Monitor, billiger oder guter Journalismus?

Moin moin,

da komme ich abends nach einem langen Tag nach Hause und sehe doch meine Freunde vom Monitor WDR.

Ein Bericht über „Putenquälerei in Deutschen Mastbetrieben“. Ein klassisches Le(e)hrstück in investigativen Journalismus. Gezeigt wurde eine Region in Bayern anhand von drei Höfen, die Putenhaltung betreiben. Beweise waren Aufnahmen, die von Tierschützern im Juni diesen Jahres auf den Höfen gemacht worden sind.
Die Hofbesitzer verweigerten Aufnahmen durch das Monitorteam. Anscheinend hatten diese ohne Terminabsprache eine Besichtigung gewünscht.

Ich will nicht die Haltung von Puten unter tierquälerischen Verhältnissen rechtfertigen, aber folgende Fragen sind noch offen:

Wenn man gesehen hat, mit welchem Nachdruck die beschuldigten Bauern verhindert haben, dass in ihren Ställen gefilmt wird, fragt man sich, wie die Aufnahmen der Tierschützer aus dem Juni zustande kamen? Das riecht leicht nach unerlaubten Betreten der Ställe.
Allerdings würde ich auch nicht jedes Fernsehteam in mein Unternehmen lassen, insbesondere, wenn man weiss, a) wie fair Monitor berichtet und b) wie viel Ahnung die normale Bevölkerung von Tierhaltung hat (man glaubt ja auch, dass Jack Daniels die Flaschen noch per Hand befüllt). Bezeichnend fand ich die Reaktion der einen Bauersfrau, die nichts anderes als „unfair“ sagte.

Dazu einen Experten für Tierhaltung, der ein Buch über ökologische Tierhaltung geschrieben hat (http://www.elephant.se/buch.php?ISBN=3930720647 Buch anschauen). Ich will nicht sagen, dass er nicht Ahnung von der Materie hat, aber auch unser Bundesumweltminister hat sicherlich Ahnung von Kernenergie, dennoch kennt man seine Meinung dazu.

Dazu wird eine Firma, die Putenfleisch verarbeitet, allein dadurch mit tierquälerischer Haltung in Verbindung gebracht, dass Puten zu dem Schlachthof gebracht wurden, von dem auch dieses Unternehmen Fleisch bezieht. Als ob ein Schlachthof nur einen Lieferanten und nur einen Kunden hat. Allerdings können Schlachthöfe zuordnen, welcher Kunde Fleisch von welchem Lieferanten bekommt. Dass wurde aber wohlweislich nicht von Monitor überprüft.

Übrigens hat eine andere Expertin bestätigt, dass die in dem Tierschützerfilm gezeigten Zustände gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Hat Monitor Anzeige erstattet, bzw. die Tierschützer? Falls ja, sollten ja schon Ermittlungen gegen die besagten Putenmäster laufen, was die Ablehnung gegenüber einem Fernsehteam noch verständlicher macht. Falls nicht, frage ich mich, warum bisher nicht?

Den ganzen Bericht dann damit abzuschließen, dass die im Beitrag beschriebenen Zustände eigentlich in allen Putenmastbetrieben zu finden sind, ist eine Unterstellung und tut `ner Menge Mäster sehr unrecht.

Ich erinnere mich an die Aussage eines Kenners des Fleischmarktes, der vor einem Jahr meinte, dass man immer eine Abhängigkeit zwischen einem hohen Fleischpreis (z. B. Schwein, Rind, Fisch) und einem medialen Beschreiben eines Skandals einer bestimmten Fleischsorte (Schweinepest, BSE, Würmer) erkennen kann. Hat jemand die Möglichkeit, das zu überprüfen? Ist momentan der Putenfleischpreis besonders hoch.

Ach ja, mal übertrieben betrachtet: Wenn ich behaupte, die Redakteure von Monitor sehen sich Kinderpornoseiten im Internet an, und ich bitte sie, mir Zugang zu ihren PCs zu verschaffen, geben mir die Redakteure die Möglichkeit, ihre PCs zu überprüfen? Wohl kaum.

So, dass war mein üblicher Quartalsausbruch zur Sendung Monitor, vielleicht sollte ich es mir einfach nicht mehr ansehen.

Oder liege ich völlig falsch und das sind die heute notwendigen Methoden, um Misstände anzuprangern?

Gruß

ALex

Hi,

Oder liege ich völlig falsch und das sind die heute
notwendigen Methoden, um Misstände anzuprangern?

Welche Methode wäre die denn die liebste und für dich akzetable?

Gruß
Falke

Hallo Falke,

eine Methode, die mir nicht beim Schauen solche Fragen auslöst oder solche Lücken aufweisst. Eine Methode, die einfach nur das darstellt, was unter seriösen Bedingungen festzustellen und unabhängig nachzuweisen ist.

Vielleicht würde es mir schon genügen, wenn sie ihre Zielsetzung etwas besser verbergen und nicht so offensichtlich und ungestützt zeigen.

Ich stelle nur fest, dass ich, ohne jede Ahnung von irgendwelchen Tatsachen, nach den Methoden von Monitor quasi jedes Unternehmen mit jedem Sachverhalt in Verbindung bringen könnte, wahrscheinlich sogar so, dass ich nicht mal eine Verleumdungsklage riskiere.

Würde ich gern mal unter dem Deckmantel der Satire ausprobieren. Vielleicht gibt sich extra3 dafür her. Beginnt übrigens in ein paar Minuten.

Gruß

ALex

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