Mutter-kind-kur

Guten Tag,

meine Schwester (alleinerziehend) wird in Kürze zu einer Mutter-Kind-Suchtkur in Schlereuth im Bayrischen Wald gehen.

Die 3 Kinder sind 7,8 und 11 Jahre alt.

Die Kur wird ca. 4 Monate dauern habe ich gelesen
und die Kinder sollen in dieser Zeit eine andere Schule besuchen.

Kann mir jemand berichten wie das aus der Sicht euerer Kinder war? Haben die sich dort wohl gefühlt? War es langweilig? Sie hat Ihnen erzählt das es ein Urlaub ist.

Wir haben meiner Schwester angeboten die Kinder in diesem Zeitraum zu versorgen, was Sie jedoch ablehnt, da Sie meint nicht so lange von Ihren Kindern getrennt bleiben zu können.

Würd mich sehr über Erfahrungsberichte freuen.

Hallo,

ich arbeite in einer Eltern-Kind-Kurklinik, allerdings sind die Mütter bzw. Väter nur drei Wochen bei uns, daher kann ich dir nur wenig zu deiner Frage schreiben.

Bei uns ist es so, dass es vier altersgestaffelte Gruppen gibt, in denen es täglich verschiedene Angebote für die Kinder gibt.
Auch haben wir einen großen, schönen Außenbereich.

I.d.R. „dürfte“ es den Kindern nicht langweilig werden. Es gibt allerdings immer mal wieder Kinder, die zu Hause nichts anderes machen als vor dem Fernseher und dem Computer zu sitzen. Die können mit Natur nichts anfangen, sind nicht in der Lage, sich eigenständig zu beschäftigen und verweigern die Teilnahme an jeglichen kreativen Angeboten. Denen ist bei uns langweilig…

Jede Kurklinik arbeitet anders, daher lassen sich Erfahrungswerte eh nicht übertragen. Fakt ist jedoch, dass die Krankenkassen sparen, wo sie nur können, und somit unter den Kurkliniken eine große Konkurrenz herrscht. Somit wird sich jede Kurklinik darum bemühen, nicht nur den Eltern ein gutes Therapie-Angebot zu bieten, sondern auch den Kindern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
(Eine Mutter kann sich nur dann gut erholen, wenn sie ihre Kinder gut aufgehoben weiß und diese sich wohl fühlen.)

Ich empfehle dir, falls du es noch nicht getan hast, mal nachzuschauen, ob die eine Homepage haben, sicher schreiben sie dort auch etwas über die Kinderbetreuung.

Warum ich dir allerdings schreibe, ist, dass ich auf einen bestimmten Punkt deines postings eingehen möchte:

Sie hat Ihnen erzählt das es ein Urlaub ist.

Meine Erfahrung ist, dass es häufig zu Schwierigkeiten kommt, wenn den Kindern erzählt wird, dass sie Urlaub machen.
Urlaub bedeutet für sie (aus der Erfahrung heraus) meist, viel Zeit mit der Mama zu verbringen. Wenig Regeln zu haben, viel zu unternehmen, viel zu erleben. V.a. auch, dass es nur die Mutter ist, die ihnen was zu sagen hat.

Plötzlich kommen sie in eine Gruppe, womöglich noch mit Anwesenheitspflicht, in der es Regeln gibt, an die sie sich zu halten haben, in denen es Erzieherinnen gibt, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, in denen viele andere Kinder sind.
Nix mit „viel Zeit mit der Mama, viele Unternehmungen, viel Freizeit“.
Dass die Kinder dann frustriert und enttäuscht sind und sich allem verweigern, finde ich verständlich.
(Für mich als Erzieherin allerdings sehr anstrengend.)

Daher fände ich es gut, wenn sich deine Schwester näher informiert, wie die Kinderbetreuung dort abläuft und offen mit ihren Kindern darüber spricht, dass es eine Kur ist.

Auch nehme ich durch deine Zeilen an, dass die Kinder nichts von der Sucht ihrer Mutter wissen?!?
Klar, würde ich verstehen, wenn sie darüber mit ihren Kindern noch nicht gesprochen hat.
Die Kinder sind jedoch in einem Alter, in dem sie lesen und reden können. D.h., sie werden zwangsläufig mitbekommen, dass sie in einer Kurklinik sind und zwar in einer Suchtklinik.
Was will deine Schwester den Kindern denn erzählen, wenn diese mitbekommen, dass sie Urlaub in einer Suchtklinik machen??

Das sollte sie sich nochmal gut überlegen!

Alles Gute für deine Schwester und viel Spaß den Kindern,

Grüße,
jeanne

Hallo

Es gibt allerdings immer mal wieder Kinder, die zu Hause nichts anderes machen als vor dem Fernseher und dem Computer zu sitzen. Die können mit Natur nichts anfangen, sind nicht in der Lage, sich eigenständig zu beschäftigen und verweigern die Teilnahme an jeglichen kreativen Angeboten. Denen ist bei uns langweilig…

Ich wollte nur mal anmerken, dass es auch andere Gründe für das von dir beschriebene Verhalten geben kann als dass die Kinder zu Hause nichts anderes machen als vor dem Fernseher sitzen. Kinder, die sich zum Beispiel fremd und einsam fühlen, machen auch nirgendwo mit und können sich nicht alleine beschäftigen. - Oder sagen die Kinder bzw. deren Mütter dir immer ausdrücklich, dass sie nie was anderes machen als Fernsehen und Computer-Spiele, oder kannst du es noch an anderen Dingen festmachen?

