Muß mal was loswerden

Hallo Ihr,

zuerst mal Folgendes: Ich bin kein Nazi, Rassist oder Ähnliches. Ich verabscheue jede Art von nazionalsozialistischem Denken. Der Holokaust war mit Abstand das schrecklichste Verbrechen, daß jemals von Menschen verbrochen wurde.
Nur, warum um Gottes Willen soll ich mich dafür in irgend einer Weise verantwortlich fühlen??
Der Krieg ist nun seit über 50 Jahren Geschichte. Dinge die evtl. mein Urgroßvater oder sonstewer verbrochen hat, gehen mir auf gut Deutsch am A… vorbei.
Deutschland hat die Pflicht…blah, blah, blah, weil…blah, blah, blah…
Ich weise jede Verantwortung von mir und will auch nicht mehr in irgendeiner Weise mit den Kriegsgeschehen in Verbindung gebracht werden.
Ich finde man sollte sich auf Gegenwart und Zukunft konzentrieren. Dort gibt es genug zum Nachdenken und vor Allem zum Handeln.
Was geht zum Beispiel im nahen Osten ab??? Dort darf man sich scheinbar die Rübe ungestraft einschlagen. Ich habe langsam das Gefühl, dort will man sowieso keinen Frieden, die Dinge über die dort verhandelt wird, sind in vieler Menschen Augen einfach nur blödsinnig. Ich verstehe es nicht, warum es dort nicht langsam zu einer Lösung kommt. Wenn ich dann die fanatischen Vollidioten in den Nachrichten sehe, wird mir ganz übel. Der Hass in den Augen, von dem die Meisten gar nicht wissen woher er kommt. Viele Mitläufer die sich denken, naja, da schlagen wir mal drauf, wird schon den Richtigen treffen…KOTZ, scheiss Fanatismus.
Naja, ich beruhige mich mal wieder. Eigentlich wollte ich nur sagen, daß es sicherlich wichtigere Dinge gibt als den Holokaust, denn der ist lange vorbei!

Gruß INDY

Los, zerreisst mich, ich freue mich, bringen wird es also eh nix!

Er ist eben nicht vorbei,denn es gibt noch Überlebende und es gibt Familien,deren Frieden und Seelenheil auf Generationen zerstört ist.
Die Diskussion über kollektive Schuld und daß es eben nicht vorbei ist,auch wenn Täter und Opfer tot sind überlass ich mal lieber anderen.
Mina

Hallo Indy,
Du sprichst mir aus der Seele. Was damals passiert ist war schlimm. Alles wo Menschen zu schaden kommen ist schlimm. Aber für mich ist es Geschichte, ich kann es nicht ungeschehen machen dadurch, daß ich mit schlechtem Gewissen lebe und mich bis an mein Lebensende schäme. Ich lasse mir von niemandem Verantwortung einreden für Taten die geschehen sind als selbst mein Vater noch ein Kind war.
Aufarbeiten und lernen aus der Geschichte ist sicher wichtig, aber das ist für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit.
Tschüß
Merit

Hallo Indy und Merit,

selbstverständlich seid Ihr nicht verantwortlich für Dinge, die lange vor Eurer Geburt geschehen sind - Ihr nicht und ich auch nicht. Aber wir haben Verantwortung für die Gegenwart, oder? Z.B. dann, wenn die geistigen Nachfahren der Nazis meinen, sie seien langsam mal wieder dran (darum geht´s nämlich m.E. bei der Diskussion weiter unten).
Und außerdem ist das nun mal unsere Geschichte, unser „Erbe“, und das sollten wir schon annehmen… Aber niemand verlangt, dass Ihr Euch schuldig fühlen sollt.
BTW ist das, was gerade im Nahen Osten passiert, nicht zuletzt eine Folge unserer Geschichte.

Freundliche Grüße
Susanne

hallo, Susanne,
BTW ist das, was gerade im Nahen Osten passiert, nicht zuletzt
eine Folge unserer Geschichte.

