Mutter kommt mit alten Menschen nicht klar

Hallo,

meine Mutter hat sich vor über einem Jahrzehnt in der Betreuung ihrer Mutter sehr aufgerieben. Dabei ging es weniger um körperliche Pflege, sondern eher um den Umgang mit dem alten Menschen. Sie ließ sich ständig ein schlechtes Gewissen einreden bzw. redete sich das selbst ein. Sie konnte mit dem teilweise unlogischen und störrischem Verhalten nicht umgehen. Sie konnte auch nicht einfach mal ihre Mutter „Blödsinn“ reden lassen, sondern musste immer diskutieren und nahm alles persönlich. Sie hatte damals ernstzunehmende Selbstmordgedanken. Am Ende hat sie entschieden, ihre Mutter ins Heim zu geben, was die Situation aber nicht wesentlich besser machte. Immer war sie völlig fertig, nachdem sie sie besucht hatte. Nacht etwa zwei Jahren ist ihre Mutter dann verstorben. Das schlechte Gewissen ist bis heute geblieben. Insgesamt dauerte das Ganze um die sechs Jahre.

Nun ist vor zwei Jahren ihr Schwiegervater nach Krankheit gestorben, seitdem ist ihre Schwiegermutter - meine Oma - allein. Das ist natürlich nicht leicht für meine Oma, sie ist oft depressiv und da sie sich vor Ort nie um Kontakte bemüht hat, konzentriert sie sich vollständig auf meine Eltern und meinen Onkel und seine Frau. Alle wohnen im gleichen Dorf. Meine Oma hängt dadurch sehr an diesen vier Personen und diese fühlen sich dementsprechend eingeengt. Sie hat sich (logischerweise) auch sehr verändert, seit sie alleine ist. Sie ist nicht mehr die Oma, die ich immer kannte. Sie war früher sehr „pflegeleicht“ und umgänglich, mittlerweile ist sie aber oft grantig und anstrengend, fühlt sich ständig vernachlässigt. Meine Mutter leidet sehr unter der Situation, es scheint, als habe sie das „alte Leben“ mit ihrer Mutter wieder eingeholt. Es sei „genauso wie damals“ und sie denkt schon wieder an Selbstmord. Sie ist einfach nicht in der Lage, die Sache mit Abstand zu betrachten. Sie kann sich von den Äußerungen meiner Oma nicht distanzieren und legt auch jedes Wort auf die Goldwaage. Sie unterstellt ihr, dass sie alle gegeneinander ausspiele und vieles aus Berechnung tue bzw. sage. Ich glaube das zwar nicht, aber so nimmt es meine Mutter aufgrund ihrer negativen Erfahrungen nun einmal wahr. Je länger das nun schon geht, desto mehr spitzt sich die Situation zu.

Bereits damals habe ich ihr geraten, sich psychologisch helfen zu lassen. Sie ist dazu aber nicht bereit. Das würde die Situation nicht ändern und sei „nur Theorie“. Aber dass sie ihr Verhalten bzw. ihren Umgang mit der Situation ändern muss bzw. kann, das versteht sie nicht. Schon damals habe ich mir den Mund fusselig geredet, es hat alles nichts genützt. Die „Lösung“ des Problems war dann der Tod meiner Oma. Nun ist die Situation wieder da und ich bin wieder völlig ratlos. Zumal meine Oma noch relativ fit ist und man auch nicht darauf „hoffen“ kann, dass sich die Sache wieder so „lösen“ lässt. Ich wohne fast 500 Kilometer weit weg und bin daher nicht vor Ort. Ich weiß nicht, wie ich verhindern kann, dass meine Mutter noch tiefer ist ihre Depressionen rutscht. Mein Vater hat damals ihre Stimmung auf „Hormonmangel“ geschoben und ich weiß, dass er daher nicht handeln wird. Er hat ein viel distanzierteres Verhältnis zu seiner Mutter. Entweder nimmt er das Ganze nicht ernst oder er verdrängt das Problem. Wie kann ich meiner Mutter helfen, wenn sie sich nicht helfen lässt? Wie kann ich ihr klarmachen, dass sie Hilfe annehmen muss? Sie wird das niemals zulassen. Ich will aber nicht irgendwann am Grab meiner Mutter stehen.

Wer kann mir helfen?

