Mobilfunkprovider fordert 1070 Euro für GPRS

Hallo allerseits,

ich hoffe jemand kann mir bei folgenden fiktiven Fall helfen, er ist nicht hochkomplex, aber ich will ihn möglichst genau beschreiben.

Zunächst die schnelle Zusammenfassung:

Telefonnutzer T werden von seinem Mobilfunkprovider M für eine angebliche GPRS-Nutzung Kosten von 1070,10 Euro (eintausendundsiebzig) ‚angehängt‘ obwohl er diesen Dienst nie (wissentlich und absichtlich) genutzt hat, sondern wenn dann höchstens durch vergessene Tastensperre und versehentliches Auslösen. Was kann T tun, damit er diesen Wahnsinnsbetrag nicht bezahlen muß?

Im Folgenden die Details von T, ich bin lieber etwas ausführlicher, in der Hoffnung, damit alle relevanten Hintergrundinformationen aufzuführen:

T hat einen Mobilfunkvertrag bei Eminus (Inklusivminuten und -SMS, 25 Euro/Monat) mit 24 Monaten Laufzeit, der sich um 12 Monate verlängert hat und den T inzwischen zu Mitte Oktober gekündigt hat. Der Vertrag sei von 2004, der GPRS-Tarif ist wie damals üblich Bestandteil des Vertrages, und nicht explizit verlangt worden. Das Handy von T ist ein inzwischen 3 Jahre altes Nokia E50 ohne Kamera, also extrem Nicht-Multimedia, man könnte sagen, die Antithese vom iPhone. Vor einigen Tagen hat T festgestellt, daß er niemanden mehr anrufen kann und auch keine SMS schicken kann. Er hat daraufhin M angerufen und hat vorher in seinen Online-Account geschaut, wo die aktuellen Kosten aufgeführt sind.

Dort hat er gesehen, daß ihm für den 8. Juli 3 Positionen GPRS-Nutzung aufgeführt werden. In der Aufstellung steht zwischen den Gesprächen exakt Folgendes:

_- 08.07.2009 23:21:26 wap.eplus GRPS Dienst volumenbasiert 241 KB

  • 08.07.2009 23:21:26 wap.eplus GRPS Dienst volumenbasiert 42.81 MB

  • 08.07.2009 20:51:38 wap.eplus GRPS Dienst volumenbasiert 9.283 MB_
    Für diese Positionen wurden ihm Gebühren von 1070,10 Euro berechnet, was er in der separaten Online-Kostenübersicht unter dem Punkt „Summe GPRS-Daten: 1070,10 Euro“ sehen konnte.

T wurde weder per Telefon, SMS, Email oder Post mitgeteilt, daß ihm die Karte gesperrt wurde, und er vermutete einen technischen Fehler. Bei der Eminus-Hotline wurde er zunächst von der allgemeinen auf die Finanz-Hotline verwiesen, die ihm mitteilte, daß „diese Kosten eben bei Eminus angefallen sind“ und kein Irrtum vorliegen kann. Diese hohen Kosten seien auch der Grund, warum T die Karte am 10. Juli gesperrt wurde. T sollte M doch 1.100 Euro Vorkasse überweisen, dann würde die Karte wieder freigeschaltet.

T hat den GPRS-Dienst definitiv nicht benutzt, zur fraglichen Zeit war er beispielsweise bei einem Abendessen. Einzige Möglichkeit ist, daß der Dienst durch eine aufgehobene Tastensperre unabsichtlich ausgelöst wurde, das geht wohl relativ einfach. T weiß allerdings nicht wie, denn er weiß nicht einmal, wie man diesen Dienst mit seinem Handy nutzt, geschweige denn, was man damit machen kann.

In anderen Foren habe ich von mehreren derartigen Fällen gelesen, die einfache Aktivierung und die extrem dezente Visualisierung (Mini-Zeichen unter dem Empfangsbalken) ist wohl von Herstellern und Netzbetreibern gewollt. T wäre also nicht der erste, der „Opfer“ dieser Kostenfalle geworden ist. Ich weiß, daß man sich darauf nicht berufen kann, denn man könnte ja auch versehentlich in Japan anrufen und hätte die Gesprächskosten zu tragen. Trotzdem gibt in T’s Fall einige Punkte, die ich extrem diskussionswürdig finde:

  1. T konnte auch nach mehrmaligen weiteren Auskunftsversuchen keine weiteren Informationen (z.B. wie lange die Verbindung genutzt wurde oder warum es 2 Positionen zur exakt gleichen Uhrzeit gibt) zu den o.g. Positionen erfahren. „Es muß abgewartet werden, bis die Rechnung ausgestellt wurde, vorher läßt sich da nichts machen.“ war die Antwort. Die Rechnung kommt allerdings erst Anfang August, so daß T also insgesamt 3 Wochen lang warten müßte, bis er den geforderten Betrag sozusagen mit Rechtsgrundlage überweisen könnte.

