Mönche und Nonnen im Buddhismus

In einer Radiosendung, in der es um die Position der Frau im Buddhismus geht, wurde gesagt, daß buddhistische Nonnen 100 Gelübde mehr als buddhistische Mönche erfüllen müssen.

Bei den Mönchen seien es 250 bei den Nonnen seien es 358.
Woher kommt die Diskrepanz?
Wird unter Gelübden Gebote verstanden?
Wenn ja, beziehen sich die Gebote, die bei den Nonnen mehr zu erfüllen sind, auf frauenspezifische Situationen (Geburt, Menstruation …).

Vielen Dank

Iris

Moin Iris

In einer Radiosendung, in der es um die Position der Frau im
Buddhismus geht, wurde gesagt, daß buddhistische Nonnen 100
Gelübde mehr als buddhistische Mönche erfüllen müssen.

hmmhmm…
Ich kann mir eigentlich nur vortsellen, dass sich diese Sendung auf die Regeln bezieht, die im Pali-Kanon genannte werden (da sind es allerdings 227 Regeln für Mönche und 311 Regeln für Nonnen). Bei diesen Regeln handelt es sich im Allgemeinen um Verhaltensregeln, von „Gelübten“ würde ich da eher nicht sprechen.
Eine Übersicht über die Regeln für Mönche findest du z.B. hier:

http://www.palikanon.com/vinaya/patimokkha.html
weitere Verhaltensregeln hier: http://www.payer.de/buddhgrund/vinaya02.htm

Bei den Mönchen seien es 250 bei den Nonnen seien es 358.
Woher kommt die Diskrepanz?

Der Nonnenorden wurde vom Buddha erst einige Zeit nach dem Mönchsorden eingeführt, als zunehmend Interesse von weiblicher Seite bestand, sich ebenfalls ordinieren zu lassen. Ein monastisches Leben für Frauen war bis zu dem Zeitpunkt in der indischen Gesellschaft unbekannt. Die zusätzlichen Regeln bestimmen nach meiner Information hauptsächlich das Verhältnis des Mönchsorden zum Nonnenorden, so wird der Nonnenorden dem Mönchsorden unterstellt, aber steht auch unter dessen Schutz etc.

Wird unter Gelübden Gebote verstanden?

Wie gesagt, ich würde es nicht unbedinge Gelübte nennen. Die Regeln besagen eigentlich hauptsächlich Verhaltensregeln, die zum Beispiel die Ordinierten von den Laien unterscheiden.

Sehr gut erkennbar wird das in diesen Text:
http://www.dhamma-dana.de/weg_in_die_freiheit/sila.htm

Wenn ja, beziehen sich die Gebote, die bei den Nonnen mehr zu
erfüllen sind, auf frauenspezifische Situationen (Geburt,
Menstruation …).

Nein, nicht dass ich wüsste, aber ich werd noch mal ein wenig schnüffeln im Netz, vielleicht finde ich noch was.

Gruss
Marion

Frauenspezifische Situationen
Hallo nochmal

Wenn ja, beziehen sich die Gebote, die bei den Nonnen mehr zu
erfüllen sind, auf frauenspezifische Situationen (Geburt,
Menstruation …).

Es gibt Ausagen über diese „frauenspezifischen Situationen“, jedoch hat dies nichts mit Nonnen oder Mönchen sondern eher mit dem Frau-sein „an sich“ zutun. Sehr schön zum Nachlesen hier: http://www.palikanon.com/samyutta/sam37.html

Demnach sind wir Frauen offensichtlich mit 5 zusätzlichen Leiden bedacht worden, die da wären:

Da muß ein Weib, ihr Mönche, in zartem Alter zur Familie ihres Mannes gehen, muß ihre Verwandten verlassen. Das ist, ihr Mönche, das erste zusätzliche Leiden, dem das Weib anders als der Mann unterworfen ist.

Weiter sodann, ihr Mönche, ist das Weib der Menstruation unterworfen. Das ist, ihr Mönche, das zweite zusätzliche Leiden, dem das Weib anders als der Mann unterworfen ist.

Weiter sodann, ihr Mönche, wird das Weib schwanger. Das ist, ihr Mönche, das dritte zusätzliche Leiden, dem das Weib anders als der Mann unterworfen ist.

Weiter sodann, ihr Mönche, gebärt das Weib. Das ist, ihr Mönche, das vierte zusätzliche Leiden, dem das Weib anders als der Mann unterworfen ist.

Weiter sodann, ihr Mönche, wartet das Weib dem Manne auf. Das ist, ihr Mönche, das fünfte zusätzliche Leiden, dem das Weib anders als der Mann unterworfen ist.

Diesen fünf zusätzlichen Leiden, ihr Mönche, ist das Weib anders als der Mann unterworfen".

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass hier von Leiden die Rede ist. Das klingt nicht grade wie eine Verklärung der Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter :smile:

Dazu passen auch Aussagen, die der Buddha an anderer Stelle gemacht hat, z.B. dass es zur damaligen Zeit sicher wünschenswerter war, als Mann (wieder)geboren zu werden, da man es als Mann einfach leichter im Leben hatte und besser Voraussetzungen, z.B. um ein spirituelles Leben zu führen.

Gruss
Marion

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Und noch ein Literaturtip
http://www.buddhabuch.at/redaktion.nsf/0/3f72f81dd34…

Gruss
Marion