Grüße
ColumnGirl

Hallo,

Bereits damals habe ich ihr geraten, sich psychologisch helfen
zu lassen. Sie ist dazu aber nicht bereit. Das würde die
Situation nicht ändern und sei „nur Theorie“. Aber dass sie
ihr Verhalten bzw. ihren Umgang mit der Situation ändern muss
bzw. kann, das versteht sie nicht. Schon damals habe ich mir
den Mund fusselig geredet, es hat alles nichts genützt. Die
„Lösung“ des Problems war dann der Tod meiner Oma. Nun ist die
Situation wieder da und ich bin wieder völlig ratlos. Zumal
meine Oma noch relativ fit ist und man auch nicht darauf
„hoffen“ kann, dass sich die Sache wieder so „lösen“ lässt.
Ich wohne fast 500 Kilometer weit weg und bin daher nicht vor
Ort. Ich weiß nicht, wie ich verhindern kann, dass meine
Mutter noch tiefer ist ihre Depressionen rutscht. Mein Vater
hat damals ihre Stimmung auf „Hormonmangel“ geschoben und ich
weiß, dass er daher nicht handeln wird. Er hat ein viel
distanzierteres Verhältnis zu seiner Mutter. Entweder nimmt er
das Ganze nicht ernst oder er verdrängt das Problem. Wie kann
ich meiner Mutter helfen, wenn sie sich nicht helfen lässt?
Wie kann ich ihr klarmachen, dass sie Hilfe annehmen muss? Sie
wird das niemals zulassen. Ich will aber nicht irgendwann am
Grab meiner Mutter stehen.

Als ich das las, fiel mir der Spruch ein: Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Oder: Du rennst gegen Windmühlen.
Ich schätze Deine Mutter gehört einer Generation an, die Therapien für Zeitverschwendung hält, denn psychische Probleme hat man nicht.
Dass Du dagegen ankämpfen musst, weil Du der Meinung bist, Therapien sind es eben nicht, ist traurig, aber ein Generationenkonflikt.

Da ich ähnliches erlebt habe, hier kurz eine Beschreibung, die Dir womöglich nicht weiterhilft, aber Dir zeigt: Du bist nicht allein.

Meine Mutter war Zeit ihres Lebens aufopfernd für ihre kranken Familienmitglieder da. Als sie selber krebskrank wurde, erwartete sie das Gleiche von mir. Ich habe ihr, im Rahmen meiner Möglichkeiten, diese Hilfe zu Gute kommen lassen, war aber nicht bereit ihre Persönlichkeitsveränderung einfach so hinzunehmen. Es war eh schon schwer genug, die Krankheit zu verkraften und mich mit den Ärzten „herumzuschlagen“, da musste ich ihre Grantellei, die sie plötzlich an den Tag legte, nicht auch noch ertragen.
Da es auch damals schon gute Selbsthilfegruppen für Krebspatienten gab, wurde ihr vom Sozialdienst geraten, eine solche aufzusuchen, denn die Spannungen waren selbst der uns betreuenden Dame aufgefallen.

Resultat: Da gehen nur Idioten hin und meine Teppiche kann ich auch allein knüpfen.

Nun, die ganze Situation war für mich mehr als nur schwer zu ertragen, zumal meine Mutter damals eine vollkommen andere Person war, als die, die ich als Mutter kannte.

Die ganze Situation, mit ihrem Gerede (das nachträglich nur als „dumm“ zu bezeichnen ist, weil sie vor der Krankheit eigentlich allem aufgeschlossen war) belastete nicht nur mich, sondern auch meine Familie.

Eine Dame vom Tagespflegedienst gab mir einen einfachen, aber äußerst hilfreichen Tipp: Ohren auf Durchzug. Hör ihr zu, schick aber das Gehörte nicht in dein Gefühlsleben.
Deine Mutter ist durch ihre Erfahrungen geprägt und kann und will sich nicht mehr ändern. Lass genau das, nicht zu Deinem Problem werden. Du machst Dich kaputt. Und wer weiß, welche Erfahrungen Du damit manifestierst, die Deine Kinder irgendwann zum Wahnsinn treiben.

Es ist leicht zu sagen: Keep cool … Wird besser.
Aber es ist nun mal Fakt: Es ist leichter mit einer toten Mutter zu leben, als mit einer lebenden. …
Gönne ihr schöne Moment mit Dir, wenn auch größtenteils nur am Telefon. Aber gönne ihr diese. Höre zu, aber lasse es nicht an Dich heran. Sie will granteln und das wirst Du ihr nicht austreiben. Sie möchte alles Schlechte dieser Welt im Handeln Deiner Oma sehen und auch das wirst Du ihr nicht austreiben. Gewöhne Dir Phrasen an wie: Is ja schrecklich, oder, Glaubst Du wirklich?
Das hört sich hart an, aber es wird funktionieren.

Viel Glück und starke Nerven

das K

Wer kann mir helfen?

Grüße
ColumnGirl