…gibt es die wirklich? Ich meine Menschen, die mehrere voneinander unabhängige Personen/Persönlichkeiten/Charaktere in sich bergen, die womöglich nichts voneinander wissen?
Grübelnde Grüße
Angelika
…gibt es die wirklich? Ich meine Menschen, die mehrere voneinander unabhängige Personen/Persönlichkeiten/Charaktere in sich bergen, die womöglich nichts voneinander wissen?
Grübelnde Grüße
Angelika
Hallo!
Die Multiple Persönlichkeitsstörung gibt es wirklich, heißt aber heute Dissoziative Identitätsstörung. Im folgenden kannst Du einen Abschnitt aus meinem Skript „Dissoziative Störungen“ lesen, der sich mit der Symptomatik, der Entstehung und der Therapie der Dissoziativen Identitätsstörung beschäftigt. Wenn Du ihn lesen willst, dann speicherst Du am besten diesen Artikel ab, weil er doch recht lang ist.
Gruß,
Oliver
Klinisches Erscheinungsbild
Die Dissoziative Identitätsstörung zeichnet sich durch die Existenz von zwei oder mehreren Subpersönlichkeiten mit eigenen Erinnerungen, Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühlen aus. Zu einer bestimmten Zeit dominiert eine Subpersönlichkeit das Verhalten des Betroffenen. Gewöhnlich zeigt sich eine der Subpersönlichkeiten, die primäre oder Gastgeberpersönlichkeit, häufiger als die anderen. Die primäre Identität, die den Namen der Person trägt, ist oft passiv, abhängig, schuldig oder depressiv. Andere Identitäten sind oft gegensätzlich (z.B. feindselig). Sie werden so erlebt, als ob sie auf Kosten der anderen die Kontrolle übernehmen (die Identitäten haben Beziehungen untereinander, gelegentlich teilt eine mächtige Identität die aktive Zeit ein). Der Zeitverlust ist gewöhnlich das Symptom, aufgrund dessen sich die Patienten in Therapie begeben. Die Anzahl der Subpersönlichkeiten kann von 2 bis mehr als 100 reichen. Die Hälfte der berichteten Fälle beziehen sich auf Personen mit 10 oder weniger Identitäten. Die Subpersönlichkeiten können auch jeweils in Zweier- oder Dreiergruppen auftreten.
Der Übergang von einer Subpersönlichkeit zu anderen erfolgt gewöhnlich plötzlich und ist oft dramatisch (meist nach belastendem Ereignis oder künstlich induziert, z.B. durch Hypnose).
3 Arten von Beziehungen der Subpersönlichkeiten
Die Subpersönlichkeiten haben üblicherweise ihren eigenen Namen, was der „Tatsache“ gerecht wird, daß sich die Subpersönlichkeiten in verschiedenen Merkmalen voneinander unterscheiden.
4 Bereiche, in denen sich Subpersönlichkeiten voneinander unterscheiden:
Prävalenz
Die Störung wird meistens zum ersten Mal in der Adoleszenz oder dem frühen Erwachsenenalter diagnostiziert. Allerdings wird angenommen, daß die Symptome sich bereits in der frühen Kindheit nach Mißbrauchserlebnissen ausbilden (üblicherweise vor einem Alter von 5 Jahren). Studien zufolge wurden 97% der Betroffenen in ihren ersten Lebensjahren körperlich, oft sexuell mißhandelt. Bei Frauen wird die Störung drei- bis neunmal so häufig diagnostiziert wie bei Männern. Die durchschnittliche Anzahl der Subpersönlichkeiten beträgt bei Frauen 15, bei Männern 8.
