Mutter und Tochter. Freun oder Feind?

Hallo!

Ich habe ein schwieriges Problem (für mich auf jeden Fall). Es geht um meine Beziehung zu meiner Mutter. Das ganze zieht sich schon seit 20 Jahren in diesem Sinne…, wenn ich so recht bedenke, dann hatten wir mit Mama immer schon etwas…turbulente Beziehung. Also…

Ich bin jetzt 38, glücklich verheiratet, habe zwei Töchter. Nach aussen scheint alles in Ordnung zu sein. Aber… Wo soll ich anfangen? Meine Mam ist eine starke und tempramentvolle Frau. Als Kind habe ich sie immer bewundert und sogar etwas gefürchtet. Auf jeden Fall habe ich mich immer bemüht, den Konflikten mit ihr aus dem Weg zu gehen. Das ging einiger Maßen, bis ich mich weigerte, das zu studieren, was sie für mich vorgesehen hatte. Da gab es eine hessliche Szene. Einige Zeit später hat es sich gelegt. Vergessen und vergeben. Dann wollte ich heiraten. Sie war strickt dagegen. Sie hatte ihre Gründe (mein Mann entsprach nicht ihren Erwartungen). Ich heiratete trotzdem, wir sind nun schon seit fast 20 Jahren glücklich verheiratet. Meine Hochzeit aber war ziemlich peinlich für mich. (Meine Mutter hat z. B. laut allen erzählt, dass es der tragischste Tag ihres Lebens ist). Am nächsten Tag war es nicht besser, am übernächsten auch nicht… heute hat es sich nur etwas gebessert, weil wir eine räumliche Trennung geschaffen haben. Allerdings werde ich immer noch dafür „Bestraft“, dass ich aus dem Haus ausgezogen habe. Und so läuft es schon seit Jahren. Meine Mutter beschuldigt mich immer wieder, dass ich zu wenig für sie tu. Dabei versuche ich mein bestens. Das Wort „nein, ich kann nicht“ habe ich gründlich vergessen, weil ich Angst vor Konsequenzen habe. Dabei muss ich oft meine eigene Pläne komplett ungestalten. Aber es hilft alles nicht. Egal, was ich tu, es ist immer noch nicht genug. Und dann entwickelt es sich nach folgender Schema: mir platzt der Kragen, sie sagt: du warst so ein liebes Kind, dann kam dieser Mann und du hast dich total verändert, er ist daran schuld, du bist herzlos usw… Ich habe schon die Nase voll, das alles zu hören. Egal was ich mach, ich mache es falsch: ich habe den falschen Mann geheiratet, ich erziehe meine Kinder falsch, ich habe falsche Freunde und falsche Hobbys…kurz gesagt, ich lebe falsches Leben.
Die ganze Situation zerrt so stark an meinen Nerven, dass ich mich schon physisch krank fühle. Ich mag es nicht, meine Eltern zu besuchen, weil ich andauernd daran denken muss, was ich, mein Mann oder die Kinder falsch machen könnten. In den letzten Jahren hat sich das Ganze noch durch Mamas unzählige Krankheiten verschlimmert, sie fordert mich dauernd, ihr zu helfen. Das tu ich auch gern, ich habe aber auch eingene Familie, ein Haus, einen Job. Und ein Nein lässt sie nicht gelten.
Gespräche helfen nicht. Meisten endet sich jeder Gespräch in einem Streit.Ich habe schon zu drastischen Mittel gegriffen und mehrmals versucht, den Kontakt einfach abzubrechen. Dann bekomme ich aber schlechtes Gewissen. Ich bin nicht sicher, was besser ist. Das schlimmste ist, wir drehen uns im Teufelskreis. Es wird mal besser, mal schlechter, mal geht gar nichts. Das ganze ist mir schlicht einfach zu viel.
Vor eine Woche hatten wir unsere letzte Auseinandersetzung. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich mich um sie nicht kümmere, nachdem ich zwei Monate lang praktisch bei ihr wohnte, weil mein Vater krank war. Da habe ich es nicht mehr ausgehalten, bin einfach aufgestanden und weggegangen. Seit dem herrscht Funkstille. Heute habe ich erfahren, dass sie seit gestern im Krankenhaus liegt. Mein erster Wunsch war, hinzufahren. Und dann kamm wieder alles hoch. Ich kann mich einfach nicht überwinden. Sie hat mich wie ein Dienstmädchen behandelt, hat mit ständig vorgeworfen, dass ich sie verraten habe dadurch, dass ich geheiratet und ausgezogen habe. Sie hat mit gesagt, sie würde mich lieben, aber stolz ist sie nicht auf mich, weil ich mein Studium abgebrochen habe, um mich um die Kinder zu kümmern, und damit miene Kariere endgültig zerstört habe. Aber ist das nicht meine Entscheidung? Und soll ich tatsächlich nach Plan meiner Mutter leben?

Wie gesagt, das ganze ist zu weit gegangen. Wir sind auf unserem Weg festgefahren und ich möchte nicht, wieder das gleiche Fehler begehen. Wenn ich jetzt zu ihr gehe, dann bin ich gezwungen sich zu entschuldigen und wir fangen die nächste Runde bis zu nächstem Streit. Wenn ich jetzt nicht gehe, dann bin ich die egoistische, selbstsüchtige Tochter, die sie nicht haben will. Von alleine wird sie nicht ins Gespräch kommen, das hat sie hoch nie getan. Also bin ich in jedem Fall schlecht und habe nichts zu verlieren. Ich bin aber trotztdem verunsichert uns tiefst traurig. Sehr traurig. Kann mir jemand helfen?

