Hallo,
immer häufiger bemerke ich, dass ich spätestens nach 10 Minuten von meiner Mutter genervt bin. Und zwar extrem genervt. Besorgniserregend genervt.
Ich brauche bitte Strategien wie ich Kontakt halten kann, ohne zu explodieren.
Meine Kindheit war keine schöne, im Gegenteil.
Sie war geprägt von sehr viel Angst, sehr, sehr vielen Prügeln, eingesperrtsein, Einsamkeit und noch mehr Angst. Nur zwei kleine, eher harmlose Beispiele: Schuhe zubinden bekam ich gelernt, indem meine Mutter mir mit dem Kochlöffel bei jedem Fehlversuch auf die Finger drosch.
Nachts wachte ich (ca. 6 jährig) oft auf und war alleine in der Wohnung, eingesperrt in meinem Kinderzimmer, weil meine Mutter ohne mir etwas zu sagen weggegangen war.
Ich kann mich an keinen einzigen schönen Tag bzw. keine einzige schöne Begebenheit in meiner Kindheit erinnern. Sicherlich wird es so etwas auch gegeben haben - ich kann mich nur nicht erinnern. Meine Mutter behauptet jedenfalls ich hätte eine schöne Kindheit gehabt. (?)
Klärende Gespräche darüber sind absolut nicht möglich, enden im totalen Streit mit Kontaktabbruch - auch zu den Enkelkindern, die mich dann dafür verantwortlich machen, Oma vergrault zu haben.
Mittlerweile haben wir eine Art Waffenstillstand. Ich sage zu allem „Ja und Amen“ - um des lieben Friedens Willen. Sie redet unheimlich viel. Beschreibt ihre Tagesabläufe in allen Einzelheiten. ("… und dann bin ich in die Küche gegangen und habe mir ein Brot und Marmelade geholt und einen Kaffee zum Frühstück gemacht…".
Sie „erinnert“ sich an Dinge, die niemals stattgefunden haben, hat dafür Dinge, die stattgefunden haben, vergessen. Oma plappert ohne Unterlass, ohne Sinn und Verstand, stellt sich dümmer (hilfloser) als sie ist, damit sich alle um die arme „hilflose“ Oma kümmern. Sie ist unglaublich anstrengend (sagen mittlerweile auch meine Kinder) und mich persönlich nervt sie, wie gesagt, zu einem Punkt dass ich total aggressiv werde. Ich bin sehr ungeduldig mit ihr. Sie ist weder einsam noch alleine, sie ist viel unterwegs und hat Geschwister und Freunde die mit ihr etwas unternehmen. Ihr Mann ist vor einigen Jahren verstorben, sie ist natürlich traurig, aber eher erleichtert darüber da er die letzten Jahre aufgrund Krankheit sehr anstrengend war und sie viel Arbeit mit ihm hatte. Und sie war schon vor seinem Tod genauso anstrengend wie jetzt.
Wir beide sehen uns einmal pro Woche, telefonieren alle 1-2 Tage.
Wenn ich das alles durchlese klinge ich sehr böse. Es tut mir leid, es ist aber so.
Ich möchte so gerne meine Gefühle unter Kontrolle halten, wie gesagt, um des Friedens Willen.
Ich möchte meinen Kindern ihre Oma, sie sich zu den Enkeln total anders verhält als damals zu mir, nicht nehmen. Aber es fällt mir zunehmend schwerer entspannt zu bleiben. Ich möchte so gerne ein gutes Verhältnis haben.
Hilfe, bitte?!
Viele Grüße
DM