Mobbing

Hallo,

ich habe einen autistischen Sohn (Asperger), 12 Jahre alt, der hier im Dorf (2000 Einw.) gnadenlos gemobbt wird. Das Mobbing durch den Dorfpöbel (fast die gesamte Dorfjugend mittlerweile) droht jetzt auch auf die Familie überzugreifen. Vorreiter dieses Mobbings ist ein einziger, kriminell veranlagtes Junge, der ein ehemaliger Klassenkamerad ist, und schon einmal ein Jahr im Erziehungsheim verbracht hat. Seit er da wieder rausgekommen ist, ist er noch hinterfotziger und hinterhältiger geworden. Gespräche mit seinen Eltern sind sinnlos (Zitat vom Vater: Wenn ich seinen Sohn einmal anlange, dann bricht er mir sämtliche Arme und Beine und pisst mir danach in den Hals…). Der Apfel fällt da nicht weit vom Stamm…

Wenn ich im Dorf mit jemanden darüber reden will, stoße ich eigentlich nur auf Unverständnis. Da mein Sohn schon einmal ein Klasse übersprungen hat und das Gymnasium besucht, sehen die Leute das Problem nicht und wollen auch nicht hinschauen. Nun ist die Behinderung nicht sichtbar, und den Ratschlag, den ich immer bekomme ist: Das sollen die Jugendlichen unter sich selber ausmachen, als Erwachsener soll man sich da nicht einmischen. Das wäre aber so, als würden die Jugendlichen einen Rollstuhlfahrer immer aus dem Rollstuhl kippen, liegenlassen und die Erwachsenen sagen dann, das sollen die selber unter sich ausmachen. Das kann ja wohl die Lösung nicht sein.

Meine Frage: hat jemand da Erfahrung, oder kann mir eine Beratungsstelle im südbayerischen Raum (oder auch woanders) nennen. Meine eigenen Recherchen im Internet waren da leider nicht besonders ergiebig.

Gruß
Michael

Hallo Michael,

eine Hackordnung kann gnadenlos sein und dem Opfer das Leben unerträglich machen. Der Betroffene, der ausgeguckt wurde, unterscheidet sich in irgend einer Weise vom Durchschnitt. Er mag besonders begabt oder in sich gekehrt sein, nimmt vielleicht nicht an allgemeinen Belustigungen teil, ist schwächer oder was auch immer. Bitte verstehe das Folgende nicht falsch, ich will nicht das Opfer zum Täter machen. Aber Opfer wird kaum jemand ganz von alleine. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Opfer und Täter(n) und es gibt Menschen, die sich besonders gut für die Opferrolle eignen. Das schicke ich nur voraus, weil man sich als Realist mit einigen Dingen der Umgebung weitgehend abfinden muß. So wird es Dir nicht gelingen, aus Flegeln mit ebensolchen Eltern umgängliche Menschen zu machen. Sie sind und bleiben Ekelpakete, weil sie damit in ihrem Umfeld zurecht kommen.

Es hilft auch nicht wirklich weiter, Schuldfragen zu erörtern. Es bringt also nichts, bestimmte Gruppen als „Pöbel“ zu bezeichnen und eine Änderung deren Verhaltens einzufordern. Dabei störe ich mich nicht am Begriff „Pöbel“ - für einige Menschen ist das die einzig treffende Bezeichnung - meine aber, daß man als Betroffener Erziehungsversuche getrost vergessen kann. Es wird alles nichts helfen. Das gilt natürlich nur, solange es nicht zu Übergriffen kommt, die strafrechtlich relevant sind.

Dein Sohn muß aus der Opferrolle heraus. In die Opferrolle führt oft mangelndes Selbstbewußtsein beim Umgang mit anderen Menschen. Dein Sohn ist autistisch. Das erschwert die Situation. Dennoch sollten Maßnahmen bei Deinem Sohn ansetzen. Ich würde Maßnahmen für sinnvoll halten, die ihn in eine Gruppe einbinden. Idealerweise eine Sportart, die nur in der Gruppe ausgeübt werden kann. Es gibt da so unendlich viel, z. B. Ballsportarten aller Art, Rudern (natürlich nicht gerade im Einer). Damit erreichst Du, daß Dein Sohn aus seiner Isolation heraus kommt, daß er Sozialverhalten einübt und Selbstbewußtsein wachsen kann. Kontraproduktiv und alle Bemühungen störend wäre dabei allerdings, wenn sich Dein Sohn von den Mannschaftskameraden unterscheiden würde, etwa durch die edelste Sportkleidung oder auch dadurch, daß Du ihm auf Schritt und Tritt mit der virtuellen Käseglocke in der Hand nachläufst.

Bitte beachte, daß dies Ratschläge eines pragmatisch denkenden Vaters und nicht etwa die eines Psychologen sind.

