Hallo geneigter Leser…
Ich vor einiger Zeit mal angefangen, ein Kinderbuch zu schreiben. (Das steht auf meiner Löffel-Liste:wink:)
Ich möchte hier gerne mal das erste Kapitel posten und wäre dankbar für Tips und Hilfen, und ganz allgemein mal wie es so gefällt.
Der Text ist noch nicht Korrektur gelesen, und wer Rechtschreibfehler findet darf sie gerne behalten, mir geht es mehr um das Gesamte und Eure Meinung ob es lohnt da weiter Energie zu investieren…
Würde mich echt freuen wenn ich da ein paar Meinungen zu kriege…
Danke schonmal im Voraus, und nu gehts los:
Endlich hatte ich Feierabend und war auf dem Weg nach Hause. Es war ein anstrengender Tag und ich war froh, dass ich in meinem angenehm warmen Auto saß und freute mich auf eine Dusche, aber dann passierte etwas, das mein ganzes Leben verändert hat. Aber bevor ich Euch davon erzähle, sollte ich erst mal etwas zu mir sagen. Ich heiße Björn, bin fast 30 Jahre alt und arbeite im Rettungsdienst. Das bedeutet, ich fahre auf einem Rettungswagen und bin etwa so etwas wie ein hauptberuflicher Lebensretter. Man nennt diesen Beruf Rettungsassistent, weil ich dem Notarzt, also dem Arzt, der kommt wenn jemand ernsthaft krank ist oder einen Unfall hat, zur Hand gehe und helfe. Ich habe schon einiges gesehen und habe eigentlich auch gute Nerven, aber als ich an diesem Abend in meinem Auto saß, wurden meine Nerven auf eine harte Probe gestellt.
Kurz hinter einer Kurve sah ich plötzlich einen Schatten über die Straße huschen und trat aus Reflex auf die Bremse. Allerdings war es wohl doch ein wenig zu spät, und ich hörte ein dumpfes Geräusch genau in dem Moment, als mein Auto stehen blieb. Ich hatte also etwas angefahren. Nachdem ich kurz durchgeatmet hatte stieg ich aus und wollte nachsehen ob und vor allem was ich mit dem Auto getroffen hatte und befürchtete schon, es wäre eine Katze oder ein kleiner Hund gewesen. Aber es war eine Maus. Allerdings die wohl ungewöhnlichste Maus, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Ich blieb stehen und sah mir dieses Mäuschen an, das da auf der Straße lag. Es war etwa 30 cm groß und trug eine Jeans und einen alten Pullover. Hinten in der Jeans war ein Loch aus dem der Mäuseschwanz guckte und die großen Ohren lagen flach auf dem Asphalt. Ich traute meinen Augen nicht und schüttelte den Kopf, denn bisher hatte ich geglaubt, solche großen Mäuse gibt es nicht, oder sie sind nur im Zeichentrickfilm zu hause, und sie tragen schon gar nicht eine Jeans und einen Pullover, das konnte einfach nicht sein, aber der Beweis lag hier genau vor mir, und ich hatte sie angefahren. Angefahren, dachte ich, sie wird sich verletzt haben. Das war der Gedanke, der mir nach meiner ersten Verwunderung in den Kopf kam, und ehe ich genau wusste was ich da machte, kniete ich mich neben die Maus und versuchte Ihr zu helfen.
Aber wie hilft man jetzt einer Maus? Menschen helfen hatte ich ja gelernt, aber Mäusen? Vorsichtig prüfte ich, ob sie noch Luft holte, und als ich bemerkte dass sie atmet wurde ich schon etwas ruhiger, aber sie wurde nicht wach, auch nicht, als ich sie vorsichtig schüttelte. Ich drehte sie um und schaute nach, ob sie irgendwo blutete, und als das nicht so war, holte ich eine Decke aus meinem Auto, wickelte das kleine Mäuschen ein und legte es vorsichtig auf meinen Beifahrersitz. Ich setzte mich wieder hinter das Lenkrad, schnallte mich und die kleine an und blickte zu ihr runter, um mich zu überzeugen, dass ich nicht träume. Plötzlich hupte ein Taxi hinter mir und ich zuckte zusammen. Ich hob kurz die Hand um mich zu entschuldigen und fuhr nach hause. Mit einer 30 cm großen Maus, die auf meinem Beifahrersitz lag.
