Liebe ExpertInnen,
gestern stolperte ich über eine „gefahrvolle Reise“ - da fremdelt das Ohr, vielleicht ist das eine alte Form von gefährlich, eine Reise voller Gefahren kann ich mir aber grade noch vorstellen. Heute morgen allerdings fand ich einen „streitvollen Bürgermeister“, und da frage ich mich schon, ob es den gibt. Streitbar und streitlustig sind Eigenschaften, die mir keineswegs fremd sind, aber was bedeutet streitvoll? Wer weiß was?
Damke für jede Antwort!
Hallo, Ralf,
bei „gefahrvoll“ ist Misstrauen unbegründet; es ist eine gute alte Variante zu „gefährlich“.
„streitvoll“ dagegen findet sich nicht im Wörterbuch, noch nicht, um vorsichtig zu sein. Denn es ist ein nach der Regel gebildetes Adjektiv: Nomen + Suffix „-voll“. Solche kann man ad hoc bei Bedarf bilden, sie sind meist unmittelbar verständlich und bieten im Prinzip kein Problem.
Ob sie allerdings Eingang in den Sprachschatz finden, ist offen; das hängt davon ab, ob die Sprachgemeinde es annimmt. Tut sie das und die Neubildung wird in einigen maßgeblichen Publikationsorganen häufiger gebraucht, so schafft sie auch die Nobilisierung und kommt in den Gothaer … nein, in den Duden.
Da „streitsüchtig, streitlustig“ bereits vorhanden sind, räume ich dem „streitvoll“ keine große Zukunft ein. Es wird die Eintagsfliege eines Journalisten oder Politikers (?) bleiben.
Ich würde diese Form allerdings als hochwertiger betrachten als die: „voll gut, voll krass, voll voll“!
Beste Grüße
Fritz
Guten Morgen, Fritz,
…es ist ein nach der Regel gebildetes Adjektiv: Nomen + Suffix „-:voll“. Solche kann man
ad hoc bei Bedarf bilden, sie sind meist unmittelbar
verständlich und bieten im Prinzip kein Problem.
Erlauben die Regeln denn völlig sinnfreie Wortbildungen? Ich kann mir nun mal unter einem streitvollen Menschen nichts vorstellen. Manchmal ist ja das Gegenteil hilfreich, aber mit streitleer wird’s nicht sinniger…
Ich würde diese Form allerdings als hochwertiger betrachten
als die: „voll gut, voll krass, voll voll“!
Da stimme ich dir zu, nur wird uns keiner fragen, was wir als hochwertiger betrachten. Sprache wird nun mal vom Gebrauch geprägt; Vorbilder gibt’s keine mehr, und wer schüchtern auf krumme Formen hinweist, gilt gleich als altbacken.
Gruß Ralf
Guten Morgen auch dir!
Erlauben die Regeln denn völlig sinnfreie Wortbildungen?
Da muss ich mit Radio Eriwan antworten: Im Prinzip, ja! Und wenn man solchen nicht widerspricht und sie meidet, gelangen sie sogar in den allgemeinen Wortschatz, wie etwa „rückhaltslos“ - wars nicht irgendein Ministerpräsident, der „rückhaltslose Aufklärung“ eines Skandals versprach? -, was kompletter Quatsch ist. Er meinte „rücksichtslos“, aber alle Zeitungen haben seinen Nonsens nachgeplappert.
„rückhatslos“ meint doch: jemand hat keinen Rückhalt, keinen festen Standpunkt, keine Unterstützung, kein Rückgrat.
Ich kann mir nun mal unter einem streitvollen Menschen nichts
vorstellen.
Mir geht es ebenso. Für mich wäre die Bedeutung: ein Mensch, der sich mit sich selbst im Widerstreit befindet, denkbar.
Da stimme ich dir zu, nur wird uns keiner fragen, was wir als
hochwertiger betrachten.
A commen lament!
Sprache wird nun mal vom Gebrauch geprägt;
Darum ist sie auch so abgenutzt!
Vorbilder gibt’s keine mehr, und wer schüchtern auf krumme Formen hinweist, gilt gleich als altbacken.
Das Schiksal aller „Besserwisser“!
Gruß Fritz
1 „Gefällt mir“