Hallo zusammen,
wie ich ja schon in manchen Postings erwähnt habe, verbindet mich mit meiner Mutter ein sehr tiefgreifender Konflikt. Der einzige Mensch, der das nicht weiß, ist meine Mutter.
Ich dachte immer, ich hätte das Problem dadurch gelöst, daß ich von zuhause fortgegangen bin. Ich habe mein eigenes Leben aufgebaut. Ich sehe meine Mutter zwar regelmäßig, aber selten lange genug, um mich über sie aufzuregen. Es ist auch nicht so, daß sie mir körperliche Gewalt angetan hätte oder mich missbraucht: Der Konflikt zwischen uns ist subtiler. Sie hat mir ein gerütteltes Maß an Urmißtrauen und Ängsten mitgegeben, an denen ich immer wieder laboriere. Ich habe viel davon abgeschüttelt, seit ich von zuhause fortgegangen bin, aber einiges ist immer noch da.
Mir ist erst im letzten Jahr bewusst geworden, wie sehr sie immer noch wie ein Schatten über mir liegt. Ich streite, ich diskutiere, ich hadere mit meiner Frau, mit Freunden, mit Kollegen, mit Auftraggebern,
und mittendrin habe ich das Gefühl, daß ich eigentlich nur gegen den Schatten meiner Mutter kämpfe.
Der Gedanke, mal wirklich mit meiner Mutter zu streiten, steht im Raum; ich weiß aber noch nicht, ob ich es tun werde und ob es überhaupt die Lösung ist. Ich erzähle das nur, weil das hier sicher sonst auch jemand vorgeschagen hätte.
Am Sonntag ist Muttertag. Meine Schwestern werden dort sein und meine Nichten. Es wird sicher eine nette Familienfeier. Aber es widerstrebt mir, meine Mutter zu feiern. Es wäre kein Problem, wenn ich nicht hinfahre, aber ich müsste mir irgendeinen Grund aus den Fingern saugen - das ist aber letztendlich genau das, was ich von ihr gelernt habe, nämlich mich zu verstecken und zu verbergen. Es ist aber auch nicht der richtige Zeitpunkt, die Wahrheit zu sagen.
Ein richtiges Dilemma. Habt ihr Ideen, wie ich das umschiffen kann? Weggbleiben, ohne einen Streit anzufangen, aber auch ohne das Gefühl, mich schon wieder zu verstrecken?
„I’ll try to make it right,
No more hidin’ in the night.“
(Johnny Cash)
Gruß,
Max
Muttertag ist eine verdammt schlechte Ausgangsposition.