Plan fassen und durchziehen
Hallo OW,

Du scheinst die Sache spontan anzugehen, was ja nicht schlecht ist.

Trotzdem wäre es in so einem Fall besser, zu planen. Also beispielsweise:

Du nimmst Dir vor, sie zu besuchen. Du weisst aber genau, was geht und was nicht geht. Das heisst, Du legst Dir zurecht, was Du von ihr gelten lässt und was nicht. Etwa so, dass Du Dir vornimmst, wenn sie höflich und normal ist, zehn Minuten zu bleiben und auch höflich und nett zu sein. Wenn sie Dir aber Vorwürfe macht wegen damals oder wegen sonst etwas, dann sagst Du ihr einfach, kühl und deutlich: Mama, wenn du so mit mir redest, werde ich sofort gehen. Hör bitte auf. Beim nächsten Satz, den sie wie ein Vorwurf sagt, schweigst Du und verlässt das Zimmer. Wenn sie aber normal weiterredet und Dich anhört, bleibst Du noch ein bisschen. Du musst aber hart sein können. Sobald sie wirklich etwas Böses sagt, gehe genau so vor, wie Du sie gewarnt hast. Du kannst dann beim Vater fragen, wie es ihr geht, Du brauchst sie gar nicht zurückzurufen oder sie selber zu fragen.

Wenn die Geschichte vorbei ist, warte mindestens einige Tage und gehe erst dann wieder zu ihr. Sobald so ein Plan zwei bis dreimal sauber durchgezogen wurde, wird sie anfangen zu lernen.

Gruss
Mike

Hallo,

das Ganze ist sehr Nerven zehrend - kann Dich da gut verstehen.

Es gibt mehrere Ansatzpunkte die Du verfolgen kannst: Was willst Du, was kannst Du und wo sind Deine Grenzen. Diese musst Du für Dich festlegen, Deine Ressourcen kennen und das dann klar kommunizieren. Ja, das gibt noch ne Weile streit, aber meistens regelt sich das nach kurzem und der andere muss es akzeptieren oder es lassen. Grenzen kommunizieren kann auch bedeuten Deiner Mutter mitzuteilen, dass du bestimmte Dinge nicht mehr bereden willst oder hören willst.

Der zweite Ansatzpunkt: Lass Dich mal ganz außen vor. Denn ich bin mir fast sicher, dass Deine Mutter nicht Dich als Person angreift, sondern irgendwelchen Werte bemängelt die sie im Kopf hat, die sie Dir aber nicht konkret benennen kann. Und da ist es egal wer Du bist oder was Du machst - es ist immer falsch.
Bei uns in der Familie war immer wichtig was die Nachbarn denken. So lange das alles passte, man repräsentieren konnte und man mehr darstellte als die Nachbarn war die Welt ok. Das war aber insbesondere das Weltbild meiner Oma. Alles Handeln ist darauf ausgelegt auf „Was denken die Nachbarn, welchen Rang nehme ich in der Geschwisterhirarchie ein etc.“ Leider nicht unbedingt bewußt. Mit just diesem Verhalten hat sie dann ihre Töchter gequält, die auch nie was recht machen konnten und meine Mutter wiederum hats wohl verstanden, was sie in meiner Erziehung anders machen wollte, ist aber aus der Abhängigkeit zu ihrer Mutter nie ganz heraus gekommen und dann doch in das gleiche Schema verfallen. Irgendwie ist man stolz auf das was die Kinder erreicht haben - man sieht ja, dass es ihnen gut geht, aber auf der anderen Seite ist das Auto , die Erziehung, die gesellschaftliche Position des Mannes … nicht ok. Vielleicht ist auch Deine Lebenshaltung nicht ok und du fegts nicht 3 X am Tag die STrßae oder was auch immer Deiner Mutter wichtig ist und wofür sie sich dann nach ihrer Meinung schämen muss (was ja eigentlich Unsinn ist)

Nimm Dir mal die Zeit und versuche Eure Familie und die Zusammenhänge zu verstehen. Du musst sollst sie verstehen, aber musst nicht alles entschuldigen was daraus folgt, aber es hilft Dich zu positionieren und manches zu relativieren und Deine Grenzen dann adäquat zu setzen.

Wie sieht es bei Euch in der Famlie mit dem Wort Respekt und dessen Umsetzung aus? So was scheint irgendwie zu fehlen.

Gruß,
Alexandra

das unterschreibe ich. Hat bei einem anderen Familienmitglied von uns super funktioniert. Da kam immer die Heulmasche, wenn was nicht optimal lief. Habe mich da auch drei Mal umgedreht und bin gegangen mit dem Hinweis, dass ich gerne helfe, wenn man mir das Anliegen ordentlich vorträgt - aber ich lasse mich nicht erpressen! - gut, Geheule reagiere ich eh irgendwie nicht besonders Positiv, was das Ganze vereinfacht hat. Aber einen Plan haben ist immer gut, dann wird man auch nicht überrascht.

Gruß,
Alexandra

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Hallo!