Die Störung ist selten, doch wird sie in neuerer Zeit v.a. in den USA häufiger als früher diagnostiziert (bis 1970: 100 Fälle publiziert; bis Mitte der 70er Jahre: 200 Fälle; Anfang der 80er Jahre: 400 Fälle). Man nimmt als Grund der häufigeren Diagnose an, daß die Störung für authentischer gehalten wird, während sie früher vielleicht häufiger als Schizophrenie diagnostiziert wurde (die Diagnose der Schizophrenie war früher eine übliche Restkategorie, wenn das Verhalten irgendwie seltsam war, man aber nicht so genau wußte, was man damit anfangen sollte).
Dennoch gibt es erhebliche Zweifel an der Validität der Kategorie der Dissoziativen Identitätsstörung. Man nimmt zum einen eine unabsichtliche Verursachung der Störung durch den Therapeuten (Iatrogenität) an. Dabei soll der Therapeut unterschwellig von der Existenz verschiedener Persönlichkeiten ausgehen oder sie im Zustand der Hypnose sogar erzeugen. Eine dritte Möglichkeit besteht in der Verstärkung des Verhaltens gemäß der Störungsdefinition durch erhöhte Aufmerksamkeit beim Zeigen von entsprechenden Symptomen. Weitere Hinweisw auf eine mangelnde Validität der Kategorie sind die häufigen Zusatzdiagnosen (z.B. Schizophrenie, Depression) und der häufig anzutreffende längere Kontakt (7 Jahre) der Betroffenen zu Gesundheitsdiensten vor der Diagnosestellung.
Erklärungsansätze für die dissoziativen Störungen
1. Psychodynamischer Erklärungsansatz
Dissoziative Störungen sind das Resultat extremer und dysfunktionaler Verdrängungsprozesse, die der Abwehr von Angst dienen.
Bei der Dissoziativen Identitätsstörung soll es sich um eine lebenslange, übermäßige Verdrängung handeln, die durch extrem traumatische Kindheitserfahrungen (insbesondere Mißhandlungen durch die Eltern) ausgelöst werden. Dabei findet eine symbolische Flucht in „andere Personen“ statt, die dem Geschehen aus sicherer Entfernung zusehen können. Dazu kommt die Furcht vor den Impulsen, die angeblich zu ihrer Mißhandlung führen, so daß sie sich bemühen immer „brav“ und „anständig“ zu sein. Immer wenn die verdrängten Impulse durchzubrechen drohen, werden sie anderen Persönlichkeiten zugeordnet. Dadurch soll es zu einer gehemmten, freudlosen Primärpersönlichkeit kommen, während die anderen Subpersönlichkeiten dreist und triebgesteuert sind.
Der psychodynamische Ansatz bezieht seine Bestätigung aus Fallgeschichten, in denen sich meistens brutale Kindheitserfahrungen finden. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen der Hintergrund nicht eindeutig auffällig zu sein scheint. Außerdem ist die Häufigkeit von Kindesmißhandlung viel größer als die der Dissoziativen Störungen. Es bleibt die Frage offen, warum nur ein kleiner Teil der mißhandelten Kinder dissoziative Symptome entwickeln.
2. Behavioristischer Erklärungsansatz
Bei diesem Ansatz wird die Dissoziation als eine durch operante Konditionierung erworbene Reaktion auf schmerzliche Erlebnisse angesehen, durch die Erleichterung aufgrund der Zuwendung zu anderen Dingen gefunden wurde (negative Verstärkung).
Der behavioristische Ansatz weist Ähnlichkeiten und Unterschiede zum psychodynamischen Erklärungsansatz auf:
Zum einen wird wie beim psychodynamischen Ansatz ein traumatisches Erlebnis als Ausgangspunkt angenommen und das Verhalten als Versuch der Angstreduzierung gesehen. Nach beiden Ansätzen besteht bei den Betroffenen keine Einsicht darin, daß die Reaktion der Angstreduzierung dient. Zum anderen sieht der lerntheoretische Ansatz das erste Auftreten der dissoziativen Symptome eher als zufällig an, während die Psychodynamiker sie bereits für zielgerichtete Versuche halten. Zudem ist der zugrundeliegende Prozeß für die Lerntheoretiker der der negativen Verstärkung und nicht der eines unbewußten Abwehrmechanismus.
