Muslim oder Moslem

Hallo,
Die Frage hat sich für mich ergeben aus einer Diskussion aus dem Religionsbrett.

Es ging darum welcher Begriff für die Bennenung der Muslime korrekter ist.

Geläufig sind ja beide Begriffe: Moslem wie auch Muslim.

Gibts in Deutschland keine STelle, der verbindlich sprachliche Festlegungen treffen kann?

Also wenn zwei Begriffe im Alltagsgebrauch für ein und dieselbe Gruppe in Umlauf ist, sollte es doch auch eine Stelle geben, der verbindlich festlegen kann welcher von beiden nun in Gebrauch bleiben sollte.

Oder laufen solche Begriffe unter dem motto „sprachliche Vielfalt“?

MfG

Geläufig sind ja beide Begriffe: Moslem wie auch Muslim.

Also wenn zwei Begriffe im Alltagsgebrauch für ein und
dieselbe Gruppe in Umlauf ist, sollte es doch auch eine Stelle
geben, der verbindlich festlegen kann welcher von beiden nun
in Gebrauch bleiben sollte.

Liebe Sina,

so alt kannst Du doch noch nicht sein und so deutsch-verknöchert auch noch nicht, und so lange kannst Du doch auch nicht in Deutschland gelebt haben, daß Dir alle schlechten Eigenschaften des „häßlichen Deutschen“ in Fleisch und Blut übergegangen sind!

Dies ist jetzt alles noch Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung!

Aber mal im Ernst: warum sollte es eine Stelle geben, die diese Bezeichnungen normiert? Für den Bereich der Technik sehe ich den Sinn der Normierung ja noch ein; da müssen die Dinge zueinander passen.

Für den Bereich der deutschen Sprache gibt es die Duden-Redaktion in Mannheim (die heißt offiziell irgenwie anders, aber ist ja auch egal), die stellt fest, welche Begriffe es gibt und nimmt die, die häufig genug verwendet worden sind, in den Duden auf. Und wenn zwei oder mehrere Begriffe nebeneinander gebraucht werden, dann kommen eben beide - oder vielleicht auch drei - ins Wörterbuch.

Mehr als drei Begriffe für eine Sache - außer für Geld und nochwas - wird es wohl nicht geben.

Gruß - Rolf

Hi,

Es ging darum welcher Begriff für die Bennenung der Muslime
korrekter ist.

Geläufig sind ja beide Begriffe: Moslem wie auch Muslim.

richtig, und beide sind gleichermaßen korrekt. „Richtiger“ ist muslim, aber in einigen Dialekten und im Persischen werden die Vokalzeichen statt wie u und i wie o und e ausgesprochen.

Gibts in Deutschland keine STelle, der verbindlich sprachliche
Festlegungen treffen kann?

Jein. Es gibt den http://de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%BCr_deutsche_R… Rat für deutsche Rechtschreibung, aber um solche Einzelfälle kümmert der sich eigentlich nicht.

Oder laufen solche Begriffe unter dem motto „sprachliche
Vielfalt“?

Genau. Sprache lebt.

Gruß,

Malte

Hallo, Sina,

der Befund in einigen Lexika:

Kluge:

_ Moslem
=> Muselman(n)

Muselman(n)
Substantiv Maskulinum „Moslem“ erweiterter Standardwortschatz obsolet (17. Jh.)Entlehnung. Mit sekundärer Anlehnung an Mann entlehnt aus it. musulmano, nfrz. musulman. Dieses aus türk. muslimAn über pers. muslimAn Pl., zu arab. muslim „der sich Gott ergeben hat“.
Ebenso nndl. muzelman, ne (arch.) Musulman, nfrz. musulman, nschw. muselman, nisl. múselmadur.
Tazi (1998), 269. italienisch_

Duden:

_ Mu|sel|man , der; -en, -en […:, auch: '; ital. musulmano, türk. müslüman Mos|lem, der; -s, -s, Muslim, der; -[s], -e u. -s [arab. muslim, eigtl.= der sich Gott unterwirft]: Anhänger des Islams.

