Mutter - Kind - Probleme

Folgendes:
Mutter gehts nicht gut - keine gute Situation (alleinerziehend, derzeit in Fortbildung, dazu Arbeit suchend, stressiger Alltag)begleitend dazu negative Umstände (Schwester ihr Baby ist gestorben).

Kind gehts auch nicht gut, ständige Angst vor Übelkeit im Kindergarten, weint mit Mutter mit, wenn sie gerade weint, Kind sehr empfindsam.

Ist es möglich, dass die Probleme des Kindes (gerade 6 Jahre alt geworden) auf die negativen Umstände und weil es Mutter nicht so gut geht, zurückzuführen sind (kann die Angst vor Übelkeit im Kindergarten was damit zu tun haben?)? Und kann sich ein Kind von der Mutter sozusagen „anstecken“ ?

Ich wäre nicht nur für Antworten dankbar, sondern auch besonders für Erfahrungswerte, wer sowas schonmal erlebt oder beobachtet hat.

Sil

Hallo,

ja, es ist möglich, dass sich das Befinden der Mutter auf das Kind auswirkt. Wenn es der Mutter über längere Zeit gesundheitlich nicht gut geht, kann das deren Kind schon verunsichern. Die Unsicherheit der Mutter wird sozusagen auf das Kind übertragen. Das soll aber nicht heißen, dass die Mutter die Schuld daran trägt. Wenn sich die Situation nicht verbessert, wäre es hilfreich, psychologische Hilfe heranzuziehen.

Gruß

Stefanie

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hi,

ja, die not der mutter kann auch zur not des kindes werden. besonders, wenn kinder sehen, dass ihre eigenen versorger nicht mehr handlungsfähig sind, kann ein kind in angst geraten, das ist schliesslich existentiell.

weniger dramatisch, aber dennoch stark wirksam ist das sog. „lernen am modell“. dass sich kinder die fähigkeiten der eltern abgucken, weiß man ja, aber das gilt auch für die bewältigung von problemen oder negativen gefühlen. ist eine mutter kaum in der lage, ihre trauer, verzweiflung, überforderung etc. zu überwinden, sieht das ein kind und wird sich sehr wahrscheinlich ebenso verhalten (und dieses grundprinzip auch ins leben mitnehmen, auch wenn das nicht gut ist. die identifikation mit dem verhalten der eltern gibt kindern aber sicherheit!

angst vor übelkeit ist ausdruck eines eigenen symptoms am kind. dahinter wird die befürchtung stecken, falls etwas schlimmes/ unangenehmes passiert, nicht versorgt zu sein oder sich selbst nicht versorgen zu können. das wiederum passt sehr gut zur überforderungssituation und zum verhalten der mutter.

ein kinder- und jugendlichenpsychotherapeut kann hier mithelfen, besseres emotionsmanagement zu erlernen und der mutter diese dinge zu erklären und neue wege mit ihr zu finden

Hallo Stefanie und Alpha,

danke für Eure Antworten. Das Kind ist bereits angemeldet beim Psychologen, der das mal näher hinterfragen soll, nur leider dauert es noch recht lange (Termin erst für März bekommen und das geht schon eine ganze Weile so mit Kind). Das macht noch zusätzlich Sorgen und wenn man nichts machen kann…

An dem was Du geschrieben hast, Alpha kann schon was dran sein. Ein möglicher Grund für seinen Zustand.

Bleibt nun wohl nichts anderes übrig als weiter abzuwarten bis es so weit ist und die Psychologin mit dem Kind redet.

Vielleicht findet sich hier auch noch jemand, der sowas -oder ähnliches- schonmal erfahren oder beobachtet hat.

Vielen Dank & viele Grüße
Sil

Hallo,

es ist schwierig, der Mutter nicht die Schuld zu geben, denn
eigentlich ist sie es, nur kann sie natürlich auch wieder nichts
dafür…
Gerade das wird es dem Kind auch später immer wieder schwer machen,
mit den eigenen Ängsten klarzukommen.

Ich erlaube mir jetzt kein Urteil über die Situation des
beschriebenen Kindes, ich kann nur von einen ähnlichen Fall und
dessen Auswirkungen ausgehen.