Erstmal Danke für diene ausführliche Antwort. Sie gab mir schon die erste Ansatzpunkte. Wenn ich so überlege, dann, denke ich, ist es auch bei uns in der Familie ist der Begriff „Nachbar“ großgeschrieben. Um genau zu sein, was die andere denken. Ich erinnere mich sogar an eine Episode, wo ich irgendwann meiner Mutter gesagt habe, dass es mir eigentlich egal ist, was die Anderen Denken. Sie hat mich so schief angesehen und geantwortet, sie beineide mich… Im Bezug auf dieses Thema fehlt mir ein, dass meine Eltern immer viel Wert darauf legten, dass alles, was nach aussen geht, tadellos aussah. Egal, ob es dabei um den Weg vor dem Haus ging oder eine Meinung. Sie versuchten, ein schönes, korrektes Bild nach aussen zu geben. Und ich gehörte dazu. Wenn ich aus dem Bild fiel - so scheint es mir jetzt - gab es Krach. Dabei immer von der Seite meiner Mutter. Mein Vater hat mich irgenwann doch losgelassen. Das war besonders anschaulich, wenn wir die kirchliche Gemeinde zusammen besuchten. Meine Mutter führte sich immer so auf, als wäre ich ein „Anhang“ von ihr. Die ganze Situation war für mich so unerträglich, dass ich einfach aufgehört habe mitzugehen.

Was Respekt angeht… Es ist schwierig. Ich kann nicht behaupten, dass sie respektlos mit mir umgeht. Immerhin duldet sie meine seltene Wünsche, wenn sie nicht direkt mit ihr zu tun haben. Allerdings kann es auch daran liegen, dass mein Mann mich sehr unterstützt und mir auf diese Weise hilft, mein Selbstvertrauen zu gewinnen. Andererseits, ist es nicht respektlos, wenn man den Anderen mit eigenem Willen unterdrückt? Ich meine, wenn wir mal am Wochenende unter uns bleiben wollen und sie nicht unbedingt besuchen fahren, dann ist das doch verständlich oder? Vor allem, weil die Pflichtbesuche meistens ziehmlich belastend sind. Und wenn ich nein sage, dann schmollt sie ein paar Tage und dann erinnert mich immer wieder daran, dass ich sie angeblich nicht sehen wollte. Oder beschuldigt mich, dass ich die Kinder gegen sie anstifte, so dass sie sie nicht besuchen kommen. Dabei kommt sie nicht auf die Idee, dass man die Kinder von sich aus besuchen kann. Nein, wir müssen sie immer zu ihr bringen.

Wenn ich das so schreibe, dann erscheint meine Mutter als eine Art Monster. Dabei ist sie eigentlich ein netter, obwohl auch ziehmlich anstrengender, Mensch. Nur kann ich nicht und will auch nicht diese Gefühle weiter unterdrücken, weil ich meine Kraft für andere Zwecke brauche. Ich möchte nicht mein Leben vergeuden, um Mamas künstlich geschaffenes Bild vom Leben zu verschönern. Ich möchte mein Leben leben. Und das will sie offensichtlich nicht akzeptieren. Genauso wenig, wie sie mich akzeptieren will, statt zu versuchen, mich immer noch zu ändern und zu erziehen. Und meinen Mann und die Kinder noch mitdazu. Das ist einfach erdrückend.

Hallo!

Erstmal vielen Dank für den Ratschlag. Ich kann jetzt wirklich jede Hilfe gebrauchen.

Es war gezwungene Spontanität, mit der ich nun handelte, weil mir schlicht einfach der Kragen - zu x-ten Mal - geplatzt hat. Jetzt ist eine Woche vergangen und ich kann wieder einiger Maßen klar denken. Allerdings kann ich mich zum ersten Kontakt nicht durchbringen, weil ich schon im Voraus weiss, wie das laufen wird. Vor allem jetzt, wo sie im Krankenhaus liegt: abweisender Blick, sparsame Phrasen, verletzter Stolz. Ich kann einfach nicht, noch nicht…

Mit dem Plan aber werde ich versuchen, ich hoffe, das wird auch bei Mama funktionieren. Das Problem ist noch dazu - der Rest der Familie. Mein Mann unterstützt mich immer, versucht mich nachher aufzubauen, weil ich nach solchen Szenen total zerschlagen bin, wie geistig so auch physisch. Mein Vater und mein Bruder aber halten sich daraus. Es ist eine Angelegenheit zwischen mir und meiner Mutter, das muss ich selbst auslöffeln. Punkt. Dabei würde das mir wesentlich leichter fallen, falls jemand von ihnen unter uns vermitteln würde. Na ja… So ist nun mal unsere Familie.

weder Freund noch Feind
Hallo,

die unten gegebenen Vorschläge, wie du deine Mutter dressieren könntest, sind sicherlich ein Weg, das Zusammensein mit ihr erträglicher zu gestalten.
Die Sache ist aber die, dass du nicht mit ihr zusammensein WILLST.
Du kannst deine Mutter nicht leiden und dir ist sicher schon der ein oder andere Gedanke gekommen, wie einfach es wäre, wenn sie verschwände. Dies unterstelle ich jetzt einfach mal, ausgehend von dem, was ich in deiner Situation dächte.
Wäre sie eine bloße Bekannte, oder sogar auch eine Freundin, dann würdest du einfach den Kontakt abbrechen, denn was bringt er dir? Inwiefern bereichert er dein Leben? Gar nicht, er versauert dir das Leben.
Das Dumme ist nun, dass wir uns unseren Eltern gegenüber verbunden fühlen und uns sehr sehr schuldig fühlen, wenn wir ihren Erwartungen nicht entsprechen und wir merken, dass sie uns nicht lieben.

