Mutige frage

hallo an alle mit- bzw. in diesem fall hoffentlich besserwisser!

mir ist letztens aufgefallen, daß man zwar m u tig, aber hoch-, über-, schwer- oder wankelm ü tig ist.

wenn ich so recht überlege, ist es bei bl u tig vs. kalt- oder warmbl ü tig das gleiche phänomen.

wer hat eine erklärung parat?

Hallo, gyuri,

mir ist letztens aufgefallen, daß man zwar m u tig, aber
hoch-, über-, schwer- oder wankelm ü tig ist.

wenn ich so recht überlege, ist es bei bl u tig vs. kalt-
oder warmbl ü tig das gleiche phänomen.

wer hat eine erklärung parat?

Grimm, wie so oft :wink:

Ein Auszug aus dem Artikel zu MUTIG (Hervorhebungen durch mich):

…neben diesem adj. gesteigerten begriffs erscheint aber auch nach der einfachen bedeutung seines subst. ein ahd. muotag, muotig in zusammensetzungen wie ebenmôtig… einmuotig, …, langmuotig, longanimis u. a. …, die bildungen mit -muoti (ebanmuoti, einmuoti u. a.) neben sich haben;
letztere in mhd. -müete, fortgesetzt und hier recht gewöhnlich … . das mit der ableitungssilbe ursprünglich -ag gebildete adjectiv entzog sich dem umlaut, wenn für sich stehend; in zusammensetzungen aber nahm es, veranlaszt durch die gleichbedeutenden bildungen mit mhd. -müete, denselben an und so zeigt sich ein diemüetec neben diemüete, demütig, einmüetec neben einmüete, …,
eine umlautsbildung, die dann gewöhnlich im nhd. fortdauert, wenn in den zusammensetzungen das adj. den einfachen sinn des subst. mut zeigt; während unumgelautetes mutig steht, wenn die zusammensetzungen auf dem grunde der gesteigerten bedeutung von mutig (unten 2, b) ruhen: daher grosz-, klein-, einmütig, helden-, hoch-, übermütig, aber todesmutig, schlachtenmutig, …

http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Siehe auch

BLÜTIG, ahd. pluotîc, mhd. blüetec, vom vorausgehenden blutig unterschieden wie mütig von mutig (ahd. muotac von muotîc) und ähnliche bildungen mehr, kommt aber nur in der zusammensetzung vor: vollblütig, der viel blut hat, kaltblütig,…
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Gruß
Kreszenz

danke!

aber da steht eigentlich nicht viel mehr, als daß es eben so ist. wie es genau dazu kommt, ist da auch nicht wirklich ersichtlich. irgendeine logik dahinter?

Hallo, gyuri,

aber da steht eigentlich nicht viel mehr, als daß es eben so
ist. wie es genau dazu kommt, ist da auch nicht wirklich
ersichtlich. irgendeine logik dahinter?

Benecke weist auf einen Übergang der mit muote/müete gebildeten weiblichen Substantive in die i-Deklination hin:

" muote/müete adj. … dieses adj., auch mit der vorsilbe ki, war im ahd. sehr gewöhnlich und wurde mit vielen andern wörtern zusammengesetzt. aus diesen adjj. wurden alsdann weibliche substantiva auf î gebildet (daher noch: d i e wehmuth, grossmuth u. a.); so entstanden aus fastmuoti, diemuoti, …u. a. die substantiva diu fastmuotî, diemuotî, …u. a… . schon im mhd. und noch mehr im nhd. ward der ableitungsvocal abgeschnitten (z. b. diu diemuot, …) und so meistens auch der umlaut gestört, und ein übergang in die i – declination (diemuot, gen. diemüete) veranlasst (vgl. nhd.: sanftmüthig, aber: anmuthig)…"
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Ob daraus eine klare Regelmäßigkeit abzuleiten ist, vermag ich nicht zu sagen - zumal beim Wort „Mut“ (und dessen Ableitungen) offenbar von Anfang an zahlreiche Parallelformen und -bedeutungen existieren,
z. B. mæd-ag, mæd-ig (altsächsisch) *muotÆg (ahd.), muodig (anfrk.), mædich (mnd.) http://72.14.221.104/search?q=cache:warHq4g8CFwJ:www… ,

siehe auch
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

Gruß
Kreszenz

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danke schön, ist jedenfalls sehr interessant!

Lieber/liebe gyuri,

ohne großes Wörterbuchwälzen und ethymologisches Forschen sehe ich folgende Logik dahinter:

„…mütig“ bezieht sich i.d.R. doch auf den Zustand des GEMÜTS, welches eben kalt-, hoch-, schwer- oder übermütig ist.

„mutig“ dagegen bezieht sich nicht ausschließlich auf einen Gemütszustand (obwohl dann letztenendes doch, weil das mutige einer Handlung ja immer von einem Menschen ausgeht), sondern auf eine Handlung oder einen anderen Gegenstand, also z.B. auch deine mutige Frage.

Ähnlich verhält es sich bei „…blütig“: das bezieht sich (metaphorisch) auf den Zustand des Blutes, veraltet auch Geblüt, und da kann man kalt-, hitz- und sonstwasblütig sein.

„Blutig“ dagegen beschreibt Gegenstände/Umstände, die sozusagen im Wortsinne mit Blut beschmiert, benetzt, getränkt, was auch immer sind: eine blutige Schlacht, ein blutiges Hemd, etc.

Weshalb es dann allerdings „todesmutig“ statt „todesmütig“ heißt, bliebe wohl zu diskutieren :smile:

Soweit meine Gedanken dazu, insgesamt vermute ich, es hat sich „halt“ so eingebürgert, das ü in diesem und das u im anderen Zusammenhang zu verwenden!

asutorito