Mus|lim , der; -s, -e u. -s, Moslem, der; -s, -s [arab. muslim, eigtl.= der sich Gott unterwirft]: Anhänger des Islams.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Wahrig verweist bei „Moslem“ auf „Muslim“ und dort steht:

_ Muslim , Angehöriger des Islams, Moslem, Mohammedaner_

Mackensen bietet:

_ Muslim => Moslem_
Moslem , Islamanhänger

Das Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache hat:

_ Moslem , Mohammedaner_

Grimm hat natürlich nur den:

_ MUSELMANN [Lfg. 12,15], m. umdeutung des arab. moslem, plur. moslemûna, bekenner des islam; zunächst angelehnt an ital. musulmano, franz. und span. musulman, seit dem 17. jahrh. entsprechend der letzteren form: musulmann, also lassen sich die Türken gerne nennen, bedeutet in ihrer sprache so viel, als ein rechtgläubiger. NEHRING hist.-pol. lex. 778; später muselmann:

ein muselmann hätte sich schüchtern entfernt. TOLBERG 1, 304;

auf dem weiten mittelmeere
gilt des muselmanns gesetz. FREILIGRATH dicht. 1, 53;

plur. muselmannen: verdammt sei derjenige, der die seelen der muselmannen mit diesem gift ansteckt. WIELAND 6, 190;

der muselmannen grösze neigt sich schon. GÖTHE 7, 240;

weil er von muselmannen stammt. 261;

und musulmänner, muselmänner:

zum volk sprach der prophet bethörter musulmänner. HAGEDORN 1, 92;

der muselmänner himmelreich,
voll niedlicher figuren. HÖLTY 25 Halm._

„Mohammedaner“ war früher das gängigste Wort. Kommt aber aus der Mode. Ich halte „Moslem“ für die heute gebräuchlichste Form, „Muslim“ ist meiner Meinung nach eine Multikultianbiederung, „Muselman“ ist arg veraltert, aber nicht falsch.

Gruß Fritz

Hallo, Sina,

der Befund in einigen Lexika:

Kluge:

_ Moslem
=> Muselman(n)

Muselman(n)
Substantiv Maskulinum „Moslem“ erweiterter Standardwortschatz
obsolet (17. Jh.)Entlehnung. Mit sekundärer Anlehnung an Mann
entlehnt aus it. musulmano, nfrz. musulman. Dieses aus türk.
muslimAn über pers. muslimAn Pl., zu arab. muslim „der sich
Gott ergeben hat“.
Ebenso nndl. muzelman, ne (arch.) Musulman, nfrz. musulman,
nschw. muselman, nisl. múselmadur.
Tazi (1998), 269. italienisch_

Duden:

_ Mu|sel|man , der; -en, -en […:, auch: '; ital.
musulmano, türk. müslüman Mos|lem, der; -s, -s, Muslim, der; -[s], -e u. -s
[arab. muslim, eigtl.= der sich Gott unterwirft]: Anhänger des
Islams.

Mus|lim , der; -s, -e u. -s, Moslem, der; -s, -s [arab.
muslim, eigtl.= der sich Gott unterwirft]: Anhänger des
Islams.

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Wahrig verweist bei „Moslem“ auf „Muslim“ und dort steht:

_ Muslim , Angehöriger des Islams, Moslem,
Mohammedaner_

Mackensen bietet:

_ Muslim => Moslem_
Moslem , Islamanhänger

Das Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache hat:

_ Moslem , Mohammedaner_

Grimm hat natürlich nur den:

_ MUSELMANN [Lfg. 12,15], m. umdeutung des arab.
moslem, plur. moslemûna, bekenner des islam; zunächst
angelehnt an ital. musulmano, franz. und span. musulman, seit
dem 17. jahrh. entsprechend der letzteren form: musulmann,
also lassen sich die Türken gerne nennen, bedeutet in ihrer
sprache so viel, als ein rechtgläubiger. NEHRING hist.-pol.
lex. 778; später muselmann:

ein muselmann hätte sich schüchtern entfernt. TOLBERG
1, 304;

auf dem weiten mittelmeere
gilt des muselmanns gesetz. FREILIGRATH dicht. 1, 53;

plur. muselmannen: verdammt sei derjenige, der die seelen der
muselmannen mit diesem gift ansteckt. WIELAND 6, 190;

der muselmannen grösze neigt sich schon. GÖTHE 7, 240;

weil er von muselmannen stammt. 261;

und musulmänner, muselmänner:

zum volk sprach der prophet bethörter musulmänner.
HAGEDORN 1, 92;

der muselmänner himmelreich,
voll niedlicher figuren. HÖLTY 25 Halm._

„Mohammedaner“ war früher das gängigste Wort. Kommt aber aus
der Mode. Ich halte „Moslem“ für die heute gebräuchlichste
Form, „Muslim“ ist meiner Meinung nach eine
Multikultianbiederung, „Muselman“ ist arg veraltert, aber
nicht falsch.

Ich denk Muslim ist eher die verbreitete Form oder zumindest die anerkanntere Version. zumindets was den „offiziellen“ Gebrauch angeht. Zentralrat der Muslime und auch die Presse benutz diesen begriff.

Mir scheint es auch irgendwie besser ins deutsche zu passen als Moslem. Weil ich wüsste jetzt nicht unbedingt direkt wie die weibliche FOrm von moslem wäre: Moslemin?

MfG

OK Dank dir und Mfg

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Geläufig sind ja beide Begriffe: Moslem wie auch Muslim.

Also wenn zwei Begriffe im Alltagsgebrauch für ein und
dieselbe Gruppe in Umlauf ist, sollte es doch auch eine Stelle
geben, der verbindlich festlegen kann welcher von beiden nun
in Gebrauch bleiben sollte.

Liebe Sina,

so alt kannst Du doch noch nicht sein und so
deutsch-verknöchert auch noch nicht, und so lange kannst Du
doch auch nicht in Deutschland gelebt haben, daß Dir alle
schlechten Eigenschaften des „häßlichen Deutschen“ in Fleisch
und Blut übergegangen sind!

Bitte nicht Nazizeit ins Spiel bringen. Das was ich gefragt habe ist doch völlig was anderes.

Dies ist jetzt alles noch Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere
Bedeutung!

Aber mal im Ernst: warum sollte es eine Stelle geben, die
diese Bezeichnungen normiert? Für den Bereich der Technik sehe
ich den Sinn der Normierung ja noch ein; da müssen die Dinge
zueinander passen.

Naja andere Länder haben es ja auch. Anscheinend scheint da ein Grund zu geben. Ich könnte mir zb vorstellen, dass durch solche STellen die Übernahme von Fremdwörtern einfach in „geordneten“ Bahnen läuft.
Dann könnte man sich zb de Diskussion wie wir sie jetzt führen sparen.

Für den Bereich der deutschen Sprache gibt es die
Duden-Redaktion in Mannheim (die heißt offiziell irgenwie
anders, aber ist ja auch egal), die stellt fest, welche
Begriffe es gibt und nimmt die, die häufig genug verwendet
worden sind, in den Duden auf. Und wenn zwei oder mehrere
Begriffe nebeneinander gebraucht werden, dann kommen eben
beide - oder vielleicht auch drei - ins Wörterbuch.

Mehr als drei Begriffe für eine Sache - außer für Geld und
nochwas - wird es wohl nicht geben.

