huhu,
Ich werde hier etwas ausholen müssen da mir Erstens das Talent fehlt kurz und bündig zu schreiben und ich Zweitens außerdem unfreiwillig schon eine ganze Weile mit dieser „Geschichte“ leben muss.
Ausgangssituation:
Ich war immer sehr sportlich - nicht zu extrem muskulös aber doch athletisch.
Aktiv betrieben habe ich unter anderem Kampfsport, Squash, Jogging, Fitness- und Krafttraining in entsprechender Einrichtung (in Maßen, kein zielgerichteter Muskelaufbau) und vor allem mein Mountainbike quälen (täglich, sehr viel und intensiv - auch alles was andere mit dem Auto oder dem Roller machten habe ich selbstverständlich mit dem Fahrrad erledigt)
Während meiner Ausbildung wurde das weniger und Wasser + Apfel wurde durch Cola + Snickers ersetzt - so hab ich im Laufe von etwa 5 Jahren durch lange Arbeitslosigkeit und viel am PC sitzen ca. 35Kg zugenommen.
Vorgeschichte des Problems:
Nachdem mir mit der Zeit auffiel, dass sich alltägliches (z.B. rennen oder Treppen) immer mehr zur schweißtreibenden Qual entwickelte und ich davon mal abgesehen immer unzufriedener mit meiner körperlichen Verfassung wurde, beschloss ich, etwas dagegen zu tun!
Mein Ziel war es, alles, was ich zu mir nehme einfach auf schnellstem Wege wieder wegzuverbrennen durch „Leistungssport“ ohne dabei auf den Zweiten Teller Spaghetti oder die regelmäßige Tüte Chips oder Tafel Schokolade zu verzichten.
Nach anfänglichen Schwindel- und leichten, kurzen Ohnmachtsanfällen gelang mir das auch recht gut.
Da ich nie großer Fan von Joggen war und zu der Zeit kein Geld für teuere Sportvereine oder Mukkibuden hatte, erledigte ich das ausschließlich mit dem Fahrrad - ohne dabei in irgendeiner Weise diszipliniert meine fettigen, ausführlichen Essgewohnheiten umzustellen.
Da ich schon als früher Teenager lernte, den sogenannten „Schweinehund“ zu überwinden, hat das hervorragend funktioniert … wenn ich am Vortag besonders viel oder fettig bzw. süß gefuttert hab, habe ich am darauf folgenden Tag entsprechend härter in die Pedale gehauen.
5 Monate später und 30Kg leichter fühlte ich mich wieder wie ein Mensch.
Der Auslöser (aber vielleicht nicht die Ursache):
An einem sonnigen Samstag mitte Juni 2004 setzte ich mich wie jeden Tag aufs Fahrrad und hatte meine Ziele aber etwas höher gesteckt als gewohnt - der Endspurt für die letzten verbliebenden hartnäckigen Pfunde rief! Gesagt, getan - ich bin etwas weiter gefahren als sonst und zusätzlich mit erheblich höherem Durchschnittstempo.
Ich hatte mir sogar den folgenden Montag frei genommen da ich mich auf 2 Tage ordentlichen Muskelkater einstellte. Ich wollte mich richtig verausgaben da ich nach einem fast halben Jahr Training endlich wieder dazu in der Lage war!
Nun - Ich war Samstag Abend am Ende und gleich Sonntag kam auch der erwartete Muskelkater, allerdings heftiger als gedacht. Am Montag war ich fast nicht mehr in der Lage aufzustehen, war regelmäßig Benommen und bemerkte Schwächeanfälle und Schwindelattacken.
An diesem Zustand änderte sich die nächten Tage nichts also ging ich zum Hausarzt der mir Blut zur Laboruntersuchung abnahm. Ich sollte dazu sagen, dass ich in diesen Dingen ein Laie bin - verzeiht also evtl. merkwürdige Beschreibungen.
Der Artz besprach mit mir die Blutwerte und erzählte mir von einer Art Muskelenzym. Was ich von dem Gespräch mitbekam war, dass das vorher benannte Enzym CK-Wert genannt wird und normalerweise bis 160 sein soll. Ein ordentlicher Muskelkater könne zwischen 200-400 liegen.
Mein Wert läge bei 1000 (Vier Tage nach Überbelastung) und zusätzlich wären auch andere Werte mit hoch gegangen (Ich glaube Leber oder Nierenwerte) was wohl an der Grenze zur Blutvergiftung war.
Ich wurde daher zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus geschickt. Nachdem die Sechs Wochen später am Bein alles gestreckt, gedreht, gedrückt, gepiekt und untersucht hatten, was es da wohl so gibt wurde aufgrund merkwürdiger Anzeigen am Oszilloskop eine Muskelbiopsie geplant und durchgeführt. Bericht am Seitenende unter #1
(Anbei kann ich kein Wort Latein und der Bericht kommt mehrfach kopiert und gefaxt aus einem Zentralarchiv - daher nur noch bedingt lesbar - man möge mir einzelne ggf. falsche Buchstaben bei den Zitaten „“ verzeihen.
Das Gewebe wurde nach Aussage verschiedener Ärzte mehrfach zu unterschiedlichen Labors geschickt da die Berichte entweder unbrauchbar waren oder spät bis garnicht erst zurück gekommen wären.
Einer hats zurück geschafft - Bericht am Seitenende unter #2.
Nachdem Sechs Monate später immernoch niemand sagen konnte was los ist oder/und was ich tun kann, hat sich das mit der Zeit verlaufen.
