Moskauer kreml in der sowjetzeit

hallo miteinander,
als historisch ziemlich unbewanderte hat sich beim lesen eines buches mir gestern ein frage gestellt:
in der sowjetzeit wurden doch viele (alle?) kirchlichen gebäude für weltliche zwecke genutzt, auch als ställe für vieh z.b.
was ist in dieser zeit mit den kirchen im moskauer kreml passiert? wurden auch diese für andere zwecke benutzt? oder blieben die „ungenutzte“ kirchen? die gebäude sind ja ganz gut erhalten, also mutmaße ich mal, dass auch während der sowjetzeit zumindest nichts schädliches mit den kirchen passiert ist. und wenn die kirchen als solche gepflegt wurden, wie hat die sowjetregierung das gerechtfertigt?
verzeiht meine laienhafte ausdrucksweise, ich hoffe ihr versteht was ich meine.
lg
sabine

in der sowjetzeit wurden doch viele (alle?) kirchlichen
gebäude für weltliche zwecke genutzt, auch als ställe für vieh
z.b.

Liebe Sabine:smile:
als ich das erste mal in Moskau war - 1980 - also mitten in der dicksten breschnjew-sowjet-ära habe ich nicht nur die meisten grossen kirchen renoviert und gepflegt vorgefunden, sondern auch *in betrieb*.
Ich war zb. zeuge einer orthodoxen taufe in einer der kirchen. Bei unserer besichtigung des kremls wurden wir allerdings nur durch die profanen prunkräume geführt - es gibt aber keinerlei grund zu der annahme, dass die kirchen dort als ställe genutzt wurden. Auch im damaligen Leningrad war es nicht anders. Wie das aber auf dem lande war und ob dieser eindruck auch für die vielen kleinen kirchen und kapellen der grossen städte gilt, kann ich nicht sagen. Soweit ich weiss, war *die religion* auch nie verboten, nur halt nicht *gerne gesehen* -
das *volk* hat wohl immer an seinen traditionen festegehalten.
liebe grüsse aus wien,
jenny

Hallo Sabine,

in der sowjetzeit wurden doch viele (alle?) kirchlichen
gebäude für weltliche zwecke genutzt, auch als ställe für vieh

Das kam mit Sicherheit in den ersten „Sturm- und Drang-Jahren“
der sich konsolidierenden Sowjetmacht öfters vor.
Aber im wesentlichen wurde insbesondere die Orthodoxie
zwar Anfangs verfolgt und eingesperrt, in den 20’er aber
zaghaft wieder legalisiert, sofern sie nicht gegen die
Kommunisten agitierte.

Denn die Kirche konnte auch in den Händen der Sowjet-Machthaber
ein Werkzeug sein, um die Menschen zu Gehorsam gegenüber den
Sowjet-Funktionären aufzufordern.

was ist in dieser zeit mit den kirchen im moskauer kreml
passiert? wurden auch diese für andere zwecke benutzt? oder
blieben die „ungenutzte“ kirchen? die gebäude sind ja ganz gut
erhalten, also mutmaße ich mal, dass auch während der
sowjetzeit zumindest nichts schädliches mit den kirchen
passiert ist. und wenn die kirchen als solche gepflegt wurden,
wie hat die sowjetregierung das gerechtfertigt?

Eine vorhandene Machtstruktur und Hierarchie kann man
entweder zerschlagen oder benutzen.

verzeiht meine laienhafte ausdrucksweise, ich hoffe ihr
versteht was ich meine.

Eine „Wende“ kam im 2. Weltkrieg. Nachdem die Deutschen anfangs
mit wenig Mühe die gigantischen sowjetischen Armeen zerschlugen,
sahen Stalin und die Stawka, dass der Russe allein für die
„Idee des hirstorischen Materialismus“ rein gar nichts
zu vollbringen bereits ist.

Darum setzte man ab 1942 auf eine starke Identifikation
mit der Landesgeschichte Russlands, der „Heimat“, in der
auch die Kirche ihren traditionellen Platz hat. Auch
die Kirche rief ihre Schäfchen dazu auf, an der Seite
der übrigen Russen „Mütterchen Rodina Russland“ mit allen
Mitteln ohne Schonung des eigenen Lebens zu verteidigen.

Und das hat bekanntlich funktioniert. Und da die Russen
seit 1945 in auch permanenter „Erinnerungskultur“ bezüglich
ihres Sieges über Hitlerdeutschland lebten, hat auch die
Kirche als Teilhaber dieses Sieges ein gewisses Ansehen bewahrt.

Das nur kurz zum Thema. Schau mal bitte bei Google:
[google] kirche orthodox geschichte sowjetunion

Euer CMБ

Hallo Sabine,

ich schließe mich Jenny vollkommen an.
Auch zur Sowjetzeiten war die Regierung sehr bemüht die historischen Kunstschätze zu erhalten und zu Restaurieren.
Die Menschen wie Jenny auch sagt, gingen trotz kommunistischer Zeiten in die Kirche. Den Glauben haben auch die Kommunisten nie verboten.
Das die Kirchen als Ställe dienten ist mir nur vom II Weltkrieg bekammn, aber meist in kleineren Orten wo sonst alles zestört war.

schönen Tag wünscht ahtog

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hallo Sabine,

ich dnke, dass es verschiedene Verwendungszwecke für Kirchen in der SU gab:

  • als Museen z.B. eine (kath.) Kirche im Zentrum von Villnius
    oder (Puppen-)Theater, orth. Kirche in Kaliningrad/Königsberg

  • als Lager/Produktionsbetrieb: eine Kirche im Stadtzentrum von Riga
    Diese Beispiele habe ich mit eigenen Augen gesehen, die Namen/exakte Adresse dieser Kirchen muesste ich aus meinen Reiseführern/Stadtplänen raussuchen.

  • als Kirchen, wobei man daran denken sollte, dass die SU durchaus daran interessiert war nach aussen als freies Land etc. zu erscheinen so dass gerade Aushängeschilder belassen wurden. Der Kreml ist da so ein sehr gutes Beispiel.

Man sollte dabei beachten, dass dabei der Versuch der Errichtung einer Staatskirche unternommen wurde. So wurden nicht Kreml-hörige Priester verfolgt (vgl. auch Archipel Gulag), während sozialismusfreundl. Priester gewähren gelassen wurden. Diese Übernahme der Kirche war den Auslandsrussen ein Dorn im Auge so dass sie eigene Patriarchate (ev. eigene Kirche begründeten). So entstand das 'Münchener Patriarchat, welches wohl von den Nazi anerkannt wurde. Um die orth. Kirche in DD gab/gibt es einen Streit um deren Zugehörigkweit zum Moskauer vs. Münchener Patriarchat.

Tschuess Marco.

Moskauer Kerml - Museenanlage
Hallo,

Die Kirchen im Kreml wurden als Museen erhalten. Es wurde über längere Zeit kein Gottesdienst mehr abgehalten, aber als Zeugen der russischen Architektur und Geschichte blieben sie stehen und waren öffentlich zugänglich.

VG
jarolep