Muttermilchentstehung: Reflex oder homonell Bed.?

Hi,

wenn ich mich recht erinnere habe ich mal in einer Bio-Arbeit die Frage nach der Muttermilchentstehung mit „hormonell gesteuert“ falsch beantwortet. Es soll ein Reflex sein.

Stimmt das so? Können die Brüste jeder Frau (im gebärfähigen Alter) Muttermilch produzieren wenn sie entsprechend durch saugen gereizt werden (und die Schwangerschaftshormone verbessern nur die Voraussetzungen)?

Grüße,
J~

Hi!

Stimmt das so? Können die Brüste jeder Frau (im gebärfähigen
Alter) Muttermilch produzieren wenn sie entsprechend durch
saugen gereizt werden (und die Schwangerschaftshormone
verbessern nur die Voraussetzungen)?

-Das weiß ich nicht, aber ich hatte mal Milch als Nebenwirkung eines Medikaments (nennt man Galakthorrö)… hab mich sehr geschreckt! Das heißt ohne Saugen.
-Soweit ich mich erinnern kann, hatte meine Mutter Pads im BH (damit die Milch da hineinfließt und nicht in den BH), schon als sie hochschwanger war und nicht erst nach der Geburt. Das heißt auch hier ohne Saugen.

Wie es jetzt geht NUR mit Saugen ohne Medikamente oder Schwangerschaftshormome: das hoffe ich, kann dir jemand anders sagen.

Grüße,
Bethje

Hallo,

es ist ein Reflex.

Warum das in der SS schon kommt ohne Saugen weiss ich auch nicht. Ich weiss aber das sogar eine Mutter ein Kind stillen kann welches sie adoptiert hat. Es dauert natürlich eine ganze zeit bis dieser reflex dann einsetzt und braucht viel Geduld, aber es geht.

LG
Sandy

Hi,

Es dauert natürlich eine ganze
zeit

na soo lange kann das nicht sein (sind auch nur ganz wenige Tage), denn in der Zeit bekommt ein Neugeborenes nichts zu futtern :wink:

Grüße,
J~

Hi,

Es dauert natürlich eine ganze
zeit

Es dauert nur so lange, wenn die Frau dieses Kind nicht geboren hat, weil dann die Brust ja auch nicht drauf vorbereitet war zu stillen. Es gibt sogar extra Flaschen mit Schläuchen die mann dann dem kind mit in den Mund steckt damit da auch was kommt. Wenn man sonst stillt(also sein eigenes kind) dauert es 2-5 Tage bis die Milch einschiesst.

LG
Sandy

Hi,

Es dauert nur so lange, wenn die Frau dieses Kind nicht
geboren hat, weil dann die Brust ja auch nicht drauf
vorbereitet war zu stillen.

hmm, genau das würde von der Logik her _gegen_ einen Reflex und für Hormone sprechen. Meine Ursprungsfrage bleibt leider weiter ungelöst… :frowning:

Viele Grüße,
J~

Milchflußreflex
Moin Jame~,

so wird das Ding genannt.
Wobei Reflex ja immer einen Hauch von Nervensystem in sich hat.
Allerdings sagt der Psychrembel dazu zweierlei:

  1. "Das Ingangkommen und die Aufrechterhaltung der Laktation ist ein noch nicht in allen Einzelheiten gekläter komplexer Vorgang,…“
    und
  2. „… durch den physiologischen Saugreiz und daran gekoppelte neurale Faktoren…“

Ich hab den Begriff Milchflußreflex an keiner ernsthaften medizinischen Quelle gefunden.
Allerdings muß man sich klar sein, daß es sehr sehr enge Verflechtungen zwischen dem Nervensystem und hormonellen System gibt.
Der Hypothalamus ist Teil des Zentralen Nervensystems, allerdings produziert er auch Hormone und zwar u.a. das Hormon, daß für den Milchfluß zuständig ist.
Die zwei Hormone, die für die Milchproduktion und den Milchfluß am wichtigsten sind heißen Prolaktin und Oxytocin.
Beide werden im Rahmen von Regelkreisen schon während der Schwangerschaft gebildet. Beide haben auch eine Basissekretion, die bei Mann und Frau immer stattfindet und mindestens Oxytocin wird nicht nur in Schwangerschaft und Stillzeit noch zusätlich zu besonderen Anläßen, z.B. Organsmus ausgeschüttet.
Das Prolaktin hilft beim Umbilden der Brustdrüse und sorgt für die Milchproduktion.
Das Oxytocin bringt vorempfindliche Muskulatur zum Krampfen. Das ist z.B. die Gebärmuttermuskulatur, wenn diese gedehnt ist, das ist die Samenleitermuskulatur, das ist die Muskulatur der Milchgänge. Das heißt Oxytocin ist für den Milchfluß zuständig.
Während der Schwangerschaft gibt es einen besonders hohen Progesteron-Spiegel. Da das Progesteron sich an die gleichen Rezeptoren in der Brustdrüse setzt auf die auch das Prolaktin will, wird in der Schwangerschaft der ganz große Milchfluß verhindert. Direkt nach der Geburt sinkt der Progesteron-Spiegel gewaltig und wenn der ordentlich unten ist, so am 2-4 Tag (solange brauchen Leber und Niere um den runter zubringen, wenn der Nachschub fehlt), dann schießt die erste Milch ein.

