Hallo, Sil,
ich kann und will natürlich keine Ferndiagnose abgeben, ich kann nur
von eigenen Erfahrungen sprechen, und vieles von dem, was ich bei dir
gelesen habe, kommt mir sehr bekannt vor. daher projiziere ich nun
evtl. auch Sachen, die mir zum Thema einfallen, auf die von dir
angesprochene Situation. Also wenn du irgendwo das Gefühl hast, es
treffe nicht auf den Fall zu, dann überlies es einfach 
ich weiß nicht ob man jetzt schon von späteren Ängsten und
Problemen reden kann. Wenn sich nichts ändert wahrscheinlich
schon, aber es wird ja kein Zustand auf alle Ewigkeit sein.
Zugegeben der Zustand geht schon einige Zeit so, aber wie
gesagt, ALLES WIRD GUT - irgendwann
Das ist gut, wenn die Mutter immerhin das Vertrauen hat, dass sich da
noch was ändert. Ich habe es selbst halt nur anders erlebt - mit zwei
Elternteilen, die beide immer nur gelitten haben, und es ist nun
wirklich nicht so, dass das keine Spuren hinterlassen hätte.
dass Kindergarten zum einen fürs
Kind wichtig ist, andererseits es aber immer Thema sein wird
(bald dann die Schule), weil Eltern gehen normalerweise
arbeiten und Kind im KiGA bzw Schule - so ist das nunmal. Kann
sein, dass sich das Kind dann unbewusst vielleicht die Schuld
gibt, nur wie kann man sowas auch verbergen?
Ich glaube, das kann man nicht verbergen, selbst wenn man es gut im
Verbergen ist, funktioniert das den Kindern gegenüber nicht, die
bekommen das Gefühl der Spannung auch mit, ohne dass etwas gesagt
wird.
Es ist halt schwierig.Ich glaube wirklich, das einzige, was hilft,
ist dass die Mutter selbst weniger verzweifelt ist wegen der Arbeit,
sich auch mehr auf Hilfe von außen verlassen kann, usw. Das ist
allerdings leicht gesagt! Wenn sie bis jetzt kaum Hilfe von außen
bekommen hat. Ohne Hilfe hält es kein Mensch aus, schon gar nicht in
einer Situation mit Kind und ohne Arbeit. Trotzdem denke ich, die
Mutter muss sich zuallererst nach Hilfe umschauen, nach Menschen,
denen sie ihr Herz ausschütten kann (es geht schnell, dass das Kind
diese Rolle einnimmt, und das ist zu viel für ein Kind). Wiederum
leicht gesagt, denn solche Menschen sind selten. Ich denke, sie
„erscheinen“ umso weniger, je weniger Vertrauen man darin hat, DASS
sie erscheinen werden.
Und es ist auch klar, dass er in den Kindergarten sollte, da geht
kein Weg vorbei. Fast jedes Kind geht dahin, und es schadet ja auch
keinem, im Gegenteil: eigentlich sollte es doch gut für das Kind
sein, Kontakt zu vielen Altersgenossen zu haben. Fragt sich nun,
warum ihm dort immer übel wird. Ist er auch traurig da oder eher
fröhlich? hat er vielleicht Angst, seine Mutter verlassen zu haben,
oder von seiner Mutter verlassen zu werden? Ich spekuliere wieder
nur, aber mir selbst wurde (und wird) immer dann übel, wenn ich
zuviel Angst habe.
stimmt, aber das merkt das Kind auch ohne dass Mutter davon
erzählt, das sieht es mit eigenen Augen!
Ja, das ist klar! Nicht über Probleme sprechen ist auch beileibe
keine Lösung, im Gegenteil. Nur braucht das Kind irgendwie ein
entlastendes Gefühl, dass es nicht vollkommen alleine für alles (für
sich, für die Mutter) verantwortlich ist.
Es wäre alles
wahrscheinlich etwas leichter, wenn Mutter noch eine Person
hätte, die sich auch etwas um das Kind kümmern würde (Vater,
Oma oder eine Bekannte - ignorantes Verhalten bzw man kennt
nur eigene Probleme), aber da ist niemand und das merkt Kind
natürlich, dass Kind auch nur seine Mama hat.