Ein Kleinkind fühlt sich grundsätzlich unbewusst schuldig, wenn die
Situation zuhause angespannt ist. Bewusstere Schuldigkeit kommt noch
dazu, wenn das Kind merkt, dass die Probleme der Eltern in manchen
Situationen vielleicht wirklich am Kind liegen (da reicht es auch,
wenn die Mutter nur einmal unter Tränen sagt: „Als Mutter finde ich
eh keinen Job mehr!“ - Schon schiebt sich das Kind die Schuld zu.)
Was sollte es auch anderes tun? Wenn das Kind zuhause vermittelt
bekommt: „Die Welt ist schlimm, das Überleben in ihr schwer, Kinder
sterben, wenigstens du bist noch für mich da“ etc. - dann ist das
eine Mehrfachbelastung für das Kind. In seinem unerfahrenen Zustand
glaubt und hofft es noch, etwas tun zu können, um die Situation zu
verbessern. (Braucht man keinem Erwachsenen sagen, dass das natürlich
unmöglich ist für eine 6jährige.)
Zugleich ist das Kind „einziger Trost“ der Mutter, hat also für sie
dazusein, das Kind lernt nicht unbedingt, seine eigenen Gefühle
wichtig zu nehmen, es kennt das lebenswichtige Gefühl von
grundsätzlicher Geborgenheit nicht.
Die Mutter, die das Kind auffangen sollte, muss nun vom Kind
aufgefangen werden. Die Welt draußen ist zusätzlich eine „schlimme
Welt“, also kann das Kind auch nicht auf Hilfe „von draußen“ hoffen.
Es ist also völlig auf sich allein gestellt. Im Alter von 6 Jahren.

Wie soll es ein Grundvertrauen in Menschen, Situationen, seine Umwelt
haben, wie soll es zuhause das notwendige Gefühl des Umsorgt-werdens
erfahren?

Ich weiß nicht, was genau ein Kinderpsychologe tut, aber ich gehe
davon aus, dass die Tochter spätestens in der Pubertät einige
Probleme mehr erwarten werden, Probleme, Vertrauen in die Umwelt zu
haben, evtl. Überängstlichkeit, kein gesunder Bezug zum Elternhaus,
das Gefühl eines grundsätzlichen Verlassenseins usw. usf.
Das klingt fürchterlich dramatisierend und natürlich spekuliere ich,
was den vorliegenden Fall betrifft.
Allerdings bin ich wirklich der Überzeugung, dass es schadet, wenn
das Kind zu sehr mit den Problemen der Mutter konfrontiert wird, und
das scheint hier der Fall zu sein. Zumal als einziges Elternteil
eines einzigen Kindes muss sich die Mutter einfach selbst verbieten,
zuviel vor dem Kind zu weinen. Wenn sie das nicht kann, dann denke
ich, dass in allererster Linie sie selbst eine Therapie machen
sollte, um halbwegs das Selbstvertrauen zu bekommen, das sie an ihre
Tochter weitergeben muss.

Grüße
Judith

Hallo Judith,

danke für Deine Antwort. Insgesamt klingt es einleuchtend, aber

es ist schwierig, der Mutter nicht die Schuld zu geben, denn
eigentlich ist sie es, nur kann sie natürlich auch wieder
nichts
dafür…
Gerade das wird es dem Kind auch später immer wieder schwer
machen,
mit den eigenen Ängsten klarzukommen.

ich weiß nicht ob man jetzt schon von späteren Ängsten und Problemen reden kann. Wenn sich nichts ändert wahrscheinlich schon, aber es wird ja kein Zustand auf alle Ewigkeit sein. Zugegeben der Zustand geht schon einige Zeit so, aber wie gesagt, ALLES WIRD GUT - irgendwann

Ein Kleinkind fühlt sich grundsätzlich unbewusst schuldig,
wenn die
Situation zuhause angespannt ist. Bewusstere Schuldigkeit
kommt noch
dazu, wenn das Kind merkt, dass die Probleme der Eltern in
manchen
Situationen vielleicht wirklich am Kind liegen (da reicht es
auch,
wenn die Mutter nur einmal unter Tränen sagt: „Als Mutter
finde ich
eh keinen Job mehr!“ - Schon schiebt sich das Kind die Schuld
zu.)