Warum können wir uns daraus nicht lösen? Warum gehen diese Schuldgefühle nicht weg? Weil sie uns schon als Kind, als wir uns nicht wehren konnten und nicht begriffen haben was mit uns geschieht, eingebrannt wurden. Sie sind Teil von uns geworden, und wenn wir rational auch noch so gut verstehen, dass die eigene Mutter ein schlechter Mensch ist und uns nur quält: das schlechte Gewissen bleibt. Daher ziehst du deine Kontaktabbrüche auch nicht durch. Du musst dann ständig an sie denken und hast ein schlechtes Gewissen, das mit den Tagen immer stärker wird.
Jedesmal da du wieder zurückkommst, sieht deine Mutter sich in deiner Schuldigkeit bestätigt: 'Ah, jetzt kommt sie wieder reumütig an. Ist ja auch richtig so nach all dem, was sie sich geleistet hat."

Zu deinen Schuldgefühlen, die deine Mutter irrtümlich als berechtigt ansieht, kommen noch gesellschaftliche Werte. Du sollst deine Eltern ehren. Dann denkst du: „Ich kann doch meine Mutter nicht alleine lassen. Das hieße doch, sie zu verstoßen. Die eigene Mutter verstoßen, das ist ganz ganz böse. Sie hat doch so viel für mich getan.“

Die richtige Sicht auf die Dinge ist meiner Meinung nach folgende: Unsere Eltern erfüllen sich mit uns IHREN Wunsch nach einem Kind. Sie tun dies, damit sie glücklicher werden. Sie wollen, dass das Kind ihnen Freude macht. Das ist unsere Funktion als Kind.
Hier tritt eine Synergie auf, die diese Tatsache verschleiert: Je glücklicher das Kind, desto glücklicher die Eltern. Daher tun die Eltern auch so furchtbar viel für ihre Kinder. Falsch ist nur, dass die Eltern ihren Kindern diese Wohltaten (die oftmals keine sind) hinterher in Rechnung stellen (Sieh, was ich alles für dich getan habe. Jetzt musst du auch etwas für mich tun).

Wenn die Kinder nicht so mitspielen, wie die Eltern sich das wünschen, dann werden die Eltern oft ungemütlich. Das Glück des Kindes (dabei denke ich auch an erwachsene Kinder), das seinen eigenen Weg gehen will, wird nun plötzlich zweitrangig, d.h. es zeigt sich, das es nur Mittel zum Elternglück und kein Selbstzweck war.

Ich denke daher, dass wir unseren Eltern grundsätzlich nichts schuldig sind. Wir haben unsere Eltern als Kinder erfreut oder geärgert, sie haben uns erfreut oder geärgert. Sind die Kinder erwachsen, ist das Konto ausgeglichen und eine neue Phase der Eltern-Kind-Beziehung beginnt: Die gleichberechtigte Freundschaft. Man hilft sich gegenseitig, geht freundlich miteinander um und nimmt am Leben des Freundes (Kind, Eltern) teil. Wenn einer der Freunde nun dauerhaft diese Freundschaft stört, dann muss man sie leider beenden.
Ansprüche aus Kindertagen gibt es nicht. Die Freundschaft erhält sich nicht von allein.

Was uns von einem konsequenten Handeln gemäß dieser Sichtweise abhält, sind besagte Schuldgefühle, die ein Automatismus aus der Kindheit sind, und gesellschaftliche Normen.
Letztere sind jedoch nicht mehr besonders stark. Wenn man heute sagt, man habe den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen, reagieren die meisten Menschen eher empathisch (i.S.v. das war bestimmt nicht einfach, du hast sicher Einiges durchgemacht) als dass sie entsetzt fragen, wie man so herzlos sein könne.

Hilft dir jetzt konkret nicht unbedingt weiter, aber gibt dir vielleicht etwas zum Nachdenken.

Um es zusammenfassen: Meide die Menschen, die dich unglücklich machen.

Tychi

P.s. Du kannst hier im Archiv auch mal nach schwierigem Verhältnis zur Mutter (oder so ähnlich) suchen. Da findest du andere, denen es ähnlich geht wie dir.

Hart aber wahr… Nein, die Gedanke, dass sie verschwinden sollte, kam mir noch nicht, aber es fehlt nicht viel. Und ich kann sie tatsächlich manchmal nicht leiden. Weil sie mir das Gefühl gibt, in einem falschen Theaterstück eine schlechte Rolle zu spielen. Und dabei noch mit guter Miene. Das raubt mir ungeheuer viel Energie, aber bis jetzt habe ich alles mitgemacht. Um Mama zu gefallen. Seltsam für eine 38-jährige, nicht wahr?

Ich danke vielmals für den Stoff zum Nachdenken. So habe ich das Problem noch nicht gesehen.

Hallo,

naja, schau Dir mal an was so die Gerneration unserer Mütter oder Omas geleistet hat oder auch nicht.