  2. Zusammengenommen soll T angeblich etwa 52MB Traffic erzeugt haben. Das ist vor dem Hintergrund, daß T den Dienst unabsichtlich und unbewußt in der Hosentasche aktiviert hätte, schon komisch, denn wäre er zwar online gewesen, hätte aber keine Dienste genutzt, Emails verschickt, Seiten angeschaut, Dateien heruntergeladen, was auch immer eben notwendig ist, um einen derartigen Traffic zu erzeugen. Dieser Traffic hat sich also „selbständig“ erzeugt, also ständiger Datenaustausch auch ohne Aktivität.

  3. T hat angeblich 52 MB Traffic erzeugt. Dafür werden ihm 1070 Euro berechnet. Das macht über 20 Euro pro MB. Ist das nicht Wucher? Aktuelle Tarife liegen bei 49 Cent/MB. (Auf Nachfrage hat T erfahren, daß „sein“ GPRS-Tarif bei 2 ct/Kilobyte für WAP-Dienste (Eminus-Portal) sowie 0,6 ct/Kilobyte für Internetverbindungen liegt, der Dienst nennt sich GPRS by call.)

  4. Müßten bei derartig hohen Unit-Kosten, die durch derartig einfache Mechanismen entstehen können, nicht Kostensperren eingerichtet werden? Ich bin schon ein Vertreter des Konzeptes der Eigenverantwortlichkeit, aber irgendetwas läßt mich fühlen, daß es nicht legal sein kann, daß T innerhalb von ein paar Stunden mit einem normalen, zudem ziemlich relativ veralteten Mobiltelefon unabsichtlich, unwissentlich und zudem passiv (T hat in dem Fall ja nichts „gemacht“ mit seiner GPRS-Verbindung) ein halbes Netto-Monatsgehalt verballern kann. Es geht schließlich um die Nutzung eines normalen Mobiltelefons, ich bezweifle, daß derartige Dimensionen innerhalb des allgemein zu erwartenden Bereichs liegen.

Zusammenfassung:

Selbst wenn T das Geld hätte, würde er den aufgeführten Betrag nie zahlen wollen, das widerstrebt seinen Vorstellungen von halbwegs korrektem Geschäftsverkehr extrem. Ihm ist bewußt, daß ein gewisser Grad an Abzocke auf einem freien Markt gewissermaßen als Kollateralschaden hingenommen werden muß. Wären ihm 15 Euro in Rechnung gestellt worden, würde er das hinnehmen. Dieser Betrag liegt außerhalb jeglicher seiner Toleranzgrenzen, ethisch und finanziell, sprich: Welche Möglichkeiten habe T, damit er diesen Betrag nicht zahlen muß?

Vielleicht sollte noch erwähnt werden, daß T im Oktober zu einem anderen Anbieter wechseln möchte und seine Rufnummer mitnehmen möchte.

Danke im voraus für eine Antwort!

Chris

Hallo,

offensichtlich wurden vom Kunden Leistungen in Anspruch genommen, deren Vergütung vertraglich vereinbart waren.

Insofern denke ich, dass die Forderungen berechtigt sind und der Kunde zahlen muss.

Gruß

S.J.

Hi, auch unwissentliches oder unabsichtliches Bedienen der Tasten eines Mobiltelefons hat Kosten zur Folge. Ist nicht der erste Fall. Drum: Klapp-Handy oder feste Brillenschachtel für das Candybar-Handy.

Caio

Also mal vorweg, ich hab nicht alles gelesen, das war mir zu lang.

Das ist sicher keinne gewollte abzock falle. Das die sysmbole klein sind ist doch normal, oder wie groß ist bei dir das symbol für die Netzwerk verbindung unten links am PC?