richtig, das Kind weiß, dass Mutter einen Job sucht und Arbeit nunmal ein wichtiges Thema ist. Schon wenn das Kind sagt, ich möchte nicht mehr in den Kindergarten, weil mir da immer schlecht wird, antwortet Mutter natürlich u.a. auch dass sich daran nichts ändern wird, dass Kindergarten zum einen fürs Kind wichtig ist, andererseits es aber immer Thema sein wird (bald dann die Schule), weil Eltern gehen normalerweise arbeiten und Kind im KiGA bzw Schule - so ist das nunmal. Kann sein, dass sich das Kind dann unbewusst vielleicht die Schuld gibt, nur wie kann man sowas auch verbergen? Es lässt sich doch nicht verbergen. Er möchte bald mal in Urlaub, möchte umziehen, möchte dieses und jenes - darauf bekommt er dann halt auch diese Antwort, dass man Geld verdienen muss und man dazu eine Arbeit braucht.

Was sollte es auch anderes tun? Wenn das Kind zuhause
vermittelt
bekommt: „Die Welt ist schlimm, das Überleben in ihr schwer,
Kinder
sterben, wenigstens du bist noch für mich da“ etc. - dann ist
das
eine Mehrfachbelastung für das Kind.

stimmt, aber das merkt das Kind auch ohne dass Mutter davon erzählt, das sieht es mit eigenen Augen! Es wäre alles wahrscheinlich etwas leichter, wenn Mutter noch eine Person hätte, die sich auch etwas um das Kind kümmern würde (Vater, Oma oder eine Bekannte - ignorantes Verhalten bzw man kennt nur eigene Probleme), aber da ist niemand und das merkt Kind natürlich, dass Kind auch nur seine Mama hat.

In seinem unerfahrenen

Zustand
glaubt und hofft es noch, etwas tun zu können, um die
Situation zu
verbessern. (Braucht man keinem Erwachsenen sagen, dass das
natürlich
unmöglich ist für eine 6jährige.)

es ist ein Junge. Wenn es so wäre, dass Kind denken würde, er müsse der Mama helfen oder unterstützen, würde er ja nicht täglich von der Angst vor Übelkeit berichten. Er weiß dass Mutter das zusätzlich belastet und sie zu nichts kommt (z.B. abends noch Bewerbungen schreiben, nachdem es wieder ein großes Drama mit großen Gefühlsausbrüchen beim Bettgang war wegen der Angst vor Übelkeit am nächsten Tag im KiGa etc).

Zugleich ist das Kind „einziger Trost“ der Mutter, hat also
für sie
dazusein, das Kind lernt nicht unbedingt, seine eigenen
Gefühle
wichtig zu nehmen, es kennt das lebenswichtige Gefühl von
grundsätzlicher Geborgenheit nicht.
Die Mutter, die das Kind auffangen sollte, muss nun vom Kind
aufgefangen werden.

Die Welt draußen ist zusätzlich eine
„schlimme
Welt“, also kann das Kind auch nicht auf Hilfe „von draußen“
hoffen.

ja das lernt er aber auch ohne dass Mutter ihm das vermittelt, es gab noch keine Probleme da sagte er schon zu Bekannten am Esstisch, nachdem die ihn (aus)fragten, „nein, ich habe nur meine Mama“

was die Geborgenheit betrifft - Mutter gibt ihm viel Liebe, Streicheleinheiten (er schmust auch sehr gern) und sorgt sich, gute Entwicklung und Gesundheit des Kindes sind wichtig für Mutter und sie kümmert sich um ihn. Denke also schon dass er die Geborgenheit bekommt - vielleicht aber zuviel davon, vielleicht erdrückt sie ihn mit ihrer Liebe…

Allerdings bin ich wirklich der Überzeugung, dass es schadet,
wenn
das Kind zu sehr mit den Problemen der Mutter konfrontiert
wird, und
das scheint hier der Fall zu sein. Zumal als einziges
Elternteil
eines einzigen Kindes muss sich die Mutter einfach selbst
verbieten,
zuviel vor dem Kind zu weinen.

ja sie gibt sich Mühe und bessert sich das nicht, wird sie auch jemanden zu Rate ziehen, und mal sehen, was die Psychologin zu dem Ganzen sagt. Es hat schonmal geholfen, ein paar Bedenken hier mitgeteilt bekommen zu haben, da wird sie vielleicht nochmal drüber nachdenken und reflektieren können.