Der lerntheoretische Ansatz mußte sich ebenfalls stark auf Fallgeschichten beziehen, die zwar mit den lerntheoretischen Hypothesen übereinstimmen, aber auch mit anderen Erklärungsmöglichkeiten. Die lerntheoretische Erklärung beinhaltet auch keine Aussagen, wie genau der Prozeß der zeitweisen Ablenkung von schmerzlichen Erinnerungen geschehen soll und wie er zu einer erworbenen Reakion wird. Außerdem ist nicht klar, warum nicht mehr Menschen dissoziative Störungen entwickeln, wenn doch temporäres Vergessen im Leben oft verstärkt wird. Die komplizierten Wechselwirkungen der Subpersönlichkeiten kann der Ansatz ebenfalls nicht erklären.
3. Erklärungsansatz durch das Konzept des Zustandsabhängigen Lernens
Beim Konzept des Zustandsabhängigen Lernens (state dependent learning) wird auf die Befunde eingegangen, daß die beste Erinnerung an Lerninhalte in einer Situation stattfindet, die der Lernsituation stark ähnelt.
Ausgangspunkt der Forschung zum Zustandsabhängigen Lernen waren Lernaufgaben von Tieren unter Einfluß von Drogen, wobei die beste Reproduktionsleistung dann gemessen wurde, wenn die Tiere unter Drogen waren (z.B. Pusakulich & Nielson, 1976). Forschungsarbeiten an Menschen zeigten später, daß das zustandsabhängige Lernen sowohl auf psychische als auch auf physiologische Zustände bezogen ist. Bei Menschen fand man z.B., daß die Stimmung auf das Lernen und die Reproduktion einen Einfluß hatte: Wenn unter fröhlicher Stimmung gelernt wurde, wurde unter fröhlicher Stimmung am besten reproduziert (Bower, 1981).
Das Zustandsabhängige Lernen wurde als Erklärung für die Dissoziative Identitätsstörung herangezogen: Unterschiedliche Erregungsniveaus rufen möglicherweise unterschiedliche Gruppen von Erinnerungen, Gedanken und Fertigkeiten hervor - also unterschiedliche Subpersönlichkeiten. Wenn die Erregungsniveaus sich stark ändern, können die während eines ähnlichen Zustands erworbenen Fähigkeiten hervortreten, während die unter einem anderen Zustand erworbenen verschwinden. Die abrupten Wechsel zwischen den Subpersönlichkeiten sprechen für diesen Ansatz.
4. Erklärungsanstz durch das Konzept der Selbsthypnose
Hypnose ist ein schlafähnlicher Zustad mit hohem Grad an Suggestibilität und verändertem Wahrnehmen, Denken und Handeln. Unter Hypnose ist es bei manchen Personen manchmal möglich, daß sie sich an scheinbar vergessene Ereignisse erinnern. Andererseits kann die Hypnose auch zum Vergessen von Tatsachen, Ereignissen und der persönlichen Identität führen, etwas, was als hypnotische Amnesie bezeichnet wird.
Das Untersuchungsparadigma zur hypnotischen Amnesie besteht aus dem Lernen einer Wortliste und der hypnotischen Instruktion zum Vergessen des Gelernten bis zum Aufhebungssignal (z.B. Fingerschnalzen). Die Experimente nach diesem Schema zeigen eine starke Beeinträchtigung der Reproduktionsleistung bis zum Aufhebungssignal. Außerdem ist das episode Gedächtnis stärker hypnotisch beeinflußbar als das semantische.
