Moral des Weitererzählens?

Hallo,

hoffe ich bin in der richtigen Rubrik.

Es ist ja allgemein üblich, dass man mit Freunden über andere Freunde bzw. über die Probleme, die man mit ihnen hat, spricht. Nur darf ich das auch?
Es ist für einen selbst durchaus positiv, wenn man mit seinem besten Freund/in über Probleme spricht, die man mit seinem Freund/in bzw. Partner hat. Man kann selbst mit der Problematik besser umgehen, der Freund/in fühlt sich einem mehr verbunden weil man ihn/sie ins Vertrauen zieht und möglicherweise kann man dem Partner/Freund/in dadurch besser helfen bzw. seine eigenen Fehlsichten besser erkennen.
Trotzdem - ist es nicht ein Vertrauensbruch dem Partner gegenüber, über, möglicherweise intime Probleme, die zwar zum Teil auch mich beeinflussen, mit einer Person zu besprechen, zu der der Partner/Freund/in eine weniger vertraute Beziehung hat?
Ich persönlich mag es nicht, wenn Freunde, Dinge die ich über jemand anderen gesagt habe demjenigen weitersagen. Nicht weil ich nicht will, dass derjenige meine Meinung diesbezüglich erfährt, sondern, weil ich es der/demjenigen selbst sagen will, und zwar mit den Worten, mit den en ich der Meinung bin, das er/sie den Sachverhalt so versteht, wie ich es auch tatsächlich meine. Ich werde die meisten Sachverhalte zwei unterschiedlichen Personen meist mit verschieden Worte sagen. So werde ich einer sensiblen Person etwas ganz anders erzählen als jemanden der von sich sehr überzeugt ist, aber beide werden es dann im idealfall gleich verstehen.
Hoffe meine Gedankengänge sind einigermaßen nachvollziehbar.
Bitte um Meinungen.
Danke.
c.u. jepter

Hallo Stefan,

wenn es sich bei den Problemen um sehr Persönliches und Intimes handelt und u.a. Beziehungen zu anderen Menschen betroffen sind, empfehle ich, sich die Personen, denen man sich anvertraut, sorgfältig auszuwählen. Sehr gute Freunde ins Vertrauen zu ziehen, ist meiner Meinung nach absolut verständlich, sofern man sich sicher sein kann, daß diese nichts weitertragen. Absolute Verschwiegenheit ist allerdings nicht jedermanns Sache und manches belastet selbst Freunde so schwer, daß sie es anderen Freunden erzählen (müssen). Außerdem können Interessenskonflikte entstehen, wenn sich Freunde sowohl einem selbst, aber auch dem anderen, mit dem man Probleme hat, verpflichtet fühlen. Die eigenen Freunde begegnen sich auch hin und wieder, ohne daß man dabei ist und man weiß nie, ob nicht doch hinter vorgehaltener Hand etwas weitergetragen wird, was u.U. böses Blut schafft.

Falls es sich daher um Dinge handelt, die man vertraulich behandelt wissen möchte, sollte man sich überlegen, ob man sich nicht an Personen wendet, die gesetzlich zu Stillschweigen verpflichtet sind. Dazu gehören u.a. Ärzte, Diplom-Psychologen und Mitarbeiter von staatlich anerkannten Beratungsstellen, wenn man sich an sie als Vertreter ihres Berufsstandes wendet. Man hat bei ihnen also nicht nur die Möglichkeit, eine Meinung von außerhalb einzuholen, sondern auch den gesetzlich verankerten Schutz des Privatgeheimnisses, wie der Jurist zu sagen pflegt.

Grüße,

Oliver Walter