Moralische Antwort
Hallo Peet,
falls du zu den untengenannten Statements etwas theoretisches Unterfutter haben möchtest: es ist in der Tat eine recht klassische Frage der Moral: ein Verhalten, das nicht direkt strafbar ist, dir Vorteile bringt - aber wenn du das „Opfer“ wärst, wünschtest du eben doch, dass derjenige im Vorteil sich selbstlos und edel verhalten möge… Kants kategorischer Imperativ steht da sofort vor der Tür und auch aus der Bibel kennen wir die „Goldene Regel“: Was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch, z. B. Matthäusevangelium Kapitel 7 Vers 12. Populär: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Interessant ist die Begründung bei Kant: Erst eine solche moralische Handlung, also eine, die gegen den kurzsichtigen materiellen Vorteil steht, eine, die wirklich und rein aus Einsicht in die Notwendigkeit des Verhaltens nach der obigen Opfer-Überlegung geschieht - erst eine solche Handlung macht den Menschen eigentlich zum Menschen. Denn nur eine solche Handlung zeigt wirkliche Einsicht, und eben die ist es, die den Menschen vom Tier und allen anderen Naturerscheinungen unterscheidet. Nur das moralische Handeln, nur die Realität des Verhaltens aus Einsicht löst den Menschen aus der Gebundenheit durch immer neue automatische Kausalketten (einer tut etwas zwangsläufig, weil er einen bestimmten Vorteil davon hat), der die Natur unterliegt.
Weil der Mensch aber gegen seinen kurzsichtigen Vorteil handeln kann, ist er im ganzen Ablauf der Natur etwas Besonderes, denn dadurch erhält er die Wahlfreiheit: aus Einsicht nämlich in das Leid des Opfers unterläßt er die böse, gleichwohl unbestrafte Handlung und tut das Gute. Deshalb auch trägt das Gute seinen Wert in sich, er liegt in der Menschwerdung nämlich dessen, der das Gute tut.
Kant gebraucht dafür noch viel pathetischere Worte, er geht soweit, diesen Sachverhalt „Religion“ zu nennen und „Metaphysik der Sitten“. In der von ihm so genannten Schrift, im „Beschluß“ vergleicht er die Möglichkeit des Menschen zum Guten mit den Naturgesetzen, nach denen sich die Gestirne bewegen; dieses Gute erhebe den Menschen zum Unendlichen. Die deutsche Klassik (also v. a. Goethe und Schiller), der „Idealismus“, beruht zu einem guten Teil auf diesem Grundgedanken.
Nicht wenige Theologen und Philosophen meinen u. a. deswegen, Kant sei ein ganz und gar christlicher Philosoph, der allerdings hätte sich gegen eine solche Vereinahmung wohl streng verwahrt.
Mit besten Grüßen
Juliane
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