Zu Hause angekommen nahm ich das Bündel und trug es vorsichtig in mein Wohnzimmer. Ich ging in die Küche, um mir einen heißen Kakao zu machen und meine Gedanken zu sortieren, denn das konnte nicht sein. Irgendwie hoffte ich, das mein Wecker klingelte und ich aus diesem Traum aufwachte, allerdings sollte das ein Wunsch bleiben. Nachdem mein Kakao fertig war ging ich ins Wohnzimmer zurück und wollte mich hinsetzen, aber in der Tür blieb ich wie angewurzelt stehen, denn mitten in der Decke, auf meinem Sessel, in meinem Wohnzimmer, saß diese Maus, guckte mich aus ihren kleinen schwarzen Knopfaugen an und sagte :
„Wo bin ich, und was ist passiert… und wer bist Du?“
Fast wäre mir der Becher aus der Hand gefallen und ich musste mich kurz am Türrahmen festhalten. Nicht nur, dass ich eine so große Maus gefunden hatte, sie konnte auch noch sprechen. Nicht etwa fiepen oder piepsen, nein, sie konnte sprechen. Und nun sah ich auch das erste mal die jetzt aufrecht stehenden Ohren. Sie waren dunkelgrau, so wie das gesamte Fell, nur das Ohreninnenfell war Lila. Nein, eher Fliederfarben und ziemlich puschelig. „Sag doch mal was oder kannst Du nicht sprechen?“, sagte die Maus. Ich muß wohl reichlich blöd ausgesehen habe, wie ich da so stand und Sie anstarrte, denn sie guckte etwas empört, soweit ich das erkennen konnte, und schaute genauso neugierig zurück. „Ich … äh … ich … ich heiße Björn, und Du?“ , stotterte ich. Das ganze kam mir schon sehr merkwürdig vor. „Ich bin Fieps. Fieps von Graufellmaus. Und wie komm ich hier her? Ich war doch gerade auf dem Weg nach Hause. Und was trinkst du da? Das riecht ja wie Kakao.“ , und während sie schnupperte, zuckten ihre Schnurrhaare, was ziemlich niedlich aussah.
„Das … ist … Kakao. Und du bist mir vors Auto gelaufen, deswegen hab ich Dich mitgenommen, ähm, Fieps. Was bist Du?“
„Hm, ich habe große Öhrchen,“sie wackelte mit beiden, „einen Schwanz“ sie wedelte, „und graues Fell, ich glaube, ich bin eine Maus. Kann ich auch einen Kakao haben?“
„Maus … Kakao … Fell … Schwanz … Ich kann nicht mehr. Mit oder ohne Sahne?“, fragte ich und beschloss, die Situation erst mal so hinzunehmen, ohne mir groß Gedanken zu machen. „Wenn du hast mit Sahne, und Schokostreuseln.“
„Schokostreusel, klar…, wie konnte ich das vergessen… Moment bitte.“
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging kopfschüttelnd wieder in die Küche, kramte in meinem Geschirrschrank und holte eine Espressotasse heraus. Nachdem ich den Kakao eingeschenkt hatte und die Sprühsahne aufgesprüht hatte, die Schokostreussel nicht zu vergessen, machte ich noch schnell einen Teller Brot und ging dann ins Wohnzimmer zurück. Fieps saß noch genau so auf dem Sessel wie vorher, und schaute erwartungsvoll in meine Richtung. Als sie den Teller sah stellten sich ihre Ohren auf und sie schnupperte aufgeregt. „Käse… darf ich eins haben? Ich hab seit gestern nichts mehr gegessen.“
„Natürlich, dafür habe ich es ja gemacht. Aber warum hast Du so lange nichts gegessen?“, fragte ich teils verwundert, teils besorgt. Sie ließ die Öhrchen ein bisschen hängen und sagte traurig : „Ich sammle das, was ihr Menschen so wegwerft, und die letzten Tage war das nicht so viel. Ich habe kaum etwas gefunden und viele die mich sehen wollen mir nichts geben, weil sie Angst vor mir haben. Aber Du bist anders, das merk ich. Wieso hast Du mich mitgenommen und bist nicht einfach weitergefahren, wie es jeder andere gemacht hätte? Ich wäre doch nur ein weiteres totes Tier auf der Straße gewesen.“
