Hallo,
ich habe seit ca 11 Tagen eine Hündin, ein Mischling
schätzungsweise Schäferhund Podengo Mix,sie ist ca 3.5 jahre
alt und ursprünglich aus Italien, also weiss man nicht viel
von der Vorgeschichte, etwa Kniehoch, bevor ich sie bekam
wurde mir bereits gesagt das sie Probleme mit anderen Hunden
habe,
Gut, für die Hündin ist also alles völlig neu, sie hat sich noch nicht eingewöhnt, kennt ihre neue Umgebung noch nicht, kann Dich noch nicht recht einschätzen und weiss natürlich auch nicht, wie lange sie bei Dir bleiben wird. (Kleine Bemerkung am Rande: Italien und Podenco passt bei mir irgendwie nicht zusammen - es sei denn, das arme Tier sei bereits einmal von Spanien nach Italien ‚gerettet‘ worden, was ich mir wiederum nicht wirklich vorstellen kann…)
Am Wochenende waren wir bei Bekannten in Kiel, die selber auch
einen Hund haben (rüde) mit dem gab es kein Problem, und auch
der andere Bekannte mit seinem Rüden war kein Problem.
Die Hündin wird nun also, obwohl sie sich soeben mit einem neuen Umfeld auseinanderstetzen muss, vielen neuen Hunden und Menschen vorgestellt. Begegnungen, die sie zusätzlich verarbeiten muss. Das soll kein Vorwurf sein, schliesslich macht man einen neuen Hund ja nicht mit den eigenen Gepflogenheiten bekannt, wenn man ihn nicht in seine Aktivitäten integriert. Trotzdem, denk daran, die Hündin ist erst kürzlich bei Euch eingezogen und muss sich im Moment noch zurechtfinden.
Zweitens waren die Hunde der Bekannten ja Rüden. Dir wurde ja gesagt, sie habe Probleme mit Hündinnen.
Sonntag waren wir dann am Hundestrand, wo ich sie ohne Leine
laufen liess, sie kam auf Abruf und von alleine auch immer
wieder, und es liefen sehr viele Hunde dort rum auch kleinere
wie Foxterrier usw, und jedem begegnete sie freundlich und
Schwanzwedelnd,
Schwanzwedelnd heisst nicht unbedingt freundlich. Schwanzwedeln an sich zeigt emotionale Erregtheit an, mehr nicht. Die Position der Rute, die Körperhaltung des Hundes und sein Gesichtsausdruck sagen mehr über die momentane Stimmung aus als Schwanzwedeln allein. Deshalb ist ein wedelnder Hund, der zubeisst, auch keinesfalls ‚abnormal‘ oder ‚gestört‘, wie viele meinen.
bis auf einmal ein kleiner schwarzer Mops kam,
dem Lina aber meiner Meinung nach per Körpersprache klar
machte, ich mag dich nicht, geh weg, der Mops kam immer wieder
an, und aufeinmal packte Lina sie kurz hinter dem Kopf
seitlich am Nacken( da wo ja jeder Hund seinen „Kragen“ hat)
und drückte sie runter, der Mops schrie wie am Spiess, ebenso
wie das Frauchen, und das Herrchen meinte ich solle meine
Kampfbestie und Töhle da wegnehmen (auch sehr hysterisch) klar
versuchte ich, sogar mit dem Bekannten zusammen Lina zu lösen,
nach gefühlten 5 std (ca 20-30sek) liess Lina dann auch los.
Ich war nicht dabei, also kann ich die Situation nur aufgrund Deiner (subjektiven) Schilderung beurteilen und die hört sich für mich nach einem Hund an, der einem anderen einfach klipp und klar sagt: „He, lass mich in Ruh, verp*** Dich endlich“, als dieser die vorhergehende Warnung frecherweise ignoriert hat. Ob und wie angemessen die Reaktion Deiner Hündin war, ist schwierig zu sagen. Dennoch hat sie ihn nicht verletzt und auch (selbständig?) wieder losgelassen, was für mich eher für eine heftige Korrektur spricht. Dennoch solltest Du natürlich versuchen solche Auseinandersetzungen zu vermeiden, egal wie angemessen wie Reaktion Deines Hundes auch war.
Meine Frage ist eher, kann es sein das ich Linas benehmen
dahingehend beeinflusst habe, weil ich den Mops (ich mag diese
äähm Tiere nicht) gesagt hab er solle sich verpissen von mir
usw, das sie das getan hat?
Selbstverständlich. Von nun an musst Du aufpassen, dass es gar nicht so weit kommt. Merkst Du, dass Deine Hündin bedrängt wird, ist es an Dir (NICHT AN DEM HUND) die Situation zu entschärfen. Dafür kannst Du zum Beispiel weggehen und sie rufen - nur einmal, nur kurz, ganz friedlich und ruhig während Du Dich schon entfernst. Auch wenn es Überwindung kostet, dreh Dich ganz um und geh weg. Wirklich weg, nicht ein paar Schritte und lob sie, sobald sie kommt. Ohne Deine Rückendeckung wird sie sich kaum mit anderen Hunden anlegen, zumal sie ja einen guten Grund hat sich aus der ihr ohnehin unangenehmen Situation zu entfernen, da sie Dich ja weggehen sieht. Das funktioniert allerdings nur mit einem Hund, der schon einigermassen eine Bindung zum Besitzer aufgebaut hat. Da Du aber sagst, sie lasse sich gut Abrufen, könnte Weggehen eine Variante sein um derartige Situationen zu vermeiden.
Und war es eine Erzieherische
Massnahme von seiten Lina´s oder ein ernstgemeinter Angriff?
Was verstehst Du unter ernstgemeintem Angriff? Ein Hund hat Zähne und je nachdem wie er diese einsetzt gibt es ein Bluterguss, eine Schramme, ein kleines Loch, ein Riss, eine blutende Wunde, etc. bis zur lebensgefährlichen Verletzung. Wie gesagt, ich war nicht dabei, aber ich würde aus einer Mücke keinen Elefanten machen - sie hat den Mops wohl ganz einfach auf Hundeart (die durchaus einmal rauher sein kann als wir Menschen uns das wünschen würden) korrigiert. Nun liegt es an Dir, sie gar nicht mehr in diese Situationen kommen zu lassen. Du musst sie vor diesen Begegnungen schützen.
Schluss, meine Bekannten bei denen wir waren schrieben mir
dann ich solle mir das mit Lina überlegen, ob ich mir sicher
sei sie behalten zu wollen, und sie hätten nun Angst um ihren
Hund (mit dem Lina sich ja bestens verstand) Zitat:
„Aber Angst habe ich um Lukas, denn in einer Wohnung kann es
genauso Klick machen und dann ist hier die Hölle los.“
„Einfach so Klick“ macht es bei einem gesunden Hund nicht. Ein Verhalten hat immer ein Grund - auch ein Hund hat ein Hirn und keinen Schalter, den man einfach so umlegen kann, auch wenn manche das begrüssen würden. So einfach ist die Welt eben nicht.
Hat meine Bekannte damit recht? Darf ich meinen Hund, wie sie
sagt jetzt nur noch mit Maulkorb und kurzleine durch die
Gegend gehen lassen?
Nein. Suche Dir jemand Kompetenten oder eine Hundeschule, in der Du und Dein Hund gut aufgehoben sind. Versuch auch Du Dich schlau über Hundeverhalten zu machen. Je nachdem wie die Verordnungen bei Euch sind, musst Du sehr aufpassen, dass Dein Hund nicht als ‚gefährlich‘ eingestuft wird. Das ist nun Deine Verantwortung.
Gruss und viel Erfolg,
S.