Gruß - Rolf

MfG

Moin, Sina,

Gibts in Deutschland keine STelle, der verbindlich sprachliche
Festlegungen treffen kann?

selbst wenn es die gäbe, wer wollte denn entscheiden, was da richtig ist? Die Araber kommen ohne Vokale aus, deshalb findest Du arabische Wörter bei uns in jeder beliebigen Schreibweise.

Zu der Frage nach der weiblichen Form: Haben die Araber denn dafür ein eigenes Wort? Wenn nicht, brauchen wir auch keins.

Gruß Ralf

Servus Sina,

Naja andere Länder haben es ja auch.

meines Wissens gibt es bloß ein Land, welches über eine institutionalisierte Autorität verfügt, die entscheidet, was sprachlich richtig und was falsch ist: Frankreich mit seiner besonderen Entwicklung ca. 1780 bis ca. 1810.

Anscheinend scheint da einen Grund zu geben.

Der bestand in der genannten Zeit in der Vorstellung, alle Aspekte des Lebens ließen sich ausschließlich rational definieren, so dass das Kriterium „richtig“ und „falsch“ an die Stelle von Willkür und auch an die Stelle von Mehrheitengedüdel treten könnte.

Die Bemühungen der Académie betreffend „Sauberhalten“ von eindringenden Anglizismen - bis hin zum gesetzlich verankerten Gebot, angloamerikanische Begriffe in der Werbung bloß mit Fußnote und Übersetzung zu gebrauchen - sind aber eher von wenigen Erfolgen gekrönt. Die Blue Jeans konnten durch die Académie nicht verhindert werden, wohl aber solche Grausamkeiten wie das deutsche „Handy“. Ganz lustig ist allerdings, daß zu einem Zeitpunkt, als in Quebec die Elektropost schon ganz selbstverständlich „courriel“ hieß, sich die Franzosen im Mutterland noch mit sowas wie „méssagérie électronique“ quälen mussten und dann doch lieber sowas ähnliches wie „le melle“ sagten, teils sogar ohne zu wissen, dass das bloß eine andere Aussprache zu „le mail“ ist.

Ich könnte mir zb vorstellen, dass durch
solche Stellen die Übernahme von Fremdwörtern einfach in
„geordneten“ Bahnen läuft.

Die zuständigen Stellen sinds wohl eher nicht, sondern die Nutzer der Sprache, cf. der französische „musulman“, der phonetisch nicht so weit weg ist, und erst mit dem deutschen „Muselmann“ einen seltsamen Touch bekommt.

Wenn man einen weniger sensiblen Bereich hernehmen will: In sehr vielen Sprachen wird mans verstehen, wenn ein Reisender seinem Gastgeber etwa den Verdacht auf eine Appendixitis mitteilt, und er wird in hoher Geschwindigkeit den nächsten Medizinmann herantrommeln. Nicht so der Deutsche: Er will „Blinddarmentzündung“ hören. Das gilt nicht bloß in der Medizin, sondern auch in der Botanik bis in den Schrebergarten hinein und auch in den anderen (auch Populär-)wissenschaften.

Kurz: Das „deutsche Wesen“ wird in allen Belangen eine Neigung haben, fremd Klingendes „einzudeutschen“. Eine Auf- oder Abwertung ist damit nicht verbunden. Abgesehen von der eher verkrampften Suche nach politically korrekten Begriffen, die schon eine Wertung transportieren. Etwa dort, wo man mit Gewalt feminine Formen finden will, etwa die „Fernmeldeoberamtmännin“, die meine Tante als ihren Dienstrang seinerzeit entrüstet zurückgewiesen hat.

Schöne Grüße

MM

Moin, Sina,

Gibts in Deutschland keine STelle, der verbindlich sprachliche
Festlegungen treffen kann?

selbst wenn es die gäbe, wer wollte denn entscheiden, was da
richtig ist?

Na ja die Stelle die dafür zuständig wäre:=)

Zu der Frage nach der weiblichen Form: Haben die Araber denn
dafür ein eigenes Wort? Wenn nicht, brauchen wir auch keins.