Die Parallele zu den dissoziativen Störungen ist leicht erkennbar: Es findet sich bei beiden ein vorübergehendes Vergessen mit späterer Erinnerung, ein Vergessen, das den Personen nicht bewußt ist, und ein leichteres Vergessen episodischer als semantischer Inhalte. Aufgrund dieser Parallelen wurde vermutet, daß Dissoziative Störungen durch Selbsthypnose zustande kommen: Die Betroffenen bringen sich unter Selbsthypnose dazu, negative Erinnerungen zu vergessen. Bei der dissoziativen Fugue soll sich das Vergessen durch Selbsthypnose auf die gesamte Vergangenheit und die Identität beziehen.
Manche Formen der Dissoziativen Identitätsstörung lassen sich ebenfalls mit Selbsthypnose erklären: Nach einem Bericht von Bliss (1980) von 14 Frauen, die unter Dissoziativer Identitätsstörung litten, waren alle Frauen leicht empfänglich für Hypnose und hatten eine lange Vorgeschichte möglicher Selbsthypnosen, die bis ins 5. bis 7. Lebensjahr zurückreichte. Dieser Bericht wurde durch weitere Studien bestätigt. Aufgrund dieser Untersuchungen gehen viele Theoretiker heute davon aus, daß die Störung in der Regel mit 4 bis 6 Jahren beginnt, da die Kinder in diesem Lebensalter sehr suggestibel sind und gute Hypnoseprobanden abgeben. Danach gelingt es manchen traumatisierten oder mißbrauchten Kindern, ihrer bedrohlichen Welt durch Selbsthypnose zu entfliehen, sich psychisch von ihrem Körper und dessen Umgebung zu trennen und sich ihren Wunsch, eine oder mehrere andere Personen zu sein, zu erfüllen.
Es gibt 2 Lehrmeinungen zur Hypnose, die jeweils unterschiedliche Implikationen für die dissoziativen Störungen haben.
Annahme I besagt, daß die Hypnose ein besonderer Prozeß oder Trance mit veränderter psychischer und physiologischer Reaktionslage ist. Es wird behauptet, daß
Einige Forscher behaupten auch, daß Menschen mit hoher, stabiler Suggestibilität Vorzugskandidaten für dissoziative Störungen sind.
Annahme II besagt, daß die Hypnose mit gewöhnlichen sozialpsychologischen Prozessen wie hoher Motivation, Aufmerksamkeit und Erwartung erklärt werden kann. Die Personen bemühen sich aktiv, die Anweisungen des Hypnotiseurs wörtlich auszuführen. Aufgrunf ihres Glaubens an die Hypnose erkennen sie ihren eigenen Beitrag nicht und geben statt dessen an, daß sie sich automatisch und ohne zielgerichtete Anstrengung verhielten. Danach sollen dissoziative Störungen darauf zurückgehen, daß sich die Betroffenen sehr wirkungsvoll selbst suggerieren, daß sie vergessen, phantasieren und diese Suggestionen ausführen müßten.
Unter Annahme II wird z.B. vermutet, daß sich leicht hypnotisierbare Menschen in entscheidenden Augenblicken eines Tests selbst ablenken und später ihre Aufmerksamkeit wieder bündeln können. Dies wurde in mehreren Studien überprüft: Bei diesen lernten Probanden einer Gruppe Wortlisten, wurden dann hypnotisiert und angewiesen, die Liste zu vergessen. Eine zweite Gruppe von Probanden lernte ebenfalls die Wortliste, wurde dann aufgefordert, die Wörter wiederzugeben, während sie eine ablenkende Aufgabe ausführte (in Dreierschritten rückwärts zählen). Das Ergebnis war, daß die nichthypnotisierten Probanden dieselben Gedächtnisprobleme im gleichen Ausmaß wie die hypnotisierten hatte. Andere Studien ergaben, daß sich bei unterschiedlichen Experimenten mit Schmerzreduktion, Halluzinationen und Zeitverzerrung nichthypnotisierte, aufgabenmotivierte Probanden ebenfalls dazu bringen ließen, sich wie hypnotisierte Probanden zu verhalten.
