einfällt, wären da die alten VW LT, die älteren grossen Mercedes-Transporter, oder Ford Transit.

Fiat-Ducato usw. wäre ev. auch denkbar, aber die sind technisch / mechanisch anfälliger.
Mann muss aber den Teufel nicht gleich an die Wand malen, es gibt auch neue Autos, mit Elektronik, z.B. die aktuellen Mercedes Sprinter…
mein Nachbar (Spedition) fährt da auch immer mehrere, die machen alle ihre 300 000 km,
ohne das da irgendwas was ist.

Grüße, Steffen!

Moin!

Du hast doch schon ein geeignetes Fahrzeug. Den Mercedes. Nutze ihn mit Dachzelt.

Vielleicht ist hier auch

http://www.brauner-benz.de

interessant.

Was das Reisen mit einem Lieferwagen betrifft, würde ich persönlich mich das auch mit einem neuen Fahrzeug trauen.
Wichtig ist die Ausrüstug des Fahrzeuges mit „Wüsten-Luftfilter“ und zusätzlicher Benzinfilterung.
Von Dieseln sollte man Abstand nehmen, die Versorgung ist nicht überall gewährleistet.
Wobei M. Besold, Verfasser der o.g. Site, damit bislang kein größeres Problem gehabt zu haben scheint.

Das Auto würde ich zunächst in D 10.000 Km fahren und alle dabei auftretenden Mängel akribisch beseitigen.

Ein „Carnet de passage“ sowie eine internationale Versicherung besorgen und los…

Gruss,
M.