Der Schwindel und die Benommenheit wurden seltender und verschwanden schliesslich. Es war nicht einfach für mich SÄMTLICHE Handgriffe und Bewegungsabläufe auf minimalen Kraftverbrauch zu trimmen - stets mit dem Kopf aktiv beobachten und verändern. Denn die schon nach geringfügiger Belastung auftretende Schwäche ist bis heute geblieben.
Ich bin durchaus in der Lage etwas Kraft abzurufen aber nur für Sekunden dann geht mir buchstäblich die Kraft aus … wenn ich das ignoriere und weiter mache wird es sehr schmerzhaft.
Man kann sich wohl an Schmerz gewöhnen aber die Tatsache dass die Muskulatur bis heute nicht Tage sondern Wochen braucht um zu regenerieren ist sehr hinderlich. Ich bin jetzt, fast Sieben Jahre später wieder an dem Punkt angelangt andem ich es nicht mehr aushalte und extrem unzufrieden mit meinem Körper bin. Ich möchte Gewicht los werden und kann aber nicht.
Aktuelle Situation:
Ich fahre seit 2 Monaten wieder jeden Tag mit dem Fahrrad (2x 1,5km) zur Arbeit (Nur 30 Stundenwoche und kaum körperliche Anstrengung). Trotz komplett freiem Wochenende (Samstag + Sonntag) spüre ich noch am Montag meine Beine - bis Mittwoch schwinden die Kräfte langsam, spätestens ab Donnerstag fängt es an richtig zu schmerzen - Woche für Woche.
Da ich Spaß bei der Arbeit habe und nicht wieder aufgeben möchte bin ich wieder bei Ärzten unterwegs. Der Orthopäde schickte mich zum Hausarzt zurück weil dies nichts orthopädisches wäre und die Woche steht nun der Neurologe an.
Ich habe inzwischen den Eindruck, dass meine gewohnte Kraft durchaus vorhanden ist da ich inzwischen zum 2. Mal eine Art Kraft-schub erlebt habe. Zur Erklärung.
Ich fahre wie gewohnt von der Arbeit nach Hause und muss aber noch ein paar Kleinigkeiten erledigen - mit dem Fahrrad natürlich.
Nach 15-20 Minuten Fahrt fühlt es sich an als würde sich der Muskel „öffnen“, das Schwächegefühl und der Schmerz sind wie weggeblasen und ich bemerke einen unheimlichen Kraftschub.
Ich weis nicht wie ichs besser beschreiben soll - aber ich wohne auf einer kleinen Anhöhe und dieser kleine Anstieg „killt“ mich jeden Tag beim Heimfahren.
Anders heute. Ich setze an den „Berg“ wie gewohnt mit 9-15Km/h hochzuschleichen weil mehr einfach nicht drin ist aber es scheint völlig mühelos - ich trete also etwas schneller und schalte ein paar Gänge weiter und spüre immernoch keine Last im Bein also geht noch mehr und ich beschleunige weiter und hau schliesslich alles in die Eisen was da ist und ich finde keine Worte dafür wie gut sich das anfühlt wenn da keine „Blockade“ ist sondern einfach die gewünschte Kraft schmerzfrei auf den Pedalen landet!
Das hielt bisher nicht viel länger als 30 Sekunden an, da ich dass dann natürlich ausnutze und aufgrund meiner Raucherei meine Lunge, ziemlich außer Form, sich recht schnell meldet!
Direkt euphorisch kam ich heute wie eine Dampflok schwitzend und keuchend nach Hause - aber happy wie ein Honigkuchenpferd!
Nun, da ich diese Erfahrung inzwischen Zweimal machen durfte weiss ich, dass die Beine nicht etwa kaputt oder „eingegangen“ sind - es blockiert scheinbar nur irgendetwas.
Letztendlich:
Vielleicht kommt das jemandem bekannt vor oder hat zumindest eine Ahnung inwieweit das alles zusammen hängt oder was das sein kann denn Ärzte erfahren aufgrund der so knapp als möglich gehaltenen Zeiten im Arztzimmer immer nur Bruchstücke davon.
Vielen Dank und hoffend auf eine Antwort
Willi
Die Berichte:
#1.
- „im Bereich der Hirnnerven und Oculomotorik ein unauffälliger Befund“,
- „keine Pyramidenbahnzeichen“,
- „mittellebhaft seitengleich auslösbare Muskeleigenreflexe“
- „keine manifesten oder latenten Paresen bei der Prüfung der Kraft“
- „eine regelrechte Koordination“
- „Anamnesisch kein Anhalt für eine Blasenstörung“
#2
„Die Skelettmuskulatur zeigt diskrete unspezifische myopathische Veränderungen, ganz diskret vermehrtes Glykogen und diskret vermehrte subsarkolemmale mitochondriale Enzymaktivität. Ergändend wurde eine Phosphorylase- und Fruktokinase-Färbung sowie eine ultrastrukturelle Untersuchung durchgeführt. Die Phosphorylase- und Fruktokinase-Färbung ergaben, wie uns mündlich mitgeteilt wurde unauffällige Befunde. Der elektronenmikroskopische Befund zeigte feinstrukturell einen regelrechten Aufbau ohne strukturelle Anomalien. In Einzelfasern fanden sich geringfügige Ansammlungen strukturell unauffälliger Mitochondrien subsarkolemmal sowie Glykogen ohne lysosomale Speicherung, damit besteht feinstrukturell ein uncharakteristischer Befund ohne wertbaren Anhalt für eine mitochondriale Myopathie.
Insgesamt konnte durch die Ergebnisse der Muskelbiopsie-Untersuchung die Ursache für die CK-Erhöhung nicht gefunden werden. Der Befund sollte engmaschig kontrolliert werden.“
(Was auch immer der letzte Satz bedeutet - ist meines Wissens nicht geschehen.)