Ihre Öhrchen hingen herab und ihre helle Stimme klang sehr traurig. Die kleinen schwarzen Äuglein guckten mich traurig an und die Schwanzspitze pendelte langsam hin und her. Etwas in ihrer Stimme brachte eine Saite in mir zum klingen und traf mich mitten ins Herz. Ich stellte den Teller und die kleine Tasse Kakao auf den Tisch und kniete mich neben den Sessel, damit ich ihr in die Augen sehen konnte: „Weißt Du, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man ein Tier überfährt, so traurig das auch ist, aber bevor man einen Menschen verletzt oder sich selbst in Gefahr bringt, weil man ausweicht, muß man leider entscheiden, was das kleinere Übel ist. Aber als ich Dich da liegen sah hatte ich das Gefühl, das ich Dich nicht einfach übersehen kann. Also hab ich Dich in die Decke gewickelt und mitgenommen.“ Ich reichte ihr ein Käsebrot und die Öhrchen stellten sich wieder auf. „Danke… Du hast ein gutes Herz, das fühle ich.“
Sie legte ihren Schwanz um ihre Hinterpfoten … oder Füße, setzte sich bequem hin und knabberte an dem Brot. Ich setzte mich auf das Sofa und nahm einen Tiefen schluck Kakao. Was sollte ich davon nur halten? Ich saß in meinem Wohnzimmer und unterhielt mich mit einer großen Maus, die nun genüsslich ein Käsebrot verzehrte und einen Kakao trank. Das konnte eigentlich gar nicht sein, aber es war so. Ich schaute Fieps an und sie schaute zurück. Langsam wurde das Schweigen unangenehm, also lehnte ich mich zurück und stellte den Becher auf den Couchtisch.
„Darf ich Dich mal was fragen Fieps?“
„Na klar…“ „Also, Du bist eine Maus, aber normalerweise stelle ich mir eine Maus etwas kleiner vor und schon gar nicht angezogen, und das mit dem Sprechen…“
„Ich weiß.“, sie lehnte sich zurück und nahm ihre Espressotasse in beide Pfötchen,
„Ich bin so etwas wie eine Laune der Natur. Ich habe die ersten zwei Jahre meines Lebens bei einem Professor gewohnt, ich glaube, er hat Deutsch studiert, aber eines Tages haben ihn ein paar Männer mit leuchtenden roten Hosen und blauen Hemden abgeholt. Ich habe mich versteckt, weil ich Angst hatte, sie würden mich auch mitnehmen. Er hat mir alles beigebracht, sprechen, schreiben und lesen, doch als sie ihn auf einem Bett mit Rollen weggebracht hatten, mit vielen Kabeln, Schläuchen und Pflastern, winkte er mir noch einmal zu und lächelte, danach habe ich ihn nie wieder gesehen.“
Sie ließ traurig die Öhrchen hängen und kaute auf ihrer Schwanzspitze, eine Angewohnheit, die sie immer überkam, wenn sie angestrengt nachdachte oder ihren Gedanken nachging wie ich später feststellte. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl, denn ich wusste ziemlich genau, was mit ihrem Professor passiert war, aber dazu später.
„Dann kamen Leute und fingen an, die Wohnung auszuräumen. Sie nahmen alles mit, auch meine Kleider und mein Schlafkörbchen, und alles was ich noch behalten konnte war das, was ich anhatte. So bin ich dann aus der Wohnung geflüchtet, als keiner von den Umzugshelfern aufpasste und habe auf dem Parkplatz in einem Karton gewohnt. Und nun bin ich hier bei Dir. Wahrscheinlich sollte ich Dich treffen, aber das Du dafür das Auto nehmen musstest…“, sagte sie, stellte sie Ohren ganz auf und grinste mich an.
