Hallo!
Vor kurzem hörte ich, dass die Gabe von Morphinpräparaten zur Schmerzlinderung bei schwerkranken Krebspatienten relativ schnell zum Tode führen. Kann mir jemand erklären, warum?
Hallo!
Wo hast Du das gehört? Scheint mir ziemlicher Mumpitz zu sein.
Was natürlich sein kann ist, daß Patienten mit weit fortgeschrittenem Tumor mit Morphinpräparaten und anderem so weit sediert werden, daß sie das Sterben nicht mehr so mitbekommen. Daß diese Patienten dann auch nicht mehr allzu lange leben ist klar.
Andere (Tumor)Schmerzpatienten lassen sich mit Morphinen ziemlich gut und auch jahrelang behandeln.
Gruß
Peter
Hi,
naja, die morphine bei schwerkranken krebspatienten führt auch nicht schneller zum tode als bei leuten ohne krebs.
Die dosis macht halt das gift.
Allgemein muss man erstemal wissen, dass morphine nicht nur sehr gut gegen schmerzen helfen, sondern auch sedierend wirken, also beruhigend. Das funktioniert über spezielle rezeptoren im gehirn, also auf zentraler ebene. Ab einer gewissen menge tritt aber nicht nur eine sedierung ein sondern auch eine dämpfung im atemzentrum, was im ungünstigsten fall zum tode führt.
Nun zu den krebspatienten. Bei bestimmten tumoren hat man immense schmerzen, die mit „normalen“ schmerzmitteln nicht mehr in den griff zu kriegen sind.
Zur sicherung der lebensqualität (hier steht schmerzfreiheit im vordergrund) kann man bei solchen patienten, deren lebenserwartung in einem solchen stadium nicht mehr sehr hoch ist, recht großzügig mit den morphinen umgehen.
Kurzum: Man möchte den patienten einfach einen schmerzlosen tod gönnen, was man sich mit dem risiko einer morphininduzierten atemdepression erkauft…
Soweit LG Alex:smile:
Naja, gehört habe ich es von einem Freund, der mir sagte, daß bei einem seiner Verwandten der obige Fall eingetreten ist, und ein weiterer Bekannter ihm zuvor sagte, daß es nicht mehr lange dauern würde bis der Tod eintritt, wenn erstmal Morphine gespritzt würden.
Vielen Dank jedenfalls für Eure Erklärungen!
Hallo,
und ein weiterer Bekannter ihm zuvor sagte, daß es nicht mehr
lange dauern würde bis der Tod eintritt, wenn erstmal Morphine
gespritzt würden.
da hast Du (bzw. Dein Bekannter) Ursache und Wirkung verwechselt.
Morphine werden in D (leider) meist erst dann gegeben, wenn der Patient kurz vor Ex ist. Das Morphin hat keine beschleunigende Wirkung.
Gandalf
falsche sichtweise
Hi,
da hast Du (bzw. Dein Bekannter) Ursache und Wirkung
verwechselt.
Morphine werden in D (leider) meist erst dann gegeben, wenn
der Patient kurz vor Ex ist. Das Morphin hat keine
beschleunigende Wirkung.
Ursache und wirkung stimmen schon im groben.
Wie ich oben schon beschrieben habe, macht die dosis das gift und da in fortgeschrittenen tumorstadien die schmerzen auch immer schlimmer werden, gibt man halt mehr schmerzmittel…
LG Alex:smile:
Hi Max!
Ich teile Deine Ansicht, allerdings ist mE auch richtig, was Gandalf schreibt, nämlich, daß die Morphine oft bei so schwer kranken Patienten verordnet werden, die zum Beispiel auch mit Schüssler Salz-Therapie (um’s mal kraß zu sagen) bald verstorben wären.