Oft ist da noch der Glaube verbreitet dass es Lebensinhalt für Frauen ist einen Mann zu haben (dann biste versorgt), ein Haus (dann haste was erreicht) und als ordentliche Frau musste halt auch Kinder haben. Was bleibt dann noch viel als die 3 Dinge nach außen hin zu präsentieren. Natürlich gehörst Du da zu - mit Sicherheit weil sie dich liebt, aber auch weil Du da sein musstest, um es „geschafft“ zu haben, weil es dem Bild der netten Familie entspricht. In diesem Zwiespalt steckt Deine Mutter mit sicherheit genauso wie Du. Man liebt sich, aber man muss eben auch andere Aufgaben erfüllen und Du erfüllst sie eben nicht, wenn Du andere Prioritäten setzt - was DU ja auch musst, weil man sonst den Job nicht mehr mit unter bekommt und die Betreuung der Eltern auch nicht etc.

Sie wird stolz auf Dich sein, weil Du studiert hast - das ist ja auch toll repräsentativ - da ist was aus dem Kind geworden - und sie wird sich auch für Dich freuen, dass Du die Möglichkeiten hattest und genutzt hast - aber vermutlch passt Dein Beruf nicht in das nette Mädchen Bild. Das ist natürlich ein Wehrmutstropfen.

Dass Du dann mit Deinem Traumstudium arbeiten gehst - mhhhhh - zweigespalten. Das ist irgendwie toll, dass Du unabhängig bist - auf der anderen Seite: Kann Dein Mann nicht die Familie ernähren?? Was hast Du Dir da für nen Typen geangelt, der Dich nicht ernähren kann und der von Dir verlangt arbeiten zu gehen.
Auch hier schlagen wieder mindestens zwei Herzen in ihrer Brust. Lob und Stolz aber auch ein Problem mit ihrem Weltbild wie Frauen zu sein haben in ihrer Familie?

Ich spekuliere hier einfach mal ins Leere - vielleichts triffts, vielleicht auch nicht, aber dann hast Du drüber nachgedacht und findest dabie vielleicht weitere Aspekte die bei Euch zutreffen könnten.

Grüße und viel Erfolg!!! Es lohnt sich dran zu arbeiten, auch wenns manchmal weh tut und echt anstrengend ist.
Alexandra

Naja, Dein Vater hat da auch nur seine Rolle und der wird er sich fügen - schließlich muss er mit Deiner Mutter weiter zurecht kommen, wenn Du weg bist :o)

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…mh, ich hatte 15 Jahre keinen Kontakt zu meiner Mutter - die Überlegungen die ich Dir mitgeteilt habe kamen auf, als sie vor zwei Jahren plötzlich verstarb und sich mit dem nun neuen Verständnis meiner Welt durch die eigene Mutterrolle die Welt anders betrachten ließ. Ich hatte keine Chance mit den neuen Wahrheiten noch mal eine Beziehung zu meiner Mutter zu starten, aber vermutlich wäre die Beziehung nie erfreulich verlaufen (es sei denn sie hätte aus ihrer Rolle ausbrechen können). Das sehen der neuen Wahrheit und den Strukturen die dahinter liegen hilft mir einiges in meinem Leben zu verstehen und warum was wie gelaufen ist und einige Verhaltensweisen meiner Mutter mit liebenderen Augen zu sehen - und zu verstehen welchen Druck sie von meiner Oma erfahren hat, dass mein Papa sie auch ab und an hängen lassen hat was da den Rückhalt gegen die Oma anbelangt und sie oftmals mit mir alleine völlig überfordert da stand. Ich kann differenzieren wo sie wirklich aus Liebe zu mir gehandelt hat und was dann wegen der Nachbarn gemacht wurde.

Im übrigen hat sich nach dem Tod meiner Mutter das bis dato sehr gute Verhältnis zu meiner Oma drastisch verschlechtert, da sie nun mich unter Druck gesetzt hat. Ich musste jetzt das perfekte Enkelkind spielen, mein Sohn wurde zum SuperUrenkel der ach so super toll ist und sonst was kann … jetzt wurden wir den Nachbarn vorgeführt - um so schlimmer, dass wir als Firmenersatzwagen irgendwann mal mit nem kleinen, schmutzigen, alten Ford Focus in Mülltonnenblau vor der Tür standen - da hat sie sich soooo geschämt für - und dann mein Mann ohne Anzug und in Jeans - ohgottogottogot. So wollte sie mit uns noch nicht mals essen gehen.
Den Kontakt habe ich zwischenzeitlich auch abgebrochen. Ist mir einfach zu stressig.

Grüße,
Alexandra

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Liebe O.,

ersteinmal meinen Glückwunsch zur fortschreitenden Abnabelung! :smile:

Die Beziehung zwischen deiner Mutter und dir nehme ich als sehr verstrickt wahr. Den Rat von „Dahinten“, für dich und deiner Mutter gegenüber klare Grenzen zu ziehen, finde ich gut und wichtig, allerdings wird das m.E. dein Problem nicht langfristig lösen können.
Es ist nur ein erster Schritt vom „Dienstmädchen“ zur Gleichgestellten.