viele Grüße
Sil

Hallo, Sil,

ich kann und will natürlich keine Ferndiagnose abgeben, ich kann nur
von eigenen Erfahrungen sprechen, und vieles von dem, was ich bei dir
gelesen habe, kommt mir sehr bekannt vor. daher projiziere ich nun
evtl. auch Sachen, die mir zum Thema einfallen, auf die von dir
angesprochene Situation. Also wenn du irgendwo das Gefühl hast, es
treffe nicht auf den Fall zu, dann überlies es einfach :wink:

ich weiß nicht ob man jetzt schon von späteren Ängsten und
Problemen reden kann. Wenn sich nichts ändert wahrscheinlich
schon, aber es wird ja kein Zustand auf alle Ewigkeit sein.
Zugegeben der Zustand geht schon einige Zeit so, aber wie
gesagt, ALLES WIRD GUT - irgendwann

Das ist gut, wenn die Mutter immerhin das Vertrauen hat, dass sich da
noch was ändert. Ich habe es selbst halt nur anders erlebt - mit zwei
Elternteilen, die beide immer nur gelitten haben, und es ist nun
wirklich nicht so, dass das keine Spuren hinterlassen hätte.

dass Kindergarten zum einen fürs
Kind wichtig ist, andererseits es aber immer Thema sein wird
(bald dann die Schule), weil Eltern gehen normalerweise
arbeiten und Kind im KiGA bzw Schule - so ist das nunmal. Kann
sein, dass sich das Kind dann unbewusst vielleicht die Schuld
gibt, nur wie kann man sowas auch verbergen?

Ich glaube, das kann man nicht verbergen, selbst wenn man es gut im
Verbergen ist, funktioniert das den Kindern gegenüber nicht, die
bekommen das Gefühl der Spannung auch mit, ohne dass etwas gesagt
wird.
Es ist halt schwierig.Ich glaube wirklich, das einzige, was hilft,
ist dass die Mutter selbst weniger verzweifelt ist wegen der Arbeit,
sich auch mehr auf Hilfe von außen verlassen kann, usw. Das ist
allerdings leicht gesagt! Wenn sie bis jetzt kaum Hilfe von außen
bekommen hat. Ohne Hilfe hält es kein Mensch aus, schon gar nicht in
einer Situation mit Kind und ohne Arbeit. Trotzdem denke ich, die
Mutter muss sich zuallererst nach Hilfe umschauen, nach Menschen,
denen sie ihr Herz ausschütten kann (es geht schnell, dass das Kind
diese Rolle einnimmt, und das ist zu viel für ein Kind). Wiederum
leicht gesagt, denn solche Menschen sind selten. Ich denke, sie
„erscheinen“ umso weniger, je weniger Vertrauen man darin hat, DASS
sie erscheinen werden.

Und es ist auch klar, dass er in den Kindergarten sollte, da geht
kein Weg vorbei. Fast jedes Kind geht dahin, und es schadet ja auch
keinem, im Gegenteil: eigentlich sollte es doch gut für das Kind
sein, Kontakt zu vielen Altersgenossen zu haben. Fragt sich nun,
warum ihm dort immer übel wird. Ist er auch traurig da oder eher
fröhlich? hat er vielleicht Angst, seine Mutter verlassen zu haben,
oder von seiner Mutter verlassen zu werden? Ich spekuliere wieder
nur, aber mir selbst wurde (und wird) immer dann übel, wenn ich
zuviel Angst habe.

stimmt, aber das merkt das Kind auch ohne dass Mutter davon
erzählt, das sieht es mit eigenen Augen!

Ja, das ist klar! Nicht über Probleme sprechen ist auch beileibe
keine Lösung, im Gegenteil. Nur braucht das Kind irgendwie ein
entlastendes Gefühl, dass es nicht vollkommen alleine für alles (für
sich, für die Mutter) verantwortlich ist.

Es wäre alles
wahrscheinlich etwas leichter, wenn Mutter noch eine Person
hätte, die sich auch etwas um das Kind kümmern würde (Vater,
Oma oder eine Bekannte - ignorantes Verhalten bzw man kennt
nur eigene Probleme), aber da ist niemand und das merkt Kind
natürlich, dass Kind auch nur seine Mama hat.

