Motivation und Widerwille

Hintergrund (bzw. einer der Hintergründe):
Als Kind habe ich immer abgeblockt, wenn meine Mutter wollte, dass ich irgendetwas demnächst mache (zum Beipiel aufräumen oder Tisch decken).
Je öfter sie mich dazu aufgefordert hat, desto weniger hatte ich dazu Lust, desto mehr ging der Schuss nach hinten los.

Ich beobachte manchmal immer noch einen gewissen Widerwillen, wenn ich irgendetwas machen soll (auch wenn ich es mir selbst vornehme). Je länger ich mir schon etwas vorgenommen habe, das ich aufgeschoben habe, desto weniger habe ich Lust das noch zu machen.

Was kann man gegen so einen zunehmenden inneren Widerwillen machen? Ein solches Phänomen muss doch bereits erforscht sein?!
Gibt es irgendwelche Bücher oder Internetseiten über die richtige sanfte Motivation in diesem Fall? (Ich habe noch nichts gefunden.)

Ich habe mich gewundert, wie man zum Beispiel als Mutter sein Kind besser motivieren kann etwas Unangenehmes zu machen - ohne dabei auf autoritäre Erziehung (insebesondere Bestrafung) zurückzugreifen.

Ich habe mich gewundert, wie man zum Beispiel als Mutter sein
Kind besser motivieren kann etwas Unangenehmes zu machen -
ohne dabei auf autoritäre Erziehung (insebesondere Bestrafung)
zurückzugreifen.

dazu faällt mir ein, dass die pädagogen zwei sichten eröffnen:

  1. das kind wird in seinen eigenen bestrebungen frei gelassen und unterstützt und entwickelt darüber motivation, für eigene ziele auch unangenehmes zu machen

  2. das kind erfährt sehr deutliche grenzen und holt sich die orientierung -und damit auch sicherheit- von den eltern über vorbild, nachahmung und auch bestrafungsmechanismen ab. so werden auch unangenehme dinge erledigt.

bis heute streiten sich die pädagogischen richtungen darüber, was besser sei.

auf jeden fall ist es gut gelaufen, wie ist auch egal!, wenn ein erwachsener gedanklich dazu in der lage ist, sein handeln mit den folgen vorwegzunehmen. auch aus dieser fähigkeit, ein szenario zu entwerfen, stammt die motivation, sein handeln zu bestimmen -das nennt man antizipationsfähigkeit.

motive, die verhalten steuern, werden in der familie geprägt, und sind sehr vielfältig, lassen sich aber über psychodiagnostik entschlüsseln. das machen psychologen, wenn´s nötig ist, mit gut untersuchten tests.

Hallo Ninca,

ich glaube, Kinder haben durchaus auch Verstand, und man kann ihnen wenigstens manchmal die Notwendigkeit von irgendetwas Unangenehmen erklären. Dazu bedarfs es vielleicht einiger Geduld. Dafür muß man aber wohl weniger Zwang ausüben und produziert weniger Widerwillen.

Nun zu Deinem Problem: als erstes heiße ich Dich ganz herzlich in der Gegenwart und im Erwachsenenleben willkommen. Trotz war wichtig im Kleinkindalter für die Willensenwicklung. Trotz bringt jetzt nichts mehr und bewirkt nur (Selbst)-Sabotage. Dein Wunsch nach „sanften“ Methoden erscheint mir wie ein (verständlicher) Wunsch, daß früher mir Dir anders umgegangen worden wäre. Das ist aber vorbei, vergiß die „sanfte“ Motivierung.

Statt dessen (vielleicht zuerst bei einer etwas kleineren Sache)

  • Sei Dir Deines Widerwillens durchaus bewußt,

  • halte aber - ebenso bewußt - die Spannung dieses Widerwillens aus

  • mache die unangenehme Sache

  • freue Dich am Resultat!