5. Autosuggestion (HILGARD)
Neodissoziationstheorie nach HILGARD (1974)
Annahme, daß durch eine starke Identifizierung mit einer anderer Person eine stark verankerte Gedächtnisspur entsteht. Suggestive Prozesse und Wünsche führen zur Annahme dieser Person als eine Subpersönlichkeit. Die parallele Verarbeitungsform des Gehirns könnte voneinander unabhängige Bewußtseinsströme möglich machen.
Die Therapie der Dissoziativen Identitätsstörung
Spontanremissionen sind bei der Dissoziativen Identitätsstörung selten. Daher ist eine Therapie in fast jedem Fall notwendig. Das Therapiekonzept besteht darin, den Betroffenen zu helfen,
Therapieelement I - Störung erkennen
Zu Beginn wird ein therapeutisches Bündnis zwischen dem Therapeuten und jeder der Subpersönlichkeiten angestrebt. Es können auch Verträge geschlossen werden, um einem Abbruch der Therapie, Selbstschädigungen oder Suizid vorzubeugen. Oft sind diese Bündnisse nicht leicht herzustellen, was auf das durch den Mißbrauch zurückzuführende Mißtrauen der Subpersönlichkeiten gegenüber anderen zurückzuführen ist.
Für die Patienten ist es meistens schwierig, die volle Tragweite ihrer Störung zu erkennen, weil sie sich oft niemals dem Umstand gestellt haben, daß sie in mehrere Subpersönlichkeiten zerfallen. Dies wird z.T. durch die gegenseitigen Amnesien der Subpersönlichkeiten untereinander zurückgeführt. Daher ist es wichtig, daß sich die Patienten bewußt werden, daß sie mehrere Subpersönlichkeiten beherbergen. Dies kann z.B. durch Vorstellen der Subpersönlichkeiten untereinander in der Hypnose oder auch durch Videovorführungen der Subpersönlichkeiten geschehen. Die Erkenntnisprozeß ist meistens mit starken emotionalen Belastungen für die Patienten verbunden.
Viele Therapeuten meinen, daß eine Gruppentherapie in diesem Fall sinnvoll ist, weil die Betroffenen merken, daß sie nicht allein mit ihrer Störung sind. Außerdem wird häufig eine Familientherapie durchgeführt, um die Ehepartner, Kinder und Angehörigen über die Störung zu informieren. Die Angehörigen können außerdem oft wertvolle Informationen über die Subpersönlichkeiten beisteuern.
Therapieelement II - Erinnerungen wiederfinden
In diesem Therapieabschnitt werden viele der Techniken eingesetzt, die auch bei anderen dissoziativen Störungen angewendet werden (psychodynamische Therapie, Hypnotherapie und Barbiturate). Das besondere Problem bei der Dissoziativen Identitätsstörung besteht darin, daß die Erinnerungen nicht nur durch die eine Subpersönlichkeit vergessen wurden, sondern daß sie zu anderen Identitäten gehören. Es gibt oft „Beschützer“-Subpersönlichkeiten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Primärpersönlichkeit vor den traumatischen Erfahrungen zu bewahren. Wenn sich die Primärpersönlichkeit an diese Erfahrungen erinnern soll, dann setzen besonders diese „Beschützer“-Subpersönlichkeiten dem therapeutischen Bemühen Widerstand entgegen. Es kommt manchmal vor, daß die Patienten selbstdestruktiv und gewalttätig werden, wenn in der Therapie Erinnerungen aufgedeckt werden, so daß eine stationäre Aufnahme notwendig wird.
