Modische Rechtscheibfehler

Modische Rechtscheibfehler…sind keine Tippfehler
Hey Stuffi,

vor ein paar Tagen schrieb mir ein eBay-Verkäufer bzgl. eines Produktmangels:

„Hi Rob, Ja ich bin ein privater Verkäufer. Das Fernglas ist eine Lizensprudukt für AlDI. Leider habe ich den Kassenbong nicht mehr da ich es selbst nicht gekauft habe. Also die Gläser gab es nur beim ALdi und sonst angeblich nirgnds. Ich denke das einfachste wird wohl sein wenn du die Garabtiekarte einsemdest mit dem Hinweis, dass der Kassenbong vom Aldi nicht mehr vorhanden ist. Das hat eigentlich bisher immer geklappt wenn ich bei Aldikaufen was zu beanstanden hatte. Ging auch immer recht Problemlos über die Bühne. Es tut mir echt leid, dass das Glas eine Defekt hat. Gruß […]“

Ich möchte in diesem Zusammenhang nocht dringend bitten, Tipp- und Orthographiefehler nicht zu verwechseln - der (oder die?) „Kassenbong“ zählt aber wohl zur zweiten Gattung.

Erinnern möchte ich noch an die gerade im süddeutschen Raum beliebten Plurals (*Schärz*) „Wägen“ (von „Wagen“) und „Magneten“ (von „Magnet“) oder das gräßliche „Packet“…

Aber die bereits angesprochenen „Standart’s“ sind mir immer noch die übelsten Beispiele für Lernverweigerung - sehr tollerante Mitmenschen, aber letztlich alles Looser!

Übaheepliche Grüse fom ;o)
R o b.

Ja: Gallerie!
Hallo zusammen!

Es gibt Fehler, bei denen ich den Eindruck habe, die
verbreiten sich im Internet wie die Pest und schwappen
auch schon auf die Printmedien über: „Gallerie“ statt
„Galerie“ zum Beispiel. Das habe ich letzthin sogar
schon kuhgroß in einer deutschen Publikumszeitschrift
gelesen, was mich so verunsichert hat, dass ich den
Duden zückte um nachzusehen, ob das nicht doch
mittlerweile erlaubt ist. Wenn es doch schon in der
Zeitung steht …!

Man wird das Wort im Internet und auf Papier so lange
so hartnäckig falsch schreiben, bis die falsche
Version eines Tages für richtig erklärt wird.

Was ich mir in Briefen und E-Mails an befreundete
Landsleute schon mal wider besseren Wissens erlaube:
Vereinzelte Wörter oder Redewendungen im Dialekt zu
schreiben. So lange ich weiß, wo ich das bringen kann,
betrachte ich es auch nicht als Untergang des
Abendlandes, wenn ich mal schreibe „I *glaub’s* jo
net! Goht’s no?“ statt, frei übersetzt: „Das ist ja
nicht zu fassen!“.

LG
Edith

Zb: Standart statt Standard, Hacken statt Haken und die

Da „Standard“ auf das deutsche Wort „Standort“ zurückgeht, könnte man genauso gut sagen, wir haben es Jahrhunderte lang falsch geschrieben.

sogar schon Studien? Macht uns das Internet am Ende dümmer,

Falsche Rechtschreibung kann ein Symptom für Dummheit sein, aber nicht die Ursache.

Öha
Hi Hubert,

Da „Standard“ auf das deutsche Wort „Standort“ zurückgeht,

das sind ja ganz neue Erkenntnisse! Wie wär’s denn da mit einem Beleg? Mit viel gutem Willen lässt sich der Standard auf die Standarte zurückführen - das, worauf alle schauen, so wie der Standard die Richtschnur ist; aber auf Stand ort? Nebenbei bemerkt: Hörfehler gelten nicht als Herkunftsnachweis.

Gruß Ralf

Hi, Ralf,

darf ich dir beispringen und zustimmen?

