Hallo!
Unser Sohn ist 8 und nicht sehr geduldig und ziemlich
hibbelig.
Hat er genügend Bewegungsmöglichkeiten? Stillsitzen in der Schule, bei den Hausaufgaben, bei Tisch usw… und dann nur 2 Std. Schulsport die Woche und 1x wöchentlich Vereinstraining o.s. könnten da vielleicht einfach zu wenig sein.
Bei der kleinsten Schwierigkeit gibt er auf, z.B. bei einem
Brettspiel, sobald er auch nur einmal rausgeworfen wird, wenn
der Gegner beim Tennis auch nur einen Punkt macht, der Gegner
beim Wettlauf auch nur halbwegs auf seine Höhe kommt.
Er verbindet diese Spiele nicht vorrangig mit Spaß und Unterhaltung, sondern mit sich-miteinander-messen, vergleichen (u.verglichen WERDEN!), Gewinner oder Verlierer sein…und da möchte er eben nicht zu den „Verlierern“ gehören (die ja in der Regel auch nicht unbedingt immer gelobt werden dafür, dass sie überhaupt mitgemacht u.ihr Bestes gegeben haben, oft sogar ausgelacht werden usw.) Vielleicht mal etwas mehr Schwerpunkt auf Spiele und Aktivitäten legen, wo ein „Miteinander“ erforderlich ist, wo man nur gemeinsam Erfolge u.Resultate erzielt - OHNE dass es um Gewinnen oder Verlieren geht?
Dazu kommt, dass er jetzt in der 3. Klasse einen überhaupt
nicht motivierenden Lehrer hat „Bei Euch ist ja Hopfen und
Malz verloren.“, der Stoff dazu erheblich anzieht. Die Noten
sind um mehr als 2 Stufen abgesunken, schlagartig.
Ggf. Thema für den Elternabend, vorher mit anderen Eltern Erfahrungen erfragen (wenn er „Euch“ sagt, meint er ja scheinbar nicht nur ein einzelnes Kind, also wären mehrere oder die ganze Klasse angesprochen ), oder (falls nur euer Sohn betroffen ist)Gespräch mit dem Lehrer suchen u.ihm freundlich erklären, wie demotivierend und unangebracht „persönlichkeitsbezogene“ Bewertungen von Schülerleistungen sind. Es soll immer noch Lehrer geben, die meinen, durch solche Sprüche „Ehrgeiz“ auszulösen. Da fehlt etwas die pädagogische Seite an seinem Verhalten - und wenn er mit der Klasse Probleme hat, Stoff nicht bei ihnen „ankommend“ vermittelt oder sie sich wild aufführen, muss auch ggf. sein Unterrichtsstil mal zur Diskussion stehen dürfen. (Viel Glück dabei…)
Ich mache mir echte Sorgen inzwischen, da kommen so Aussprüche
wie „Ich kann das eh nicht.“ oder Ausreden wie „Das war
ungerecht“ (dann sind die anderen Schuld). Manchmal schwankt
das auch zwischen absoluter Über- und Unterschätzung.
Das muss er ja auch erst noch lernen mit dem richigen Einschätzen…und das geht nur durch Erfahrung. Dazu gehört eben auch, dass er lernt, wie und wodurch er Erfolgserlebnisse haben kann, wie er damit umgehen muss, um andere nicht zu verletzen…und auch, wie er mit Misserfolgen und „Frust“ umgehen kann.Er macht sein Gefühl von „Selbstwert“ z.Zt. scheinbar überwiegend von sichtbaren Leistungserfolgen (Noten, Gewinnen usw.) abhängig u.hat halt durch seine Umwelt gelernt, dass der Schnellste, Beste, Erste eben am meisten gelobt und am besten angesehen und oft auch behandelt wird. Willkommen in unserer Gesellschaft. Hat er Erfolgserlebnis-Möglichkeiten, die NICHT mit solchen „Leistungsergebnissen“ verbunden sind? Hat er sich bei einem längeren Wartetermin mal supergeduldig gezeigt…übernimmt er z.B. Verantwortungen für etwas (Haushaltsaufgaben, Haustier, Hilfe für Oma oder andere Kinder usw.) und bekommt dafür GENAUSO viel Lob und Anerkennung wie für ne Siegerurkunde oder gute Note? Wenn er sich als „Mensch“ für wichtig und gut bewertet fühlt, ist er vermutlich nicht mehr ganz so abhängig von „äußeren“ Trophäen…
Ich versuche ihm zu vermitteln, dass man mit Anstrengung,
Ausdauer und Übung Ergebnisse verbessern kann (Was ich leider
selbst so nie erfahren habe, vielleicht liegt es auch daran).