Gruß
Peter
Tach Max,
Wie ich oben schon beschrieben habe, macht die dosis das gift
und da in fortgeschrittenen tumorstadien die schmerzen auch
immer schlimmer werden, gibt man halt mehr schmerzmittel…
die therpeutische Breite der Morphine ist m.W. recht groß und ein Arzt wird einen Teufel tun, eine (über)kritische Dosis Morphine zu verabreichen, wenn ihm sein Approbation zu lieb ist
(Stichwort Sterbehilfe).
Morphium ist bei der richtigen Indikation und Dosis ein wunderbares Mittel und beschleunigt den Sterbeprozess bei angemessener Dosierung nicht.
Gandalf
Hallo !
Noch eine Ergänzung, weil eines, was gesagt wurde, sachlich so nicht
ganz richtig ist:
Morphin (und auch andere Opiate wie Fentanyl oder Buprenorphin)
sind hochwirksame Medikamente, um Schmerzen zu lindern. Dabei
wirken sie auch beruhigend (sedierend) auf den Patienten.
Keineswegs werden diese Substanzen nur Patienten verabreicht, die
im Sterben liegen !
Opiate, deren Hauptvertreter das Morphin ist, werden durchaus auch
bei Erkrankungen eingesetzt, die nicht zwangsläufig zum Tod führen.
Als Beispiel seien hier der Herzinfarkt und die Polyarthrose genannt,
die mit erheblichen Schmerzen einhergehen können. Beim Herzinfarkt ist
zudem die sedierende Wirkung des Morphins erwünscht, da der Patient
hier meist starke Angst empfindet, was einen Stressfaktor darstellt,
der die Herz-Kreislauf-Situation weiter veschlechtern kann.
Richtig ist hingegen, dass bei sterbenden oder sehr kranken Patienten
oft zu lange mit dem Einsatz von Morphinen gewartet wird. Gründe
hierfür sind meist Berührungsängste bzw. mangelnde Erfahrung mit
den Substanzen an sich und auch unsere historische Vergangenheit
(Todespritzen bzw. „Euthanasie“ für Behinderte und Kranke im Dritten Reich). Dabei beschleunigt das Morphin, sofern keine zu hohe Dosis gegeben wird, den Sterbevorgang nicht, sondern befreit nur von quälenden Schmerzen und quälender Angst. Die Nebenwirkungen (Stuhlverstopfung und zu Beginn der Behandlung auch Übelkeit)lassen
sich mit anderen Medikamenten heute in aller Regel gut beherrschen.
Eine Überdosis Morphin, das wurde richtig angemerkt, tötet allerdings den Patienten, da es atemdepressiv wirkt. Der Patient erstickt, wovon er selbst jedoch (wahrscheinlich) nicht viel mitbekommt. Dessen ungeachtet ist die Verabreichung einer Überdosis gesetzlich verboten und erfüllt, je nach zugrundeliegendem Motiv, den Tatbestand des Totschlags oder auch des Mordes. Selbst wenn der Patient um eine „erlösende Todesspritze“ bittet, ist es noch immer Tötung auf Verlangen, was ebenfalls eine Gefängnisstrafe nach sich zieht.
Gruß
Kai (Assistenzarzt für Innere Medizin)
???
Hi,
da hast Du (bzw. Dein Bekannter) Ursache und Wirkung
verwechselt.
Morphine werden in D (leider) meist erst dann gegeben, wenn
der Patient kurz vor Ex ist.
So ein QUATSCH.
Morphine werden ständig eingesetzt. Aber es gibt einen von der WHO klar definierten stufenplan für die schmerztherapie, der eingehalten wird, weil er sinn macht.
Das Morphin hat keine
beschleunigende Wirkung.
Nicht in dem sinne, jemand schnell aus dem leben zu befördern. Ab einer gewissen dosis, die die besprochenen patienten auch meist benötigen, ist der tod nunmal eine nebenwirkung.
STERBEHILFE ist das schonmal gar nicht, weil er nicht bewusst herbeiführt wird. Ob er billigend in kauf genommen wird ist eher eine ethische frage und gehört hier nicht hin.
LG Alex