Wann ist Kunst Kunst?
Genau das ist doch das Problem, oder?
Ich denke Lyrik ist dann Lyrik, wenn es dem Dichter gelingt, Dinge kurz und prägnant, ohne Füllwörter o.ä. zu formulieren.
Ein absolutes Highlight für knappe Lyrik sind die Haikus.
Und Fried ist sicher anerkannter Massen Lyriker. Probleme haben da eher Leute wie Ernst Jandl.
Aber auch da gilt: Kunst kommt nicht von Können, sondern von Könnte sein.
Gruß, Oliver
Was für Kriterien oder Anhaltspunkte gibt
es, damit man sagen kann, daß moderne
Lyrik wie z.B. von Erich Fried überhaupt
Lyrik ist?
Und welche Kriterien gibt es, damit man sagen kann, Goethe, Schiller oder Heine hätten Lyrik geschrieben?
Oder andersrum formuliert: Wie kann man
begründen, daß es Gedichte sind und nicht
lediglich untereinandergeschriebene
Prosatexte?
Oder nochmal andersum formuliert: Wie kann man begründen, daß der Erlkönig oder die Ode an die Freude Gedichte sind und nicht lediglich untereinandergeschriebene Reime?
Es wäre schön, wenn mir jemand von euch
helfen könnte!
Hilfe naht: Lies „es ist, was es ist“ von Fried. Rührt es an dein Herz? Ja? Dann ist es Lyrik.
Und welche Kriterien gibt es, damit man
sagen kann, Goethe, Schiller oder Heine
hätten Lyrik geschrieben?
Ich glaube da gibt es sowas wie Versschemata, Reimform, Metrum, rhetorische Figuren. Im Barock beispielsweise war Dichtung ein erlenbares Handwerk, da wird es Regelbücher gegeben haben.
Hilfe naht: Lies „es ist, was es ist“ von
Fried. Rührt es an dein Herz? Ja? Dann
ist es Lyrik.
Und ob es mich anrührt. Ich „liebe“ Fried!
Mir drängt sich nur die Frage auf, falls es in einer Prüfungssituation zu so einer Fragestellung kommen sollte, ob dann nicht doch „handfestere“ Argumente gefragt sind.
:Mir drängt sich nur die Frage auf, falls
es in einer Prüfungssituation zu so
einer Fragestellung kommen sollte, ob
dann nicht doch „handfestere“ Argumente
gefragt sind.
Viele Grüße
Meike
Na gut, Meike, ich hab zwar mein altes Deutsch-Buch im Keller und hol es heute ganz bestimmt nicht mehr rauf, aber ich versuch mich mal ein bisschen zu erinnern.
So viel ich weiß unterscheidet man erstmal Dichtung, Gedichte und Lyrik voneinander. Die Lyrik ist wie die Dramatik und Epik eine Form der Dichtung, Gedichte sind eine Form der Lyrik (wie das Lied, das Epigramm oder der Haiku).
Lange Zeit galten in Europa sehr strenge Regeln, wie ein Gedicht auszusehen hätte, von den epischen Gedichten der Griechen angefangen bis zur hohen Kunst des florentinischen Sonettkranzes. Ende des 19. und Anfang des 20. Jhdt, brachen die Dichter diese engen Maßstäbe ganz bewußt auf (wie das ja auch die bildenden Künstler getan haben). Die wichtigsten Vertreter dieser absichtlichen Stilbrüche waren z.B. in Wien Trakl und Rilke, der das Sonett exzessiv minimierte, in München Karl Valentin (sic!) und in Berlin Bert Brecht mit seinen dialektischen Gedichten. (Empfehlung: Duineser Elegien von BB.)
(Nebenbemerkung: Wie diffus die grenze zwischen epischer und lyrischer Dichtung ist merkt man auch ganz toll im Cornet von Rilke, besonders dem Ende zu,- ebenfalls ganz dicke Empfehlung)
Höchste Vollendung erfuhr der rahmenlosen Lyrik schließlich im Dadaismus, deren bedeutenster Dichter-Vertreter Jandl ist. (Empfehlung: Bist Eulen?)
Als Ausdruck dieses lyrischen Destruktivismus verzichteten die Lyriker ganz bewußt auf jegliches Versmaß und vor allem auf den Reim,- erst der ältere Brecht bemühte sich ein wenig System ins Chaos seiner Lyrik reinzubringen, was ihm erstens nicht recht gelang und zweitens auch nicht besonders gut war.
Letzter Großmeister der neueren Lyrik war freilich Fried (und wird es auch noch lange bleiben, denke ich).
In der Zwischenzeit kommt eine neue Ordnung in die alte Dichtkunst und zwar verstärkt durch den Reim,- guck dir mal Rap und Hip-Hop-Musik an, die Texte sind großteil nämlich wirklich GUT (Empfehlung Sabrina Setlurs und Xavier Naidoos Texte, aber auch Fanta 4!)und gehören zumindest genauso schon zur Kultur wie Graffiti und VideoClips.
Ich hoffe, ich habe nicht zuviel Quatsch zusammengefaselt und du kannst damit etwas anfangen, frag aber bitte noch wirkliche Fachleute, z.B. auf der Uni oder schlicht und einfach in der nächsten städtischen Bücherei. Zum Abschluss ein kleiner Vierzeiler von Mascha Kaleko (gereimt!)
Mein schönstes Gedicht:
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es -
ich schwieg es.