Hallo,
wer hat eigentlich die Moderne Moderne genannt? Und wann, erst nachträglich? Und warum ist die Moderne nicht in Geschichte, Literatur, Musik usw. zur gleichen Zeit?
Kerstin
Hallo,
wer hat eigentlich die Moderne Moderne genannt? Und wann, erst nachträglich? Und warum ist die Moderne nicht in Geschichte, Literatur, Musik usw. zur gleichen Zeit?
Kerstin
Hi!
wer hat eigentlich die Moderne Moderne genannt? Und wann, erst
nachträglich? Und warum ist die Moderne nicht in Geschichte,
Literatur, Musik usw. zur gleichen Zeit?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Menschen die Zeit, in der sie lebten, mit dem Namen belegt haben, den wir heute dafür verwenden. Menschen des Altertums haben ihre Zeit bestimmt nicht als Altertum bezeichnet, genau so wenig wie die Menschen des Mittelalters sich als im Mittelalter befindlich angesehen haben.
Zeitalter werden an markante Ereignissen festgemacht. Der Untergang des Weströmischen Reiches war so ein Ereignis, das ein Zeitalter beendete. Die (Wieder-)Entdeckung Amerikas durch Kolumbus ein anderes, das eine Epoche beendete und eine neue aus der Taufe hob.
Teilepochen sind durch einheitliche, meist geistig geprägte Bewegungen definiert. Die Renaissance und die Aufklärung waren solche Zeiträume. Die Moderne definierte sich durch das Streben der Menschen nach nationaler Identität und Einigkeit. Ausgelöst durch die französische Revolution und - sinnigerweise - als Reaktion auf die napoleonische Hegemonie in Deutschland und Italien entstand eine politische Bewegung, die zu einer „national“ geprägten Welt führte und bis vor kurzem Bestand hatte. Diese Zeit erhielt den Namen „Moderne“ - vermutlich, weil man sich keine Weiterentwicklung der Staatsgebilde vorstellen konnte.
Mittlerweile erleben wir die Zeit der Globalisierung, der Auflösung des Nationalgedankens, der Vereinigung von nationalen Staaten zu multilateralen Bündnissen samt Abtretung von bisher national verwalteten Staatsaufgaben. Vielleicht wird man in Zukunft den 9.November 1989 als den Starttermin der „Postmodernen“ ansehen - keine Ahnung. Wir nehmen die Änderung in der Geisteshaltung bereits wahr, und wir geben unserer Zeit einen neuen Namen.
In der Kunst sind markante Veränderungen erst viel später aufgetreten als vergleichsweise in der Geschichte der Menschheit. Wenn man der Kunst den gleichen Starttermin gibt wie der Menschheitshistorie, dann hat sich die Kunst über nahezu 3.500 Jahre kaum verändert. Die fünf bis dahin bekannten Kunstrichtungen (Musik, Malerei, Bildhauerei, Literatur und Schauspiel - erst im 20.Jahrhundert kam eine sechste Kunstform hinzu, der Film) unterschieden sich um 1000 n.Chr. kaum von denen um 500 v.Chr. Dann aber - begünstigt durch geistige Bewegungen wie Renaissance und Aufklärung - wandelte sich die Kunst. Dazu kommt, dass einzelne Künstler die Kunst viel stärker beeinflussen konnten als einzelne Menschen historische Epochen. Und da künstlerische Epochen an bestimmte Menschen gekoppelt waren, wechselten die Epochen auch viel schneller (Bach - Mozart - Mendelssohn - Wagner). Ein Wechselspiel zwischen künstlerischer Epochen und historischer Epoche hat es natürlich immer gegeben.
Grüße
Heinrich
Lieber Heinrich,
das ist der übelste Schwulst den ich seit langem
gelesen habe.
Folgt man Deiner Logik, dann haben die Philosophen
der Aufklärung nichts von der Aufklärung gewußt, die
Maler des Impressionismus haben sich als Fortführer
des Rokokko, die des Expressionismus als Fortführer
des Biedermeier empfunden und verstanden?!??
Das ist lächerlich!
x-nada
Hi!
das ist der übelste Schwulst den ich seit langem
gelesen habe.
Folgt man Deiner Logik, dann haben die Philosophen
der Aufklärung nichts von der Aufklärung gewußt, die
Maler des Impressionismus haben sich als Fortführer
des Rokokko, die des Expressionismus als Fortführer
des Biedermeier empfunden und verstanden?!??Das ist lächerlich!
Mag ja sein. Will ich auch gar nicht in Zweifel ziehen.
Aber ich glaube nicht, dass ein Mozart sich auf seinen Schemel gesetzt hat und sich bei den ersten Tönen einer neuen Sinfonie dachte: „Und damit begründe ich die Wiener Klassik“.
Vermutlich war es aber doch anders herum.
Ich glaube auch nicht, dass ein Michelangelo beim Herumhämmern auf dem Marmorblock, aus dem der David oder der Pietà entstand, gedacht hat: „Das nenne ich Renaissance-Kunst“.
Wahrscheinlich hat er es doch gedacht.
Und ich bin noch nicht der Auffassung, dass ein Monet beim Malen seines Bildes „Eindruck bei Sonnenaufgang“ vor der Staffelei gesessen hat und sich dachte: „Und das haben die Leute ab jetzt Impressionismus zu nennen“.
Du hast mich gelehrt, dass es doch so war.
Weil sonst wäre es lächerlich und Schwulst.
Bin ich wieder ein Stück schlauer geworden!
Grüße
Heinrich
Vielen Dank
Hi Heinrich und x-nada,
ich bin auch schlauer geworden. Vielen Dank.
Gruß Kerstin