_ Standard

Substantiv Maskulinum „Maßstab, Norm, Regel“ erweiterter Standardwortschatz fachsprachlich (19. Jh.)Entlehnung.
Entlehnt aus ne. standard, eigentlich „Standarte, Fahne“. Der Bedeutungswandel im Englischen von „Standarte“ zu „Norm“ ist nicht sicher gedeutet. Die Besonderheit beginnt im Anglo-Normannischen mit der Bedeutung „verbindliche Maßeinheit“. Verb: standardisieren.
Ebenso nndl. standaard, nfrz. standard, nschw. standard, nnorw. standard.
Schirmer (1911), 181f.;
Ganz (1957), 212;
DF 4 (1978), 404-409;
Rey-Debove/Gagnon (1988), 971-974. englisch e

Standarte

Substantiv Femininum „Sturmfahne, Hoheitszeichen“ erweiterter Standardwortschatz obsolet (13. Jh.), mhd. standert, stanthart m Entlehnung.
Entlehnt aus afrz. estandart, dessen Herkunft unklar ist (vielleicht aus g. *standhart „standfest“).
Ebenso nndl. standaard, ne. standard, nfrz. étendard, nschw. standar, nnorw. standart; Standard.
DF 4 (1978), 409-412._

Nach Kluge.

Gruß Fritz

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Laut Herkunftswörterbuch (Duden Band 7) stammt vom altfränkischen „standord“ (=Aufstellungsort) das altfranzösiche „estandart“ (=Sammelplatz der Soldaten).

Da dieser meist durch eine Fahne gekennzeichnet war erhielt „estandart“ die Bedeutung „Fahne“. Davon stammt das moderne frz. „étendard“, das englische „standard“, das spanische „estandarte“ und das deutsche „Standarte“.

Das Englische „standard“ erhielt durch die Ausstellungsstücke im Stoffhandel die Bedeutung „Normalausführung einer Ware“. Davon „Normalmaß, Richtschnur“.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Laut Webster:

[ME Eine volksetymologische Version sagt, daß "standard" von "stand hard" kommt

     because it was there that valour took its stand to conquer or die’.

[http://helo.phil-fak.uni-duesseldorf.de/Navigation/U...](http://helo.phil-fak.uni-duesseldorf.de/Navigation/Unit_4_7-8_Standard_/Mat_4_7_OED_Webster_/body_mat_4_7_oed_webster_.html)

Hai, Anja,

Recht haste, oder, um’s mit meiner Nichte zu sagen: Auf Jeden!

Gruß
Sibylle

Hi Fritz,

noch zur weiteren Erklärung habe ich folgendes gefunden.

standard - 1138, from O.Fr. estandart, probably from Frank. *standhard, lit. „stand fast or firm,“ a compound of words similar to Gothic standan „to stand“ and hardus „hard.“ So called because the flag was fixed to a pole or spear and stuck in the ground to stand upright. The other theory connects the O.Fr. word to estendre „to stretch out,“ from L. extendere (see extend). Meaning „unit of measure“ is 1327, from Anglo-Fr., where it was used 13c., and is perhaps metaphoric, the royal standard coming to stand for royal authority in matters like setting weights and measures. Standard-bearer in the figurative sense is from 1561.

Gruß Marcus

standard - 1138, from O.Fr. estandart, probably from Frank.
*standhard, lit. „stand fast or firm,“ a compound of words
similar to Gothic standan „to stand“ and hardus „hard.“ So

Laut Webster ist die Deutung „stand hard“ volksetymologisch. Sie soll auf die Standartenschlacht von 1138 zurückgehen, als der schott. König David der Heilige gegen den engl. König Stephen Blois verlor.

In dieser Schlacht waren die engl. Ritter gezwungen, zu Fuß zu kämpfen. Ihre Standarten ließen sie auf dem später so genannten Standard Hill zurück. Um den Hügel wurden die besten Ritter positioniert mit dem Befehl, lieber zu sterben als die kostbaren Fahnen in die Hände des Feindes geraten zu lassen.

In einer Widmung dieser Schlacht soll später das Wortspiel „Standard“ / „stand hard“ erstmals verwendet worden sein.

http://helo.phil-fak.uni-duesseldorf.de/Navigation/U…