Muss ein Betriebsrat gegründet werden?

Guten Tag,

in ueinem Betrieb sind 14 Festangestellte Mitarbeiter und ca. 40 -400€ Kräfte beschäftigt.
Nun wollen 5 Mitarbeiterinnen einen Betriebsrat gründen, der gesamte Rest verweigert sich allerdings dagegen.
Muss ein Betriebsrat gegründet werden?
Es läuft alles gut und es gab nie Ärger, der Arbeitgeber läßt ne Menge Freiheiten, nun befürchten viele, das diese Freiheiten flöten gehen, wenn sich ein Betriebsrat gründet.
Können sich diese fünf Damen gegen den Rest des Betriebes durchsetzen? - Da sind doch schon unruhen vorprogrammiert!
Es wäre nett wenn mich mal jemand aufklären könnte, wie hier zu verfahren wäre, oder ob das so hingenommen werden muss…
Vielen Dank

Guten Tag,

Hallo,

in ueinem Betrieb sind 14 Festangestellte Mitarbeiter und ca.
40 -400€ Kräfte beschäftigt.

Dann dürften die Vorraussetzungen des § 1 BetrVG gegeben sein.

Nun wollen 5 Mitarbeiterinnen einen Betriebsrat gründen,

Schön !

der
gesamte Rest verweigert sich allerdings dagegen.
Muss ein Betriebsrat gegründet werden?

Ja, wenn es einen Wahlvorstand gibt und die nötige Anzahl Kandidat/INNen, muß die Wahl durchgeführt werden.

Es läuft alles gut und es gab nie Ärger, der Arbeitgeber läßt
ne Menge Freiheiten,

Wieso muß sich das zwingend ändern ?

nun befürchten viele, das diese
Freiheiten flöten gehen, wenn sich ein Betriebsrat gründet.

Na, wenn ein AG „Freiheiten“ von der Nichtexistenz eines BR abhängig machen würde, dann sind diese Sachen sowieso nur Schönwetterveranstaltungen. Außerdem zeigt die Erfahrung, daß solche verharmlosenden Aussagen idR nicht stimmen. Wenn eine BR-Gründung geplant wird, existieren idR handfeste Konflikte im Betrieb.

Können sich diese fünf Damen gegen den Rest des Betriebes
durchsetzen?

Höchstwahrscheinlich ja, und das ist auch vom Gesetz so gewollt.

  • Da sind doch schon unruhen vorprogrammiert!

Wer sagt das ? In den meisten Betrieben mit BR ist im Schnitt das Betriebsklima besser als in Betrieben ohne, weil es nämlich für den AG Regeln gibt, die er gegenüner ALLEN MA einhalten muß und die auch in Krisenzeiten gelten.

Es wäre nett wenn mich mal jemand aufklären könnte, wie hier
zu verfahren wäre, oder ob das so hingenommen werden muss…

Wie wär es denn mit konstruktiver Beteiligung am gesamten Prozess, statt dem unkritischen Nachplappern von Arbeitgeberparolen

Vielen Dank

Nix zu danken

&Tschüß
Wolfgang

Hallo Alexander,

Muss ein Betriebsrat gegründet werden?

man kann einen Betriebsrat gründen

Es läuft alles gut und es gab nie Ärger, der Arbeitgeber läßt
ne Menge Freiheiten, nun befürchten viele, das diese
Freiheiten flöten gehen, wenn sich ein Betriebsrat gründet.

nachfolgend ein interessanter Artikel zum Thema:
http://www.welt.de/print-welt/article687647/Betriebs…

"…Dennoch hat das Betriebsratsmitglied eine besondere Stellung im Bereich des Kündigungsschutzes. Ein Betriebsrat darf für die Dauer seiner Amtszeit und für ein Jahr nach Beedigung seiner Amtszeit nicht ordentlich gekündigt werden. Auch ein Wahlvorstand und ein Wahlbewerber können nach ihrer Bestellung bzw. nach Aufstellung des Wahlvorschlags bis zu sechs Monate nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses nicht ordentlich gekündigt werden.

Eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund ist mit Zustimmung des Betriebsrates allerdings jederzeit möglich. Greift ein Betriebsratsmitglied also z.B. in die Firmenkasse oder lässt sich andere schwere Verfehlungen zu Schulden kommen, so schützt ihn seine Stellung nicht vor einer Kündigung. Die Zustimmung des Betriebsrats kann durch das Arbeitsgericht ersetzt werden…"

aus: http://www.br-wahlen.de/gruendung_01.html

Viele Grüße
Eve*

oder ob das so hingenommen werden muss…

Hallole,

Wolfgang hat schon die Antwort gegeben. Einen Gedanken möchte ich aber noch ergänzen:

Der Betriebsrat ist doch ein Element der Demokratie - nicht etwas, was man „hinnehmen“ muss. Es ist doch gut, wenn es einen BR gibt und der kann ja auch konstruktiv mit der Geschäftsleitung arbeiten. Warum sollen denn die Angestellten nur Befehle empfangen anstatt als mündige Bürger mit dem Chef zu reden?

Sei nicht so negativ eingestellt - lass auch mal was Neues zu!

Schöne Grüße

Uli

Hallo

Mal eine etwas „unbeliebte“ Antwort :smile:

Ich teile deine Befürchtungen. Ich bin absolut kein Freund von BR in kleineren Betrieben. Langfristig schon gar nicht. Ein lustloser oder streitlustiger BR kann solchen Betrieben erheblichen Schaden zufügen. Meistens sind die BR in solchen Betrieben schlecht informiert und fällen aus Unwissen oder Eigeninteresse die dümmsten Entscheidungen. Und, ja, ich denke auch, daß viele Freiheiten flöten gehen, alleine schon, weil der BR seine Mitbestimmung ausüben muß, um ernstgenommen zu werden. Und vielleicht ist der erste Gewinner der BR-Wahl gut, vielleicht auch der zweite, aber irgendwann (vielleicht auch von Anfang an) sitzt da eine Pfeife. Und den bekommt man gegen seinen Willen da nicht weg. Dann gute Nacht.

Verhindern kann man die Wahl des BR aber nicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit sich selbst zur Wahl zu stellen. Dann hat man im günstigsten Fall als BR selber die Möglichkeit, das scheinbar angenehme Betriebsklima in Berücksichtung beiderseitiger Interessen beizubehalten.

Übrigens bin ich alles andere als ein BR-Gegner. Ich würde nur die Mindestgröße als Voraussetzung anheben. Und jetzt werde ich bestimmt hier massakriert :smile:)))))

Gruß,
LeoLo

allo Leolo

Es besteht
jedoch die Möglichkeit sich selbst zur Wahl zu stellen. Dann
hat man im günstigsten Fall als BR selber die Möglichkeit, das
scheinbar angenehme Betriebsklima in Berücksichtung
beiderseitiger Interessen beizubehalten.

Genau! Ich stimme Dir voll zu!

Übrigens bin ich alles andere als ein BR-Gegner. Ich würde nur
die Mindestgröße als Voraussetzung anheben. Und jetzt werde
ich bestimmt hier massakriert :smile:)))))

Das ist Deine Meinung - meinetwegen.

Ein
lustloser oder streitlustiger BR kann solchen Betrieben
erheblichen Schaden zufügen. Meistens sind die BR in solchen
Betrieben schlecht informiert und fällen aus Unwissen oder
Eigeninteresse die dümmsten Entscheidungen.

Das gilt ja nicht nur für Betriebsräte. In der Politik, angefangen vom Rathaus ist es ja genau so.
Und es gibt ja Möglichkeiten, sich zu informieren und weiter zu bilden.
Ich find diese Begründung nicht ausreichend. Soll man das Stück Demokratie einfach deshalb aufgeben, weil so etwas passieren könnte? Ich meine: Nein!