Ich glaube wirklich, dass die Mutter auch eine Therapie machen
sollte. Keine Ahnung, wieviel das bei ihr hilft, aber sie selbst
scheint ja schonmal ein ungutes Gefühl zu ihrer Famillie zu haben,
die ihr scheinbar vermittelt hat, dass ihr nicht geholfen wird, wenn
sie Hilfe braucht. Auch die Mutter ist überfordert mit dem Gefühl,
für alles allein zuständig zu sein und keine Hilfe erwarten zu
können. Keine Mutter schafft das allein! Nicht umsonst gibt es ja
eigentlich Väter und Großeltern - und diese Mutter hat nichts!
Er weiß dass
Mutter das zusätzlich belastet und sie zu nichts kommt (z.B.
abends noch Bewerbungen schreiben, nachdem es wieder ein
großes Drama mit großen Gefühlsausbrüchen beim Bettgang war
wegen der Angst vor Übelkeit am nächsten Tag im KiGa etc).
Ich erzähl mal wieder von mir selbst: ich hatte zwar keine
Übelkeitsprobleme, aber (mit ca. 5 und 8 Jahren) lange Phasen, in
denen ich nicht schlafen konnte. Ich hatte schlimme Ängste vor jeder
Nacht, und gleichzeitig Angst, jeden Abend wieder zu meiner Mutter in
die Stube angekrochen zu kommen, weil ich sie dann schon wieder mit
meiner Angst belasten musste. Aber alleine, ohne es jemandem
mitzuteilen, kam ich auch nicht klar, und dafür sind Eltern ja
schließlich da.
Das einzige, was half, war, meine Angst loszuwerden mit den Gedanken
„Na und? Dann schlaf ich eben erst spät ein. Was ist daran so
schlimm? Der Körper holt sich schon das, was er braucht, dann schlafe
ich eben mal länger am Wochenende oder so…“
Warum hat das Kind so viel Angst vor der Übelkeit? Wird es im
Kindergarten ausgeschimpft? Tut es ihm körperlich weh? Hat es das
Gefühl, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt, weil ihm übel ist? Oder
könnte er das Thema für sich etwas „bagatellisieren“, nicht ganz so
viele (negative) Gedanken daran verschwenden, denken „dann ist mir
eben übel, na und, ich kenn das ja, ich schaff das schon…“
ja das lernt er aber auch ohne dass Mutter ihm das vermittelt,
Wo? Wie? Von wem?
was die Geborgenheit betrifft - Mutter gibt ihm viel Liebe,
Streicheleinheiten (er schmust auch sehr gern) und sorgt sich,
gute Entwicklung und Gesundheit des Kindes sind wichtig für
Mutter und sie kümmert sich um ihn. Denke also schon dass er
die Geborgenheit bekommt - vielleicht aber zuviel davon,
vielleicht erdrückt sie ihn mit ihrer Liebe…
Das ist sehr gut möglich, sogar wahrscheinlich. Aber auch hier kann
ich wieder nur von mir ausgehen: ich fühlte mich (einerseits)
erdrückt von Umsorgtheit, und hatte so Schuldgefühle, wenn ich meine
Eltern auf Abstand halten musste, da sie „es doch nur gut meinten“.
Andererseits lastete auf mir zu sehr die Verantwortung, für das
Wohlergehen meiner Eltern verantwortlich zu sein, dass ich mich
selber kaum kannte und nicht respektierte. Ich will das nicht weiter
ausführen.
Das Kind braucht nicht nur liebevolle Zuwendung, sondern auch ein
Vorbild, das Vertrauen einflößt - sowohl in das Kind selbst als auch
in „die Welt da draußen“.
Mutter sein ist wirklich eine schwere Aufgabe, das darf sich die
Mutter eingestehen!
Ich kann nun leider nur aus der Sicht der Betroffenen erzählen und
habe natürlich auch keine praktischen Vorschläge. Schade eigentlich,
dass sich hier keiner zu Wort meldet, der darin berufliche Kompetenz
besitzt, denn solche Fälle sind ja nun eigentlich nicht selten!
Viel Glück beim Hilfe finden!
Judith