Da bin überfragt. Kann kein arabisch. Aber das arabische hat auch wie das deutsche weibliche Formen. Also müsste es das geben.
Wenn das arabische weibliche Formen nicht kennen würde, do müsste man doch wenn man einen begriff ins deutshe übernimmt auch die weibliche Form haben oder finden.

Für Muslim gibts den ja: Muslima (wobei vielleicht ist dies sogar das arabische für die weibliche Form)

MfG

Servus Sina,

Naja andere Länder haben es ja auch.

meines Wissens gibt es bloß ein Land, welches über eine
institutionalisierte Autorität verfügt, die entscheidet, was
sprachlich richtig und was falsch ist: Frankreich mit seiner
besonderen Entwicklung ca. 1780 bis ca. 1810.

Ich glaub so eine Stelle haben die Franzosen immer noch oder habe ich die Daten falsch verstanden? Türkei hat auch eine solche Stelle.

Anscheinend scheint da einen Grund zu geben.

Der bestand in der genannten Zeit in der Vorstellung, alle
Aspekte des Lebens ließen sich ausschließlich rational
definieren, so dass das Kriterium „richtig“ und „falsch“ an
die Stelle von Willkür und auch an die Stelle von
Mehrheitengedüdel treten könnte.

Die Bemühungen der Académie betreffend „Sauberhalten“ von
eindringenden Anglizismen - bis hin zum gesetzlich verankerten
Gebot, angloamerikanische Begriffe in der Werbung bloß mit
Fußnote und Übersetzung zu gebrauchen - sind aber eher von
wenigen Erfolgen gekrönt. Die Blue Jeans konnten durch die
Académie nicht verhindert werden, wohl aber solche
Grausamkeiten wie das deutsche „Handy“. Ganz lustig ist
allerdings, daß zu einem Zeitpunkt, als in Quebec die
Elektropost schon ganz selbstverständlich „courriel“ hieß,
sich die Franzosen im Mutterland noch mit sowas wie
„méssagérie électronique“ quälen mussten und dann doch lieber
sowas ähnliches wie „le melle“ sagten, teils sogar ohne zu
wissen, dass das bloß eine andere Aussprache zu „le mail“ ist.

Die Reinhaltung der Sprache ist wohl eh nicht machbar. Das haben die Türken auch versucht aber bei denen hats auch nicht geklappt. Sie wollten vorerst das Türkische von den arabischen Begriffen „reinigen“ letzlich haben wir mittlerweile umso mehr englische Begriffe:=)

Ich könnte mir zb vorstellen, dass durch
solche Stellen die Übernahme von Fremdwörtern einfach in
„geordneten“ Bahnen läuft.

Die zuständigen Stellen sinds wohl eher nicht, sondern die
Nutzer der Sprache, cf. der französische „musulman“, der
phonetisch nicht so weit weg ist, und erst mit dem deutschen
„Muselmann“ einen seltsamen Touch bekommt.

Die Stellen funktionieren ja nicht als Zollbeamte für Sprache, die entscheiden welcher Begriff reinkommt und welcher nicht. Sondern eher welcher von der Bevölkerung in gebrauch genommene Begriff jetzt für die zukunft wie verwendet werden soll.
Es gibt nunmal Begriffe wo die Endungen nicht klar sind und mal so mal so benutz werden, oder die begriffe werden unterschiedlich geschrieben. Dann greift so eine Stelle ein und regelt das dann ein für allemal.

Wenn man einen weniger sensiblen Bereich hernehmen will: In
sehr vielen Sprachen wird mans verstehen, wenn ein Reisender
seinem Gastgeber etwa den Verdacht auf eine Appendixitis
mitteilt, und er wird in hoher Geschwindigkeit den nächsten
Medizinmann herantrommeln. Nicht so der Deutsche: Er will
„Blinddarmentzündung“ hören. Das gilt nicht bloß in der
Medizin, sondern auch in der Botanik bis in den Schrebergarten
hinein und auch in den anderen (auch Populär-)wissenschaften.