Gruss
Uli

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Hallo Leolo,

ich werde Dich bestimmt nicht „massakrieren“, aber mich würde schon interessieren, woher Du Deine Kenntnisse über BR in Kleinbetrieben hast. Das Risiko, daß Pfeifen gewählt werden, ist nun mal das allgemeine Risiko bei demokratischen Prozessen. Das kann Dir aber auch bei größeren betrieben passieren.
Ich habe immer wieder Kontakt mit BR’en kleinerer Betriebe und bekomme fast immer mit, daß der Anlass der Gründung halt die massive Ausnutzung des angeblich „familiären“ Klimas durch den AG war und im Zweifelsfall der AG halt nicht bereit war, auch mal was zurück zu geben.
Bei fast allen BR-Gründungen in Betrieben bis ca. 100 MA liegen sehr konkrete Konflikte vor in Bezug auf Bezahlung, Arbeitsplatzsicherheit und/oder Arbeitsbedingungen bis hin zu erheblichen Gesetzesverstössen. Gerade in diesen Betrieben kommen die BR-Gründungen nicht von ungefähr.

&Tschüß
Wolfgang

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Hallo Wolfgang

ich werde Dich bestimmt nicht „massakrieren“, aber mich würde
schon interessieren, woher Du Deine Kenntnisse über BR in
Kleinbetrieben hast.

Ich habe auch mit BR zu tun oder BR-Coaches der kenne die BR-Arbeit aus der beruflichen Vergangenheit und dabei auch erlebt, wie ein mir gut bekannter Mittelständler (ca 100 AN in Voll- und Teilzeit) fast den Bach runter ging, weil sich ein BR gründete und dort vornehmlich Idioten das Sagen hatten. Die Zustände vorher waren auch nicht optimal, zugegeben, aber das Nachher war ganz bestimmt nicht besser als das Vorher.

Das Risiko, daß Pfeifen gewählt werden,
ist nun mal das allgemeine Risiko bei demokratischen
Prozessen. Das kann Dir aber auch bei größeren betrieben
passieren.

Das stimmt wohl. Allerdings sind die Fehlentscheidungen (wobei man zugegebenermaßen immer darüber streiten kann, ob es eine "Fehl"entscheidung ist/war) in ihren Auswirkungen gravierender. Nehmen wir einen Betrieb mit 10 AN. Die Geschäfte laufen schon länger mau und der AG muß sich von einem AN trennen. Er informiert den BR. Dieser widerspricht „aus Prinzip“ und auch weil eine Zustimmung eh oft unpopulär ist. Der AN wird trotzdem entlassen, das Gerichtsverfahren zieht sich hin und am Ende wird wie so oft aus einem beliebigen Grund die Sozialauswahl angezweifelt und der AN gewinnt. Daraufhin stellt der AN einen Antrag auf Auflösung des AV und bekommt neben den Monaten, in denen er aufgrund des BR-Widerspruchs Anspruch auf Weiterbeschäftigung hatte noch eine Abfindung von X Monatsbrutto. Der AG, dessen Geschäfte nicht mehr so gut laufen und der finanziell nicht allzugut bestückt ist, ist daraufhin platt. Und 9 weitere AN verlieren ihren Arbeitsplatz. Sicher, ein Horrorszenario und nicht an der Tagesordnung. Es soll aber verdeutlichen, welche unverhältnismäßige Macht ein BR im Kleinbetrieb hat. Macht, mit der die wenigsten verantwortungsvoll umgehen können.

Ich habe immer wieder Kontakt mit BR’en kleinerer Betriebe und
bekomme fast immer mit, daß der Anlass der Gründung halt die
massive Ausnutzung des angeblich „familiären“ Klimas durch den
AG war und im Zweifelsfall der AG halt nicht bereit war, auch
mal was zurück zu geben.
Bei fast allen BR-Gründungen in Betrieben bis ca. 100 MA
liegen sehr konkrete Konflikte vor in Bezug auf Bezahlung,
Arbeitsplatzsicherheit und/oder Arbeitsbedingungen bis hin zu
erheblichen Gesetzesverstössen. Gerade in diesen Betrieben
kommen die BR-Gründungen nicht von ungefähr.

