Hallo,
angenommen eine Person, die von Geburt an blind war, erlangt ihr Augenlicht wieder - Könnte sie Gegenstände, die sie bislang nur erfühlt hat, erkennen?
Ich meine hier garnicht „rein optische“ Merkmale wie Farbe, sondern auch solche wie Form. Der Grundgedanke: Wenn das Gehirn nie einen visuellen Reiz verarbeitet hat, kann es diesen auch nicht einordnen, sollte es zum ersten Mal damit konfrontiert sein.
Gibt es zu diesem Thema Untersuchungen oder Fallbeispiele?
Ich meine hier garnicht „rein optische“ Merkmale wie Farbe,
sondern auch solche wie Form. Der Grundgedanke: Wenn das
Gehirn nie einen visuellen Reiz verarbeitet hat, kann es
diesen auch nicht einordnen, sollte es zum ersten Mal damit
konfrontiert sein.
So genau kann ich das auch nicht sagen.
Aber ich habe mal davon gehört, wie blinde Kinder (die natürlich von Geburt an blind sind) Bilder malen. Erstaunlich war, dass sie genauso wie sehende Kinder gemalt haben (vielleicht nicht ganz so schön, aber von den Formen wie z.B. Menschen oder so gleich), nur zwei Unterschiede gab es: 1. Sie haben andere Farben genommen, was natürlich klar ist. 2. Regen oder Schnee haben die blinden Kinder nicht so gemalt, dass es von oben herunterfällt, sondern nur direkt auf der Haut der Menschen.
Aber da sie ziemlich gleiche Bilder malten, denke ich, dass Blinde schon relativ gut Dinge visuell einordnen könnten.
Gibt es zu diesem Thema Untersuchungen oder Fallbeispiele?
Du verlangst Untersuchungen, die fast unmöglich sind. Die Menschen, die du bräuchtest, müssen von Geburt an blind sein und schon einige Zeit lang blind sein, damit sie Erfahrungen mit ertasteten Sachen haben.
Und dann plötzlich sollen sie für die Untersuchung wieder sehen können? Also gut, die Medizin von heute ist zwar weit fortgeschritten, trotzdem denke ich, dass es kaum Menschen für eine solche Untersuchung gibt.
Außerdem glaube ich, dass es vom Menschen abhängt. Da hat es bestimmt einen Zusammenhang mit dem räumlichen Denken. Wer ein besseres räumliches Denken hat, kann wohl besser mit den visuellen Reizen umgehen als Blinde mit schlechterem räumlichen Denken.
Ich weiß zwar nicht, inwiefern Blinde ein räumliches Denken haben, aber ich denke schon, dass da gewisses Potenzial dahintersteckt.
Tatsächlich ist das Sehen ein Sinn, den man erlernen muss. Das geht fast nur in einem gewissen Alter von ein paar Monaten (genau weiß ich leider nicht mehr).
Von Geburt an blinde Menschen, die geheilt werden, können mit diesem Sinn gewöhnlich nichts anfangen und schließen wenn es darauf ankommt, meistens die Augen, um sich besser zurecht finden zu können. „Richtig“ sehen, so wie ein Gesunder, lernen sie nie.
Dass die Welt für uns anfangs optisch auf dem Kopf steht und wir erst nach einiger Zeit lernen, sie um zudrehen, weißt du vielleicht.
Man hat Versuche mit jungen Kätzchen gemacht, deren Umwelt zur Zeit des Sehen-lernens entweder nur aus senkrechten oder waagerechten Linien bestand. Diese Katzen hatten später erhebliche Schwierigkeiten, mit ihrem Leben zurecht zu kommen. Z.B. konnten die, die mit senkrechten Linien aufgewachsen waren, fast nie eine Treppe ersteigen, usw…
Es gibt recht viele Beispeile von Leuten, die nahezu blind waren, auch so geboren sind, die operiert wurden und lernen mussten zu sehen.
Da Blindheit oder starke Sehbehinderung durch angeborenen grauen Star odre anderen Erkrankungen oft operierbar ist - einige Hilfswerke haben sich darauf spezialisiert - gibt es inzwischen Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen. Und sie zum Schluss: Es dauert, aber das Hirn - vor allem wenn die Operation noch in jungen Jahren stattfand -kann lernen zu sehen.