Hallo!
Ich habe ein schwieriges Problem (für mich auf jeden Fall). Es geht um meine Beziehung zu meiner Mutter. Das ganze zieht sich schon seit 20 Jahren in diesem Sinne…, wenn ich so recht bedenke, dann hatten wir mit Mama immer schon etwas…turbulente Beziehung. Also…
Ich bin jetzt 38, glücklich verheiratet, habe zwei Töchter. Nach aussen scheint alles in Ordnung zu sein. Aber… Wo soll ich anfangen? Meine Mam ist eine starke und tempramentvolle Frau. Als Kind habe ich sie immer bewundert und sogar etwas gefürchtet. Auf jeden Fall habe ich mich immer bemüht, den Konflikten mit ihr aus dem Weg zu gehen. Das ging einiger Maßen, bis ich mich weigerte, das zu studieren, was sie für mich vorgesehen hatte. Da gab es eine hessliche Szene. Einige Zeit später hat es sich gelegt. Vergessen und vergeben. Dann wollte ich heiraten. Sie war strickt dagegen. Sie hatte ihre Gründe (mein Mann entsprach nicht ihren Erwartungen). Ich heiratete trotzdem, wir sind nun schon seit fast 20 Jahren glücklich verheiratet. Meine Hochzeit aber war ziemlich peinlich für mich. (Meine Mutter hat z. B. laut allen erzählt, dass es der tragischste Tag ihres Lebens ist). Am nächsten Tag war es nicht besser, am übernächsten auch nicht… heute hat es sich nur etwas gebessert, weil wir eine räumliche Trennung geschaffen haben. Allerdings werde ich immer noch dafür „Bestraft“, dass ich aus dem Haus ausgezogen habe. Und so läuft es schon seit Jahren. Meine Mutter beschuldigt mich immer wieder, dass ich zu wenig für sie tu. Dabei versuche ich mein bestens. Das Wort „nein, ich kann nicht“ habe ich gründlich vergessen, weil ich Angst vor Konsequenzen habe. Dabei muss ich oft meine eigene Pläne komplett ungestalten. Aber es hilft alles nicht. Egal, was ich tu, es ist immer noch nicht genug. Und dann entwickelt es sich nach folgender Schema: mir platzt der Kragen, sie sagt: du warst so ein liebes Kind, dann kam dieser Mann und du hast dich total verändert, er ist daran schuld, du bist herzlos usw… Ich habe schon die Nase voll, das alles zu hören. Egal was ich mach, ich mache es falsch: ich habe den falschen Mann geheiratet, ich erziehe meine Kinder falsch, ich habe falsche Freunde und falsche Hobbys…kurz gesagt, ich lebe falsches Leben.
Die ganze Situation zerrt so stark an meinen Nerven, dass ich mich schon physisch krank fühle. Ich mag es nicht, meine Eltern zu besuchen, weil ich andauernd daran denken muss, was ich, mein Mann oder die Kinder falsch machen könnten. In den letzten Jahren hat sich das Ganze noch durch Mamas unzählige Krankheiten verschlimmert, sie fordert mich dauernd, ihr zu helfen. Das tu ich auch gern, ich habe aber auch eingene Familie, ein Haus, einen Job. Und ein Nein lässt sie nicht gelten.
Gespräche helfen nicht. Meisten endet sich jeder Gespräch in einem Streit.Ich habe schon zu drastischen Mittel gegriffen und mehrmals versucht, den Kontakt einfach abzubrechen. Dann bekomme ich aber schlechtes Gewissen. Ich bin nicht sicher, was besser ist. Das schlimmste ist, wir drehen uns im Teufelskreis. Es wird mal besser, mal schlechter, mal geht gar nichts. Das ganze ist mir schlicht einfach zu viel.
Vor eine Woche hatten wir unsere letzte Auseinandersetzung. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich mich um sie nicht kümmere, nachdem ich zwei Monate lang praktisch bei ihr wohnte, weil mein Vater krank war. Da habe ich es nicht mehr ausgehalten, bin einfach aufgestanden und weggegangen. Seit dem herrscht Funkstille. Heute habe ich erfahren, dass sie seit gestern im Krankenhaus liegt. Mein erster Wunsch war, hinzufahren. Und dann kamm wieder alles hoch. Ich kann mich einfach nicht überwinden. Sie hat mich wie ein Dienstmädchen behandelt, hat mit ständig vorgeworfen, dass ich sie verraten habe dadurch, dass ich geheiratet und ausgezogen habe. Sie hat mit gesagt, sie würde mich lieben, aber stolz ist sie nicht auf mich, weil ich mein Studium abgebrochen habe, um mich um die Kinder zu kümmern, und damit miene Kariere endgültig zerstört habe. Aber ist das nicht meine Entscheidung? Und soll ich tatsächlich nach Plan meiner Mutter leben?
Wie gesagt, das ganze ist zu weit gegangen. Wir sind auf unserem Weg festgefahren und ich möchte nicht, wieder das gleiche Fehler begehen. Wenn ich jetzt zu ihr gehe, dann bin ich gezwungen sich zu entschuldigen und wir fangen die nächste Runde bis zu nächstem Streit. Wenn ich jetzt nicht gehe, dann bin ich die egoistische, selbstsüchtige Tochter, die sie nicht haben will. Von alleine wird sie nicht ins Gespräch kommen, das hat sie hoch nie getan. Also bin ich in jedem Fall schlecht und habe nichts zu verlieren. Ich bin aber trotztdem verunsichert uns tiefst traurig. Sehr traurig. Kann mir jemand helfen?