Meisten sind es hintergrund programme die auf eine UMTS, GPRS usw. verbindung zugreifen, ohne das es der nutzer merkt. Da hilft nur die einstellungen so zu verändern, das keine Internetverbindung mehr möglich ist. Das mache ich z.B. so. Nur wenn ich mal UMTS nutzen will selle ich es wieder ein, sonst nicht.

Zahlen muss T in diesem fall aber schon. Er müsste dafür sorgen, das seine Geräte keine Kosten verursachen. Es macht aber durchaus sinn, dem Provider E-Plus…ähm… E-Minus natürlich, denn Fall zu erklären und darum zu bitten ob man das nicht irgentwie verringern kann. In der Regel lassen die Provider in solchen fällen mit sich reden.

Hallo,

höchstens durch vergessene Tastensperre und versehentliches

frei nach einem üblichen Satz der Juristen: Unwissenheit schützt vor bezahlen nicht

_- 08.07.2009 23:21:26 wap.eplus GRPS Dienst
volumenbasiert 241 KB

  • 08.07.2009 23:21:26 wap.eplus GRPS Dienst
    volumenbasiert 42.81 MB

  • 08.07.2009 20:51:38 wap.eplus GRPS Dienst
    volumenbasiert 9.283 MB_

Angegeben wird in der Regel der Beginn der Verbindung, wenn verschiedene Preismodelle (wie anderswo ja beschrieben) verwendet werden, wird das auf der Abrechnung getrennt aufgeführt.

T wurde weder per Telefon, SMS, Email oder Post mitgeteilt,
daß ihm die Karte gesperrt wurde,

Was steht denn im Vertrag, ob sie das müssen?

T hat den GPRS-Dienst definitiv nicht benutzt, zur fraglichen
Zeit war er beispielsweise bei einem Abendessen. Einzige
Möglichkeit…

Rein theoretisch denkbar wäre es, daß ein Fremder das Handy über Bluetoth als Modem benutzt hat. Dann ist es aber derart unsicher konfiguriert, daß das imo auch unter Leichtsinn einzuordnen wäre. So einfach ist das nämlich nicht, wenn man das Handy nicht in der Hand hat dies zu konfigurieren.

… die extrem dezente Visualisierung

Dann hat man das falsche Handy für die Sehschärfe. Bei mir ist das Symbol bis zu 5mm groß und nicht zu übersehen.

  1. T hat angeblich 52 MB Traffic erzeugt. Dafür werden ihm
    1070 Euro berechnet. Das macht über 20 Euro pro MB. Ist das
    nicht Wucher? Aktuelle Tarife liegen bei 49 Cent/MB. (Auf
    Nachfrage hat T erfahren, daß „sein“ GPRS-Tarif bei 2
    ct/Kilobyte für WAP-Dienste (Eminus-Portal) sowie 0,6
    ct/Kilobyte für Internetverbindungen liegt, der Dienst nennt
    sich GPRS by call.)

Das hat man mit dem Vertrag so abgeschlossen. Fast alle Anbieter bieten inzwischen einen kostenlosen Wechsel in aktuelle Tarife an. Wobei es auch noch aktuelle Tarife gibt, die um die angegebenen 20 €/MB liegen.

  1. Müßten … nicht Kostensperren
    eingerichtet werden?

Wurden sie doch, bei etwa 1000 Euro, aber das hätte ja noch weiter gehen können. Selbst aktuelle „Airbag-Tarife“ (die gibt es meines Wissens aber erst seit diesem Jahr) nehmen Datennutzung teilweise noch aus.

Ach ja, ich empfehle T dringend das Handbuch des Handys zu lesen.

Cu Rene

Tja, da steht T wohl ziemlich schlecht da, was?

Danke für Eure Antworten!
Chris

Hallo,
dieser fiktive Kunde kann aber versuchen wie viele vor ihm, auf Kulanz mit dem Provider eine nachträgliche Flatrate abzuschliessen. Die könnte bei 24 Monaten Vertragsdauer u.U. immer noch günstiger sein als die 1070 €. Zusätzlich gibt das 24 Monate dann keine Probleme mit den Einstellungen des Handys.
LG
R

Hm, das ist ein praktikabler Tip, aber dann hätte M ja sogar noch einen Vorteil aus der ganzen Geschichte, so wie ich den Fall mit T verstanden habe, möchte T das sicher nicht. Obwohl es als Notlösung sicherlich besser ist, als die Summe zu zahlen und gar nichts dafür zu bekommen…

Danke auf jeden Fall für die Antwort,
Chris