Ich glaube wirklich, dass die Mutter auch eine Therapie machen
sollte. Keine Ahnung, wieviel das bei ihr hilft, aber sie selbst
scheint ja schonmal ein ungutes Gefühl zu ihrer Famillie zu haben,
die ihr scheinbar vermittelt hat, dass ihr nicht geholfen wird, wenn
sie Hilfe braucht. Auch die Mutter ist überfordert mit dem Gefühl,
für alles allein zuständig zu sein und keine Hilfe erwarten zu
können. Keine Mutter schafft das allein! Nicht umsonst gibt es ja
eigentlich Väter und Großeltern - und diese Mutter hat nichts!

Er weiß dass
Mutter das zusätzlich belastet und sie zu nichts kommt (z.B.
abends noch Bewerbungen schreiben, nachdem es wieder ein
großes Drama mit großen Gefühlsausbrüchen beim Bettgang war
wegen der Angst vor Übelkeit am nächsten Tag im KiGa etc).

Ich erzähl mal wieder von mir selbst: ich hatte zwar keine
Übelkeitsprobleme, aber (mit ca. 5 und 8 Jahren) lange Phasen, in
denen ich nicht schlafen konnte. Ich hatte schlimme Ängste vor jeder
Nacht, und gleichzeitig Angst, jeden Abend wieder zu meiner Mutter in
die Stube angekrochen zu kommen, weil ich sie dann schon wieder mit
meiner Angst belasten musste. Aber alleine, ohne es jemandem
mitzuteilen, kam ich auch nicht klar, und dafür sind Eltern ja
schließlich da.
Das einzige, was half, war, meine Angst loszuwerden mit den Gedanken
„Na und? Dann schlaf ich eben erst spät ein. Was ist daran so
schlimm? Der Körper holt sich schon das, was er braucht, dann schlafe
ich eben mal länger am Wochenende oder so…“

Warum hat das Kind so viel Angst vor der Übelkeit? Wird es im
Kindergarten ausgeschimpft? Tut es ihm körperlich weh? Hat es das
Gefühl, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt, weil ihm übel ist? Oder
könnte er das Thema für sich etwas „bagatellisieren“, nicht ganz so
viele (negative) Gedanken daran verschwenden, denken „dann ist mir
eben übel, na und, ich kenn das ja, ich schaff das schon…“

ja das lernt er aber auch ohne dass Mutter ihm das vermittelt,

Wo? Wie? Von wem?

was die Geborgenheit betrifft - Mutter gibt ihm viel Liebe,
Streicheleinheiten (er schmust auch sehr gern) und sorgt sich,
gute Entwicklung und Gesundheit des Kindes sind wichtig für
Mutter und sie kümmert sich um ihn. Denke also schon dass er
die Geborgenheit bekommt - vielleicht aber zuviel davon,
vielleicht erdrückt sie ihn mit ihrer Liebe…

Das ist sehr gut möglich, sogar wahrscheinlich. Aber auch hier kann
ich wieder nur von mir ausgehen: ich fühlte mich (einerseits)
erdrückt von Umsorgtheit, und hatte so Schuldgefühle, wenn ich meine
Eltern auf Abstand halten musste, da sie „es doch nur gut meinten“.
Andererseits lastete auf mir zu sehr die Verantwortung, für das
Wohlergehen meiner Eltern verantwortlich zu sein, dass ich mich
selber kaum kannte und nicht respektierte. Ich will das nicht weiter
ausführen.
Das Kind braucht nicht nur liebevolle Zuwendung, sondern auch ein
Vorbild, das Vertrauen einflößt - sowohl in das Kind selbst als auch
in „die Welt da draußen“.
Mutter sein ist wirklich eine schwere Aufgabe, das darf sich die
Mutter eingestehen!

Ich kann nun leider nur aus der Sicht der Betroffenen erzählen und
habe natürlich auch keine praktischen Vorschläge. Schade eigentlich,
dass sich hier keiner zu Wort meldet, der darin berufliche Kompetenz
besitzt, denn solche Fälle sind ja nun eigentlich nicht selten!

Viel Glück beim Hilfe finden!