Stimmt. Im türkischen heisst es „Apandis“.

Kurz: Das „deutsche Wesen“ wird in allen Belangen eine Neigung
haben, fremd Klingendes „einzudeutschen“. Eine Auf- oder
Abwertung ist damit nicht verbunden. Abgesehen von der eher
verkrampften Suche nach politically korrekten Begriffen, die
schon eine Wertung transportieren. Etwa dort, wo man mit
Gewalt feminine Formen finden will, etwa die
„Fernmeldeoberamtmännin“, die meine Tante als ihren Dienstrang
seinerzeit entrüstet zurückgewiesen hat.

MfG

Servus nochmal,

Ich glaub so eine Stelle haben die Franzosen immer noch oder
habe ich die Daten falsch verstanden?

ja es gibt sie noch, das war bloß von mir zu schwafelig ausgedrückt.

Hier ist sie:

http://www.academie-francaise.fr

Gegründet wurde sie bereits 1635 auf Initiative des Kardinals Richelieu. Damals im Dienst des noch feudalen Zentralismus, um u.a. die Texte von Verordnungen und Gesetzen einheitlich in ganz Frankreich verständlich kodifizieren zu können.

Ihre Rolle als genereller „Sprachwächter“ hat sie erst im Lauf der Zeit erworben. Daher mein Verweis auf die Zeit der französischen Revolution, die in vielen heute selbstverständlichen Belangen nicht bloß in Frankreich nachwirkt.

Beiläufig: Worauf geht die entsprechende Institution in der Türkei zurück? Das Konzept, eine einheitliche Instanz dafür zu schaffen, klingt ein wenig nach Kemal Atatürk - oder ist das schon älter, aus der Zeit der großen Ausdehnung des Osmanischen Reichs, wo man ja auch darauf angewiesen war, innerhalb eines riesigen und heterogenen Territoriums eine einheitliche Amtssprache zu verwenden.

In diesem Fall - um von den Fremdsprachen zum Deutschen zurückzukommen - würde die Hypothese naheliegen, daß Deutschland in der Zeit der Herausbildung der modernen Sprachen und des modernen Sprachgebrauches zwar hie und da expandieren wollte, aber dieses nie richtig geschafft hat, so daß es keinen eigentlichen Anlass dafür gab, eine viele Sprachräume umfassende Amts- und Verwaltungssprache zu reglementieren. Im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn hätte es wohl einen Anlass gegeben, aber es scheint, daß man sich dort auch auf Babylonisch irgendwie verständigen konnte.

Schöne Grüße

MM

Servus nochmal,

Ich glaub so eine Stelle haben die Franzosen immer noch oder
habe ich die Daten falsch verstanden?

ja es gibt sie noch, das war bloß von mir zu schwafelig
ausgedrückt.

Hier ist sie:

http://www.academie-francaise.fr

Gegründet wurde sie bereits 1635 auf Initiative des Kardinals
Richelieu. Damals im Dienst des noch feudalen Zentralismus, um
u.a. die Texte von Verordnungen und Gesetzen einheitlich in
ganz Frankreich verständlich kodifizieren zu können.

Ihre Rolle als genereller „Sprachwächter“ hat sie erst im Lauf
der Zeit erworben. Daher mein Verweis auf die Zeit der
französischen Revolution, die in vielen heute
selbstverständlichen Belangen nicht bloß in Frankreich
nachwirkt.

Beiläufig: Worauf geht die entsprechende Institution in der
Türkei zurück? Das Konzept, eine einheitliche Instanz dafür zu
schaffen, klingt ein wenig nach Kemal Atatürk - oder ist das
schon älter, aus der Zeit der großen Ausdehnung des
Osmanischen Reichs, wo man ja auch darauf angewiesen war,
innerhalb eines riesigen und heterogenen Territoriums eine
einheitliche Amtssprache zu verwenden.