Therapieelement III - Integration der Subpersönlichkeiten
Das endgültige Therapieziel besteht in der Integration der Subpersönlichkeiten in eine. Die Integration ist ein kontinuierlicher Prozeß, der sich während der Therapie nur dann vollzieht, wenn die Grenzen zwischen Subpersönlichkeiten durchlässig werden, so daß der Betroffene schließlich ständig die Kontrolle über seine Verhaltensweisen, Gefühle und Gedanken hat. Die letztendliche Verschmelzung aller Subpersönlichkeiten zu einer wird als Fusion bezeichnet (feindliche Übernahme?). Der Integration begegnen die Subpersönlichkeiten meistens mit Mißtrauen oder vollständiger Ablehnung, weil sie die Integration mit ihrem Tod gleichsetzen.
Für die Integration wurden eine Reihe von Ansätzen vorgeschlagen, u.a. psychodynamische, unterstützende, kognitive und medikamentöse Therapie. Auch Selbstsicherheitstraining kann angewendet werden, so daß der Betroffene lernt, seine Wut auf eine funktionalere und befriedigendere Weise auszudrücken, was manchmal zu einem Verschwinden der aggressiven und feindseligen Subpersönlichkeiten führen kann. Manche Therapeuten nutzen aber auch Diskussionen und Interaktionen zwischen den Subpersönlichkeiten, so ähnlich wie in einer Gruppentherapie.
Nach einer Fusion der Subpersönlichkeiten muß die Therapie fortgesetzt werden, um die integrierte Persönlichkeit zu festigen und die sozialen und Bewältigungsmechanismen zu entwickeln, damit keine weiteren Dissoziationen auftreten. Ohne die fortgesetzte Therapie besteht die Gefahr eine erneuten dissoziativen Reaktion auf zukünftige akute Belastungen.
Evaluation der Therapie
Die Therapie ist meistens langwierig, ihre Wirksamkeit umstritten. So berichten einige Therapeuten von hohen Erfolgsraten, während andere von Widerstand gegen eine vollständige Integration bei den meisten Betroffenen sprechen. Einige Therapeuten stellen die vollständige Integration der Subpersönlichkeiten zu einer Identität auch in Frage, weil sie meinen, daß die Patienten eine zufriedenstellende Anpassung erreichen, wenn nur die schwerer gestörten Subpersönlichkeiten integriert werden.
Mal eine Frage
Hallo Oliver!
Ich hab vor einiger ZEit eine SEndung auf ZDF gesehen, in der betroffene Personen vorgestellt wurden. Darunter war eine Frau, bei der ein seltsames Phänomen auftrat:
Die meiste Zeit über brauchte sie eine Brille (war glaub ich kurzsichtig), doch wenn eine (oder auch einige, weiß nicht mehr genau) andere Person „herauskam“, brauchte sie die Brille nicht mehr, sondern hatte 100%iges Sehvermögen!
In dem Bericht wurde nur kurz erwähnt, daß ihr Augenarzt das wohl bestätigt hat, es aber auch nicht erklären konnte.
Hast du darüber auch einige Infos? Mich interessiert das brennend. 
Gruß,
Agi
Hallo Angelika,
wenn Dich das Thema interessiert, empfehle ich Dir das erschreckende Buch „Aufschrei“ von Truddi Chase:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404611330/qid…
Ciao
Camilla
Hallo Camilla,
wenn Dich das Thema interessiert, empfehle ich Dir das
erschreckende Buch „Aufschrei“ von Truddi Chase:
…ich hab das Buch zu Hause, aber ehrlich, alles kann ich
einfach nicht glauben. Nicht in dieser Intention zumindest.
Schönen Tag
hd
Hi Agi,
dieses Phänomen würde ich auch gerne erklärt wissen, finde es auch sehr interessant. Sogar bei Medikamentengabe kann ein Wechsel in eine andere Teilpersönlichkeit dazu führen, daß das Medikament bei der anderen „Person“ nicht mehr wirkt. Es gibt einfach viel mehr als sich unsere Schulweisheit träumen läßt. 
