Modalverb

Hallo

Ich kenne den Unterschied zwischen können und dürfen, aber ich habe in der heutigen Sprache oft bemerkt, dass man können anstatt dürfen benutzt.
zB ein Kind fragt seine Mutter : Mama, darf ich heute ins Kino gehen ? (er bittet um ein Erlaubnis)und Mama, kann ich heute ins Kino gehen ? (das ist normalerweise die Fähigkeit ins Kino zu gehen) , aber kann das Modalverb können heutzutage auch dürfen bedeuten ? Denn die 2. Frage habe ich häufig gehört, um ein Erlaubnis zu bitten.
Danke für eure hilfreichen Antworten.

Hallo,
die Vermischung von können und dürfen geht wahrscheinlich darauf zurück, das man etwas, was man nicht tun DARF, dann eben auch nicht tun KANN,
„weil nicht sein kann, was nicht sein darf“.
Gruß!
H.

Hallo,

Also ich hatte immer das Gefühl, wenn ich ‚dürfen‘ sach, dann verbietet sie mirs gleich. Weil, dürfen impliziert ja sofort auch nicht-dürfen. Auf ‚kann ich?‘ kann man schlechter nein sagen.
Viele Grüße,
Amoeba

Also ich hatte immer das Gefühl, wenn ich ‚dürfen‘ sach, dann
verbietet sie mirs gleich. Weil, dürfen impliziert ja sofort
auch nicht-dürfen. Auf ‚kann ich?‘ kann man schlechter nein

Applaus, Applaus, Applaus. Super Begründung!

Grüße,

Anwar

Hallo, Franz-Ludwig,

das Modalverb „können“ hat zwei Grundbedeutungen, wenn man vom subjektiven Gebrauch absieht.

Einmal: die Fähigkeit besitzen, etwas gelernt haben => Ich habe einen Skikurs gemacht, deshalb kann ich Ski fahren.
Aber leider gibt es keinen Schnee.

Zum anderen: die Möglichkeit haben => Es hat endlich geschneit, deshalb kann ich jetzt Ski fahren.

Von der Möglichkeit zur Erlaubnis ist es nicht mehr weit, also hat sich für „können“ auch die Bedeutung: die Erlaubnis haben entwickelt.

In Dresden lernte ich einen sehr eigenartigen Gebrauch von „können“ kennen.

Dort bat man: Kann ich noch ein Brot?, wenn man meinte: Darf ich mir noch ein Brot nehmen?

Gruß Fritz

Hallo
Ich halte dies hier für eine moderne Erscheinung, da die Kinder heutzutage überallhin von ihren Mütern gefahren werden. So entsteht erst gar nicht die Frage, ob sie etwas dürfen oder nicht, sondern eher die Frage, ob die Mutter sie zu einem Event bringen kann. Die Erteilung zur Genehmigung wird als positiv vorausgesetzt. Als Elternteil umgeht man so auch die Diskussion, ob man genehmigt oder nicht, wenn man die Fahrunfähigkeit nach vorne schiebt. In vielen Fällen erledigt sich das Thema wie von selbst, wenn die Blagen auf einmal den Weg dorthin selber bestreiten müssen.

Bis hierhin

Christian

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Übern Tellerrand gucken!
Hallo, Christian,

ich halte solche psychologisierenden und allenfalls die letzten zehn Jahre ins Auge fassenden Erklärungen auf Grund meiner Erfahrungen in fast allen Fällen für zu kurz greifend.

Das Verb „können“ hat eine mehr als tausendjährige Geschichte; der Artikel bei Grimm, den ich hier nachdrücklich empfehle, umfasst achtzehn Seiten und nennt noch mehr als die von mir genannten Grundbedeutungen.

Wir hatten hier erst kürzlich den Fall, wo jemand glaubte, dass der Ausdruck „in bar“ eine neumodische Erscheinung sei. Und doch steht diese Variante schon bei Grimm.

In solchen Fällen gilt stets: Nicht den eigenen Sprachgebrauch mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache verwechseln!

Gruß Fritz

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Hallo,

„Können“ kannst bzw. darfst du für „dürfen“ verwenden. Aber nicht immer umgekehrt.

Vor allem wird es bei der Verneinung im Konjunktiv kompliziert. Während du sagst:
„Ich hätte das nicht tun dürfen“ - im Gegensatz zum Französischen „Ich hätte das nicht tun müssen.“
Hier darfst/kannst du kein „können“ verwenden und auch kein „müssen“ wie im Französischen.
„Sollen“ hingegen ist gebräuchlich.
„Ich hätte das nicht tun sollen/dürfen“

mfg:smile:
rené