Ich bin psychisch krank und bin im Moment mit meinem
behandelnden Psychiater etwas im Klinsch. Er hat mir vor ein
par Wochen meine Medikation, wegen einer psychotischen Phase,
hochgesetzt, seit dem geht es mir aber im Prinzip noch
schlechter (nichtmehr psychotisch aber dafür komplett
blockiert und ständig gereizt). Ich bin der Meinung eine
mittlere Dosis und ein Bedarfsmedikament würden es auch tun,
aber er lässt nicht mit sich reden. Deswegen habe ich mich
eben über meine Rechte als psychisch Kranker informiert und
gelesen, dass ich ein gewisses Mitspracherecht habe, was Art
und Umfang der Behandlung angeht.
Du hast als Psychiatriepatient nicht (nur) ein „gewisses Mitspracherecht“, sondern du hast volles Selbstbestimmungsrecht! Das ist ein großer Unterschied. Dieses Selbstbestimmungsrecht hat jeder Patient und es leitet sich unmittelbar aus Artikel 2 Grundgesetz ab. Dieses Recht verliert man auch nicht einfach so, nur weil man psychisch krank ist.
Dieses Selbstbestimmungsrecht bedeutet, dass grundsätzlich nichts gegen deinen Willen zu passieren hat.
Nun kann es vorkommen, dass in der Praxis dieses Recht dadurch eingeschränkt ist, dass der Patient nicht in der Lage ist, selber zu entscheiden. Das gilt für „normale“ Patienten, wenn sie bspw. bewusstlos sind, das gilt für Psychiatriepatienten gleichermaßen. Allerdings kann es hier Krankheitsbedingt häufiger vorkommen, dass das Recht auf Selbstbestimmung im Ergebnis eingeschränkt werden muss. Aber auch das kann nicht einfach so passieren, dem sind strenge Hürden durch das Betreuungsrecht vorgegeben.
Genauer nachlesen kannst du das u.a. hier:
http://www.lpen-online.de/index.php?option=com_conte…
In deinem Fall würde ich auch unbedingt mit dem Psychiater reden. So wie du schreibst, lehnst du das Medikament ja noch nicht einmal grundsätzlich ab, sondern es geht nur um die Dosierung. Die Gründe, die du nennst, sind berechtigt und hier von dir auch sehr vernünftig vorgetragen. Du hast alles Recht der Welt, das genau so auch bei deinem Psychiater zu tun. Dann ist er dran, dir plausibel zu erklären, warum er das nicht für richtig hält. Es kann natürlich sein, dass er dafür seinerseits sehr vernünftige Gründe hat. Die müsste er dir dann konkret benennen.
Dann müsste eine Abwägung beider Seiten stattfinden, damit ihr zu einer Lösung kommt, die beide Seiten tragen können. Das kann ein Verlängern der Testphase für weitere x Wochen sein, dass kann sein, erst einmal die niedrigere Dosierung zu probieren, um wieder höher zu gehen, wenn xy passiert oder noch irgendetwas anderes.
In jedem Fall ist Reden wichtig. Ergebnis des Gespräches sollte sein, dass du entweder tatsächlich zu einer anderen Dosierung (oder anderes Medikament oder andere Maßnahme) kommst oder verstehst und akzeptieren kannst, warum die jetzige Dosierung (ggf. erst einmal) richtig ist.
Die Kooperationsbereitschaft des Patienten (Compliance im Fachchinesisch) ist sehr wichtig, besonders in der Psychiatrie. Dein Arzt tut gut daran, wenn er sie fördert. Tut er das nicht, hättest du auch das Recht den Arzt zu wechseln, wenn du dir eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen kannst.
So wie du schreibst, scheinst du ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben. Das ist wichtig auf deinem Weg, bleib dran 