Seite einer Betroffenen: http://www.beepworld3.de/members10/thousands/index.htm
Casey, Joan Frances, Ich bin viele, Eine ungewöhnliche Heilungsgeschichte, Hamburg, Rowohlt Verlag, 1992, 439 S., Schw.Brosch., brbrbrPsychologie
Ciao,
Romana
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Symptome der Dissoziativen Identitätsstörung
Hallo Agi, hallo Romana!
In meinem Posting schrieb ich:
4 Bereiche, in denen sich Subpersönlichkeiten
voneinander unterscheiden:
- Persönlichkeitsmerkmale (brav, tugendhaft, religiös, witzig, frech)
- Sozialdaten (Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Familiengeschichte)
- Fähigkeiten und Vorlieben (Autofahren, Instrumente, Fremdsprachen, Handschriften)
- Physiologische Aktivität (Aktivität des vegetativen Nervensystems, :Blutdruck, Menstruationszyklus, Hirnströme gemessen durch EEG).
Die von Euch beschriebenen Phänomene fallen unter Punkt 3 und 4 und sind bekannte Symptome bei der Dissoziativen Identitätsstörung. Eine Erklärung für diese Phänomene gibt es nicht, jedenfalls nicht in einem wissenschaftlichen Sinn. Erklärungsansätze für die genannten Phänomene fallen unter die Erklärungsansätze, die ich im Posting genannt habe. Zugegeben sind sie relativ schwach, aber deshalb hat sich ja auch kein Erklärungsansatz so richtig durchsetzen können. Die Psychologie und die Psychiatrie sind halt Wissenschaften, die noch viele Rätsel zu lösen haben. Aber sie haben das Zeug dazu, diese Leistung zu bringen!
Im übrigen gibt es Störungen, die ähnliche „Ungereimtheiten“ aufweisen: z.B. die Konversionsstörung aus dem Bereich der somatoformen Störungen. Bei der Konversionsstörung können z.B. Blindheit oder Lähmung der Arme und Beine auftreten, ohne daß ein körperlicher Schaden feststellbar ist. Die Leute sind also nicht physiologisch blind oder gelähmt, aber funktionell, d.h. ihr visuelles und motorisches System funktionieren, aber die Person sieht nicht bzw. kann sich nicht bewegen. Die „Ursache“ ist psychisch, wobei niemand wirklich sagen kann, was „psychisch“ im Verhältnis zu „physisch“ sein soll (hier berühren wir den Bereich des Leib-Seele-Problems. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie „Seele“ losgelöst vom Körper nicht, so daß es auch keinen Gegensatz „psychisch“ - „physisch“ gibt und jede Erklärung, die diesen „Gegensatz“ ins Spiel bringt, keine Erklärung ist, sondern nur so tut, als sei sie eine).
Romana möchte ich noch etwas mitteilen: Die Dissoziative Identitätsstörung gehört in das, was sie den Bereich der „Schulweisheit“ nennt. Dort ist die Störung schon lange bekannt und irgendwann werden diese Störung bzw. ihre Symptome auch besser „erklärt“ werden können als heute. Nimm´s mir nicht übel, aber der Gegensatz „Schulweisheit“ - „…“ (hier kannst Du einsetzen, was Du an Alternativen annimmst), bringt uns meiner Meinung nach keinen Schritt weiter auf dem Weg zur Erkenntnis.
Schönen Maifeiertag wünsche ich Euch,
Oliver
hallo oliver,
ich las vor einer ganzen weile einen artikel, in dem seltsame punkte angesprochen wurden:
u.a., daß dies krankheit extrem gehäuft in den usa diagnostiziert wird.
dazu vor allem von anhängern der theorie über diese störung unter den psych.(kommt diese diagnose)
daß bestimmte aspekte der suggestion durch den therapeuten nicht auszuschließen wären.
ich galube, es war eine zusammenfassung diser kritischen studie in der „psych. heute“ im vergangenen jahr.
wie ist denn deine meinung dazu?
bitte um allgemeinveständliche antwort.
tschüß
strubbel
Die ‚Echtheit‘ der Dissoziativen Identitätsstörung
Hallo strubbel!
ich las vor einer ganzen weile einen artikel, in dem seltsame
punkte angesprochen wurden:
u.a., daß dies krankheit extrem gehäuft in den usa
diagnostiziert wird.
dazu vor allem von anhängern der theorie über diese störung
unter den psych.(kommt diese diagnose)
daß bestimmte aspekte der suggestion durch den therapeuten
nicht auszuschließen wären.
