Hallo!
Macht uns das Internet am Ende dümmer,
oder wird uns so nur bewußt, wie verbreitet solche Fehler
insgesamt sind?
Ich meine, dass das Internet uns eher gescheiter als dümmer macht. Zum einen kann man sich quasi unbegrenzt informieren, zum anderen selbst etwas dazu für andere (und auch für sich selbst) beitragen.
Um wieder das leidige Thema der Kleinschreibung in diesem Formum als Beispiel aufzugreifen: Man ist sich einfach zu bequem, wirklich korrekt zu schreiben (wäre ja mit Arbeit verbunden, sich einerseits mehr zu bemühen und andererseits in Zweifelsfällen den Duden aufschlagen zu müssen). Falls Einwände kommen: Ich habe hier schon Beiträge gelesen, in denen der jeweils (kritisierte) Autor selbst geschrieben hat, dass ihm das Drücken der Shift-Taste zu viel Zeit- bzw. Kraftaufwand ist. Man kann ja locker und flockig schreiben, Tippfehler werden ja auch gern verziehen, aber absichtliches und bewusstes Falschschreiben ist leider zu einer Mode bzw. zu einem „Ausdruck der Persönlichkeit“ geworden. Manche haben es einfach nicht nötig, sich konform zu verhalten.
Genauso ist es übrigens manchen scheinbar auch zuviel Aufwand, einen Gruß („Hallo!“ oder „Hi!“ reicht ja, muss ja nicht „Sehr geehrte Damen und Herren“ sein) und eine Grußformel am Schluss („viele Grüße“, „Grüße“ oder auch nur „Gruß“ reicht ja) zu schreiben. Es ist ja nicht so, dass man sich wie in einem Brief gebärden muss, d.h. höchst formal mit Standard-Floskeln.
Vielleicht ist das Interesse an der deutschen Sprache auch einfach nicht groß genug. Wie man selbst schreibt, ist egal, wie andere schreiben auch. Wenn ich irgendetwas lese, was mit komisch vorkommt, denke ich darüber nach, frage evtl. andere noch. Andere kommentieren das nur mit einem (gedachten) Schulterzucken - und weiter geht’s im Text.
In der Schule wurde darauf geachtet, dass richtig geschrieben wird. Aber wer achtet denn jetzt darauf? Es hat ja eigentlich keine negativen Konsequenzen, Wörter falsch zu schreiben. Früher wurde man bewertet, heute als Erwachsener sind Rechtschreibfehler egal, es gibt wichtigeres. Man lässt sich diesbezüglich ja sowieso nichts sagen, das sind ja nur Kleinigkeiten. Schade eigentlich.
Um auf deine Frage zurückzukommen: Ich glaube eher, dass das nicht Mode, sondern vielmehr Unwissen ist - gepaart mit Desinteresse (auch infolge von Resignation) an der Verbesserung des eigenen Stils bzw. an der sprachlichen Weiterbildung. Und da im Internet jeder veröffentlichen kann, können und tun das natürlich (gerade) auch diejenigen, die sprachlich weniger gebildet sind. Wenn ich mir ansehe, wie manche Firmen, die über ebay vertreiben, eMails schreiben, frage ich mich echt, wie die überhaupt die Firma führen können (in einer eMail war jedes 3. bis 4. Wort falsch geschrieben, sowohl Tipp- als auch Rechtschreibfehler, deren Verbesserung man nicht für nötig erachtet hat). Wenn schon so etwas durchgeht, dann geht „Standart“ allemal durch.
Das Internet hat aufgrund seiner anarchischen Strukturen natürlich beste Voraussetzungen für derartige Blüten. Keiner kontrolliert, warum sollte man sich daher also anstrengen?
Viele Grüße
Manor