Das geht auf Atatürk zurück. Damals lief es unter dem Begriff Sprachreform und war einer der Gründungsdogmen des kemalismus. Die Osmanen hatten ja gar keine Scheu bzw. Sensibilitäten bzgl. der türkischen SPrache. Ich bin zwar kein geschichtsexperte diesbzgl. aber die hatten so eine Stelle bestimmt nicht. Die haben ja alles ins türkische aufgenommen was sie nur konnten. Am Ende war es dann so dass die Elite des Reiches das Osmanisch- türkische sprach die einfachen Leute immernoch das normale türkisch. D.h. das gemeine Volk hatte nicht dieselbe Sprache wie seine Eliten. Das osmaische ist ja ein Mischmasch von arabisch-persisch-türkisch gewesen. Das hat auch zu der Sprachreform durch Atatürk gefürht, weil es eine sprachliche Kluft zwischen Eliten und dem Volk gab.

In diesem Fall - um von den Fremdsprachen zum Deutschen
zurückzukommen - würde die Hypothese naheliegen, daß
Deutschland in der Zeit der Herausbildung der modernen
Sprachen und des modernen Sprachgebrauches zwar hie und da
expandieren wollte, aber dieses nie richtig geschafft hat, so
daß es keinen eigentlichen Anlass dafür gab, eine viele
Sprachräume umfassende Amts- und Verwaltungssprache zu
reglementieren. Im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn hätte es
wohl einen Anlass gegeben, aber es scheint, daß man sich dort
auch auf Babylonisch irgendwie verständigen konnte.

Na ja mann kan auch einfach sagen, dass die deutschen da ein bisschen sensibler mit ihrer Sprache waren. Wenn man es zb mit dem Osmanishen reich vergleicht dann sieht man eine Freude an dem Übernehmen fremder begriffe.
Von Sensibilität kann da keine Rede sein.

Dein Gedanke würde zb für das türkische Reich bedeuten, dass dies aufgrund der räumlichen Expansion quasi notwendig oder klug war. In der Tat war sie weder klug noch notwendig.

Natürlich kommen je mehr man expandiert mehr Fremde Begriffe in die Sprache trotzdem können diese bei entsprechender Sensibilität im Rahmen gehalten werden. Das heisst ich denke eher dass die deutschen einfach sensibler waren oder sind.

MfG

Hallo, Sina,

zunächst einmal eine ganz andere Frage. Warum zitierst du den ganzen Artikel, auf den du antwortest?
Da muss man immer ganz nach unten scrollen, ehe man deine Antwort lesen kann.
Lösch doch den Text; entweder ganz oder bis auf die relevanten Sätze.
Nich böse sein, ja?! ;-}

Ich denk, Muslim ist eher die verbreitete Form oder zumindest die anerkanntere Version. Zumindest was den „offiziellen“ Gebrauch angeht. Zentralrat der Muslime und auch die Presse benutzt diesen Begriff.

Da magst du Recht haben, dass die Form „Muslim, Muslima, Muslime“ inzwischen die häufigste und anerkannte ist.
Auch google bestätigt das. (772 000 Treffer für Moslem, 1 480 000 für Muslim, 1 100 000 für Moslems, 2 710 000 für Muslime)
Dies kann aber eine zeitweilige Modeerscheinung sein.
Ich gebe zudem zu bedenken, dass dies eine Entwiklung der - sagen wir mal - letzten fünfzehn Jahre ist.
Den Zetralrat der Muslime gibt es erst seit 1994. Erst ab da kam das Wort „Muslime“ ins Bewusstsein der Deutschen.

Mir scheint es auch irgendwie besser ins Deutsche zu passen als Moslem.