Judith

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Hi Sil,

Du hast wahrscheinlich hier im Psychobrett gepostet, weil dich an dieser ganzen Krise vor allem die Gefühlsseite interessiert, und auch gute Antworten bekommen

Ohne irgendwem zu widersprechen, hätte ich aber doch noch ein paar Ergänzungen:

Die Mutter hat drei „Jobs“ am Hals, die jeder für sich schon „Vollzeit“ wären, und, wie es aussieht, kaum Unterstützung. Es gibt jede Menge Leute, die nur arbeiten, nur Haus und Kinder versorgen oder nur Ausbildung machen - und oft nicht mal das gebacken kriegen.
Es überrascht mich nicht, wenn sie da ihrem Kind nicht immer das „Richtige“ vermitteln kann oder unkontrolliert weint. Der Mensch hat halt nicht unbegrenzt Kraft.

War eigentlich schon jemand mit dem Kind beim Arzt und hat abklären lassen, ob diese Übelkeit nicht auch körperliche Ursachen hat? Vielleicht verträgt er einfach die Dämpfe des im Kindergarten verwendeten Putzmittels nicht oder er ist besonders lärmempfindlich oder so - halt diese Sachen, die man nicht so leicht findet. In diesem Fall hätte er auch ohne Psychostress guten Grund, sich vor dem Kindergarten zu fürchten!
Was natürlich nicht heißen soll, dass der Kinderpsychologe überflüssig ist.

(Viel zu) langer Rede kurzer Sinn: Die Übelkeit des Jungen kann durch Ängste daheim bedingt sein, muss aber nicht. Ich würde - so berechtigt diese Hinweise sind - doch auch andere Möglichkeiten verfolgen.

Du fragst nicht nach Lösungsvorschlägen, aber das hier kann ich mit nicht verkneifen: An Stelle der Mutter würde ich nicht nur zum Psychologen, sondern auch zu einem Berufsberater, meinem Ausbildungsleiter usw. gehen und die vielen Aufgaben so aufzuteilen versuchen, dass ich nicht gleich zusammenbreche. Ist es z. B. wirklich so schlimm, wenn die Ausbildung ein paar Monate länger dauert?

Gruß,

Beate

Hallo Beate,

danke auch für Deine Antwort und Deine lieben Worte.

Ja körperliche Ursachen sind ausgeschlossen wurden, es wurde ein Bauchultraschall gemacht und Blut untersucht - Nichts.

Ihm war eine zeitlang phasenweise wirklich schlecht (Brechreiz ohne Erbrechen) im Kindergarten, paar wenige Male auch zuhause bzw unterwegs. Die Ursache war auch da unklar. Das ist aber vorbei bzw seit etwa zwei Monaten nicht mehr passiert und geblieben ist halt - die Angst vor Übelkeit, und das täglich - im Kindergarten bzw frühmorgens und abends immer das Drama.

Manchmal, aber seltener (heute abend wieder mal) hat er auch Angst einzuschlafen, weil er die Augen dann vielleicht nicht mehr aufbekommt wenn diese verklebt sind. So war es mal als er gerade bei seinem Vater war oder er hatte das nur geträumt - weiß ich nicht.

Ich hatte hier geschrieben weil ich denke dass es psychologische Gründe geben mag. Er ist ja auch sehr empfindlich und weint schnell, z.B wenn er sieht wenn Mutter sich weh getan hat (mal ausgerutscht oder mal geschnitten), ihr was weh tut oder sonstwas zB. vorgestern im Fernsehen bei den Kindernachrichten auf KiKA, als über die amerikanischen Soldaten in Irak berichtet wurde wo ein paar zu Tode kamen. Da kam plötzlich die Frage von ihm, ob denn Eltern eher sterben als Kinder (eigentlich weiß er um das Thema Tod, er hat Mutter schon oft diesbezügl. gefragt). Naja und da weinte er wieder.

An Gerüche bzw Schadstoffe etwa im Fußboden oder Möbel im KiGA dachte ich auch mal, aber da hätte er ja dann auch täglich echte Symptome…wegen Lärm und ob ihm in dem Moment vielleicht grad alles zuviel wird, weiß nicht, aber man könnte diesbez. auch mal nachfragen.

Ich mache gerade Fortbildung die im März endet, also nicht mehr lange und dann wird wieder auf Job gehofft…

viele Grüße
Sil

Hallo Judith,

ja das Vertrauen dass sich noch was ändert habe ich. Anders ginge es auch gar nicht weiter. Nur die Ungewissheit… , wann. Bin voller Hoffnung, dass auch für uns bald wieder richtig die Sonne scheint.