Gruß
Wolfgang

Hallo Michael,
nenne doch bitte den Namen von diesem Dorf.Vielleicht haben die eine Website.Ich wusste nicht dass es noch solch gemeine Menschen gibt.

Gruß Feudelio

Hallo,
wie Wolfgang schon sagt, ist Euer Problem sicher nicht mit
Beschuldigungen, Anzeigen und Beschimpfungen zu lösen (das
will ich natürlich auch nicht unterstellen).
Aber vielleicht ein Tip: In kleinen Gemeinden und speziell
in Bayern sollte so es in jedem Dorf eine aktive Kirchgemeinde
geben.
Könnt Ihr über das Problem mit dem Pfarrer reden?
Habt Ihr bzw. der Sohn die Möglichkeit sich in der christlichen
Jugend zu betätigen? Könnt Ihr in Kontakt mit den Christen
kommen? Da sehe ich eine gute Chance, zumindestens einen
Teil der Dorfbevölkerung auf seine Seite zu bringen bzw.
einen gewissen moralischen Schutz in Anspruch zu nehmen.
Machen „guten Katoliken“ muß auch mal ins Gewissen geredet
werden, damit er sich wieder auf Nächstenliebe besinnt.
Für irgendwas muß es ja auch schließlich gut sein, daß viele
am sonntag in die Kirche gehen.
Gruß und hoffentlich einen gewissen Erfolg für Zukunft
Uwi

Hallo Feudelio,
was hat das Dorf (hat eine Website) damit zu tun??

Gruß
Michael

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ein paar Links
Hallo Michael,

da stelle ich mir vor: Autismus ist eine Behinderung, und somit stellt man als Familie mit einem behinderten Kind eine Randerscheinung dar, gerade in einem kleinem Ort.
Den meisten Leuten im Dorf wird gar nicht so klar sein, wie sehr dieser entgleiste Lümmel mit seiner Bande Euch das Leben schwer macht, weil sie es nicht wahrnehmen können oder wollen.
Vielleicht sogar werden einige denken, dass Gott-sei-Dank nicht ihr Sohn in der Schußlinie der Wildgewordenen ist.

Aber ich denke, dass Dein Sohn es nicht mehr alleine schaffen wird, falls er einen Verteidigungskurs erlernen wird, wenn er überhaupt dafür Begabung und ausreichend Interesse hat. Es gibt Kinder, denen fehlt die innere Einstellung und auch Vorstellungskraft dazu, sich zum gegebenen Zeitpunkt gegen Handgreiflichkeiten effektiv wehren zu können. Bis er dann wirklich ausreichend Selbstbewußtsein erlangt hat (sei es durch Judo, Sport oder Fußball), vergeht zuviel Zeit.

Hat er Schwierigkeiten auf dem Schulgelände, dann kann man die Schule um Unterstützung bitten, die zum Eingreifen verpflichtet ist. Dafür ist zum Beispiel neben dem Direktor ein Schulpsychologe oder ein von der Stadt engagierter für die Schule zugewiesener Sozialarbeiter zuständig.
Schikanen außerhalb der Schule, dafür dürfte nach meinem Gefühl die Polizei zuständig sein. In größeren Städten gibt es dafür Beratungsstellen:
http://www.polizei.propk.de/rathilfe/suche.xhtml
Ich denke, dass Euer Fall nicht selten und nicht ungewöhnlich ist. Dabei könnte ich mir vorstellen, dass man sich gerade da mit den Grundsätzlichkeiten von mobbing unter Jugendlichen geschäftigt hat.
Ich würde mir eventuell auch Rat von einem Fachmann suchen, der sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Vielleicht hilft
diese Seite weiter:
http://www.psychotherapiesuche.de/
Eventuell wäre da ein Familientherapeut geeignet, oder jemand, der viel mit Jugendlichen umgeht, und diese Probleme kennt.

An Eurer Stelle würde ich mich um Verbündete bemühen, also versuchen unter den Leuten im Dorf, zu denen das Verhältnis neutral ist, ein positives Verhältnis zu erlangen. z.B.Nachbarschaftlichkeiten pflegen „ich fahre gerade zum Edeka, kann ich was mitbringen.“ Ein bisschen mehr von sich selbst erzählen, aber nicht von dem Problem mit dem Sohn. Public relationship in eigener Sache. Und dann ist auch eher mit Betroffenheit von Nichtbetroffenen zu rechnen. Aber auch das dauert seine Zeit, die Ihr wahrscheinlich nicht habt.

Die Idee mit dem Pfarrer fragen finde ich gar nicht so schlecht, kommt natürlich auf die Person an. Es gibt manchmal ganz engagierte Seelsorger, die sogar super Ideen haben, und Euch raten oder helfen können. Und es gibt andere… :wink:

In der Seite vom weissen Ring habe ich auch mal nachgeschaut. Die beschäftigen sich unter anderem auch mit Gewaltprävention. Ich traue mich gar nicht Dir diese Seite vorzuschlagen. Aber auch das kann eine Möglichkeit sein, da mal hinzuschreiben oder anzurufen. Mehr als ein Schulterzucken kann nicht kommen.
http://www.weisser-ring.de

Nun wünsche ich Euch viel Kraft und Mut.
liebe Grüße
Claudia

Hallo Michael!

was hat das Dorf (hat eine Website) damit zu tun??