Dann wünsche ich mir, deine Ohren zu haben :smile:, denn meine Ohren, so lange sie schon Deutsch hören, können nicht hören, ob Moslem oder Muslim deutscher klingt.
Mir klingt nach wie vor „Mohammedaner“ als die „deutscheste“ Form, neben „Muselman“, das einfach eine paarhundertjährige Tradition hat.

Aber da ist es wohl wie mit den Nasen! Jeder hat seine eigene. :wink:

Weil ich wüsste jetzt nicht unbedingt direkt wie die weibliche Form von Moslem wäre: Moslemin?

Ja, so stehts jedenfalls im Duden.

_ Mos|le|min , die; -, -nen: weibliche Form zu Moslem._

Beste Grüße Fritz

Hallo, Sina,

zunächst einmal eine ganz andere Frage. Warum zitierst du den
ganzen Artikel, auf den du antwortest?
Da muss man immer ganz nach unten scrollen, ehe man deine
Antwort lesen kann.
Lösch doch den Text; entweder ganz oder bis auf die relevanten
Sätze.
Nich böse sein, ja?! ;-}

ne hast recht.

Mir scheint es auch irgendwie besser ins Deutsche zu passen als Moslem.

Dann wünsche ich mir, deine Ohren zu haben :smile:, denn meine
Ohren, so lange sie schon Deutsch hören, können nicht hören,
ob Moslem oder Muslim deutscher klingt.
Mir klingt nach wie vor „Mohammedaner“ als die „deutscheste“
Form, neben „Muselman“, das einfach eine paarhundertjährige
Tradition hat.

Ich meinte das deswegen, weil Muslim im Gegensatz zu den anderen begriffen das wenisgte Problem bei der Aufnahme ins deutsche Sprachsystem bereitet.
Muslim => Plural auf e MuslimE (eine ganz „normale“ Pluralendung im deutschen)…dagegen Moslem => Plural MoslemS, die S-endung ist immer dann zur Stelle, wenn keine „normale“ Pluralendung passt. Soweit ich weiss wird dieses S auch nur bei Fremdwörtern angewendet, ist also so ne Art Notlösung.
Dagegen der Begriff Muslim lässt sich ohne weiteres wie ein ganz normales deutsches Wort seine Pluralendung auf E bilden.
Deswegen meinte ich passt sich besser dem deutschen an.

MfG

ungenau

Die Araber kommen ohne Vokale aus, deshalb
findest Du arabische Wörter bei uns in jeder beliebigen
Schreibweise.

Die arabische Sprache verfügt über Vokale, sie werden nur in der arabischen Schrift nicht wiedergegeben!

Hallo Sina.

Gibts in Deutschland keine STelle, der verbindlich sprachliche
Festlegungen treffen kann?

Das deutsche Aussenministerium unterhält ein Büro, dass für Deutschland die offizielle Schreibweise und Aussprache von relevanten Eigennamen und Begriffen für den Geschäftsverkehr festlegt. In erster Linie im geographischen und politischen Bereich. Ich habe mich da einmal nach der Schreibweise und Aussprache der indonesischen Hauptstadt erkundigt. Ob die aber auch so etwas regeln, weiß ich nicht.
Frag mal an!
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

etwas weniger ungenau, aber doch ungenau

Die arabische Sprache verfügt über Vokale, sie werden nur in
der arabischen Schrift nicht wiedergegeben!

Sie können und werden durchaus wiedergegeben. Allerdings sind sie sozusagen „optional“.

Grüße,

Anwar

Hi Christian,

Die arabische Sprache verfügt über Vokale, sie werden nur in
der arabischen Schrift nicht wiedergegeben!

hätte mich gewundert, wenn die Sprache ohne Vokale auskäme.

Die Schrift kennt durchaus Vokalzeichen, die geschrieben werde können, aber halt nicht müssen. Deshalb setzt jeder Schreiber sie so, wie er das Wort aussprechen würde.

Gruß Ralf

Hallo,

Danke Dir für den Hinweis ich werde dort eine dementsprechende Anfrage stellen.

MfG