Du hast schon früh begonnen, unabhängig der mütterlichen Erwartungen, dein Leben nach deinen Vorstellungen zu gestalten. Ich denke, dich ganz und gar abzunabeln/ den Kontakt abzubrechen, kann eine Möglichkeit sein, mit der es dir besser geht. Viel mehr im Vordergrund steht m.E. jedoch deine persönliche Entwicklung…

Das Wort „nein, ich kann nicht“ habe ich gründlich vergessen

…z.B. zu lernen, „nein!“ zu sagen

weil ich Angst vor Konsequenzen habe

…z.B. die Erfahrung zu machen, dass du Konsequenzen ertragen kannst

mehrmals versucht, den Kontakt abzubrechen. Dann bekomme ich aber schlechtes Gewissen.

…z.B. so zu leben, wie es dir gut tut, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen

ich lebe falsches Leben.

…z.B. das Gefühl zu entwickeln, dass du ok bist, wie du bist und dass du dein Leben genießen kannst

etc., etc.
Da die Beziehung zu unseren Eltern unser Denken, unsere Gefühle, unser Verhalten maßgeblich geprägt hat, ist es sehr schwer, sich davon zu lösen. Und meist sind wir auch nicht in der Lage, uns gänzlich zu verändern sondern lediglich alte Muster durch neue zu überlagern. Eine große Hilfe hierbei kann eine Therapie sein und genau dies würde ich dir raten.

Allein, wenn ich mir vorstelle, welches Bild von Liebe du vermittelt bekommen hast…

Sie hat mir gesagt, sie würde mich lieben

Meine Mutter beschuldigt mich immer wieder, dass ich zu wenig für sie tu.
Egal, was ich tu, es ist immer noch nicht genug.
Ich werde immer noch dafür „Bestraft“, dass ich aus dem Haus ausgezogen bin.
Sie sagt: du warst so ein liebes Kind, dann kam dieser Mann und du hast dich total verändert, er ist daran schuld, du bist herzlos.
Egal was ich mach, ich mache es falsch.
Ein Nein lässt sie nicht gelten.
Sie hat mich wie ein Dienstmädchen behandelt, hat
mir ständig vorgeworfen, dass ich sie verraten habe dadurch,
dass ich geheiratet (habe) und ausgezogen (bin).
Stolz ist sie nicht auf mich

Sorry, aber das ist sehr gruselig zu lesen und bestärkt mich einmal mehr darin, dir zu einer Therapie zu raten.

Ob sich deine Mutter noch groß ändern wird, das ist fraglich, vor allem haben das weder du noch wir in der Hand. Somit ist das einzige das bleibt, dass du für dich einen Umgang mit deiner Mutter findest, mit dem es dir gut geht. Wie dieser letztendlich aussieht, das kannst nur du selbst für dich rausfinden, und daher glaube ich auch, wie eingangs gesagt, dass wir dir hier leider nicht groß mit Tipps im Umgang mit deiner Mutter helfen können.

Für deine aktuelle Situation rate ich dir, deinem Gefühl zu folgen und sie nicht zu besuchen, auch wenn du dann ein schlechtes Gewissen hast. Solange du auf ihr selbstsüchtiges Verhalten Rücksicht nimmst, wird sie sich immer wieder so dir gegenüber verhalten.

Jedenfalls wünsche ich dir viel Kraft, Mut und alles Gute
jeanne

P.S.

Und soll ich tatsächlich nach Plan meiner Mutter leben?

Definitiv nein!

P.S.S. Ein paar mehr Absätze würden deinem Text auch gut tun bzw. unseren Augen :smile:

Es kann Angst sein…
Grüß dich,

zuerst will ich dir sagen, das wir nur Nutzer sind, die mit ihren Erfahrungen/Meinungen sich etwas zu deinem Posting bilden und keine „Seelenklempner“ sind, die das med. und professionell angehen.Das solltest du im Hinterkopf behalten.

Ich bin jetzt 38, glücklich verheiratet, habe zwei Töchter.
Nach aussen scheint alles in Ordnung zu sein. Aber… Wo soll
ich anfangen?

Das ist doch schön =)

Meine Mam ist eine starke und tempramentvolle
Frau. Als Kind habe ich sie immer bewundert und sogar etwas
gefürchtet. Auf jeden Fall habe ich mich immer bemüht, den
Konflikten mit ihr aus dem Weg zu gehen. Das ging einiger
Maßen, bis ich mich weigerte, das zu studieren, was sie für
mich vorgesehen hatte. Da gab es eine hessliche Szene. Einige
Zeit später hat es sich gelegt. Vergessen und vergeben. Dann
wollte ich heiraten. Sie war strickt dagegen. Sie hatte ihre
Gründe (mein Mann entsprach nicht ihren Erwartungen). Ich
heiratete trotzdem, wir sind nun schon seit fast 20 Jahren
glücklich verheiratet. Meine Hochzeit aber war ziemlich
peinlich für mich. (Meine Mutter hat z. B. laut allen erzählt,
dass es der tragischste Tag ihres Lebens ist).

Meine Mutter beschuldigt mich …
Dabei versuche ich mein bestes…

Das Wort „nein, ich kann nicht“ habe ich
gründlich vergessen, weil ich Angst vor Konsequenzen habe.

Dabei muss ich oft meine eigene Pläne komplett ungestalten.

Aber es hilft alles nicht. Egal, was ich tu, es ist immer noch
nicht genug. …

Egal was ich mach, ich mache es falsch…

Ich mag es nicht, meine
Eltern zu besuchen, weil ich andauernd daran denken muss, was
ich, mein Mann oder die Kinder falsch machen könnten.

