nettes Gedankenspielchen *freu*
Hallo Peter,
dann spielen wir doch mal los: jegliches geistiges Eigentum darf beliebig kopiert und genutzt werden. Weder moralisch noch rechtlich spricht in unserer Beispielgesellschaft was dagegen.
Gut, an dem Tag, an dem das passiert, mache ich in meiner kleinen Welt vielleicht folgendes: Ich kopiere mir ein paar Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte, die mir aber zu teuer waren. Ich lade mir Musik runter. Ich hole mir ein paar Computerspiele bzw. -programme, mit denen ich schon länger liebäugle. Vielleicht auch noch die 1-2 Zeitschriften, die ich gerne lese. Und noch ein paar Filmchen. Und gehen wir mal ganz kant’sch davon aus, daß das jeder täte, was würde dann passieren? Zunächst mal würden sich vielleicht ein paar Autoren, Sänger/Bands, Programmierer und Filmproduzenten ziemlich wundern. Einnahmen gehen zurück (klar, ich zahl ja nix mehr dafür).
Und dann? Dauerhaft würde vielleicht der gesamte Absatz an Büchern, CDs, DVD deutlich zurückgehen, genau wie Kinobesuche. Klar, ein paar Leuten ist sicher das gedruckte und gebundene Buch lieber als der pdf-Ausdruck und auch der Kinofilm im 3D-Kino ein schöneres Erlebnis als das gleiche Werk am 14" Monitor daheim - aber das wird nicht die große Mehrheit sein.
Gut, und dann? Ich fürchte, die eine oder andere Druckerei/CD-Presserei/Kino wird seine Pforten schließen müssen, der eine oder andere Autor/Sänger wird sein Geld auf andere Weise verdienen müssen. Fazit bis hier: Wirtschaftlich negativ (moral hatten wir ja angenommen, daß das kein Problem ist).
Andererseits: Wie komm ich an das Zeug? Klar, Internet drängt sich hier auf als Quelle. Dazu brauch ich nen PC samt Internetanschluß. Und dann „hole“ ich mir also das eine oder andere Buch - und was tue ich? Klar, ich drucke es aus! Auf meinem Drucker, den ich vielleicht habe. Auf Papier, das ich kaufen muß. Mit Tinte/Toner, die ich auch kaufen muß. Und meine Musik? Nun, die werde ich mir auf CDs brennen. Und die Filme vielleicht auf DVDs. Und die Rohlinge? Die Hardware, um das alles tun zu können? Die kaufe ich natürlich mehr als vorher. Fazit hier: mehr Arbeitsplätze in diesem Bereich.
Und sonst? In vielen Bereichen wird vielleicht mein Leben leichter: Ich muß mir beim Basteln meiner Webseiten keine Gedanken machen, wo ich „gute und legale“ Bilder her bekomme. Ich kann mir Musik und Bücher reinziehen soviel ich will, kann mehr experimentieren und mir Musik anhören, die ich für Geld nie gekauft hätte. Und Bücher lesen, die ich für Geld im Laden hätte liegen lassen. Und vielleicht auch „große“ Gemälde nicht im Louvre im Original bewundern sondern online und mir dann ausdrucken.
Soweit der private Bereich - es würde sich also sicher eine Verschiebung im Arbeitsmarkt ergeben, wobei ich fast fürchte, daß am Ende mehr Arbeitslose stehen als vorher.
Was ist im industriellen Bereich? Firmenlogos, Patente etc. fallen ja weg. Das heißt, wenn ich meine Milka-Schokolade kaufe, stelle ich fest, daß die auf einmal ganz anders schmeckt. Denn der xxx-Schokihersteller hat sich das lila Layout genommen und wickelt nun seine Schoki dort ein. Weia, weia - ich bin nicht sicher, ob ich das gut fände. Auch das Logo: Hmm, irgendwie gibt es doch Logos, mit denen ich irgendwas verbinde. Und wenn jetzt Aral im blauen Kästchen nicht nur auf meiner Tankstelle sondern auch auf der Mineralwasserbuddel steht, also Leut, ich weiß ja nicht *Kopfschüttel*
Aber wie auch immer, es würde hier wirtschaftlich gesehen wahrscheinlich eine ziemlich große Verschiebung von Marktanteilen geben aber im normalen Alltag sicher auch ne massive Verwirrung (könnt ja jemand auf die Idee kommen, sein Mineralwasser in den Tank zu kippen *ggg*). Fände ich also ehrlich gesagt keine wirklich verlockende Idee…
Und dann haben wir da noch so einen Punkt bisher außer acht gelassen: Was ist denn mit geistigem Eigentum, dessen Erzeugung Geld gekostet hat? Also nicht so mein hiesiger Erguß, den ich in der Freizeit vor mich hin schreibe sondern ernsthafte Patente, Logos oder so. Gerade Patente, da ist ja meistens nicht so, daß man in der Nacht senkrecht im Bett steht und DIE Idee schlechthin hat sondern man wird in seinem Labor (das man ja auch „haben“ muß) irgendwelche Vorversuche machen, Hilfsmittel dazu brauchen, Material verbrauchen etc. Und am Ende steht vielleicht das Patent. Und jeder andere, der diese Auslagen nicht hatte, darf das dann verwenden?
Oder um auf das Musikstück zurückzukommen. Irgendwoher brauch ich ja zumindest mal das eine oder andere Instrument (das ich erstens kaufen/mieten muß und zweitens vielleicht noch in teuerem Unterricht spielen lernen), ein Mikrophon und jemanden, der mir das netterweise auf CD brennt. Und daß man mit diesem „zumindest“ noch nix qualitativ hochwertiges machen kann, ist wohl auch kaum zu widerlegen… Also noch mehr Kosten und Aufwand und natürlich auch Zeit, in der ich kein Geld verdiene. Und alle diese Auslagen erstattet mir keiner, weil das jeder „saugen“ kann? Neee, ne? (Ähm, auf die Verhältnismäßigkeit irgendwelcher Entlohnung grad im Bereich von Sängern möchte ich übrigens hier nicht eingehen *g* das Beispiel soll nur dazu dienen zu verdeutlichen, daß das durchaus Unkosten verursacht)
Und noch was auf Zitate bezogen „xxx hat yyy getan“ verursacht bei mir - egal ob im echten oder im virtuellen Leben - immer die Fragen „sagt wer? in welchem Zusammenhang?“ So ein Beispiel: „Ich habe mit Hugo geschlafen“ kann von einem Kind gesagt bedeuten, daß Hugo sein Lieblingskuscheltier ist, ohne das es nicht einschlafen kann. Wenn ich das der Frau von Hugo sage, kann das gaaanz was anderes heißen
Das heißt, eine Quellenangabe bei einem Zitat hilft demjenigen der das hört, eine gewisse Einordnung zu treffen. So würde ich obigem Kind sagen „oh lieb, zeig mir doch mal Dein Kuscheltier“ während die Frau mir vielleicht weniger charmantes an den Kopf werfen würde 
Hapuh! Wat ein Roman, den ich hier verfaßt habe - hoffentlich liest das überhaupt jemand bis hierher
Aber das Thema hat mich jetzt verlockt und mich würd interessieren, was Ihr so dazu meint?
Heute irgendwie philosophische Grüße
Petzi