Ich gab mich geschlagen, gegen dieses grinsen konnte man nichts sagen, es wirkte entwaffnen und frech.
„Hm, wahrscheinlich hast du recht. Also kleine Maus, wenn Du magst, kannst Du hier bleiben solange Du möchtest.“
„Fiep fiep fiep fiep“
Sie sprang auf und flitzte mit wehendem Schwanz auf mich zu, und ehe ich mich versah hatte ich sie auf dem Schoß sitzen und sie drückte mich, wobei mir ihr fliederfarbenes Ohreninnenfell an der Nase kitzelte und ihr Schwanz wedelte so wild hin und her, daß ich schon angst hatte, sie würde damit den Kakaobecher umreißen, was aber zum Glück nicht passierte.
„Danke Björn“, sagte sie, und eine Träne kullerte aus ihrem Auge. Sie setzte sich auf aufrecht hin und ich sah, wie ihre Schnurrbarthaare aufgeregt zitterten.
„Paß auf Fieps, ich hab morgen Frei, dann fahre ich in die Stadt und kaufe Dir was zum Anziehen, wenn ich denn was in Deiner Größe finde, und…“
„Mir passen etwa die Sachen, die diese Babypuppe trägt, die aus der Fernsehwerbung. Bitte wenn’s geht in Rosa und einen Trainingsanzug oder so, aber keine Kleider, die sind so furchtbar unpraktisch finde ich, und keine Schuhe, die sind nicht in meiner Größe, und ach ja, ich brauche auch eine Zahnbürste und Haarwaschmittel und…“
„Fieps, Fieps, Fieps,“ lachte ich, „ich besorge Dir alles, was Du brauchst, aber ich muß noch mal fragen, du sagtest eben was von einem Schlafkörbchen?“
„Ja, ich schlafe gerne in einem Katzenkörbchen aus Stoff mit einer kleinen Kuscheldecke und einem Kissen. Das hat mir Professor Wolfgang gekauft, als ich noch ein kleines Mäuschen war. Aber ich kann Dir das nicht bezahlen, ich hab doch kein Geld…“
„Darum mach Dir mal keine Sorgen, das mach ich schon.“, beeilte ich mich zu sagen, bevor sie die Ohren wieder hängen lassen konnte, „Ich besorg morgen alles, was Du brauchst, und dann richten wir Dir hier einen eigenen Bereich ein, in dem Du Dich wohlfühlen kannst. Aber nun möchte ich erst mal Duschen, wenn Du gestattest.“
„Kann ich in der Zeit fernsehen ?“ , und mit dem Schwanz hatte sie schon unauffällig die Fernbedienung, die auf dem Sofa lag, zu sich heran gezogen. Ich musste Grinsen :
„Na klar. Aber wenn ich nachher ins Bett gehe, wird der Fernseher aus gemacht.“
Sie streckte die Ohren im seitlich vom Kopf weg und gab sich alle Mühe unschuldig zu schauen, was allerdings nicht so recht klappen wollte.
Ich ging erst mal unter die Dusche und versuchte meine Gedanken zu sortieren, nur klappte das nicht. Ich war schlichtweg überfordert.
Als ich mich abgetrocknet hatte und in meinem Schlafdress, bestehen aus T-Shirt und kurzer Hose, wieder ins Wohnzimmer kam, hatte Fieps sich auf dem Sofa in der Decke eingerollt und ich hörte ein leises schnarchen.
Ich brachte noch schnell das Geschirr in die Küche, dann machte ich den Fernseher aus und deckte die kleine schlafende Maus noch einmal zu.
In der Tür zu meinem Schlafzimmer drehte ich mich noch einmal um und schaute das kleine Bündel das da auf meinem Sofa lag an. Langsam hob und senkte sich die Decke und die Öhrchen lagen auf dem Sofakissen.
Ich schüttelte den Kopf und kratzte mich nachdenklich an meiner Nase. Was sollte ich nur davon halten.
Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich wach, weil sich etwas kleines befelltes an mich kuschelte. Fieps legte ihren Kopf auf meinen Arm und war sofort wieder eingeschlafen.
So wurde ich also zum Mäusepapa…