Grüße von I.,
(dem einige Monate vor der Schule mit bedeutungsschweren Worten vermittelt wurde, daß bald die Schule beginne… der Ernst des Lebens… und ich bin dementsprechend nicht wahnsinnig gerne hingegangen.)

Hallo Ninca!

Ich kenne das, was du beschreibst, nur zu gut.
Ich habe ebenfalls alles boykottiert, was ich tun MUSSTE;
als ich von zuhause auszog, habe ich erstmal alle hauswirtschaftlichen Pflichten auf das notwendige Minimum reduziert.
Bei mir hat sich das von ganz alleine im Laufe der Zeit ergeben, dass der Trotz nachließ :smile:

Ich würde dir raten: Lass dir Zeit, lass entweder die Pflichten Pflichten sein und genieße, dass du nun tun kannst, was du willst, oder erledige deine Pflichten mit Widerwillen.
IMHO kommt, wie gesagt, die Veränderung ganz von selbst.

Grüße, jeanne

Nur um das hier klar zu stellen: Ich habe momentan kein wirkliches Problem mich selbst zu motivieren, aber das Gefühl, dass ich als Mutter genauso „versagen“ würde, wie meine eigene Mutter.

Mich interessiert wie man Menschen allgemein dazu motiviert, etwas zu lernen, etwas langweiliges oder unangenehmes zu machen. Gibt es hierzu wirklich keine Bücher oder Internetseiten?

Es heißt doch immer wir werden durch zahlreiche Einflüsse (z.B. Werbung) in unseren Handlungen beeinflusst! Dann müsste es doch auch möglich sein Menschen dahingehend zu „manipulieren“, dass sie ohne inneren Widerwillen etwas machen, wozu sie keine Lust haben, was sie aber einsehen.

…junge Frau!

Nur um das hier klar zu stellen: Ich habe momentan kein
wirkliches Problem mich selbst zu motivieren

Ich kann ja verstehen, dass du dich angegriffen fühlst, wenn du hier wie ein spätpubertierender Teenager behandelt wirst, der noch in der Trotzphase steckt, du jedoch eine junge Mutter bist, die Tipps sucht.
Allerdings solltest du, wenn du dies vermeiden willst, deine Fragen klarer formulieren! (Und ´ne Anrede wäre auch ganz nett…)

Mich interessiert wie man Menschen allgemein dazu motiviert,
etwas zu lernen, etwas langweiliges oder unangenehmes zu
machen.

Ich beziehe mich in meiner Antwort nun auf Kinder, da sonst die Antwort zu lange wird.
Kinder sind leicht zu motivieren, da sie von vorneherein erstmal wissbegierig sind. Erlaube ihnen zu putzen, zu kochen, … , sie werden es ausprobieren.

Wichtig ist auch, selbst motiviert zu sein. Kinder merken immer unsere innere Haltung. Wenn ich mich mit einer positiven Haltung an die unangenehme Arbeit mache und mein Kind mit einbeziehe, ist die Motivation meist ein Leichtes.

Weiterhin kann ich mit positiver Verstärkung arbeiten. Das Kind loben, wenn es etwas „unangenehmes“ (z.B. aufräumen) erledigt hat.
Oder als Belohnung was Schönes miteinander machen, das damit in Verbindung steht.

Wenn das Kind sagt, es hat keine Lust, dann das nächste mal, wenn es mit dir spielen will, auch keine Lust haben (nicht trotzig, ganz freundlich) und ihm erklären, dass es Dinge gibt, die jeder machen muss, auch wenn die Tätigkeit unangenehm ist.

„Unangenehm“ liegt eh im Auge des Betrachters. Wenn du es schaffst, deinen eigenen Widerwillen gegen einige Tätigkeiten abzulegen, kann dein Kind eine „naja, das macht man eben“-Haltung einnehmen oder sogar Freude daran entwickeln.

Bzgl. Literatur: Vielleicht hilft es dir etwas, wenn du dich mit den verschiedenen Methoden, durch die der Mensch lernt, (sog. "Lerntheorien) beschäftigst.

Grüße, jeanne