Das nur nebenbei, ich finde deinen Beitrag sehr gut, besonders die Sache mit dem ‚Urlaub‘, und dass die Kinder in etwa wissen sollten, worum es dabei geht.

@ feminin: Ich finde eine 4 Monate lange Trennung von der Mutter auch zu lang, jedenfalls für ein 7-jähriges Kind. Und dass die Geschwister zusammenbleiben sollten, ist ja wohl auch klar.

Wie die Kinder es dort finden und wie es ihnen gefällt, hängt sehr stark mit der Persönlichkeit der Erzieherinnen zusammen, und auch der anderen Kinder. Ich denke, das kann man nicht voraussagen.

Viele Grüße

PS
Ich kann mir aber vorstellen, dass so eine Kinderbetreuung wesentlich einfacher, gewinnbringender und angenehmer gestaltet werden kann, wenn die Aufenthalte 4 Monate dauern, als bei diesem üblichen 3-wöchigen Durchgangsverkehr. (Obwohl, für ältere Kinder ist das sicher auch oft sehr schön)

Hallo Simsy Mone,

Natürlich stimme ich mit dir überein, dass es auch Kinder gibt,

die sich zum Beispiel fremd und einsam fühlen,
machen auch nirgendwo mit und können sich nicht alleine
beschäftigen. - :

aber von denen sprach ich nicht.
Ich habe zum Glück das Einfühlungsvermögen, herauszufinden, was die Kinder daran hindert, ins Spiel einzusteigen/ Kontakt zur Gruppe aufnehmen.
Daher ist mir dies bewusst:

Ich wollte nur mal anmerken, dass es auch andere Gründe für
das von dir beschriebene Verhalten geben kann als dass die
Kinder zu Hause nichts anderes machen als vor dem Fernseher
sitzen.

Ich sprach von den Kindern, die rumnöhlen, dass ihnen langweilig ist, die sich nur ganz schwer motivieren lassen. Wenn sie sagen, sie möchten nach hause, und ich frage, was sie denn da so machen nach der Schule, dann sagen sie

ausdrücklich, dass sie nie was anderes machen als
Fernsehen und Computer-Spiele

oder kannst du es noch an anderen Dingen festmachen?

Ich nehme an, dass die Kinder, die im zarten Alter von 4, 5 Jahren jegliches nur erdenkliche Spielzeug umwandeln in eine Pistole und meinen, permanent Krieg spielen zu müssen, definitiv auch zu viel vor Glotze und PC sitzen, aber das ist meine ganz persönliche Interpretation und tut auch nichts zur Sache, denn diesen Kindern ist ja nicht langweilig :wink:

Das nur nebenbei, ich finde deinen Beitrag sehr gut,

danke :smile:)

Viele Grüße zurück,
jeanne

Frage wegen 3-wöchiger Kinderbetreuung
Hallo Jeanne,

mich würde noch interessieren, ob du das bestätigen kannst, dass es für kleinere Kinder (so ca. bis 5 Jahre) oft schwierig ist, sich in einer 3-wöchigen Kinderbetreuung richtig wohl zu fühlen.

Ich dachte, eigentlich dauert es so lange, bis sie richtig eingewöhnt sind, und dann ist ja schon wieder Schluss.

Oder stimmt das (meistens) so nicht?

Viele Grüße

Hallo,

es handelt sich hier ja scheinbar nich um eine Kur, sondern um einen Klinikaufenthalt, zu dem deine Schwester ihre Kids mitnehmen kann.

Ich war mit meinen beiden Mäusen schon 2 x für jeweils ca. ein Vierteljahr in einr psychossomatischen Klinik. Allerdiengs aren die da noch viiiieeel kleiner (3 und 1 bzw. 4 und 2). Es war für die Kinder definitiv besser, dass sie bei mir waren an Stelle (einer noch so lieben) Betreuung zu Hause, da ich ihre Hauptbezugsperson bin. Ich konnte ihnen damals meine osychischen Probleme nicht kindgerecht erklären. allerdings merken sie, dass ich auch sehr stark unter körpelichen Problemem (Schmerzen) leide. Ich hab ihnen erlärt, dass wir in ein „Urlaubshaus“ (Krankenhaus & Klinik ist für die beiden zu negativ besetzt) fahren, wo Mama geholfen wird. Ich hab ihnen auch erzählt, dass sie dort während meinr Therapie in einen Kinderclub gehen. Sie haben es geliebt (auch dank der lieber Erzieherinnen in der Klinik-Kita) und ich habe während meiner therapiefreien Zeit versucht, mit ihnen tolle Sachen zu machen, soweit ich das konnte.

Nun sind deine Neffen (ware doch Jungs,oder?) nun schon viel älter und haben von den Problemen der Mutter sicher auch schon was mitgekriegt. Ich würde ihnen das so erklären, dass Mama Hilfe in einer Klinik braucht und ihre drei Grashüpfer gerne mitnehmen möchte. Ich würde ihnen auch erklären, das sie in eine andere Schule müssen (hoffentlich kein anderes Bundesland?) und das sie dort neue, interessante Erfahrungen machen werden. Und natürlich auch auf ihre Ängste eingehen. Ist ja schließlich nicht einfach, wenn man fremd in eine neue Klasse kommtund all das…

Ach so, mit „ich würde das und das machen“ meine ich, ich als Mutter der Jungs. Das muss sie wirklich selber machen, ich als Mutter hätte jedenfalls ein Riesenproblem damit, wenn meine Schwester it meinen Kindern über meine Krankheit spricht,weil ich am besten einschätzen kann, was sie davon wissen müssen/sollen etc.

Viele liebe Grüße

Felicia