Ja, da hast Du ganz recht, wenn Du diese Punkte in Zusammenhang mit der Dissoziativen Identitätsstörung ansprichst. Zu dem Thema habe ich im Ursprungsposting zwei Absätze unter dem Stichwort „Prävalenz“ (d.h. Häufigkeit der Störung) geschrieben, die ich hier noch einmal mit einfacheren Worten zusammenfassen will:
Die Dissoziative Identitätsstörung wurde früher extrem selten diagnostiziert. Bis 1970 waren erst 100 Fälle publiziert worden. Dann nahm die Diagnose aber zu, v.a. in den USA, was darauf zurückgeführt wird, daß mehr Diagnostiker die Störungskategorie für „echt“ halten. Früher wären viele Fälle der Störung wahrscheinlich als Schizophrenie bezeichnet worden, weil Schizophrenie die berüchtigte Restkategorie für alles war, was man nicht einordnen konnte (beliebtes Zitat von US-Klinikern in den 50er Jahren: „Jede Spur von Schizophrenie ist Schizophrenie.“)
Allerdings gibt es auch heute noch erhebliche Bedenken zurdie „Echtheit“ der Störung, v.a. außerhalb der USA. Als Alternativerklärungen für die Symptome, die als „Dissoziative Identitätsstörung“ zusammengefaßt werden, gelten:
Die dritte diskutierte Erklärung ist, daß der Therapeut die Symptome dadurch verstärkt hervorruft, weil er genau den Verhaltensweisen mehr Aufmerksamkeit schenkt, die für eine Dissoziative Identitätsstörung sprechen, und weniger denen, die gegen die Störung sprechen.
Die Einwände gegen die Echtheit der Störung werden dadurch gestützt, daß die Störung oft im Verbund mit anderen Störungen diagnostiziert wird (z.B. Schizophrenie, Depression) und die angeblich Betroffenen schon lange Zeit im Kontakt mit dem Gesundheitswesen waren (durchschnittlich 7 Jahre), bevor die Störung diagnostiziert wurde. Möglicherweise können also die anderen Störungen für die Symptomatik verantwortlich sein bzw. durch den Kontakt mit dem Gesundheitswesen kam es zu einer Herbeiführung von Symptomen, die schließlich zur Diagnose der Dissoziativen Identitätsstörung zusammengefaßt wurden. Das Herbeiführen soll auf eine der drei Arten zustande kommen, die ich oben genannt habe.
Was ich persönlich davon halte: Ich denke, daß es möglich ist, die Störung herbeizuführen, wenn der Therapeut an sie glaubt, der Patient leicht beeinflußbar ist und unter anderen psychischen Problemen leidet. Das Phänomen, daß der Therapeut etwas herbeiredet (oder wie man es nennen will), kennt man aus anderen Bereichen, z.B. beim sexueller Mißbrauch (hier auch z.B. Montessori-Prozesse). Bei den tiefenpsychologischen Verfahren ist die Gefahr groß, daß man in Patientenverhalten etwas hineininterpretiert (weil man ja nicht so sehr am offensichtlichen Verhalten interessiert ist, sondern an den „tiefer“ liegenden Prozessen), und gerade diese Verfahren werden häufig bei Patienten mit Dissoziativer Identitätsstörung angewendet. Insgesamt gesehen kann ich es natürlich nicht entscheiden, ob es die Störung gibt oder nicht. Das ist Frage der Forschung.
Gruß,
Oliver