Leider völlig erfolglos.
Die Frage ist: Ist ER von SICH aus mit seinen „Ergebnissen“ nicht zufrieden…oder hat er nur den Eindruck bekommen, dass „er“ (als „Leistender“ und damit für ihn: als Mensch) euch/der Schule usw. nicht gut genug ist?!
Ich denke mal, das Bestreben, nicht als Versager, Null und Dööfster im Kreis dazustehen, hat man von Natur aus…wenn es mit einem schönen Gefühl verbunden ist, etwas zu leisten, und auch die Reaktionen auf das Ergebnis dann positiv sind, leistet man von ganz alleine was - da braucht man keinen Motivationscoach. In dem Alter muss man viell. manches noch etwas „bildhafter“ für ihn verständlich machen. Wenn er… was weiss ich…Legos baut, sitzt er bestimmt auch mal ne Stunde dran, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Diese Stunde und das Bauen empfindet er aber nicht als Belastung oder Arbeit, sondern als notwendige Voraussetzung,um das Ergebnis in den Händen halten zu können, das er sich so vorstellt. Auch mit den Legos umzugehen, sie richtig zu greifen, zu plazieren usw. musste er durch Üben und Ausprobieren erst lernen.Vielleicht könnt ihr ihm bildhaft zu verstehen geben, dass es mit anderen Lebensbereichen (Schule, Lernen, Sport usw.) nichts anderes ist…Der WEG soll Freude machen, aber man muss Zeit u.Üben investieren, um am Ende was Schönes in der Hand zu haben. Schulbücher sind quasi wie eine Kiste voller Legos…was er damit anfängt und daraus „baut“, liegt an ihm.
Vielleicht würde es ihm helfen zu erfahren, dass man stolz auf ihn ist, wenn er sich bemüht, aus SICH das Beste herauszuholen und SEIN Bestes zu geben…ganz egal, wo SEIN Bestes am Ende in der Gewinnerliste dann plaziert ist! Wer sich durch viel Anstrengung von Platz 11 auf Platz 9 vorgearbeitet hat, bekommt dafür leider selten auch nur eine Anerkennung, geschweige denn ne Medaille…sondern eher zu hören:Na, wenn du so weitermachst, dann schaffst du „es“ ja vielleicht eines Tages sogar mal bis nach ganz vorne bzw. ganz oben!
Er steht total unter Strom, kaut Fingernägel, hibbelt vor sich
hin, ist total leicht abzulenken.
Das kann aber viele Gründe haben…hat er einen geregelten Tagesablauf, Zeit zum Toben, Bewegen, Ruhephasen,genug Schlaf,halten sich Action und Ruhephasen die Waage…usw. Auch „gesundheitliche“ Sachen (kann schon irgendein wichtiges fehlendes Vitamin o.s.sein),oder leichtes ADS, Hyperaktivität…oder einfach viel Temperament und nicht genug „Auslauf“ dafür… das müsstet ihr selber mal überlegen und vielleicht durchgehen, was man da ausschließen könnte.
Ich kann ihn doch beim Spielen etwa nicht einfach gewinnen
lassen? Er macht viel Sport (Tennis und Fussball), da hat er
ein paar Erfolgserlebnisse, er ist auch viel mit Freunden
draußen unterwegs. Sein Medienkonsum ist begrenzt, täglich ca.
1/2 Stunde, höchstens mal 1 am Stück, das aber nur
Ausnahmsweise.
Die Kinder messen sich im Spiel altersgemäß meist AUCH untereinander. Seine Sportarten sind ebenfalls „Punkte-orientiert“ und machen Gewinner und Verlierer…auch in der Schule gibt es den Leistungs- u.Notenvergleich. Ich würde versuchen etwas als Ausgleich zu finden, was er schön findet u. gerne macht und wofür er mal NICHT eingordnet und bewertet wird…und ihn ansonsten mal eine Zeitlang bewusst NICHT für die „Endergebnisse“, sondern nur für sein VERSUCHEN , seine Anstrengungen und Bemühungen als SOLCHE loben. Das ist nämlich ein großer Unterschied…
Euch alles Gute! LG