Fein. Es gibt also doch noch Rechte hier an Board, die mehr drauf haben als andere zu beschimpfen.
es erscheint wenig überzeugend, Geschmack- und Stillosigkeiten
mit früheren Geschmack- und Stillosigkeiten zu begründen.
Dann sollen sich aber mal alle überlegen, wieviel Geschmack und Stil gerade Konservative bei Kelly/Bastian bewiesen haben. Der Vorwurf von dieser Seite „die Grünen“ hätten sie in den Tod getrieben, ist mir jedenfalls noch gut im Ohr. Da gab es keine Forderung nach Denkverboten. Aber bei Kohl ist mal wieder alles anders, klar.
Ferner sehe ich einen gewaltigen Unterschied, ob lange nach
dem Ableben Filme gedreht und Geschichten gesponnen werden
oder ob die Tote noch nicht einmal beerdigt ist und schon die
sensationslüsternen und aus den Fingern gesogenen Geschichten
mit Schuldzuweisungen in Richtung des nächsten Angehörigen in
die Welt gesetzt werden.
Was bei Kelly/Bastian der Fall war. Monroe, Hemingway weiß ich nicht, war vor meiner Zeit.
Unglaubwürdig ist das Ganze zudem. Es
ist doch nicht das Entsetzen über den Freitod der Frau Kohl,
das zu solchen Äußerungen animiert. Es wird nur eine weitere
Keule gesucht, um auf einen Mann einzudreschen, der andere
Verfehlungen auf dem Kerbholz hat.
Es ist insofern wichtig, weil die Frage sich stellt, wie wichtig einem wichtigen Unions-Politiker die Familie wirklich ist und wie glaubwürdig er ist.
Ich bin wahrhaftig kein
Freund von Herrn Kohl, aber den Freitod seiner Frau für dumme
Berichte und Vermutungen zu verwenden, fällt nur auf die
hohlen Berichterstatter zurück und offenbart, wes Geistes Kind
sie sind.
Ja, Leute, die sich das eigene Denken nicht verbieten lassen und die keine Tabus kennen.
Der Vergleich mit Petra Kelly und Gerd Bastian trifft insoweit
zu, daß auch damals Journalisten, die den Namen nicht
verdienen, endlos dummes Zeug zusammengereimt hatten. Ich war
damals tief betroffen über den Tod der beiden Galleonsfiguren
der Friedensbewegung. Beide waren auf ihre Weise zu Lebzeiten
vielen ein Dorn im Auge, Petra Kelly als überzeugend
engagierte Kämpferin und Herr Bastian als ausgestiegener
General. Ihr Tod wurde von interessierten Kreisen auf
geschmackloseste Weise instrumentalisiert. Muß man wirklich
üble Dreckschleuderei zur Rechtfertigung für den eigenen
tiefen Abstieg in die Fäkaliengrube heranziehen?
Ja, wenn sich die eine Seite so verhält, kann dies Verhalten der anderen Seite nicht verwehrt werden. Sonst haben wir ein Ungleichgewicht. Wie zur Zeit in der Politik, wo Linke wegen Kleinigkeiten zurücktreten und Rechte auch bei grossen Sauereien im Amt bleiben. Anständigkeit ist keine politische Kategorie: das ist ja immerhin etwas, was man als Linker von der Union lernen kann. Und ich bin lernfähig.
Ist es so
schwer, zwischen Berichterstattung und zielgerichtetem Rufmord
zu unterscheiden?
Ich sehe bei der Frage nach dem „Warum?“ nur eine Frage nach Aufklärung und nicht nach Rufmord. Aber es ist schon interessant für wie wichtig eine Frau plötzlich genommen wird, die Zeit ihres Lebens nie für wichtig genommen wird: das ist Heuchelei und daran beteilige ich mich nicht.
Gruß
Wolfgang