Den Rest in die Bruchstücke zu zerteilen, erspare ich mal, da es ja alles für mich das selbe, bzw. ähnlich ist.

Bisher sehe ich als Leser einmal deine Mutter, die gerne die Zügel in der Hand hat und schon ganz früh hatte(Studium Geschichte).
Außerdem sehe ich dich, als eine emotionelle, psychisch nciht starke Frau, die es versucht allen Recht zu machen und nicht dabei mal sich anschaut, sondern nur leidet. Leiden die nicht seien müssten.

Deine Mutter hat bestimmt, was du studieren solltest, welchen Mann du heiraten solltest, wahrscheinlich hätte sie dir auch noch dein Hochzeitskleid ausgesucht, sowie dein Mittagessen für die nächsten 3 Monate.

Du hingegen hattest andere Ziele. Ziele die Du erreichen wolltest.
Du wolltest was anderes studieren, weil es dir nciht gepasst hat.
Du wolltest den Mann heiraten, mit dem du schon so lange glücklich bist.
Du willst auch einen normalen Familienalltag mit Kindern, Mann und Job führen.

Merkst du was? Es geht um dich… und du bist jetzt groß. Das war deiner Mutter evt. erst seit dem Studium klar(oder zum. unbewusst), dass du Erwachsen wirst und du dein Leben in die Hand nehmen musst. Wenn Kinder groß werden, heisst das auch Abschied nehmen, was wiederum Einsamkeit zur Folge hat. Davor hat sie evt. Angst. Angst alleine zu sein und Angst, die „Macht“ zu verlieren über dich.
Deswegen setzt sie dich evt. so unter Druck, dass du dich um sie kümmern müsstest und sie dir so viele Vorwürfe macht.

Das Problem daran ist, dass ihre Taktik aufgeht, da du einknickst. Manche Sachen hast du durchgezogen, aber du knickst an anderen Stellen ein.
Lass deine Mutter reden und tun was sie will, du bist jetzt groß und immerhin 38.

Es ist dein Leben!

Du musst ein Leben führen, eine Familie organisieren, Kinder erziehen, einen Job nach gehen, einen Mann lieben und einfach du selbst sein.

Dass heisst aber nicht wiederum, dass du deine Familie aufgibst und sie total vergisst. Immerhin hat jeder eine emotionale Verbindung zur seinen Eltern irgendwie. Nur du musst entscheiden, wann du sie besuchen willst.

Wenn meine Mutter mir Vorwürfe macht, würde ich erst recht nicht kommen, besonders, wenn sie mein Leben und meine Entscheidungen nicht akzeptieren kann.
Wenn ich will, besuche ich meine Eltern und sie freuen sich mich zu sehen, wenn ich mal da sein kann.
Wenn meine Eltern hingegen im Krankenhaus liegen, würde ich es als guten Ton empfinden, bei ihnen zu sein(außgenommen sie sind immer noch so schräg drauf).

Ich wiederhole mich zwar oft, aber dann ist es evt. auch ins Gehirn eingeprägt.

Lass dir dein Leben nich von deiner Mutter abhängig machen, sondern nur von dir.
Lass dir kein schlechtes Gewissen von anderen Personen machen, solange du der Meinung bist, dass es gut so ist.
Lass dir Zeit, um nachzudenken, ob du wirklich in Kontakt mit so eienr Mutter treten willst.

Was du versuchen kannst, ist ein klärendes Gespräch zu führen, wo du aber die Nerven behalten musst(nicht nachgeben, aber auch nicht ausflippen) und sich danach entscheiden, wie es bei euch weiter geht.

mfg,

Hanzo

Ich kann da Hanzo nur zustimmen.

Es gibt genug Menschen, die es anderen (besonders Eltern) Recht machen wollen.
Doch häufig, haben Eltern andere Pläne, vllt. welche, die sie selbst nicht verwirklichen konnten und so ihre Wünsche übertragen.

Du solltest wirklich versuchen, auf die Meinung deiner Mutter nicht allzu große Wert zu legen.
Letztendlich sieht sie, dass du dein Leben auf die Reihe bekommst und du weißt, dass du alles richtig gemacht hast.

Was sie nun darüber denkt, dass du nicht „Ihrem“ Wunsch gefolgt bist, kann dir egal sein. Denn es ist ja DEIN Leben. Wenn ihr es nicht gefällt, soll sie erstmal bei sich selbst was ändern und nicht an dir rumbasteln.
Versuche, wenn dein Mann, Kinder und du, bei ihr zu Besuch sind, ihre Äußerungen zu deinem Leben oder Ähnliches einfach stumpf zu ignorieren.
Das klappt meistens ganz gut, du musst dur nichts vormachen. Wenn du drauf anspringst, ist es für sie nur ne Bestätigung, dass sie insgeheim Recht hat. Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen!

LG

Hallo.

Meine Devise im Leben: Umgib dich mit Leuten, die dich fördern, fordern und dir guttun. Meide die Menschen, die dich runterziehen.

Ich persönlich würde an deiner Stelle den Kontakt zu ihr auf ein absolutes Minimum (Besuch an Weihnachten oder Geburtstag) einschränken oder aber den Kontakt komplett abbrechen.

Du musst dich dafür weder entschuldigen, noch ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber haben. Du bist erwachsen und sie wird ohne dich überleben, genau so wie du ohne sie überleben wirst.

