immer öfter lese ich ein Komma mitten im Satz, so wie hier:
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, taucht ein Video auf.“
Bisher hab ich diese komische Kommasetzung ja auf Verwirrungen im Kopf des Schreibers geschoben, aber dieser Satz steht immerhin ganz oben auf einer seriösen Nachrichtenseite, und so langsam frage ich mich, ob ich nicht doch eine neue Regelung verpasst habe.
Vielleicht ist ja das Komma, das man neuerdings beim erweiterten Infinitiv mit „zu“ aus unerfindlichen Gründen einsparen will, an dieser neuen Stelle wiederaufgetaucht?
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, taucht
ein Video auf.“
[…]so
langsam frage ich mich, ob ich nicht doch eine neue Regelung
verpasst habe.
Hallo,
Judy!
Ja, diesen Fehler findet man ziemlich oft.
Mir scheint, hier wird beim Adverbiale nicht unterschieden zwischen einem Präpositionsausdruck („nach dem Bombenanschlag …“) und einem Nebensatz („nachdem ein Bombenanschlag stattgefunden hatte, …“).
Gruß!
Hannes
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, taucht
ein Video auf.“
Abgesehen [kein Komma] von schlechten Deutschkenntnissen, kann dieser Fehler auch der nachträglichen Kürzung einer Meldung geschuldet sein.
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, bei dem rhabarber schwätz laber, taucht ein Video auf.“ Das (der Satz, nicht das Video) soll nun in einen anderen textlichen Zusammenhang geprügelt werden - unter Platzmangel: „Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, bei dem rhabarber schwätz laber, taucht ein Video auf.“ Und schon haben wir den Beispielsatz mitten in einer Meldung, und alle Germanisten schlagen die Hände vors traulich blickende Antlitz.
immer öfter lese ich ein Komma mitten im Satz, so wie hier:
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, taucht
ein Video auf.“
Wie bisher schon richtig bemerkt wurde, hat das Komma natürlich bei einem Präpositionalausdruck nichts verloren.
Woher kommt es aber? Es scheint sich aus dem Englischen, wo es ja in diesem Zusammenhang durchaus üblich ist, eingeschwindelt zu haben - wieder mal so ein Anglizismus.
„Nach einem Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier, taucht
ein Video auf.“
Wie bisher schon richtig bemerkt wurde, hat das Komma
natürlich bei einem Präpositionalausdruck nichts verloren.
Woher kommt es aber? Es scheint sich aus dem Englischen, wo es
ja in diesem Zusammenhang durchaus üblich ist, eingeschwindelt
zu haben - wieder mal so ein Anglizismus.
Obwohl ich ja sehr dafür bin, nicht nur in Verbindung mit dem Wortschatz von Anglizismen zu reden, glaube ich das hier nicht. Die wichtigste Kommaregel im Englischen lautet ja im Gegenteil:
„When in doubt, leave it out!“
Wozu dient ein Komma eigentlich?
Es markiert eine Sprechpause und zeigt an, bis wohin man beim lauten Lesen eines Satzes noch durchhalten muss, bevor man wieder Luft schnappen kann!
Wenn das Vorfeld vor dem flektierten Verb im Hauptsatz besonders lang ist, ist der Bedarf, danach Atem zu holen besonders groß.
Bei einem besonders langen Vorfeld vor dem flektierten Verb im Hauptsatz(,) ist der Bedarf, danach Atem zu holen besonders groß.
Auch wenn es den gegenwärtigen Regeln nicht entspricht: Ich halte das Komma in der zweiten Variante für genauso gerechtfertigt wie in der ersten, egal was Herr Sick dazu sagt:
Es scheint sich aus dem Englischen, wo es
ja in diesem Zusammenhang durchaus üblich ist, eingeschwindelt
zu haben - wieder mal so ein Anglizismus.
Nein, halte ich für unwahrscheinlich. Diese (und ähnliche falsche Kommasetzungen) sind mir das erstemal vor zehn jahren bei (Trachten)-Vereinschriftführeren in meinem nayrischen Heimatlandkreis untergekommen - und ich bezweifle jetzt mal, daß irgendwelche Handwerker mit Volkschulabschluß (um die es sich dabei handelte) da so massiv vom englischen beeinflusst wurden.
Auch wenn ich weiterhin mein geliebtes Komma vorm erw.
Infinitiv mit „zu“ vermisse…
das kannst Du doch nach wie vor setzen:
„Infinitivgruppen, Partizipgruppen, Adjektivgruppen und entsprechende Wortgruppen können durch Kommas abgetrennt werden, um die Gliederung des Ganzsatzes zu verdeutlichen … oder sie als Zusatz oder Nachtrag zu kennzeichnen …“ http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/…
Bei einem
besonders langen Vorfeld vor dem flektierten Verb im
Hauptsatz(,) ist der Bedarf, danach Atem zu holen besonders
groß.
Auch wenn es den gegenwärtigen
Regeln nicht entspricht: Ich halte das Komma in der zweiten
Variante für genauso gerechtfertigt wie in der ersten
Also ich halte die Rechnung 1+1=3 für gerechtfertigt. Entspricht zwar nicht den Regeln, aber drei klingt einfach runder als zwei. Zwei klingt nach meinem Empfinden so zickig, egal was im Mathebuch dazu steht.
(Vorschlag: Versetze das Komma nach „Hauptsatz“ doch einfach an die Stelle nach „holen“. Dann haut’s wieder hin.)