Bei einer Frau, die noch nicht geboren und gestillt hat, ist es möglich, daß durch immer wieder heftiges Saugen an der Brust die Oxytocinbildung gesteigert wird (das ist einer der Gründe warum es beim Sex solchen Spaß macht da geküßt und mehr zu werden)und auch wieder im Rahmen von Regelkreisen schließlich auch die Prolaktin-Produktion. Bei Frauen, die schon geboren und gestillt haben oder zumindestens schon mal länger schwanger waren, geht das schneller.

Man könnte also von einem hormonell gesteuerten Milchflußreflex sprechen.
Allerdings die Milchenstehung, dafür ist halt auf jeden Fall u.a. das Hormon Prolaktin zuständig. Allerdings muß frau halt nicht unbedingt schwanger gewesen sein.
Bei Nicht-Schwangeren dauert es aber bestimmt Wochen bis Monate, bis das ganze funktioniert.
Da gibt es ein Buch von der LaLecheLiga – das Stillbuch von Hannah Lohtrop in dem die Idee auch nochmal lang und ausführlich dargestellt wird. Ich vermute, die haben auch eine Homepage.
Das war jetzt sehr vereinfacht dargestellt, aber ich hoffe, es beantwortet deine Frage.

Gruß
Kerstin

Psychische Auslöser

Der Satz aus dem Psypuschel: „… ein noch nicht in allen Aspekten geklärter., komplexer Vorgang“ gefällt mir gut.
Mir ist nämlich noch ein Aspekt eingefallen, der weder mit dem Saugreiz noch einer vorher bestehenden Schwangerschaft zu tun hat.
Es soll ja vorgekommen sein(Hörensagen), dass Frauen, die die Schwangerschaft einer anderen Frau intensiv begleitet haben(in der Steinzeit, oder so, wo frau noch gemütlich in Höhlen aufeinander hockte), direkt nach der Geburt Milch produzieren, ohne vorangegangenen Saugreiz.
Eine Freundin von mir, Psychologin, erklärt das mit dem „unerfüllten Kinderwunsch“ dieser Frauen. Sie hat dasselbe Phänomen bei einer alten Stute, die die Weide mit einer anderen trächtigen Stute geteilt hat, beoachtet. Bei der alten Stute ist die Milchproduktion schon vor der Geburt in Gang gekommen.
(Mit unerfülltem Kinderwunsch ist damit natürlich nicht unbedingt der vordergründige Gedanke:„Ich hätt´so gern ein Baby“, gemeint, sondern eher der tiefverwurzelte Trieb sich zu reproduzieren, der, wenn er nicht erfüllt wird, durchaus zu einer psychischen Verstimmung führen kann.)
Gut, das bezieht sich jetzt eher auf die Milchproduktion, aber auch der einsetzende Milchfluss ist nicht unbedingt an ein saugendes Baby gekoppelt, wie ich ausnamsweise mal aus eigener Erfahrung weiß. Oft reicht es, wenn das Baby schreit, oder manchmal auch nur der Gedanke an das abwesende Baby und es fließt.
Aber im Grunde läuft es auf das hinaus, was hier ja schon gesagt wurde.
Psychische Zustände bewirken dann die neurologischen und hormonellen Veränderungen.
Also mal so ganz laienhaft, und ohne von Physiologie auch nur die blasseste Ahnung zu haben:
Stillen gehört zu unserem genetischen Programm und ist(war) so existenziell notwendig, dass es nicht gut wäre, wenn das Ingangkommen nur von einem Faktor abhinge.

Etwas verwirrte Grüße
Anna

Ich glaube, ich habe das Thema verfehlt und geh´jetzt kalt duschen…

Hi,

vielen Dank für deine ausführliche Erläuterung. Scheint in der Tat keine einfache Erklärung zu geben und eine Ursache allein scheint auch nicht auszureichen. Nach „Milchflußreflex“ werde ich noch mal googlen auf alle Fälle danke für das Stichwort.

Ich vermute, die haben auch eine
Homepage.

Ja, http://www.lalecheliga.de/ . Aber so richtig informativ fand ich die nicht :wink:

Das war jetzt sehr vereinfacht dargestellt, aber ich hoffe, es
beantwortet deine Frage.

Ja, tut sie :smile:

Viele Grüße,
J~