Hallo!

Ich suche hier auch keine psychologische Beratung, ich versuche nur auf dieses Dilemma, das bestimmt auch in den anderen Familien existiert, einfach eine neue Sichtweise zu gewinnen. Ich fühle, dass ich festgefahren bin, sich in einer Sackgasse befinde. Und dafür, dass es so viele Antworten gibt, bin ich sehr dankbar. Es hilft mir unheimlich. Es tut mir unglaublich gut, weil ich mich bis jetzt in jeder Lage nur noch schlecht fühlte und keinen Ausweg sah.

Jetzt, wo die erste Welle von Wut und Enttäuschung zurückgerollt ist, und ich wieder ruhig nachdenken kann, glaube ich, dass es wirklich Angst ist. Meine Mam hat einfach Angst, allein zu bleiben. Sie ist seit Jahren krank, kann nicht arbeiten. Mein Vater hat sich in seine Arbeit zurückgezogen. Mein Bruder hat geheiratet und nun ist ein glücklicher Vater geworden. Er ist voll mit seiner Familie beschäftigt. Andere Verwandten haben wir nicht. Nun fühlt sich meine Muter allein gelassen. Dabei scheint es eigentlich normal, dass die Kinder irgendwann groß werden und aus dem Haus gehen. Es scheint auf jeden Fall für mich logisch und ich bin dazu auch bereit, eigene Kinder loszulassen. Es ist schmerzhaft, aber notwendig. Andererseits ist es die beste Zeit endlich mal wieder sich auf sich selbst zu konzentrieren, da die Kinder selbstständig sind. Und das ist offensichtlich ein Problem für meine Mutter. Sie braucht das Gefühl, ständig gebraucht zu werden, sie muss sich dauernd um jemanden kümmern.

Ich kann mir das jetzt schlecht vorstellen, da ich im Gegensatz zu ihr umgekehrt, keine Zeit für meine Lieblingsbeschäftigungen habe. Ich male gern, ich lese gern, Tanzen, Singen… Es gibt so viel. Nur Eines ist zu wenig - Zeit. Sie hat alle Zeit der Welt und kann damit nichts anfangen, nur ständig sich über das Leben zu beschweren. Das ist sinnlos.

Dann wären da noch eigene Träume… Ja, das Gefühl hatte ich auch, dass meine Mam unbewusst eigene Träume auf mich projeziert. Natürlich will sie nur das Beste für mich, woher weiss sie nur, WAS für mich das beste ist? Das Leben ändert sich so schnell und wir beide sind total unterschiedlich.

Aber das Schwierigste ist ein sachliches Gespräch mit meiner Mutter zu führen. Ihr Selbstwertgefühl ist gleich Null. Sie reagiert sofort reserviert auf jede negative Andeutung und wird agressiv. Wir haben in der Familie sie immer geschützt, weil sie herzkrank ist, und weil wir sie sehr lieben. Ich bin damit erzogen wurde, Mama nicht unnötig anzustrengen. Diese Angst lebt immer noch in mir, weil sie schon seit Jahren krank ist. Vielleicht mache ich auch deswegen alles mit, obwohl das meiner eigener Familie oft schadet.

Über eine Terapie habe ich schon nachgedacht. Ich wäre dafür, aber ich glaube, meine Mutter würde das nicht mitmachen. Erstens, es würde nach Ausssen einen ungesunden Eindruck machen. Zweitens, meine Mutter ist tief gläubig. Sie flüchtet sofort in die Bibel und dort kann ich ihr nicht folgen. Ich glaube zwar auch an Gott, ich verschließe mich aber nicht der Welt da draussen, solange es nicht mit meinen Überzeugungen auseinander geht. Ich bin eigentlich ein sehr lebensfreudige Mensch.

Na ja, auf jeden Fall habe ich jetzt viel Stoff zum Nachdenken und das tu ich auch. Vielen Dank noch einmal!

P.S.: Ich habe bei meiner Mutter im Krankenhaus angerufen. Zum persönlichen Treff bin ich noch nicht bereit. Zu tief hat sie mich verletzt. Ich muss aber das Herz fassen und versuchen, ihr das zu erklähren. Sie war überrascht, mich zu höhren. Sie dachte, ich würde mich nicht mehr melden. Aber, wenn meine Gefühle sich wieder beruhigen, dann wird mir klar: Es muss sich etwas ändern und ich liebe sie doch…

Eigene Maßstäbe entwickeln
Hallo,

ich persönlich glaube, dass nur eines wirklich hilft:

  1. Überlegen, wieviel Zeit und Energie man realisch geben kann und will.
  2. Sich überlegen, wie ist für mich eine gute Tochter/Sohn/Enkel/usw. Und zwar ganz konkret. Z.B.: Um „gut“ zu sein darf ich keinen Geburtstag vergessen/muss einmal die Woche eine Karte schreiben/eine Niere spenden.
  3. Sih genau an die vorher definierten Qualitätsmerkmale halten und die Einhaltung der selben regelmäßig überprüfen und justieren.

Deine Mutter wirst Du nicht ändern. Und Du wirst niemals so sein, wie sie will. Weil sich die Erwartungen dann eben wieder irgendwie ändern würden. Es wird nie „genug“ sein. Du kannst da nur raus kommen, wenn Du das in die Hand nimmst und formalisierst.

Ich wünsche Dir alles Gute!