Hallo,
ich arbeite in einer Eltern-Kind-Kurklinik, allerdings sind die Mütter bzw. Väter nur drei Wochen bei uns, daher kann ich dir nur wenig zu deiner Frage schreiben.
Bei uns ist es so, dass es vier altersgestaffelte Gruppen gibt, in denen es täglich verschiedene Angebote für die Kinder gibt.
Auch haben wir einen großen, schönen Außenbereich.
I.d.R. „dürfte“ es den Kindern nicht langweilig werden. Es gibt allerdings immer mal wieder Kinder, die zu Hause nichts anderes machen als vor dem Fernseher und dem Computer zu sitzen. Die können mit Natur nichts anfangen, sind nicht in der Lage, sich eigenständig zu beschäftigen und verweigern die Teilnahme an jeglichen kreativen Angeboten. Denen ist bei uns langweilig…
Jede Kurklinik arbeitet anders, daher lassen sich Erfahrungswerte eh nicht übertragen. Fakt ist jedoch, dass die Krankenkassen sparen, wo sie nur können, und somit unter den Kurkliniken eine große Konkurrenz herrscht. Somit wird sich jede Kurklinik darum bemühen, nicht nur den Eltern ein gutes Therapie-Angebot zu bieten, sondern auch den Kindern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
(Eine Mutter kann sich nur dann gut erholen, wenn sie ihre Kinder gut aufgehoben weiß und diese sich wohl fühlen.)
Ich empfehle dir, falls du es noch nicht getan hast, mal nachzuschauen, ob die eine Homepage haben, sicher schreiben sie dort auch etwas über die Kinderbetreuung.
Warum ich dir allerdings schreibe, ist, dass ich auf einen bestimmten Punkt deines postings eingehen möchte:
Sie hat Ihnen erzählt das es ein Urlaub ist.
Meine Erfahrung ist, dass es häufig zu Schwierigkeiten kommt, wenn den Kindern erzählt wird, dass sie Urlaub machen.
Urlaub bedeutet für sie (aus der Erfahrung heraus) meist, viel Zeit mit der Mama zu verbringen. Wenig Regeln zu haben, viel zu unternehmen, viel zu erleben. V.a. auch, dass es nur die Mutter ist, die ihnen was zu sagen hat.
Plötzlich kommen sie in eine Gruppe, womöglich noch mit Anwesenheitspflicht, in der es Regeln gibt, an die sie sich zu halten haben, in denen es Erzieherinnen gibt, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, in denen viele andere Kinder sind.
Nix mit „viel Zeit mit der Mama, viele Unternehmungen, viel Freizeit“.
Dass die Kinder dann frustriert und enttäuscht sind und sich allem verweigern, finde ich verständlich.
(Für mich als Erzieherin allerdings sehr anstrengend.)
Daher fände ich es gut, wenn sich deine Schwester näher informiert, wie die Kinderbetreuung dort abläuft und offen mit ihren Kindern darüber spricht, dass es eine Kur ist.
Auch nehme ich durch deine Zeilen an, dass die Kinder nichts von der Sucht ihrer Mutter wissen?!?
Klar, würde ich verstehen, wenn sie darüber mit ihren Kindern noch nicht gesprochen hat.
Die Kinder sind jedoch in einem Alter, in dem sie lesen und reden können. D.h., sie werden zwangsläufig mitbekommen, dass sie in einer Kurklinik sind und zwar in einer Suchtklinik.
Was will deine Schwester den Kindern denn erzählen, wenn diese mitbekommen, dass sie Urlaub in einer Suchtklinik machen??
Das sollte sie sich nochmal gut überlegen!
Alles Gute für deine Schwester und viel Spaß den Kindern,
Grüße,
jeanne