Und ich persönlich denke, dass es wichtig ist, solche Firmen
und deren MA zu retten.
Hallo Marco,
vor allen Dingen ist es wichtig, gesunde Unternehmen zu haben. Faule Früchte infizieren den Rest und kosten weiteres Geld, in diesem Fall Steuergeld.
Gerettet ist das Unternehmen keineswegs. Überschlage einmal: Mobilcom hat irgendwo zwischen 6 bis 8 Mrd Schulden. Die 400 Mio, für die der Fiskus gerade stehen will, decken die Größenordnung der Jahreszinsen für die Schulden. Es ist Futter für die beteiligten Banken. Nun muß man wissen, daß die UMTS-Lizenz, wenn Sie nicht einfach nur in den Wind geblasenes Geld sein soll, noch einmal Kosten in gleicher Größenordnung für ein engmaschiges Sendernetz erfordert. Kein Mensch weiß bis heute, woher die verschuldete Branche dieses Geld nehmen will. Selbst wenn dieses Geld auf wundersame Weise beigebracht werden kann, ist es noch mehr als wackelig, daß sich überhaupt ausreichend Abnehmer für die gebotenen Spielereien finden. Von einem Rückfluß investierter Mittel kann also noch lange nicht die Rede sein. Es sind im Gegenteil noch einmal so hohe Aufwendungen fällig, bevor die Technik überhaupt funktionieren kann. Vorher sind nicht einmal bescheidenste Rückflüsse möglich.
Die Macher nicht nur bei Mobilcom konnten schön träumen, als die Börsenkurse für Windbeutel am Neuen Markt in die Höhe schossen. Bei 200 Euro pro Aktie konnte richtig abgesahnt werden. Heute steht der Kurs bei 1 Euro, 3 Euro…ist auch egal, das Papier ist weitgehend wertlos und die Börse ist für Mobilcom kein Finanzierungsinstrument mehr. Das Unternehmen hat nichts, ist nichts, ist nur ein Händler, der fremde Dienstleistungen durchlangt, ohne selbst eine irgend erkennbare Leistung zu erbringen.
Politiker schwadronieren seit Jahren im Zusammenhang mit Mobilcom von Technologie. Lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre! Mobilcom hat keine Technologie! Rein nichts! Null! Mobilcom ist ein Dealer, der An- und Verkauf betreibt. Zudem ein Dealer, der eine teure Lizenz erworben hat, die er nur mit Leben ausfüllen kann, wenn man ihm weitere Milliarden gibt. Für Mobilcom ist das UMTS-Geld in den Sand gesetzt. Mit einem viel stärkeren Partner könnte Herr Schmid etwas daraus machen, aber dieser Partner hat gerade das Handtuch geworfen. So hat die ganze Branche nur noch die UMTS-Schulden als Klotz am Bein, aber der Rückenwind von der Börse ist weg und es ist nicht zu erkennen, woher die Kraft kommen soll, noch einmal die gleichen Beträge aufzubringen, um die technische Infrastruktur zu schaffen. Mobilcom ist endgültig auf die Rolle des perspektivlosen Zwischenhändlers reduziert.
Nun sind da die 5000 Büdelsdorfer Arbeitsplätze. Schade drum, aber es will mir nicht einleuchten, in ein mausetotes Unternehmen ohne eigene Dienstleistung/eigenes Produkt so viel Geld zu stecken. Es kann nur so enden, daß sehr bald das Geld fort ist und die Arbeitsplätze auch. Jeder einzelne Arbeitsplatz wird jetzt mit 80 T€ letztlich aus dem Staatssäckl gestützt. Das ist der Hauptgrund meines Ärgers. Da wird vom Technologiestandort Büdelsdorf geredet. Die Bürgschaftsbanker und Politiker in SH sind ganz stolz darauf, aber sie pumpen das Geld in Handelsunternehmen. Sollen sie es doch in Technologieunternehmen investieren. Wenn ein Mittelständler mit eigener Technologie und eigenem Produkt eine Bürgschaft von 80.000 Euro pro Mitarbeiter je bekäme, stellt er etwas vom Feinsten auf die Beine und schafft tatsächlich Arbeitsplätze, die sich rechnen. Wer je versuchte, von der landeseigenen Bürgschaftsbank für ein tragfähiges Konzept mit Patenten und Kunden im Kreuz einen nennenswerten Betrag wenigstens verbürgt zu bekommen, weiß, wovon ich rede. Das ist für kleine Unternehmen, die vor Motivation und Substanz nur so strotzen, geradezu aussichtslos. Da muß der Weg über die „Hausbank“ gegangen werden, die Bürgschaftsbank verbürgt einen Teil und der Betriebsinhaber übereignet letztlich sein gesamtes Vermögen vom Dach über dem Kopf über die Altersversorgung bis zur Unterhose.
Deshalb treibe ich hier geradezu „Kampfposting“, weil unsere Politiker auf den Wahltermin schielend Steuermillionen in tote und überflüssige Unternehmungen stopfen, aber eine wirksame Förderung der KMU nicht stattfinden lassen. Ein Beispiel für die Schieflage: Mobilcom - eben eine bedeutungslose Durchreiche für anderweitig erbrachte Leistungen - erhält 80 T€ pro Arbeitsplatz. Während der Elbeflut vollständig zerstörte Handwerks-, Dienstleistungs- und Herstellbetriebe erhalten für den kompletten Betrieb (!!) maximal 50 T€. Ich halte das für eine erschütternde Schieflage. Dabei meine ich nicht, daß die vom Hochwasser betroffenen Betriebe mehr Geld bekommen sollten (wenn sie es denn überhaupt jemals erhalten), denn immerhin muß das Geld ja irgendwo herkommen. Nein, aber das Geld für Mobilcom kann man lieber stilvoll verbrennen, denn es wird bei Mobilcom ohnehin restlos vernichtet, so wie auch die Holzmann-Millionen vorhersehbar einfach nur verblasen wurden. Es macht keinen Sinn, tote Unternehmen und Firmen in übersättigten Märkten zu stützen. Zwar können sich jetzt Politiker hinstellen und sich wegen geretteter Arbeitsplätze selbst beweihräuchern. Tatsächlich aber wurde das Aus für die Arbeitsplätze im mausetoten Unternehmen nur ein wenig verschoben und viel Geld vernichtet, mit dem sich Initialzündungen für weit mehr als 5000 Arbeitsplätze auslösen ließen.
Für die Kreuzchen am 22. September ist wohl jedes Mittel recht.
Gruß
Wolfgang