Die Logik musst Du mir mal näher erklären.
Grüße
Raimund

hallo, Susanne,
BTW ist das, was gerade im Nahen Osten passiert, nicht zuletzt
eine Folge unserer Geschichte.

Die Logik musst Du mir mal näher erklären.

Hallo Raimund,

ich meinte: Hätte man die Juden dort, wo sie lebten, in Frieden leben gelassen, wäre es nicht notwendig gewesen, nach dem Krieg ziemlich übereilt einen Staat Israel quasi „aus dem Boden zu stampfen“.

Gruß
Susanne

Hi Indy,

Nur, warum um Gottes Willen soll ich mich dafür in irgend
einer Weise verantwortlich fühlen??

Ich habe das in Amerika erlebt, dass mich Leute förmlich ansprangen und mir vorhielten: „Hitler war Österreicher!“ Na und? Kann ich was dafür?

Ich finde man sollte sich auf Gegenwart und Zukunft
konzentrieren. Dort gibt es genug zum Nachdenken und vor Allem
zum Handeln.

Das stimmt, allerdings wird dieses Heute oft erst aus dem Gestern verständlich - Neonazis können nur anhand von Altnazis beurteilt werden.

Los, zerreisst mich, ich freue mich, bringen wird es also eh
nix!

Nanana, du bist vielleicht vergnügungssüchtig :smile:))
allerdings, so sehr vorbei ist der Holocaust auch wieder nicht, wenn ich mit meiner Nachbarin rede, die jetzt Mitte 70 ist und das Ganze voll mitbekommen hat. Solange Menschen leben die da als Opfer oder Täter aktiv drinnenhingen ist nichts vorbei. Und die Erinnerungen einer Generation werden ja an die Nächste weitergegeben.
gruß,
bb

Hallo Barbara,

Ich habe das in Amerika erlebt, dass mich Leute förmlich
ansprangen und mir vorhielten: „Hitler war Österreicher!“ Na
und? Kann ich was dafür?

Ich habe da andere Erlebnisse gehabt. War 1 1/2 Jahre in der Nähe von Boston, hab’ dort gearbeitet. Keiner, wirklich keiner der Leute, die wir kennen gelernt hatten - Kollegen, Nachbarn, Kaufhaus, Restaurant usw. hat auch nur das geringste Negative über die Deutschen gesagt. Die Filme über die blöden deutschen Soldaten, die sich tollpatschig im Krieg bewegen, nannten sie „stupid!“ Nur ein einziges Mal, sagte mir eine Verkäuferin „Get away! I don’t like Germans!“ Bin gegangen, hätte ja was über Indianer erzählen können …

allerdings, so sehr vorbei ist der Holocaust auch wieder
nicht, wenn ich mit meiner Nachbarin rede, die jetzt Mitte 70
ist und das Ganze voll mitbekommen hat.

Oder die 80jährige, die immer noch vom BDM erzählt, selbstverständlich an Gott glaubt und, ohne es böse zu meinen - sagt, dass der und der Nachbar ein Jude ist.

Solange Menschen leben
die da als Opfer oder Täter aktiv drinnenhingen ist nichts
vorbei. Und die Erinnerungen einer Generation werden ja an die
Nächste weitergegeben.

Erinnert mich an einen Spruch von Churchill: „Große Reiche sterben langsam.“ „Große“ Ideen/Ideologien auch.

Gruss, Stucki

Hallo Susanne,

ich meinte: Hätte man die Juden dort, wo sie lebten, in
Frieden leben gelassen, wäre es nicht notwendig gewesen, nach
dem Krieg ziemlich übereilt einen Staat Israel quasi „aus dem
Boden zu stampfen“.

