Die folgende Frage kam bei einem Gespräch zwischen Kollegen (Psychologen) auf. Sie hat sowohl eine ethische, als auch eine medizinisch-biologische Dimension:
Sie entspann sich an der Medikamentennebenwirkung „Libidoverlust“, wohlgemerkt das verminderte Interesse an Sexualität, nicht die mangelnde Fähigkeit trotz wollen zu solcher. Ein Fall: Ein Mann, der aufgrund der seit Jahren vergeblichen Suche nach einer Partnerin unter Einsamkeit mit depressiver Folgesymptomatik leidet und, etwa aufgrund von Behinderung oder unvorteilhaftem Aussehen (gibt ja viele unvermittelbare männliche Singles) sowieso nie eine Partnerin finden würde. Dieser Mann könnte durch entsprechende Maßnahmen quasi den Wert des Bedürfnisses reduzieren, was laut Grawe (2004) zu einer verminderung der Symptomatik führen könnte: Wer keinen Sexualtrieb hat, würde auch keine sexuelle Partnerschaft vermissen.
Wir fragten uns, ob es Möglichkeiten gibt, einem Mann den Sexualtrieb temporär oder dauerhaft zu nehmen, wenn es dessen Wunsch entspreche.
Die zweite Frage die kam wäre, ob das Medizinethisch überhaupt vertretbar wäre, was dagegen, was dafür spräche. Ich lasse meine Argumente mal bewusst außen vor.
es gibt durchaus die Möglichkeit z.B. mit einer chemischen Kastration, die vornehmlich bei Tieren Anwendung findet. Die entsprechenden Medikamente greifen hauptsächlich in die Hypophysen-Gonaden-Achse ein und vermindern letzten Endes die Libido. Steroiden wird Ähnliches nachgesagt.
(…)etwa aufgrund von Behinderung oder unvorteilhaftem Aussehen (gibt :ja viele unvermittelbare männliche Singles) sowieso nie eine Partnerin :finden würde …
Naja… Behinderung schließt eine Partnerschaft nun ja nicht aus und wie viele Menschen sehen schon aus wie ein Model?
Wäre eine Verhaltenstherapie hier nicht sinnvoller? Es gibt ja nun vielfältige Mechanismen, um dem Sexualtrieb „Erleichterung“ zu verschaffen, ohne in empfindliche hormonelle Regelkreise einzugreifen, und dem Menschen zu helfen, mit sich selbst besser zurecht zu kommen.
Der ethische Punkt: Letzten Endes steht es jedem Menschen frei, mit sich selbst zu tun und zu lassen, was man will, sofern es niemand anderem schadet. Ich habe jedoch Zweifel, dass solche Menschen die Folgen dieses Eingriffs adäquat einschätzen können.