Wenn ich beispielsweise
eine Taschenlampe anschalte und Licht
„entsteht“, beschleunigt es dann bis zur
Lichtgeschwindigkeit oder ist diese
absolut und immer konstant?
Die Erfahrung zeigt, dass das Licht sich
immer mit der selben Geschwindigkeit aus-
breitet. Es beschleunigt nicht, es existiert
nur mit dieser Geschwindigkeit.
Wenn letzteres der Fall sein sollte, kann
mir jemand erklären, wie das möglich ist?
Das ist mehr eine philosophische Frage
als eine physikalische. Vielleicht dazu
einen kleinen Streifzug durch die
Geschichte: Die Konstanz der
Lichtgeschwindigkeit wurde vor Einstein
durch Messungen nachgewiesen (Michelson-
Experiment). Das Ergebnis dieser Messungen
wurde mit Verwunderung aufgenommen, und
sogleich machten sich viele daran, eine
Erklaerung dafuer zu finden. Man ging davon
aus, dass sich Licht in einem Medium aus-
breiten muesse, genau wie die Luft das
Medium fuer die Ausbreitung von Schall-
wellen ist. Man nannte dieses Medium Aether
und wollte dessen Existenz mit dem
Michelson-Experiment eigentlich nachweisen.
Nun, wie das Schicksal so spielte, trat das
genaue Gegenteil von dem ein, was man
erwartet hatte. Die langen Gesichter der
Wissenschaftler und ihre Ueberlegungen
fuehrten zu Ideen wie z.B. der: Die Bewegung
der Erde im Aether verursachte dessen
Stauchung in Bewegungsrichtung. Durch die Stauchung des Aethers aendert sind die
Lichtgeschwindigkeit gerade so, dass die
Lichtgeschwindigkeit plus der
Erdgeschwindigkeit wieder genau der
eigenlichen Lichtgeschwindigkeit (im nicht
gestauchten Aether) entspricht. Welch ein
Zufall! All die Erklaerungsversuche, die zum
Teil in wuesten Rechnereien endeten, hatten
alle eins gemeinsam: Sie erklaerten
vielleicht den deprimierenden Ausgang des
Michelson-Experiments, eckten aber an
anderen Stellen auf beschaemende Weise an.
Dieses ganze Desaster kam nur aus einem
einzigen Grund zustande, man war nicht bereit, die klassischen Vorstellungen von
der Absolutheit von Raum und Zeit
aufzugeben.
So, nun kam Einstein, dessen Idee so genial
wie einfach war. Er kuemmerte sich NICHT
darum, das Experiment-Ergebnis zu erklaeren,
nein, er erhob dieses Ergebnis - die
Konstanz der Lichtgeschwindigkeit - in die
Raenge der „Gottheiten“ der Physik. Er
machte ein Postulat daraus, ein Gesetz, das
keiner Erklaerung bedarf, ein Gesetz, auf
dem die gesamte Relativitaetstheorie beruht.
Das heisst, sollte es eines Tages einem
Wissenschaftler gelingen zu beweisen, dass
die Lichtgeschwindigkeit nicht konstant ist,
dass sie sich addiert oder was auch sonst,
dann sirbt die gesamte Relativitaetstheorie!
Ich denke, durch diesen kleinen Ausflug zu
den Anfaegen des 20. Jahrhunderts, solltest
Du verstehen, welchen Rang die Konstanz der
Lichtgeschwindigkeit hat.
Und wenn wir schon dabei sind: Warum
addiert sich zur Lichtgeschwindigkeit
nicht die der Quelle (also z.B. des
Autos)?
siehe oben.
Vielleicht noch eine Bemerkung:
Licht kann als Welle aber auch als Partikel
aufgefasst werden. Welche Eingenschaften es
gerade zeigt (ob Wellen- oder Partikeleigen-
schaften) haengt einzig und allein davon
ab, was Du mit Deinen Experiment eigentlich
nachweisen willst. Bei Partikeln ist es
schwierig, sich vorzustellen, dass sie
gleich die volle Geschwindigkeit haben,
aber eine Welle hat sofort ihre volle
Geschwindigkeit. Man werfe einen Stein in
einen ruhigen See. Die Wellen, die sich
daraufhin ausbreiten, beschleunigen ja auch
nicht.
Noch eine Bemerkung:
Nach der speziellen Relativitaetstheorie
koennten Massen durch Beschleunigung niemals
die Lichtgeschwindigkeit erreichen, da ihre
Masse ins Unendliche waechst, ebenso der
Widerstand (die Traegheit). Insofern kann
man Teilchen in drei verschiedene Klassen
einordnen: Die ersten haben „gewoehnliche“
Massen und erreichen nie
Lichtgeschwindigkeit. Die zweiten fliegen
immer mit Lichtgeschwindigkeit und
existieren nur auf diese Weise.
Die dritten (Tachyonen) sind stehts schneller als das Licht und wechselwirken
mit Nichts, was langsamer als das Licht ist.
Und noch eine Bemerkung:
In der vierdimensionalen Raum-Zeit hat alles
und wirklich alles ein und dieselbe
Geschwindigkeit, naemlich
Lichtgeschwindigkeit. Jenachdem, wie gross
der reumliche Anteil dieser Geschwindigkeit
ist, so hoch ist die fuer uns die
beobachtbare Geschwindigkeit. „Normale“
Koerper, fuer uns in Ruhe, haben keine
raeumliche Komponente ihrer Geschwindigkeit,
nur eine zeitliche. Damit ist ganz einfach
der Lauf der Zeit gemeint. Koerper in Ruhe
bewegen sich also mit Lichtgeschwindigkeit
durch die Zeitdimension.
MEB