Mitwisserschaft gleich Mittäterschaft, oder was?

Hallo zusammen,

die Bundesanwaltschaft hat nun Klage gegen Beate Zschäpe erhoben. Ausgehend von den kursierenden Zeitungsartikeln gehe ich mal davon aus, dass es keine Beweise für eine Mittäterschaft sondern höchstens Indizien gibt, aus denen man schlussfolgern könnte, dass diese Frau von allem wusste.

Bei Wikipedia habe ich gelesen, dass Mitwisserschaft strafbar ist, wenn man von einer geplanten Straftat weiß, dies aber nicht zur Anzeige bringt. Daraus folgere ich, dass man kein Mitwisser sein kann, wenn man erst im Nachhinein von einer bestimmten Straftat erfahren hat. Mittäter kann man dann logischerweise auch nicht sein, weil die Tat längst geschehen war. Was will man einer solchen Person Nachweisbares vorwerfen? Das man mit den Tätern zusammengewohnt hat, ein unauffälliges Leben geführt hat wird doch jetzt nicht als Strafvereitelung gedeutet, oder doch?

Als Laie finde ich die Anklage schon etwas gewagt. Man schlussfolgert aus Indizien, dass die Person etwas gewusst haben muss, alles hätte verhindern können … und letztendlich Mittäter ist.
Bei mir entsteht der Eindruck, dass nicht die Beweislage sondern der öffentliche Druck dazu führt, dass Anklage erhoben wird. Die wahren Täter können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, es muss aber unbedingt irgendjemand dafür geradestehen.

Da ich mal davon ausgehe, dass hier einige Juristen mitlesen, würde ich gerne deren Meinung wissen.

Wäre die Anklage auch erfolgt, wenn es keinen öffentlichen Druck gäbe?

Ein Richter der hier etwas entscheiden muss wird sicherlich mächtig unter Druck stehen. Die Öffentlichkeit erwartet schließlich, dass die Angeklagte verurteilt wird. Wie schätzt ihr die Chancen der Angeklagten ein? Wird es in diesem Prozess Zweifel, die für die Unschuld der Angeklagten sprechen, geben, oder wird es sie nicht geben, weil es sie nicht geben darf?

In der Vergangenheit gab es sicherlich einige Prozesse gegen mögliche/tatsächliche RAF-Mitglieder. Wie sah es in diesen Prozessen eigentlich mit der Beweislage aus? Wurden damals auch Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen, oder hat man irgendwas konstruiert, um diese Terroristen auf jeden Fall hinter Schloss und Riegel zu bringen?

Bedanke mich schonmal für interessante Antworten und Meinungen.

MfG
Stephan

Als Laie finde ich die Anklage schon etwas gewagt. Man
schlussfolgert aus Indizien, dass die Person etwas gewusst
haben muss, alles hätte verhindern können … und letztendlich
Mittäter ist.
Bei mir entsteht der Eindruck, dass nicht die Beweislage
sondern der öffentliche Druck dazu führt, dass Anklage erhoben
wird. Die wahren Täter können nicht mehr zur Rechenschaft
gezogen werden, es muss aber unbedingt irgendjemand dafür
geradestehen.

du kennst die beweislage nicht, die öffentlichkeit kennt die beweislage nicht, nur die ermittelnden behörden kennen die beweislage…
also ist es mal wieder völlig überflüssig über einen sachverhalt bzw. über mögliche delikte zu diskutieren, über den man nur spekulieren kann.

übrigens genügt für die erhebung der anklage der hinreichende tatverdacht, § 170 stpo, eine hohe wahrscheinlichkeit, dass der beschuldigte täter/teilnehmer einer straftat ist (dringender tatverdacht), braucht es dafür nicht.

Hallo

die Bundesanwaltschaft hat nun Klage gegen Beate Zschäpe
erhoben. Ausgehend von den kursierenden Zeitungsartikeln gehe
ich mal davon aus, dass es keine Beweise für eine
Mittäterschaft sondern höchstens Indizien gibt, aus denen man
schlussfolgern könnte, dass diese Frau von allem wusste.

Meines Wissens nach geht es um mehrere Vergehen:

Bildung/Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
10x Mittäterin Mord
5x versuchter Mord
Besonders schwere Brandstiftung
15x Mittäterin bewaffneter Raubüberfall

Ich denke auch, dass speziell die Mittäterschaft an den Morden kein Selbstläufer ist, aber das rauszufinden ist ja nun mal Sinn des Verfahrens.

Das sowas natürlich auch ne gesellschaftliche und politische Komponente hat, ist doch klar, es geht in meinem Augen dann darum ob man sich irgendwelchem (Medien-) Druck beugt oder ob alles rechtsstaatlich abhäuft.

Grüße
.L