Wiederum
leicht gesagt, denn solche Menschen sind selten. Ich denke,
sie
„erscheinen“ umso weniger, je weniger Vertrauen man darin hat,
DASS
sie erscheinen werden.

das hast Du gut geschrieben :o)

Ist er auch traurig da oder
eher
fröhlich?

wenn ich komme, spielt er fröhlich, er wird auch sehr gemocht von den Jungs und Mädels da und ist sehr umgänglich…

hat er vielleicht Angst, seine Mutter verlassen zu
haben,
oder von seiner Mutter verlassen zu werden?

tja, so direkt frage ich ihn nicht, weil ich ihm keine Worte in den Mund legen will… Vielleicht, ich weiß es halt nicht. Bleibt abzuwarten, was die Psychologin aus ihm herausbekommt…

ich hatte zwar keine
Übelkeitsprobleme, aber (mit ca. 5 und 8 Jahren) lange Phasen,
in
denen ich nicht schlafen konnte. Ich hatte schlimme Ängste vor
jeder
Nacht, und gleichzeitig Angst, jeden Abend wieder zu meiner
Mutter in
die Stube angekrochen zu kommen, weil ich sie dann schon
wieder mit
meiner Angst belasten musste. Aber alleine, ohne es jemandem
mitzuteilen, kam ich auch nicht klar, und dafür sind Eltern ja
schließlich da.

Na klar sind Eltern dafür da. Das stimmt, ein dummer Kreislauf basierend auf Angst.

Warum hat das Kind so viel Angst vor der Übelkeit? Wird es im
Kindergarten ausgeschimpft? Tut es ihm körperlich weh?

ich weiß es halt nicht. Es tut meistens nicht körperlich weh, ab und zu hatte er mal Bauchschmerzen dabei und wurde auch mal kreidebleich. Aber so war das schon länger nicht mehr.

Hat es
das
Gefühl, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt, weil ihm übel
ist?

einmal sagte er, nachdem er aber auch noch einen richten Infekt hatte und daher gebrochen hatte:
„ich möchte lieber tod sein und noch mal neu geboren werden“ … „warum wird mir schlecht? ich fühl mich nicht als Mensch“

Oder
könnte er das Thema für sich etwas „bagatellisieren“, nicht
ganz so
viele (negative) Gedanken daran verschwenden, denken „dann ist
mir
eben übel, na und, ich kenn das ja, ich schaff das schon…“

ja das auch versucht, ihm mit irgendwelchen gedanklichen Vorgängen - auch so diese Art - zu helfen. Aber es bringt wohl nichts. Hatte ihm später auch mal gesagt, dass wenn er wirklich bricht, dass ich dann komme. Aber das machts auch nicht besser.

ja das lernt er aber auch ohne dass Mutter ihm das vermittelt,

Wo? Wie? Von wem?

Er merkt es selbst. Warum, das ist ein längeres Thema, es ufert hier sonst aus…

danke für Deine -auch persönlichen- Ausführungen, hat mir sehr geholfen und so auch ein paar Punkte die es dann anzusprechen gibt.

Vielen Dank!
Sil

Hallo Judith,

Deine Annahme, daß das Kind in der Pubertät Probleme bekommt, ist
keinesfalls dramatisierend. Ich bin selbst Vater ein Tochter, die eine sehr problematische Mutter hat (ich bin inzwischen von der Mutter
geschieden). Bis zum 14. Lebensjahr hat meine Tochter eine ganz normale
Entwicklung gehabt, bis auf Eßstörungen als Kleinkind. Mit Einsetzen der
Pubertät fingen die Probleme an: Schulverweigerung, Selbstverletzungen,
Haß auf die Eltern, besonders auf mich, sie ist inzwischen fast 20,
völlig unfähig zu einem normalen Leben, hat die vergangenen 6 Jahre fast
nur in Jugendpsychiatrien und Heimen verbracht, war zwischendurch
drogenabhängig und hat sich von niemandem helfen lassen. Für mich als
Vater war und ist es der Horror, das wünsche ich keinen anderen Eltern.
Diagnose: Borderline-Störung und Angt/Panik-Störung. Die Symptome für
Borderline waren bei meiner Exfrau dieselben, aber sie hat ihre
Probleme immer auf die Kinder und andere „übertragen“.
Und das ist dabei herausgekommen.
Gruß Christian