Hier gibt es aber auch die andere Seite der Medaille. Ein kleinerer Betrieb kann in der Regel nur durch Flexibilität, schnelles situationsgerechtes Agieren bestehen und muß dabei auch mal 5 gerade sein lassen. Wenn dieser AG jetzt plötzlich bei Dienstplänen, betrieblichen Anweisungen, Neueinstellungen oder auch negativen Personaländerungen immer erst Rücksprache halten bzw eine Zustimmung einholen muß, dann wird dem Betrieb eine seiner größten Wettbewerbsstärken genommen. Wenn da jetzt noch eine Pfeife sitzt, kann (!) alles den Bach runter gehen.

Ich bekomme auch öfter mal die Anfrage, wie man seinen BR auflösen kann, wenn der BR-Vorsitzende das (natürich :wink:) nicht will… Zumindest dies fände ich eine sinnvolle Ergänzung des BetrVG: Wenn 3/4 (oder wieviel auch immer) der Belegschaft den BR nicht mehr haben wollen, ist er einfach so aufzulösen. Wäre mal ein Anfang.

Und 100 AN, da sag ich ja nix mehr. Ich persönlich würde die Grenze so auf 50 AN hochziehen. Ich weiß, mein Beispielbetrieb oben hatte 100 AN :smile:

Gruß,
LeoLo

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Wenn 3/4 (oder wieviel auch immer) der Belegschaft den

BR nicht mehr haben wollen, ist er einfach so aufzulösen. Wäre
mal ein Anfang.

Das ist aber eine merkwürdige Rechtsauffassung!

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Hallo Uli

Also erstens, uli, ist das keine Rechtsauffassung, sondern wenn überhaupt ein Gesetzesvorschlag.

Und zweitens mußt Du dich jetzt mal entscheiden:
Die BR-Wahl auf Antrag einer Minderheit ist für dich ein wichtiges Stück Demokratie. Die Abwahl eines BR auf Antrag einer deutlichen Mehrheit ist für dich dann aber eine komische Rechtsauffassung.

Wo steckt denn da die Logik?

Mir ist schon klar, daß meine Meinung nicht unbedingt gerne gehört wird und auf viel Widerstand stößt, aber wenn wir diskutieren wollen, dann doch bitte mit weniger „Ich-biege-mir-alles-so-zurecht-wie-es-gerade-für-meine-Meinung-zuträglich-ist“ - Mentalität und dafür mit etwas mehr Substanz, ok?

Gruß,
LeoLo

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Hi

Geschäftsleitung arbeiten. Warum sollen denn die Angestellten
nur Befehle empfangen anstatt als mündige Bürger mit dem Chef
zu reden?

Als mündiger Bürger kann man ja selber mit dem Chef reden oder braucht es dazu tatsächlich einen Betriebsrat?

Gruß
Edith

Und zweitens mußt Du dich jetzt mal entscheiden:
Die BR-Wahl auf Antrag einer Minderheit ist für dich ein
wichtiges Stück Demokratie. Die Abwahl eines BR auf Antrag
einer deutlichen Mehrheit ist für dich dann aber eine komische
Rechtsauffassung.

Wo steckt denn da die Logik?

Hallole,

die Logik ist, dass der BR vom Betriebsverfassungsgesetz gewollt ist.
Die Ausnahme ist, dass wenn sich keiner dafür interessiert und keiner die Initiative ergreift es auch ohne gehen kann.

aber wenn wir
diskutieren wollen, dann doch bitte mit weniger
„Ich-biege-mir-alles-so-zurecht-wie-es-gerade-für-meine-Meinung-zuträglich-ist“

  • Mentalität und dafür mit etwas mehr Substanz, ok?

Das ist eine unfaire Unterstellung, die nicht zur Sachlichkeit beirägt.

Schönen Sonntag

Uli

Als mündiger Bürger kann man ja selber mit dem Chef reden oder
braucht es dazu tatsächlich einen Betriebsrat?

Das ist ja nur eine von vielen Aufgaben des BR. Und der BR verhindert bestimmt nicht, dass man mit dem Chef reden kann. Und der Chef muss nicht zwingend dem BR schlechte Absichten unterstellen.

Gruss

Uli