Mobbing eines Meisters

Hallo Community,
ich hoffe hier ein paar Tipps zu meinem Problem zu bekommen. Das kuriose ist, dass es nicht um mich als Person geht, sondern um einen Kollegen.
Ein Meister bei uns ist fachlicher Vorgesetzter ist und mobbt einen seiner Untergebenen, indem er diesen wohl häufig mit aggressiver Stimme angegangen haben soll. Der betroffene Mitarbeiter war 2 Wochen krank und leidet an einem Tinitus (Hörsturz) und akutem Schlafmangel. So etwas denkt sich meiner Meinung nach keiner so einfach aus.

Nun muss ich, als Vorgesetzter des Meisters, natürlich reagieren. Zur Info: Ich bin sein Vorgesetzter. Mein Vorgehen in einem Gespräch wäre ihn direkt mit den Vorwürfen zu konfrontieren und seine Sicht der Dinge anhören.

Könnt Ihr vielleicht auch noch Tipps geben, was bei so einem Gespräch und generell bei solchen Fällen zu beachten ist.

Hallo orren,

der Gemobbte war ja nun zwei Wochen krank. Dies wäre zum Anlass zu nehmen, sich Studien betreffs des volkswirtschaftlichen Schadens dieses üblen Gebahrens zu besorgen und erstmal mittels dieser Unterlagen gleich zur Einleitung des Gesprächs deinem Untergebenen sachlich, aber bestimmt damit zu konfrontieren, in welchem Aussmas Mobbing ein Unternehmen zu schädigen in der Lage ist.

Dann in aller Deutlichkeit deine Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf hervorheben und dem mobbenden Meister dahingehend in die Pflicht nehmen, dass du schon rein aus ökonomischen Gründen geradezu gezwungen bist, jegliche Mobbingvorfälle unter allen Umständen zu unterbinden.

Dieses dem Mobber klar zu vermitteln ist das Allerwichtigste.

Hoffe, dies waren ein paar hilfreiche Anregungen.

Gruß

Annie

Hallo Orren,
ich finde es zunächst mal super von Dir, das du Dich in dieser Weise darum kümmerst. Vorgesetzte, die sich auch um die sozialen Belange der Mitarbeiter kümmern sind nicht so dicht gesäht!

Zum Thema: Zum Thema Mobben findest Du Hilfeseiten im Netz - auch wenn es hauptsächlich für Betroffene gemacht ist (obwohl: irgendwie bist Du ja auch betroffen) findest Du hier Anregungen und auch qualifizierte Ansprechpartner.

Ich stimme Awful Anny nicht ganz zu: Der Meister ist ja auch Dein Mitarbeiter. Ich habe die Befürchtung, dass der Druck, den Du auf ihn ausüben würdest auch wieder ein Ventil braucht und dann vielleicht wieder Schaden angerichtet wird.

Nun ist ja der Umgang mit Mitarbeitern auch ein Beurteilungskriterium für Vorgesetzte. Die Kommandowirtschaft will doch eigentlich keiner und die Mitarbeiter sollen doch weitgehend „verantwortlich“ handeln. Ich meine, der Meister kann bei diesem Kriterium „Menschenführung“ noch einiges verbessern, was sich dann ja auch bei seinen Beurteilungspunkten auswirken würde.

Ich will hier nicht den Weisen Mann machen - nur einen Denkanstoss geben. Ich kenne ja keinen der Beteiligten und jeder Fall und jede „Betriebssoziologie“ :wink: ist ja irgendwie anders.

Kannst Du vielleicht den Mitarbeiter noch etwas aus der Schusslinie nehmen?

Wenn das alles nichts nützt - klar: dann sind wir bei Awful Anny. Das Verhalten ist so nicht zu tolerieren und kann abgemahnt werden. Aber das würde ich für später aufheben.

Alle Gute und bleib wie Du bist (jedenfalls in dieser Hinsicht)

Gruss

Uli

Hallo orren,

wie auch meine Vorredner finde ich’s gut und wichtig, dass Du eingreifen willst.

Allerdings liest sich mir Deine Schilderung eher nach „mir ist da zu Ohren gekommen“. Also sowas wie „indem […] wohl […] angegangen haben soll“. Nun ahne ich nicht, woher Dir das zu Ohren gekommen ist, sprich wie zuverlässig diese Information ist. Wenn der Herr Opfer aber inzwischen schon wegen solcher Sachen krank ist, scheint mir das Problem nicht erst seit gestern zu bestehen.

Das heisst, da ist das Kind schon mächtig in den Brunnen gepurzelt. (Sorry, das klingt jetzt ein bisserl wie ein Vorwurf an Dich, ist aber keiner). Kannst Du denn bevor Du irgendwas überstürztes tust, versuchen mehr zum Verhältnis der Leute in Eurer Werkstatt (ich nehme an, es geht um sowas?) rauszukriegen? Vielleicht kannst Dich ja „unauffällig“ mal ne Weile dort rumtreiben und Augen und Ohren offen halten. Ist der besagte Herr Meister wirklich aggressiv? Sind andere Kollegen auch „bös“ zum Herrn Opfer? Wie reagiert der Herr Opfer? Einfach nur gucken, beobachten und nicht einmischen, so dass Du ein Bild von der Situation kriegst.