Öffentlichkeit!
Wenn der Drahtzieher dieser Schweinerei keine Mitläufer mehr hinter sich hat erledigt sich alles von alleine.

Gruß Feudelio

Hi grille,
in einem Kaff wie diesem gewinnst du nur sehr schwerlich Zugang zu den Leuten, wie du es vorschlägst, was hier erlebt wird, ist äußerst unmoralisch aus der Gesellschaft heraus gegenüber dieser Familie, der Pfarrer könnte hier wohl am ehesten vermitteln.
Selbst lebe ich in einem etwas größeren Kaff und erlebe selbst solch ein Mobbing mit aller Arten von Psychoterrors, die du dir nur vorstellen kannst, in meinem Fall ist es nur ein Neid mir gegenüber , weil ich aufgrund meiner Tätigkeit erfolgreich geworden bin ( großer Lob mir gegenüber aber nur aus einer Demut heraus `)und diese Person erlebt nur Mißerfolge, der größte Klopfer ist jedoch, daß dieser Perosn geglaubt wird, und mir unterstellt wird, ich würde diese Person verunglimpfen usw.
Hier ist nur ein Beispiel, wie schwer man Zugang zu Leuten ausm Kaff bekommt, wer zu einem steht usw.
Hier wir´d glaub ich auch aus Neid gegenüber der Familie gehandelt, du glaubst gar nicht, wie hoch der Neidfaktor sein kann, allein schon wenn eine Familie zusammenhält und " glücklich" ist oder auch nur erscheint.
Tschüßße

ich habe einen autistischen Sohn (Asperger), 12 Jahre alt,

Erlebt ER sich als Autist? Du beschreibst ihn als zielstrebig und nicht als überbehütet Suchenden im Lichtschacht. Oder sind es in erster Linie deine Ziele, die er unverändert übernimmt? WENN er tatsächlich seine Probleme dir gegenüber verbalisiert, ist er vielleicht ein guter Sohn, aber deshalb noch lange kein Autist.

der gnadenlos gemobbt wird.

Jobst du außerhalb der Gemeinde oder kannst du den Robin Hood in Event-Planungen vorort einbeziehen? Es muss ja nicht unbedingt Zielpinkeln sein. Wenn sein Vater so spontan ist, dass er die Dorfjugend mobilisieren kann, ist das eine Chance. Es gibt nichts Reizvolleres, als Widerstand zu utilisieren, jeder Widerspruch eine Einladung, zumindest für gelernte Autisten… Jaja, die Überflieger. Feel Spass vorort.

Hallo Wolfgang,

Dein Sohn muß aus der Opferrolle heraus. In die Opferrolle
führt oft mangelndes Selbstbewußtsein beim Umgang mit anderen
Menschen. Dein Sohn ist autistisch. Das erschwert die
Situation. Dennoch sollten Maßnahmen bei Deinem Sohn ansetzen.
Ich würde Maßnahmen für sinnvoll halten, die ihn in eine
Gruppe einbinden. Idealerweise eine Sportart, die nur in der
Gruppe ausgeübt werden kann. Es gibt da so unendlich viel, z.
B. Ballsportarten aller Art, Rudern (natürlich nicht gerade im
Einer). Damit erreichst Du, daß Dein Sohn aus seiner Isolation
heraus kommt, daß er Sozialverhalten einübt und
Selbstbewußtsein wachsen kann. Kontraproduktiv und alle
Bemühungen störend wäre dabei allerdings, wenn sich Dein Sohn
von den Mannschaftskameraden unterscheiden würde, etwa durch
die edelste Sportkleidung oder auch dadurch, daß Du ihm auf
Schritt und Tritt mit der virtuellen Käseglocke in der Hand
nachläufst.

Grundsätzlich gebe ich dir Recht, aber bei einem autistisch behinderten Kind greifen deine Vorschläge leider kaum. Darin besteht ja gerade die Behinderung: dass die verzerrten Wahrnehmungen das soziale Miteinander so erschweren. Mannchaftssportarten sind für ein autistisches Kind geradezu unmöglich: es kann weder seine Aufmerksamkeit auf mehrere Personen gleichzeitig richten noch dieses Gewusel und die meist damit verbundene Geräuschkulisse ertragen. Aspergerautisten sind dazu auch noch motorisch sehr ungeschickt, er würde sich also in seiner Mannschaft nicht besonders beliebt machen. Rudern wäre schon eher was, aber das gibt es ja nicht gerade in jedem Dorf.

Viele Grüße
Susi