Das war nur eine Beschleunigung. Die Idee, einen jüdischen Staat zu gründen, gab’s schon im 19. Jhdt. Ja, es gab sogar Ideen, das die Sprache dieses Staates Deutsch sein sollte (!), da die meisten der Betreiber, osteuropäische Juden, voll in der deutschen Kulturtradition verankert waren. Nach Ausschwitz war das natürlich kein Thema mehr.
Die Auffassung, dass der Holocaust für heutige Verhältnisse verantwortlich ist, ist meines Wissens auch historisch/wissenschaftlich widerlegt worden.
Wenn damals überhaupt jemand die Wurzeln für heutige Konflikte gelegt hat, waren es die Engländer und Franzosen mit dem Sykes-Pecot-Abkommen (???, hab den genauen Namen vergessen), dass den Arabern heute noch als tiefer Stachel im Fleisch sitzt, da sie - nach ihrer Auffassung - betrogen wurden.
Gruss, Stucki

Lange nachgedacht…
Hi Indy!

zuerst mal Folgendes: Ich bin kein Nazi, Rassist oder
Ähnliches. Ich verabscheue jede Art von
nazionalsozialistischem Denken. Der Holokaust war mit Abstand
das schrecklichste Verbrechen, daß jemals von Menschen
verbrochen wurde.

Zumindest gehört es zu den Top 5…

Nur, warum um Gottes Willen soll ich mich dafür in irgend
einer Weise verantwortlich fühlen??

Dafür nicht!

Der Krieg ist nun seit über 50 Jahren Geschichte. Dinge die
evtl. mein Urgroßvater oder sonstewer verbrochen hat, gehen
mir auf gut Deutsch am A… vorbei.
Deutschland hat die Pflicht…blah, blah, blah,
weil…blah, blah, blah…
Ich weise jede Verantwortung von mir und will auch nicht mehr
in irgendeiner Weise mit den Kriegsgeschehen in Verbindung
gebracht werden.
Ich finde man sollte sich auf Gegenwart und Zukunft
konzentrieren. Dort gibt es genug zum Nachdenken und vor Allem
zum Handeln.

Hmmm - ich gehe jetzt mal vollkommen emotional darauf ein. Was zwischen 33 und 45 passiert ist, interessiert mich, lässt mich aber ziemlich kalt (was die Schuldgefühle betrifft!). Leider habe ich niemanden, den ich nach seinen persönlichen Berichten fragen kann - meine Eltern waren 1945 gerade mal sieben, bzw. 11 Jahre alt. Allerdings hat mich weniger der Krieg als vielmehr die Anfänge dieses Kapitels interessiert…
Als ich (ich glaube, es war 1991) im Urlaub war, hatte ich zur Information nur die berühmte Zeitung mit den vier Buchstaben. Und als ich damals las, was in Hoyerswerda geschah (mit den entsprechenden Bildern) - dass die Leute Beifall klatschten, die Polizei zusah, etc., kamen mir einfach nur die Tränen!
Spätestens hier wurde mir klar, dass ich zwar für unsere Vergangenheit keine Verantwortung übernehmen kann, sehr wohl allerdings alles versuchen muss, um eine Wiederholung zu vermeiden!!!

Ich weiß nicht, ob es hier jemanden interessiert, aber ich wollte auf Dein Posting antworten…

Grüße
Guido

Hallo Indy,

grosse Verbrechen vergehen nicht einfach indem die Zeit ihre Arbeit macht. Sie hinterlassen Spuren bei Opfer wie bei den Tätern. So sehe ich hier an vielen Beiträgen, dass die Zeit eben nicht vorbei ist, da sie nie angemessen aufgearbeitet wurde.

Lies doch nur die vielen Beiträgen inden es den Personen wichtig ist, jegliche Schuld abzuwehren. Warum? Nicht etwa weil sie schuldig sind, sondern weil sie sich so fühlen. Diese Gefühle müssen wir ernst nehmen, sonst kommt es dazu, dass sich wiederum alles anstaut und irgendwann aus den Leuten hervorbricht.

Ich würde mir wünschen, wenn wir Deutschen diesen Teil unserer Geschichte endlich so ernstnehmen und begreifen, dass er sehr wohl etwas mit uns allen zu tun hat.
Viele Barbaren begründen hier Handeln als Folge dieser Zeit und hiergegen können wir nur etwas sinnvoll tun, indem wir uns selbst stellen und das Weiterleben dieser Zeit in uns erkennen.

Schalom,
Eli

PS. Bevor mich jetzt jemand angreift, ich möchte auch damit niemand für schuldig erklären.