Nun weiss ich nicht wie die Organisation bei Euch ist, wie gross der Laden ist, wie generell Dein Verhältnis zu den Herren Meister und Opfer ist. Habt Ihr irgendwas wie nen Betriebsrat, Vertrauensleute oder Personaler (und damit meine ich nicht "die Sekretärin im 3-Mann-Laden die die Gehälter macht sondern jemanden der Experte ist) oder sowas, die Dich unterstützen könnten?

Normalerweise würde ich ja sagen, „red mit den Leuten, einzeln“. Allerdings brauchst Du dazu extrem viel Feingefühl, damit die Sache danach nicht weiter eskaliert. Darum würde ich - so vorhanden - jemand von den oben erwähnten Leuten nehmen. Bevorzugt natürlich jemanden von dem Du weisst, dass er bei den beiden anerkannt ist.

Sodele - warum finde ich das Gespräch nun so kritisch? Beide - sowohl Herr Opfer als auch Herr Meister - könnten das als Angriff werten. „Jetzt muss ich auch noch zum Chef“. Beim Herrn Meister könnte das zu noch mehr Mobbing führen, beim Herrn Opfer zu noch tieferer Verzweiflung. Also sehr trickreich.

Gerade beim Opfer seh ich das kritisch. Schau, der ist unglücklich im Job, muss aber aus Dir nicht bekannten Gründen dort „ausharren“. Nun ist das für ihn schon so schlimm, dass die Gesundheit angreift und er ist „auch noch“ krank. Und zu allem Überfluss wird er dann auch noch zum Chef „zitiert“. Vielleicht weiss er auch, dass er - vielleicht wegen des Mobbings, vielleicht aus persönlichen Gründen, vielleicht auch nur durch die agressive Art des Meisters eingebildet - in der letzten Zeit „schlecht“ gearbeitet hat und fürchtet nun um seinen Job. Das heisst, wenn das Opfer zu Dir kommt, musst Du schon genau im Bilde sein „ich habe gesehen wie der Herr Meister mit Ihnen umgeht und finde das nicht in Ordnung und möchte mit Ihnen gemeinsam dieses Problem lösen“

Dazu ist’s aber - siehe oben - wichtig, dass Du ein möglichst unverzerrtes Bild von der Situation hast und Dir vom Herrn Opfer nur noch erzählen lassen musst, wie er das empfindet. Wichtig finde ich, dass Du ihn wissen lässt, dass Du solches Verhalten vom Herrn Meister nicht duldest und voll hinter dem Herrn Opfer stehst.

Das Gespräch mit dem Herrn Meister würde ich vorher führen. Allerdings wirklich zeitlich knapp vorher. Also der Herr Meister von 8 bis 9, der Herr Opfer dann von 9 bis 10 :wink:
Vorher deswegen, damit Du Herrn Opfer gegebenenfalls ein bisserl zur Motivation vom Herrn Meister erklären („der tut doch nix - im Gegenteil, er ist hoch zufrieden mit Ihrer Arbeit“). Allerdings wäre ich hier mit Vorwürfen zunächst extrem sparsam, bis Du auch Herrn Opfer gehört hast.

Und wenn Du dann beide Herren gehört hast, denkst Du nochmal drüber nach und tauscht Dich mit der anwesenden Vertrauensperson aus und Ihr überlegt wie man weiter vorgeht. Können Herr Meister und Herr Opfer ihr Verhalten so ändern, dass sie gemeinsam effizient weiter arbeiten? Oder kann einer der beiden in eine andere Arbeitsgruppe gehen? Oder muss einer von beiden den Laden verlassen? Schickt Ihr beide gemeinsam in ein zehnwöchiges Dschungelcamp? Was auch immer, das ergibt sich dann aus der Ausgangsssituation und den Gesprächen mit den beiden.

*wink* und ein glückliches Händchen wünsch ich Dir

Petzi

Ich möchte gerne noch ein paar Hintergrundinformationen geben, welche die Aussagen des Kollegen untermauern.

Der Kollege hat die Probezeit problemlos überstanden. Begonnen hat das ganze mit einem einschneidenden Erlebnis. Der Kollege hat eine Rotschwäche beim sehen. Dies hindert ihn jedoch nicht bei seiner Tätigkeit und ist somit völlig unbedenklich. Als der Meister davon Kenntnis erreichte hat er das entsprechend andere Verhalten an den Tag gelegt.
Der Kollege hat übrigens mehrere Vorfälle genannt, nachdem ich ihn direkt darauf angesprochen habe.