Hi Guido,

Ich finde man sollte sich auf Gegenwart und Zukunft
konzentrieren. Dort gibt es genug zum Nachdenken und vor Allem
zum Handeln.

Leider ja …

.

Und als ich damals las, was in Hoyerswerda geschah (mit den
entsprechenden Bildern) - dass die Leute Beifall klatschten,
die Polizei zusah, etc., kamen mir einfach nur die Tränen!
Spätestens hier wurde mir klar, dass ich zwar für unsere
Vergangenheit keine Verantwortung übernehmen kann, sehr wohl
allerdings alles versuchen muss, um eine Wiederholung zu
vermeiden!!!

Mir ging es so ähnlich, als Saddam Hussein 1991 Israel beschießen ließ und eine ganz liebe, nette, fromme, empfindsame alte Tante von mir Hände reibend ausrief: „Oioioi, da wird jetzt Wai geschrieen bei jedem Bömbchen!“ Mir fiel echt die Lade runter.Da hat es mich dann gar nicht mehr gewundert, als sie mir erzählte, dass die Juden auch heute noch kleine Christen schlachten („natürlich heimlich“) und dass gewisse arbeitsscheue Subjekte, die lieber handeln als arbeiten, es sich ein paar Jahre im KZ bequem gemacht hätten, wo es längst nicht so schlimm war wie behauptet, um nachher Riesenforderungen an Schadenersatz zu stellen. Ich hab damals echt nur mehr einen großen kalten Klumpen dort gespürt, wo sonst das Herz sitzt. Und ich hab diese Tante von da an nicht mehr gemocht. Das Schlimmste war für mich, dass die absolut kein alter BDM-Dragoner ist, sondern wenn du sie siehst würdest du denken: Was für eine entzückende alte Dame!

gruß,
bb

Hi Eli,

grosse Verbrechen vergehen nicht einfach indem die Zeit ihre
Arbeit macht. Sie hinterlassen Spuren bei Opfer wie bei den
Tätern.

So auch zu sehen bei den australischen Aborigines, den amerikanischen Indianer, den Indigenas, an Hand des irischen Konflikts, auf dem Balkan … leider eine lange Liste.

So sehe ich hier an vielen Beiträgen, dass die Zeit

eben nicht vorbei ist, da sie nie angemessen aufgearbeitet
wurde.

Aber wie könnte man so etwas angemessen aufarbeiten?

Lies doch nur die vielen Beiträgen inden es den Personen
wichtig ist, jegliche Schuld abzuwehren. Warum? Nicht etwa
weil sie schuldig sind, sondern weil sie sich so fühlen. Diese
Gefühle müssen wir ernst nehmen, sonst kommt es dazu, dass
sich wiederum alles anstaut und irgendwann aus den Leuten
hervorbricht.

Da kann ich dir nicht ganz folgen. Ich weiß nur, dass es mich ärgert, wenn ich für irgendetwas angeklagt werde, das gar nichts mit mir zu tun hat, auf welchem Gebiet auch immer. Anderen geht es wohl auch so. Meinst du, dass sich da Groll staut, der einmal hervorbrechen könnte?

Ich würde mir wünschen, wenn wir Deutschen diesen Teil unserer
Geschichte endlich so ernstnehmen und begreifen, dass er sehr
wohl etwas mit uns allen zu tun hat.
Viele Barbaren begründen hier Handeln als Folge dieser Zeit
und hiergegen können wir nur etwas sinnvoll tun, indem wir uns
selbst stellen und das Weiterleben dieser Zeit in uns
erkennen.

Jede vergangene Zeit lebt in uns weiter. Ich sehe das z.B. deutlich daran, wie religiöse Vorstellungen die Menschen prägen, noch lange, nachdem sogar die Kirche sie über Bord geworfen hat. Ich denke, man müsste dort ansetzen, wo diese Vorstellungen JETZT aktiv sind, z.B. bei den Internet-Nazis. Das ist unsere Zeit und unsere Verantwortung. Ist das ein konstruktiver Vorschlag?
gruß,
bb